Prinzen wird da» Lutz',che System ein für alle Mal beseitigt sein." Die liberale Presse ist davon natürlich unang-nehm berührt und erhebt Widerspruch. Darauf antwortet Dc. Ratzinger neuerdings:
Es ist charakteristisch, wie empfindlich die liberale und freisinnige Preffe ist, sobald eS sich um Herrn v. Lutz handelt. Wir gönne« dem Liberalismus von ganzem Herzen, daß er sich in der Gunst des Ministers sonnt. Aber so wenig ein Montgelas unter Ludwig I. möglich gewesen wäre, so wenig wird ein Ministerium Lutz unter Lugwig in. denkbar. Die Größe der Gesichtspunkte eines solchen Monarchen verträgt sich unmöglich mit dem kleinlichen, pedantischen Bureaukratenthum, welches kein anderes Ideal kennt, als sich immer am Ruder zu erhalten. WaS hat daS Kulusministerium für die Kunststadt Ludwigs I., fiir München, gethan, seit Herr von Lutz regierte? Die Antwort gab der selige Abgeordnete Schel s, als er vor einigen Jahren in einer geharnischten Rede darauf hin» wies, daß das herrschende Regime alle Kunstschöpfungen des großen Monarchen der Verwahrlosung preisgab. Die Faxade des Hoftheaters, die Außenseiten der beiden Pinakotheken glichen wahren Ruinen. Herr v. Lutz schaukelte sich unterdeffen sanft im Ministerstuhle. Zur Hebung der Wissenschaft würben die Mittelmäßigkeiten aus aller Herren Länder zusammengesucht, damit nur ja der trivialste Liberalismus an den höheren Lehranstalten die privilegirte Herrschaft behaupten kann. Ein solches Kultusregime mag nach dem Herzen der liberalen Zeitungsorgane sein, ein Prinz aber, welchem selbst seine Gegner den „edlen patriotischen Sinn und die Kunstbegeisterung" Ludwig I. nachrühmen müssen, wird sich niemals damit befreunden.
Das weiß Niemand besser, als Herr von Lutz selbst. Seit Jahren ließ er allüberallhin verbreiten, daß mit der allenfallsigen Thronbesteigung des Prinzen Ludwig seine Ministerthättgkeit beendet sei. Die religiöse Ueberzeugung und die kirchliche Richtung des Prinzen wurden in Stimmen, welche von den Ministerialbureaux aus ihre Belehrung zu empfangen pflegen, in gehässigster Weise besprochen, ja unmittelbar nach der Königskataflrophe wurde sogar von bedenklichen Wendungen gesprochen, sobald Prinz Ludwig zum Thron berufen werde. Das Organ, welches zur Mittheilung ministerieller Anschauungen benutzt zu werden pflegt, die ,Augsb. Abend,tg.', wird sich ihrer merkwürdigen diesbezüglichen Artikel wohl noch zu erinnern wissen. Soeben leihen liberale Berliner Organe noch dem „Verdachte" (!) Worte, Prinz Ludwig „sei ein dienstwilliger Freund der Jesuitten". Dieser „Verdacht" wurde gerade in Ministerialbureaux am meisten verbreitet, ja man scheute sich nicht, dm Prinzen als „Gegner der nationalen Entwickelung" im geheimen Flüstertöne zu denunciren, wobei man als selbstverständlich voraussetzte, daß das hin- geworfeue Wort rasch ben Weg in die Oeffentlichkeit finden werde. Und doch war der Prinz, so gut wie König Ludwig L von jeher ein besserer deutscher Patriot als seine Denuncianten. Und all' diese Gehässigkeiten entsprangen nur der Furcht, Prinz Ludwig konnte als künftiger König dem geschäftigen Treiben der Loge ein Ende bereiten.
