Montag, den 5. August, F
1889
Filter W 3titiing.
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Deutsches Reich.
Berlin, 3. August.
• Wie bereits mitgetheilt, haben die Nationalliberalen bei der Stichwahl in Halberstadt eine klägliche Niederlage erlitten! In einem Wahlkreise, den die Nationalliberalen seit 1867 behaupteten, find von 33,000 Wählern überhaupt nur 13,000 zur Urne gegangen und haben für die Konservativen 500-600 Stimmen mehr abgegeben, als für die stolze Partei des Herrn v. Bennigsen, die eigentlich stets nur allein des Vaterlandes Wohl verstanden und gehütet hat. Und nun, wo fis so jämmerlich geschlagen, und zwar von ihren eigenen „Freunden", da fallen die Streiche hageldicht .auf sie herab von ihren Gegnern, so weit dieselben den Spott nicht vorzichen und selbst die Tröstungen der Gouvernementalen find — von einiger Bitterkeit nicht frei. Kein Nattonalliberaler wird ganz erbaut sein von dem, was die ,Nordd. Allg. Ztg? oder das ,D. Tagebl.' nebm Mitleidsbezeugungen sagen, und auf freisinniger Seite geht es von den formell ruhigen, aber scharfen Worten der .Vosstschen Zeitung' bis zu den Derbheiten der .Berliner Zlg.', wo es z. B. heißt: „Wir verstehen c«, wenn es den braven Leuten vom Kartell so geht, wie denen vom ehrsamen Pferdehandel, wo immer der eine Theil sich für betrogen hält." Und weiter: „Wenn der Nationalliberalirmus noch fortwirthschaften darf unter der Firma des Kartells, fo muß er cs sich schon gefallen sifsin, daß er im Kartell Prügel bekommt von den Kartell- gevatürn, und daß er außerhalb des Kartell- Prügel bekommt von der Opposition. Jener weife Perser sagte: „Wer lügt, muß Prügel haben." Nun, dcr Nationalliberalirmus ist für Deutschland nicht« Anderes, al» Jgnatiew: der Vater der Lüge." Zwischen zwei Stühlen, fügt die ,Germ.' noch hinzu, fitzen die Nationalliberalrn ganz gründlich! Sic transit gloria mundi!
* Wie verlautet, wird der russische Minister de« Auswärtigen, Herr von Giers, den Zaren auf seiner Reise nach Berlin begleiten.
* Wie aus Straßburg gemeldet wird, ist der Besuch des Kaisers dort bestimmt für den 22. d. M. angesetzt. Außer Straßburg wird der Kaiser noch Zabern und Metz besuchen.
* Breslau, 3. August. Ta» Ehrenpräsidium
äiAiisFildli'sVersailgkuIieit
Etwas über alte Begräbnisstätte«.
Bon Jos. Gr.
An der Todteukaprlle dc» alten städtischen Fried- Hefe» lesen wir auf der Südseite folgende Inschrift:
„Anno 1669 ist diese» Stück der Capellen neu angebauht worden von den beyden Vorsteher de» Rosenkrartz Johan Adam Mott und Johan Wolf des Rathräitsten."
Da seit dieser baulichen Erweiterung nun gerade zweihundert Jahre verflossen find, so gibt dies Veranlaffung uns heute etwa» näher mit der Geschichte der Fuldaer Begräbnißfiätten zu be- schäfeigen.
Die älteste Kirchhofsanlage, welche Fulda besaß, befand sich bekanntlich nördlich vom Kloster auf dem Michaels berge. Durch lange Jahrhunderts fanden dort St. Bem di si's frommen Söhne ihre letzte Ruhestätte, bis zu Anfang des vorigen Jahr- Hundei t», nach Erbauung der Stiftskirche, dem ursprünglich zum Kapitel«Haus auserfehenen nördlichen Flügelbau die Bestimmung als Grabkapelle der Mönche gegeben wurde. Ja der jetzigen Ma» rienkapelle unseres Domes wurden ste vom 2. November des Jahres 1712 an bi» zur Säkularisation beigcsitzt.
