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* Neuburg a. D., 29. Juli. Die Abtragung u . «w w ' ____—. _ kau

♦ Frankreichs neue Heerordnung wurde dieser Tage von der Nationalversammlung beschlossen. Das Wichtigste aus dem Gsstz ist die Herabsetzung der aktiven Dienstpflicht der Mehrzahl der Wehrpflichtigen auf drer Jahre, einer bestimmten Minderheit (Unabkömmliche , gc- wisse Studirende und Religionsdiener, weite Por­tion) auf ein Jahr, unter Steigerung der Ge- sammt-Dienstpflicht um 5 Jahre (3 aktiv, 6 /, Reserve, 6 Territorialarmee oder Landwehr, 9 /, Reserve der Territorialarmee oder Landsturm). Streng genommen find alle zu dre jähtixer Dren fi­nit verpflichtet, es tritt nur bei den aufgeführten Kategorien ein vorzeitiger Uebertritt in das Dir» ponibilitäts-Verhältniß des aktiven Herres ein, was sakrisch eine herabgesetzte Dienstzeit bedeutet. Grundsätzlich Befreite gibt es nicht mehr, ebenso fällt das Institut der Einjährig - Freiwil­ligen, soweit die Berechtigung durch Ablegung einer Prüfung erlangt werden konnte, gänzlich weg. Den Ersetz bildet die vorzeitige Entlassung der Studirenden, wie der Religionsdiener. Be­kanntlich wird in keinem Staate die gesetzliche Dienstzeit völlig und für Alle inne gehalten. Die gewöhnlichste Abweichung bildet die verspätete Em- stellung der Rekruten und die vorzeitige Entlassung der Reservisten, ferner die Beurlaubung zur Dis- pofition de« aktiven Herres. In dieser Hinsicht wird die Verminderung der Dienstzeit von 5 auf 3 Jahre den Werth des französischen Heeres wesentlich herabsetzen. Dagegen wird der Kriegsstand de» Heere« an geschulten Soldaten im Laufe der Jahre einen wesentlichen Zuwachs erfahren. Für die übrigen Großmächte liegt also keine Veranlassung vor, mit Rücksicht auf das neue Gesetz in Frankreich etwa ihre Kriegsmacht zu verstärken.

Die Republikaner rühmen, daß da« neue Gesetz dem Lande eine Million Soldaten mehr verschafft. Eine Million guter Soldaten ist mehr werth als zwei Millionen Rekruten, erwidert hierauf der General Montaudon. Bei der neuen Wehr-Orb- nung werden die Feldtruppen mindestens zu zwei Dritteln aus Einberufenen und solchen bestehen, die nur ein Jahr gedient haben. Denn trotz drei­jähriger Dienstzeit, gehören zehn Jahrgänge den Feldtruppen an. Daß die Mobilmachung dadurch auch sehr erschwert wird, ist selbstverständlich, da man fich nicht dazu aufschwingen konnte, den

Regimentern eigene abgeschlossene Aushebebezirke anzuweisen. Die ersten zehn Jahre gehört der Franzose dem Feldheer, die zehn folgenden dem ersten und die drei letzten zehn Jahre dem zweiten Aufgebote der Landwehr an. Mit Recht sagte Bischof Frcppel: das Gesetz ist auf die Wahlen berechnet. Stellt dasselbe doch den Schützlingen, den Wahltreibern der herrschenden Parteien die weit-flachenden Erleichterungen und völlige Befreiung vom W.hrdienst in Aurficht. Frcpp.l fragte auch, woher man die Unterosfijiere hernehmen wolle, wenn die besten Soldaten nach einjährigem Dienst Herrn- geschickt werden. Schen seit Jahren besteht ein

einstellten. t ,

Das Deutsche Reich hat der veränderten Sach­lage bereits durch da« Septennatsgesrtz von 1887, sowie durch die veränderten Bestimmungen über Landwehr, Landsturm und Ersatzreserve in der neuen Wchrordmmg (Änderungen der Wehrpflicht durch Gefitz vom 11. Februar 1888) Rechnung getragen.