Seit Max ll. hat die Loge in den höheren Regionen sich eingenistet, unter dem Stillleben Ludwigs II. hat sie ihre Anhänger in die einflußreichsten Stellungen gebracht und genießt unter dem Deckmantel des Geheimnisses das Privilegium, mit unsichtbaren Händen die Zügel führen zu können I Di« Sogenorgane sprechen darum bald in drohendem, bald in einschmeichelndem Tone von dem Prinzen Ludwig, welcher sich ebenso wie Kaiser Wilhelm II. unzugänglich erwiesen hat! Die omnipotente Bureaukratie, wie die Sogen lieben es, sich über bie Monarchen zu stellen. Deßhalb sind Soge und Bureaukratie immer Verbündete, wenn es sich darum
jähen Fall au» der Höhe ertragen wird. Der Arzt fürchtet für seinen Verstand."
Ja, Frau Klewe» konnte schweigen. Aber jubelnd schloß fie später Wieschen in die Arme, al» fis ihr das Urtheil des Arztes kund gab, das fle von jeglichem bösen Verdachte freisprach. Wieschen konnte stch jedoch gar nicht beruhigen und zerbrach sich fortwährend den Kopf darüber, wie wohl da« Kind in ihr Bett gekommen sei.
„Wer weiß," rief die Alte, ste tröstend, „Luzie konnte den Jungen nie ausstehen —"
„O, bitte, kein Wort mehr," nnterbrach Wieschen sie ganz entrüstet. „Das weiß ich besser, Luzie that nur so, ste hat ein rechtschaffener, gute« H:rz, nur ihr leidiger Stolz hat ihr bösen Leumund gebracht, aber fie würde nie lägen.“
„Nein!" klang plötzlich eine Stimme hinter ihnen, „aber Luzie war feig, jetzt ist ste gekommen, um Alles zu gestehen."
Ja, Luzie stand hinter ihnen. Niemand hatte in der Dämmerung des Abends ihren Eintritt bemerkt. Sie trat auf Wieschen zu und reichte ihr die Hand hin; ihr Gestcht war bleich, in ihren Augen schimmerten Thränen.
„Vergib mir, gutes Kind, denn ich habe Dir unsühnbares Leid zugefügt. Gott war mir gnädig, sonst hätte ich Deinen Tod auf meinem Gewissen. Jetzt aber bleibt mir Zeit zur Baße, und ich will ste benutzen, denn ohne Sühne finde ich den inneren Frieden nicht wieder. Sie sank auf den Stuhl hin und nach einer Welle erzählte fie reumüthig, ohne stch zu entschuldigen, wie Alle« zusammenhing,
handelt, ben Monarchen gegen über ihren Willen durchzu- setzen. Trotz aller solcher Manöver wirb es boch nicht gelingen, bas Ministerium Lutz auch dem Prinzen Ludwig aufzuoktroire«, wenn biefer berufen sein sollte, Bayern's Thron zu besteigml
• Kaiser Franz Joseph wird auf seiner Reise nach Berlin definitiv von dem Erzherzog Franz F.idinand begleitet werden. Da« Programm für die Festlichkeiten zu Ehren de» Kaiser» von Oesterreich lautet: 12. August:»Ankunft 5 Uhr Nachmittags. 7 Uhr Familientafel, 81/, Uhr Zapfenstreich aller Garde-Mufikkorp» vor dem Schlosse. Am 13.: Früh 9 Uhr Parade, Früh, stück, Fahrt nach Charlottenburg, Besuch de« Mausoleums und der Grabstätte de« Kaisers Wilhelm. 6 Uhr Galatafsl. Am 14.: Morgen« G.< fechtsexerziren bei Spandau; 2 Uhr Rückkehr nach Berlin, Frühstück; 4 Uhr Fahrt nach Potsdam, Besuch der Friedenskirche und der Grabstätte de» Kaiser» Friedrich; 6 Uhr Tafel in Babelsberg bei der Kaiserin Augusta. Am 15: Kirchgang, Exerzieren des Kaiser Franz-Regiments nach dem neuen Reglement, Frühstück der beiden Majestäten im Regimentskastno.