für den am 11., 12. und 13. August in hiesiger Stadt abzuhaltenden XIII. Kongreß katholischer kaufmännischer Kongregationen und katholischer kaufmännischer Vereine hat Herr Reich»tagrabgcordneter und Rittmeister a. D. Graf Franz Ballestrem auf Schloß Plankowitz freundlichst übernommen. Da» Programm für den Kongreß ist wie folgt festgesetzt: Am Vorabends 8 Uhr: Begrüßung der Gäste im St. Vn cenzhause, Sonntag 8 Uhr: Feierliche» Hochamt mit Festpredigt in der St. Vincenzkirche. Morgen» 11 Uhr: Berathung der Delegirten im St. Vir.cenz- hause. Nachmittag» 3 Uhr: Fest.sien. Um 4*/a Uhr: Besichtigung derSchenSwürdigküten Breslaus für dis Delegirten eventuell Fortsetzung der Berathung. Abens 7 Uhr: Feflversammlung. Montag, Morgens 8 Uhr: Feierliches Seelenamt für die verstorbenen Verbandsmitglieder in der Kirche zu St. Ma.ia auf dem Sands. Morgens 10 Uhr: Forts, tzung der Berathungen. Für die Nichtdele- girten Frühschoppen im Löwenbräu bezw. im Garten des Münchener Bürgerbräu. Nachmittags 2 Uhr: Abfahrt nach Scherting daselbst 3 Uhr Festessen. Abends 7 Uhr: Gartenfe^ mit darauf folgendem Tanze. Dienstag: Gemeinschaftlicher Ausflug nach Fürstenstein.
♦ Die Konferenz in München wegen dö» Blitz zuges nach Rom hatte das Ergebniß, daß nur der Schnellzug Berlin—München und umgekehrt um fünfviertel Stunden beschleunigt werden soll Die Oesterreicher und Italiener wehrten sich gegen den Blitzzug und versprachen eine bessere Verbindung zwischen Italien und München. — Die Münchener Polizeidirektton hat die heute Abend beabsichtigte Arbeiterversammlung behufs Berichterstattung de» Delegirten zum Pariser Sozialistenkongreß, von Vollmar, verboten.
Ausland.
* Ein im Haag eingelaufene» Telegramm meldet, daß Atchinesen auf» Neue eine holländische Koloniallnippe angegriffen hätten. Letztere hatten 12 Todte und 22 Verwundete.
* Die französische Regierung sitzt die Purifika- tioit der Beamtenwelt und der Armee von bou- langistischen Elementen fort. Neuerding» wurd n mehrere Bürgermeister abgesitzt, welche Beleidigung gegen die Regierung enthaltende Proklamationen mit
Die Laien dagegegen, welche sich in den frühsten Zeiten al» Hörige de» Klosters um da» letz« tere angesiedelt hatten, wurden auf den Frauenberg bestattet, wo Abt Rat gar ein mit weltlichen Chorherren besitztes Kollegiatstift gegründet hatte. Diesen war die Seelsorge für die außerhalb der Klostermauern lebenden Ansiedlern übertragen worden und ihre der heiligen Jungfrau geweihte Kirche war Fulda'» erste Pfarrkirche; hinter derselben aber befand sich ein kleiner Friedhof, wohin die Bewohner Fulda'» ihre Tobten brachten.
Im Jahre 1049 wurden die Kanoniker, denen die Seelsorge der Pfarrei Fulda oblag, von Abt Egbert (1048—1058) ausgewiesen, da sie an- fingen, ihre Pflicht zu vernachlässigen und überhaupt durch ein wenig würdige« Leben Anstoß erregten. Der gelehrte und originelle Franizrkaner P. Polykarp Schmitt, der im ersten Viertel untere» Jahrhundert» Prof,ffor am hiesigen Lyceum war (alte Fuldaer werden sich wohl noch seiner erinnern) nennt einen solchen Kanoniker „einen Roman im Einbande eine» Brevier»!" —
Nach der Vertreibung der Kanoniker wurde der Frauenberg mit Konmntualen dc« Benevekriner- orden« besitzt, welche ihn bi« zu feiner Zerstörung im Bauernkriege (1525) bewohnten. Wie auf
unterzeichnet haben. Die zwangsweise Pensionirung des Generals Forgemamol wird dagegen dementirt.
