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Dienstag, denk6.-August. I

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1889

Die Fuldaer Rettung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen Biertchährlicher Abonnementsprers ohne Bnngerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Piemug.

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Der beste Freund Deutschlands!

In den nächsten Tagen erscheint Kaiser Franz Joseph von Oesterreich, der beste und aufrichtige Freund Deutschlands, in Berlin. Er wird mit außerordentlichen Ehren empfangen werden, denn cs ist der erste Besuch, den der österreichische Kaiser und apostolische König von Ungarn dem jungen deutschen Kaiser wacht. Und dieser Besuch ist be­sonders bedeutungsvoll im gegenwärtigen Augenblicke.

Di« französische Bourgeoisie hat zwar soeben bei den Generalrathswahlen ganz unzweideutig zu erkennen gegeben, daß sie die Aufrechterhaltung des Friedens wünscht uns Boulanger mißtraut, aber die Bourgeoisie war niemals, selbst nicht zu Zeiten der Regierung Ludwig Philipp», des Bourgeois-König, das treibende Element in Frankreich. In Frankreich, und dies ist das Beun­ruhigende, wird dis Frage der Rsgisrungssocm von dem Revanchegedanken zu stark beeinflußt, diejenige Regierung, welche die meiste Garantie für den glücklichen Ausfall eine» Krieges mit Deutschland zu bieten scheint, hat die meisten Chancen. Jede Dynastie, welche auf den Thron gelangt, muß zunächst den Krieg gegen Deutsch­land führen und glücklich beenden, sonst ist ihre Existenz unmöglich, die Republik ist nur ein Interregnum, eine Art Waffenstillstand zwischen den monarchischen Parteien, die sich gleich stark und gleich schwach fühlen und da» Eintreten günstiger Chmem abwarten müssen.

Jede'Vyrmstie, welche^Krieg mit Deutschland führen will, muß die Freundschaft mit Rußland, wenn möglich die russische Allianz anstreben. Rußland ist zu Allem bereit, da» offizielle wie da» revolutionäre Rußland alliiren sich mit jeder Macht der Welt, wenn sie mit deren Hilfe einen Schlag gegen da» verhaßte Deutschthum führen können. Rußland haßt nicht Deutschland, denn die Intenffen de» deutschen Reicher kollidiren mit denen Rußlands nicht, sondern da» Deutsch- thum, welches dem Slaventhum überlegen ist, welches im Verein mit England und Nordamerika den ganzen orientalischen Handel in seiner Hand hat und durch die wirthschaftliche Abhängigkeit der Ddent» die Ausrichtung des Czarenthum» an den Ufern dc» Bosporus und die Krönung de» weißen Czaren zum Kaiser von Byzanz in der Hagja Sophia hindert.

fnlb a*s Vergangenheit

Etwas über alte Begräbniffstätten.

(1. Fortsetzung.)

Auch findet der Bürgermeister Gangolf Hartung in seiner intereffanten Chronik die vom Jahr 1607 bi» zum Jahr 1666 geht, der Auszeichnung werth, daß man „Anno 1626 ein Hauß uff den Reuwen Kirchhof gebauwet, den Todengräbern darin zu wohnen."

Die Todtengräbern aber waren in jener Zeit allerorts gleich den B.ttelvögten, Schergen, Gaff n- fegern u. s. w. eine Kaste, die nicht besonder» hoch in der allgemeinen Volksachtung stand, da kein freier, ehrend-ffter Mann sich zu solchen ernied­rigenden Ämtern verwenden ließ. Und wenn Malkmu» in feinem „Fuldaer Anekrotenbüchlein" uns von einem Todtengräber erzählt, der im vorigen Jahrhundert bet dcr Doktorpromolion eine» jungen Med'einer» an der Fuldaer Universität in der akademischen Aula zuaegen gewesen sei und nach dem Dekan und den Prof-.fforen den Promcvlrten auch beglückwünscht und „Herr Kollege" genannt habe, ja, daß er sogar dabei die Wocte gesprochen:

„Herr Kollege, Dank sei Euch! Eure Kunst, die macht mich reich;