* Der Kaiser ist, wie au» London gemeldet wird, heute Nachmittag am L uchtthurm eingetroffen und vom Prinzen und der Pcinzesfin Wale« nebst deren Kindern an Bord der Pacht „Orborne" begrüßt worden» Der Kaiser begab sich in Be- glettung de« Prinzen von Wale« durch ein von Truppen gebildete» Spalier zu Waaen nach Schloß Orborne, wo die Königin den Enkel auf den Stufen de» Hautportale» de» Schlosse« erwartete. Am Montag Abend wird ein Banket zu Ehren Kaiser Wilhelm» in Orborne stattfinden und am Dienstag wird der Prinz von Wale» dem deutschen Geschwader in der Bucht von Cowe» einen Be- such abstatten. — Auf der Fahrt von Wilhelms- Haven nach Dover evolutionirte die deutsche Flotte unter den Augen dc« Kaiser». Er wurden einzelne Angriffrformationen, sowie Wendungen und Schwenkungen zur vollsten Zufriedenheit de» ober- ft en Kriegsherrn aufgesührt. In Dover wechselte Aviso „Greif" die Post aus und nahm den kaiserlichen Botschafter Grafen Hatzfeldt sowie die Mi- litärattachs» Admiral Schröder und Kapitän Hasen- clever an Bord, um letztere nach dem „Hohen- zollern" zu überführen.
* Die französische Kommission zur Ueberführung der Gebeine Latour d'Äuvergne's hat heute München mit den sterblichen Ueberresten des „ersten Grenadier» von Frankreich" verlassen und stch nach Paris begeben, wo dieselben im Pantheon beigesetzt werden. In Neuburg sowohl wie in München wurden dem zu Ueberführenden die militärischen Ehren eines Brigadegenerals zu Theik.
• Halberstadt, 2. Aug. In der Stichwahl wurde John (kons.) mit mehr als 600 Stimmen Majorität gegen Weber (nationall.) gewählt.
wie Alle» gekommen war. „O, der Tod," schloß fie, „ist ein strenger, heilsamer Mahner und da» Unglück unter Umständen oft unser bester Freund. Denn wer weiß, wohin der Hochmuth meine Seele geführt hätte. Seitdem ich die leere Schmeichelei der eigennützigen Welt als elenden Trug erkannt habe, ^sehe ich den Weg vor mir, den ich fortan gehen muß. Die gute Mutter ist im Himmel; ieitdem trieb es mich aus dem Hause fort, denn jede» gedankenlose Wort im Munde oberflächlicher Menschen ist ein Natternbiß für mich. Nur in Deinem Herzen, Louise, möchte ich ein Plätzchen behalten, Du hast Dich bewährt, wie lauteres Gold im Feuerofen; Dich wird auch dar Glück nicht übermüthig und thöricht erscheinen lassen."
Plötzlich brach ste in ein heftige» Schluchzen au«, denn ihrem Impulse folgend, hatte Wieschen beide Arme um Luzien's Nacken geschlungen.
Die Thränen der Beiden mischten stch.
„Ich habe Dich immer geliebt, Luzie," ort« sicherte Wieschen, „und wenn auch meine gute Herrin,todt ist, so will ich Dir fortan mit Freuden dienen —"
„Dienen, Du mir? O, kleine Unschuld!" lächelte Luzie; doch ste schwieg, denn Frau Klewe» winkte ihr mit den Augen.
Drei Tage später bewegte sich ein langer Leichenzug nach dem dörflichen Friedhöfe hinaus. Die Schulzin, ihr Kindlein im Arm, wurde zur letzten Ruhe gebettet
Allerlei böse Gerüchte schwirrten gleich Mücken« schwärmen in der Luft; zum Glück erhielt man
Ausland.