* Einer Meldung der .Times' zufolge wäre Bulgarien wegen der Haltung Serbien» beunruhigt und hätte Truppen an die Grenze geschickt. Es würde da» schlecht mit den jüngst ausgetauschten Versicherungen beider Regierungen har- moviren.
* König Al,-ander von Serbien trifft mit seiner Mutter, der Königin Natalie, in Preßburg zusammen und begibt sich sodann von Wien au» mit seinem Vater, dem Könige Milan, nach Pari».
• Die in Aalborg eingeschleppte Pockenepidemie, hat eine solche Ausdehnung gewonnen, daß sich die dortige Polizei veranlaßt gesehen hat, alle Konzerte und Theatervorstellungen, sowie alle Versammlungen zu verbieten.
* Die auf Kreta befindlichen deutschen Staatsangehörigen sind anläßlich der auf der Insel herrschenden Unruhen unter den Schutz dein die kretenfischen Gewässer gesandten Kriegsschiffe» gestellt worden.
tA Der Monat August.
Das schlechte Wetter im Juli hat mir sozusagen zur Genugthuung gereicht. Dem Juli habe ich schon längst mein Mißtrauen gewidmet und ausgesprochen; er rechtfertigt e» Jahr für Jahr. Daß trotz aller trüben Erfahrungen der Juli der bevorzugte Bade« und Reifemonat ist, hat eine komische, aber auch eine traurige Seite. L tzteres in Bezug auf die Kinder, welche man bei der neumodischen Ferienordnung gerade zur unpassend- fielt Zeit in Freiheit sitzt. Unter der Weisheit der Schulbeherrscher müssen nun vielfach alle Famllienmttglieder, vom Säugling bi» zur Großmutter mit leiden. Denn da» ganze Hauswesen steht unter der Fuchtel des Schulzwanges; an Gesundheit-- oder Vergnügungsreisen ist nicht eher und nicht später zu denken, als für die Schul« sericuzeit. So strömt denn Alle» aus einmal im Juli zusammen, es gibt die höchsten Preise, da» schechteste Unterkommen und miserable» Wetter dazu.
Dem August bringe ich weit mehr Vertrauen und Liebe entgegen, al» seinem Vorgänger. Nur seine Name gefällt mir nicht, ebensowenig wie der Name Juli. Diese beiden Monatsnamen find —
dem Petersberge und in den anderen Bergklöstern so war auch hier den rasenden Bauern die Ruhe der Tobten nicht heilig: voll ärgsten Frevels rissen sie die Gräber auf und streuten die Gebeine umher. Und viele, viele Verstorbene waren im Lause der Zeit dorthin gebettet worden; selbst al» Fulda bereit» zur Stadt erhoben worden war und einen eigenen Kirchhof innerhalb feiner Mauern besaß, da wählten sich doch gar viele Bewohner noch diese ihnen so liebe Höhe zur letzten Schlummer- stätte. Besonder» die Frauen der adeligen Ministerialen de» Stifte» sollen eine große Vorliebe für diese Begräbnißstätte gehabt haben.
E» wird angenommen, daß neben dem Mönchskloster hier eine Zeit lang auch ein Frauenkloster bestanden habe, welches al« Ho'piz diente für die zum Grabe de« hl. Bonifatius wallfahrenden Pilgerinnen, denen die Klausur im Benediktinerkloster eins gastliche Aufnahme versagte. So ist uns urkundlich überliefert, daß sich Bertherada, dis Wittwe Christian'- von Goldbach, nach ihres Manne-Tode fchlciern li>ß und zu Gunsten -es Frauenberges ein bedeutendes Verwächtn'ß listete, mit der Bedingung, daß es ihr vergönnt ei, dort zu leben, zu sterben und begraben zu werben. Und Berngoz von Spät fchenkis um'» Jahr 1130 dem Kloster Frauenberg da»