• Der Kaiser hat heute früh an Bord der Dacht „Hohenzollern" die Reise nach England angetreten. Die Kaiserin ist heute Morgen von Wilhelmshaven nach Wilhelmshöhe bei Cassel abgereist. Die Rückkehr der beiden Majestäten nach Berlin dürfte am 11. August erfolgen, um am nächstfolgenden Tage den Kaiser Franz Joseph von Oesterreich bei seiner Ankunft zu begrüßen.

♦ Der preußische Gesandte beim Vatikan, Herr von Schlözer, ist hier eingetroffen und begibt sich zum Reichskanzler nach Varzin.

* Aus Sansibar wird gemeldet, deß die Straße von der Küste nach Mwoywa von den Insurgenten blockirt ist.

* Görlitz, 30. Juli. In Folge anhaltender Regengüsse sind Neiße, Zacken und Bober stellen- weise aus den Ufern getreten und haben dieNredc- rungen überfluthet. Man befürchtet eine Wieder­kehr der Katastrophe vom vorigen 3. August.

* Das dankenswerthe Beispiel welches Augs­burger Firmen in Bezug auf eine Verkürz­ung der Arbeitszeit gegeben haben, hat in Württemberg Nachahmung gefunden. Zwei große dortige Textilfabriken haben sich dazu entschlossen, die eifstünvige Arbeitszeit statt der bisherigen »wölfstündigen einzuführen und den Akkordlohn m dem Maße zu erhöhen, daß der Verdienst der Arbeiter durch diese Verkürzung der A'beitszeit

folgte heute unter Anwohnung des k. Regierungs­präsidenten von Schwaben und Neuburg, Herrn v. Kopp, des k. Kceisbaurathe« Maxon, des k. Bezirksamtmanns Weber, de« k. Bezerksarztes Dr. Lauber und des katholischen Pfarrers Strehle, sowie der aus vier Mitgliedern bestehenden fran­zösischen Kommission, darunter der französische Gesandte am bayerischen Hose, Herr Barere, Kanzler Troyre, der Präfekt de« S)out>6bep<tttce mÄ Glau? vieler Mitglieder des historischen Vereins und eine» zahlreichen Publikums. Nach­dem in ll/Mndiger Arbeit das Monument ab- getragen war, wurde von den tm Grabe befind- lichen Gerippen dasjenige, welche als da» Latour» konstatirt wurde, gehoben und wurden die Gebeine,

Deutsches Reich.

BerMn, 31.ZJuli.M

weil denselben die versprochene Civilversorgung nur selten zu Theil wird; denn die Abgeord­neten schnappm die den Unteroffizieren bestimmten Stellen für ihre Wahltreiber weg. Deßhalb müßte ein Gesetz besondern Ruhesold für alte Unteroffiziere in Aussicht stellen.

Bei der Berathung des Wehrgesetzes gab es in der Kammer eine erregte Szene. Bischof Freppel rückte nämlich dem neuen Ges.tz, welches that- sächlich die Quantität der Armee auf Kosten >er Qualität fördert, sehr scharf zu Leibe und bemerkte: „Mit der Armee, wie sie sich nach Ihrem Plane gestaltet, gehen Sie sicheren Niederlagen entgegen!" Darob großer Lärm, Lockroy rief dem Redner zu, es Jet „eine Schande, Niederlagen vorauszusagen", der Prä­sident sprach sein Bedauern über die „schweren , ---- -- - • ... .

Worte Freppsis au», der Kriegsminister Frey- keine Schmälerung «fährt. Die Abtragung EEüxESä I heißt, versicherte in bombastischen Redewendungen, daß da» Vaterland seine Vertheidigung zu sichern wissen werde u. s. w. Mit Recht erinnert die monarchistische Presse daran, daß im Jahre 1870 sich ein ähnlicher Sturm gegen Thiers, d. h. den richtigen Thiers erhob, al» er zur Warnung die Niederlagen prophezeite, die nur zu schnell sich

Klein-Wieschen.

Novelle von I. v. Dirkink.

(14. Fortsetzung.)