* Wien, 2. August. Dec päpstliche Nuntiu» Galimberti wird im kommenden Monate mit Bischof Stroßmayr von Diacovar eine Zusammenkunft haben und bei der am 14. September stattfindenden Einweihung der neuen Kathedrale in Serajewo zugegen sein. — Auch die österreichischen Minoritenklöfier sollen einer Reform unterzogen werden durch striktere Durchführung der alten Regel. Der Ordensgeneral ist zu die- fern Behufe aus Rom nach Graz gekommen und bereist die Klöster, von denen stch in Cisleitha- nien 25 befinden, nämlich zu Brünn, Jglau, Krumau, Prag, Brüx, P-ttau in der Steiermark, Jäzerndorf, Tcoppau, Graz, Prand in Jirien, Cherso im Göczischen, in Aipern, Nmnkirchen, Wien, dann Krakau, Horiniec Halicz, Lemberg, Przemyrl, Sanok, Kcorno in Galizien, dann in Sebenico, Spalato und Zara in Dalmatien. Da« Noviziat der Wiener Provinz soll von Graz nach Wien verlegt werden. —‘ Im Unterrichtsministerium sollen zur Zeit neue Gesetzentwürfe betreff» der Volksschule ausgearbeitet werden. Ob sich etwa die konfeffionelle Schule darunter befindet? Von hoher Stelle liegt allerdings ein diesbezüglicher Wunsch vor. — Liberale Organe, welche in den letzten Wochen stch die Zeit damit vertrieben, daß ste in sehr bedenklicher Weise mt der Irre- denta kokettirten, haben auch die Rede des bayerischen Prinzen Ludwig beim Turnerfeste in München dahin fruktifiziert, als ob dieselbe eine Billigung der deutschliberalen Opposition und ihrer nationalen Aspirationen entziehe. Diese Blätter sündigen wohl auf die Gedankenlosigkeit ihrer Leser, denn würden dieselben die Rede genauer durchlesen, dann müßten sie sehen, daß dieser von den wärmsten Sym« pathieen für Oesterreich und dessen Dynastie erfüllte Prinz gerade den Deutschen inOesterceich die Treue gegen ihr angestammter Kaiserhaus so warm betont und die großen Verdienste der Habsburger um die Abwehr auswärtiger Feinde Deutschland» in Erinnerung gebracht hat. Diese schöne und den Oesterreichern gleichviel wessen Stamme» sehr sympathische Rede läßt stch am allerwenigsten für einseitige deutschliberale Zwecke fruktifiziren.
* Das angekündigte Manifest Boulangers an feine Wähler ist erschienen. Ec sagt darin, wenn auch sein Erfolg 6et den Generalrathswahlen kein vollständiger gewesen sei, so sehe er doch mit vollem Vertrauen dem Resultate dec Deputaten- wählen entgegen. Na, na! Vollständig war der Erfolg Boulanger» bei den Generalrathrwahlen allerdings nicht, desto vollständiger war aber die Niederlage.
* Der König von Griechenland hat während seine» Aufenthalt» in Pari» u. A. auch beiläufig die Kretenser Ereignisse erwähnt und hinzugefügt, daß Griechenland der Bewegung auf Kreta vollständig fern stehe.
die Misston, welche die Gemüther nach anderer Richtung hin beschäftigte. Luzie war eine eifrige Kirchengängerin geworden. Wieschen aber verweilte weder auf dem Schulzenhoie noch bei der Frau Kiews», sondern im Pfarrhause, wo ste stch in allen häuslichen Fächern weiter ausbilden sollte. Niemand betrat jetzt fleißiger den Pfarrhof al» Karl von Detten.
Bald tauchte ein unheimliche» Gerächt auf, das stch mit einer Katastrophe auf Lahnbeck beschäftigte. Er hieß bann, der Schulze wäre wahnstnnig geworden; er wurde einer Irrenanstalt äbergeben. Kurz darauf trat Luzie ihren selbstgewählten Beruf als Krankenpflegerin an; ste verließ die Hei« math für immer, obgleich Wieschen stch beständig weigerte, ihr rechtmäßiges Erbe anzutreten.
Der alte Schulze Detten wurde ihr Vormund, der nun alsbald den Kapellenbau in Angriff nahm und nebenbei noch ein neue», prächtige« Schulhau» erstehen ließ, al« Sühne, daß mit dem gelobten Kirchenbau auf Lahnbeck gezögert worden fei.
Al« aber nach Jahr und Tag Wieschen Egger« mit Karl von Detten an den Altar trat, da war alle Welt mit dem Wechsel der Herrschaft aus Lahnbeck zufrieden. Die Hochzeit wurde jedoch ta aller Stille gefeiert, denn acht Tage vorher war der frühere Schulze Lahnbeck au» der Anstalt entlassen worden und auf seine alte Besttzung heim- gekehrt. Er ist ein Mer, frommer Mann geworden und wird von Karl und Wieschen geehrt wie ein Vater.