Ueberall findet das Slaventhm dar Deutschthum auf seinem Wege, in den Ostse-Provinzen im Vor­dringen nach Lithauen zu, in Siebenbürgen im Vor­dringen nach Rumänien in Bulgarien, welche» durch deutsche» Kapital von der Abhängigkeit, in welche es vom „Befreier Czar" gerathen war, befreit wird, indem die Eisenbahnen für Bulgarien» Erzeugnisse natürlichen Weg nach dem Westen eröffnen, in Ostasten, wo da» Deutschthum bereits wie eine breite Mauer stch dem Vordringen Ruß­lands nach Indien entgegenstemmt. Die deutschen Sozialisten, die eigentlich nur interessante, aber abschreckende Beispiele find, bis zu welchen Ver­irrungen die Cons quenzen der kalten wissenschaft­lichen Doctrinen, die Versuchs die soziale Frage auf materialistischem Wege zu lösen, führen können, haben soeben Komödie aufgesührt, daß sie in Paris mit den Kommunard» stch veroündeten, um ad oculos dis Einigkeit des deutschen und französischen Proletariats vorzudsmonstriren. Jsdoch das deutsche „Proletariat" unter der Führung der Herren Bebel und Liebknecht, zweier geistiger Proletarier par excellence, ist nicht das deutsche Volk so wenig wie die Gefährten dc» Bürger Lisbonne da» französische Volk sind. Aber in Moskau wäre selbst eine derartige VerbrüdungS-Farce un­möglich I Denn der russische Nihilismus, obgleich der deutsche Sozialismus seine Säugamms war, haßt das Deutschthum eben so stark, wie die russische Aristokratie.

Man muß alle diese Momente ins Auge fassen, man muß die Einheit der wirthschastlichen Interessen Deutschlands und Oesterreich-Ungarns erwägen, um sofort zu erkennen, daß der einzige, zuverlässige, treueste und beste Freund Deutschland» Oester­reich-Ungarn ist.

Der Besuch de» Kaiser» Franz Joseph in Berlin ist ursprünglich ein Höflichkeitsakt, heute aber, da das Slaventhum sich immer energischer regt, da der Weltkrieg nur noch eine Frage der Zeit ist, da ein frischerer, belebender Hauch durch da» Deutschthum geht, nachdem soeben da» Münchener Turnfest sich zu einer nationalen Manifestation Deutschlands ersten Ranges erhoben hat, ist der Kaiserbesuch in Berlin ein Akt von großer umfassender Bedeutung.

Kaiser Franz Joseph fühlt heute noch' so, wie vor dreißig Jahren, al» er sprach: „Ich bin ein deutscher Fürst", obgleich ihm die bedenklichste

Meine Schippe, Eure Pillen Müssen unfern Kirchhof füllen." — so klingt diese Anekdote doch recht unwahrscheinlich und hat stch wohl nie zugetragen; — mochten immer unsere Vorfahren auch viel Gefallen an einem derben Scherze finden.

Der städtische Friedhof war jedoch nicht die ein- zige Begräbnißstätte für Fulda'» Bürgerschaft der alten Zeit. Viele bestimmten sich noch auf dem Sterbebette den lieben Frauenberg zu ihrem letzten Ruheplätzchen. Auch befand sich am Severikirchlein ein kleiner Todtenhof, „der neue Kirchhoff bei S. Siffiru» oder am Wollwebers­graben" genannt. Auf ihn wurden die Mit­glieder der wohlehrsamen „Wül l w e b er - Z u n ff t", w.lchc» die älteste und vornehmste Handwcrkrr- Genoflenschaft der Stadt war, begraben. Auch alle Kinder angesehener und hochgestellter Eltern wurden dorthin, nach Westen zu, beerdigt. Auf diesem kleinen Kirchhof, wie auch auf dem Plärr- kirchhof befanden sich sogenannte „Bein häuf er" — große Steingebäude, in denen die ber.it» wie­der ausgegrabenen Knoch n aufbewahrt wurden.