Wie immer hatte die Magd Wieschen geweckt und zugleich einen Blick in die Wiege geworfen. Sie war leer und Lisbeth schaute fich nach dem Kleinen um, den fte an Wieschen» Seite gebettet fand. Aber, du lieber Himmel! Wer beschreibt ihr Entsetzen, al» ste in die wachsoleichen Züge und verglasten Augen de» Kindes starrte. Ohne Wieschen, die schwer erwachte, völlig zu wecken, um ste mit der schrecklichen Thatsache bekannt zu machen, schlug fie Lärm, stürzte zum Schulzen hin und erzählte ihm, was geschehen war. Die Aufregung des Schu'zen war grenzenlos. Und da er es vergaß, der Magd Schweigen und Ruhe zu gebieten, verbreitete fich da» kö,e Gerücht bald durch'» ganze Hau». Es schlich durch d,e Thür- spalten zur Schulzin hinauf, daß Klein-Wieschen den Erben als Leiche neben fich rm Bette liegen habe. Aber war die Frau bereit» zu krank, oder war ihre Ergebung ein Ausdruck strller Verzwess- lung, fie faltete ihre Hände und sagte nichts al»: „Der Herr hat es gegeben, der Herr hat e» ge­

nommen," nnd dann fiel sie von einer Ohnmacht in die andere. Ein Theil de» weiblichen Gesinde» war um die Schulzin beschäftigt; der andere gröbere Theil fand sich, Maulaffen feil haltend, auf dem Schauplatz der schwarzen That ein. Denn schien e» nicht sonnenklar, daß da» Kind im Bette erstickt worden war?

Kaum war Wieschen durch das Getöse und den lärmenden Ueberfall in ihrer Kammer zur Er- kenntniß ihrer Lage gekommen, als sie einen so entsetzlichen Schrei aurstieß, daß es allen Anwesen­den durch Mark und Bein ging. Sie umschlang wie eine Wahnsinnige die kleine Leiche und schwur hoch und theuer, daß fie das^rind nicht au« der Wiege genommen habe.

Aber der Schulze bedurfte nur ihrer Anblickes, um sich wie ein gereizter Tiger auf fie zu stürzen. Biau vor Wuth krallte er seine Finger, als wären fie Geierklauen, um ihren Hals und er hätte fie unfehlbar erwürgt, wenn nicht der Großknecht rhn am Kragen gepackt und fortgeschleudert hätte. „Nun ist'« genug! Ihr mordet das Mädchen, I sollst Du tral-pMirt werden I"

schämt Euch!" herrschte der Knecht Auge m Aug „en ?'g J schüttelte drohend die Faust. ÄÄÄ Ä-V'J1Ä1 zS Äw« «’f* ►

rein wie von Sinnen war. „Noch ist nicht« er- wiesen," rief er; „ist st- schuldig, gehört.fie vor'» öffentliche Gericht. Beherrschen müßt Ihr Euch, da hilft nicht«! Ihr habt kein Recht, Gott bewahre, kein Recht über Leben und Tod ein » Menschen, und ist er auch nur ein Dienstkote! Macht Euch nicht selber unglücklich!

Ohnmächtig und erschöpft von der Mßhand- lung de« Schulzen, an allen Gliedern zitternd, lehnte Wieschen do. Kaum hatte fi^die Wortt Gericht, Gefängniß, die wie im Wettesser beständig um sie herum geflüstert wurden, aufgefangen, al» sie mit wirren Ausrufen jäh vom Stuhle empor­sprang. Gefängniß? O Gott, nein, diese Schmach war unerträglich; jetzt blieb ihr nicht» mehr übrig al» ein Sprung in» Wasser. An der Klewer ihren Garten stieß ein tiefer Weiher, da» war ihr ein­ziger Rettungshafen. Also fort, fort von hle^ o schnell al» möglich! W'e ein gescheuchte« Wild ^^Lausi°Du nur^tch Hetze Dir die zweibeinigen Bluthunde auf den Fersen nach. In Essen und

Die.Fuldaer Zeitung'erscheint tagtichn^unefÄ Mark 50 Tjtunifl.

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