Die Schuhmacherzunft besaß ihren deson- deren Begräbnißplatz auf dem Michaelrberg, d- ffen Pcopst dafür eine bestimmte Abgabe an Wach»,

Gattung von deutschem Liberalismus, da» von Fürst Bismarck mit Recht verspottete „H erb st zeit­los enthum", es unmöglich gemacht hat, eine deutsche Regierung in Wien regieren zu lassen, wie in B u d a p est eine magyarische. Der ungarische Liberalismus, der seit zwanzig Jahren in Budapest am Ruder ist, schützt die Religion, der österreichische Liberalismus der Auersperg, Herbst und Giskra hielt es für seine Aufgabe, dis Staatsgewalt in den Dienst der Loge zu stellen, um die Religion zu zerstören. Em deutsche» Regime in Oester­reich ist nur als katholische» denkbar. In dem Augenblick, wo die Deutschen Oesterreich» diese Wahrheit erkennen, schrumpft der Popanz der österreichischen Nationalitätenfrage zu einem lächer­lichen Spuk zusammen, die Herren Rieger, Gregr rc. rc. verschwinden von Dec politischen Bühne wie Spukgestalten.

Wenn doch da» deutsch-österreichische Volk end­lich erkennen wollte, daß um da» völkererlösende Kreuz heute noch wie zu Konstantin» Zeiten die Umschrift glänzt: „In hoc signo vinces!“

Die Kundgebung des Prinzen Ludwig von Bayern will un» wie der Morgenstern erscheinen, der dem Sonnenaufgang vorangeht, vielleicht ver­kündet der Besuch de» Kaiser» Franz Josef in Berlin für Oesterreich-Ungarn Utto für Deutsch­land da» Hereinbrechen der Morgenröthe einer besseren Zukunft.

Deutsches Reich.

Berlin, 5. August.

* Die preußischen Minister und andere hochge­stellte amtliche Persönlichketten offenbaren in diesem Jahre eine ganz besondere Vorliebe für da» „wilde Land" der Schweiz. Jetzt begibt sich auch der Kulturminister von Goßler, der am Mittwoch seinen Urlaub antritt, dorthin.

• Der preußische Gesandte beim Vatikan, Herr von Schlözer hat sich H ute früh nach Vaczin begeben.

* Da» Zustandekommen der von den Vereinig­ten Staaten angeregten internationalen maritimen Konferenz, deren Zusammentritt für den 16. Oktober d. I. in Washington anbe­raum ist, ist gesichert, oa säst alle seefahrenden Staaten die Theilnahme an der Konferenz zugc- sagt haben.

Unschlttt w. dgl. zu beanspruchen hatte. Ebenso wurden die Bewohner der Vorstädte Kellerei Hinter­burg, Tränke, Eichsfeld, Lendersgafle und Leine­webersgraben bis zum Jahre 1712 auf bett Michaelskirchhof zur letzten Ruhe gehracht.

An der Außenwand de» dortigen Kirchleins er­blicken wir heute noch einige alte, verwitterte Grabsteine, die an die ftüheren Verhältnisse er­innern, und das Gedächtnitz ter „gebaren und Wolachtbaren" Hans Gröning t 1568, der Eheleute Velten und Anna Walter, beide gestor­ben 1575 und de» Masters Georg Heß 1663 noch nach Jahrhunderten festhalten.

„Anno 1629 nach Ostern haben", wie die Chronik berichtet, „die manche uff dem fpittal hir zu Fulda die groß ltndten uff dem Michal- Kirchhoff abhauwen lassen."

Erst nach Erbauung der Domkirche wurde der Mrchaelsberg nicht mehr al» Todtenhügcl benutzt, da der Stiftspfarrei nun ihr besonderer Gottes­acker vor dem Pralusthor, den sie auch noch gegen­wärtig besitzt, zugewiesen wurde.

Dieser kleine Friedhof ist im Jahre 1712 ein« geweiht und 1740 mit einer Mauer umgeben wor­den. Im ft berjähiigen Kriege war er einmal am St. Annentage der Schauplatz eines heißen Kampfe»