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1889

Dienstag, den 30. Juli.

Zeitung

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geflaggt hatte, während der deutsche MUitärattachv Major von Funke sich an der Sitzung und dem Bankett al« Ehrengast beteiligte.

• Der deutsche Reichrkommtfsrr in Ostafrrka, Hauptmann Wißmann hat eine Belohnung von 2000 Rupien auf den Äopf Buschiri« ausgesetzt.

• Nach dem „Siegt. Anz." erhält die Wittwe eines am 30. November v. I. verunglückten Maurers nebst ihren beiden Kindern eine jähr­liche Rente von 631,80 Mk. Die Preuß. Lehrer­zeitung sagt dazu: „Und eine königlich preußische Lehrerwittwe bekommt, und wenn Re ein Dutzend Kinder hat, ein Almosen von jährlich 250 Mk., b. lange noch nicht dieHälfte der Pension einer Maurerwittwe. Sollte da nicht manchen Persönlichkeiten in dem Lande der Intel­ligenz die Schamröthe in’« Gesicht steigen V Es ist bekannt, daß man in Lehrerkreisen meisten» weit mehr eine Erhöhung de« Wittwen- und Waisengeldc« al« de» eigenen Gehalte« wünscht.

• Da« Schweidnitzer Schwurgericht bat am Sonnabend Abend die Verhandlung gegen die dritte Gruppe der Waldenburger Stttk.xzebenten abgeschlossen. Acht Angeklagte wurden zu Zucht­haus in der Dauer von 2—5 Jahren, 27 An­geklagte zu Gefängnißürafen in der Dauer von 1—3 Jahren verurtheilt. Neun Angeklagte wurden freigesprochen.

»Neuburg a. d. Donau, 29. Juli. Da« Denkmal Latour'« wurde heute Morgen abge- tragen. Nach Ankunft der vielköpfigen französtschen Kommisfion wurde die Ausgrabung der Gebeine Latour'« nach anderthalbstündiger Arbeit Mittag- vollendet. Die Gebeine werben militärisch bemacht; das Denkmal wurde bi« zur feierlichen Uebergabe wieder aufgerichtet. Der Regierungspräsident Kopp war anwesend. „ (8£- B-)

* Neustadt a/o H., 28. Juli. Der erste Pfälzer Katholikentag ist von gegen 10,000 Menschen besucht. In Folge diese« gewaltigen Andranges müssen nun im Saalbau zwei Ver­sammlungen nacheinander abgehalten werden. Die Stadt ist reich beflaggt. Extrazüge kamen von allen Richtungen. Der Eindruck diese« großen Ec- folge« ist gewaltig. Die Begeisterung ist unbe- schreiblich. Al« Redner traten auf Dr. Sieben- Deidesheim, Dr. Schädler-Landau und Dr. Lieber- Camderg. Einstimmig werden folgenbe Resolutionen angenommen:

trinkern in der Regel anhaftet, ging von ihm au«. Widerwillig wandle Luzie sich von ihm ab. Da« wurmte ihn; geteilt rief er: „Oho, nicht gar so störrisch, Keiner Rackeri nicht gar so mürrisch. Seitdem mein Prinz da ist, fängt mein Leben erst an. Da« Glück verfolgt mich ordentlich, vor Deinem Sauerampfergesicht davor nimn

DerMMee Metch

Berlin, 29. Juli.

* Soweit die ,Köln. Ztg.' über die Bischofs- wähl in Münster unterrichtet ist, „dürste bereit» die nächste Staatsministerial-S'tzung, nach­dem jetzt sämmtiiche eingeforderten Berrchte eilige- laufen sind, über die eingereichte Kandidaten­liste Beschluß fasten". Anscheinend hängt der jüngste Besuch des Kultusminister« beim Fürsten Bismarck mit biJer Angelegenheit zusammen.

• Gestern Vormittag ist das Gefolge, welche« den Kaiser nach England begleiten wird, in Wilh-lmshafen tügetroffen. Es befanden sich darunter der Staalssekretär Graf von Bismarck, die Chefs de« Militär- und C vllkabinet«, General- lieutenant v. H-Hnke und Dr. v. Lucanus, der Kommandant de« Haup! quartier», Generallieutenant von Wittich und die Flügeladjutanten, welche den Kaiser nicht auf der Reise nach Norwegen begleitet hatten. _ ,

• Der Kulturminister macht im .Staatsanzeiger, bekannt, daß die Kommission für die 400 jährige Feier der Entdeckung Amerika« die Abfaflung eine« diesenGegenstand behandelndenGeschichtswerke«, welche« nicht allein in spanischer, sondern auch in deutscher, französischer, englischer, italienischer oder portugiesischer Sprache verfaßt sein kann, ausge­schrieben hat. ,, „ _ .

• Der russische Botschafter am hiesigen Hofe, Graf Schuwalosf, kehrt am Mittwoch von feiner Urlaubsreife nach Berlin zurück.

»DarEinfuhr verbot lebenderSchweine aus Rußland, Oesterreich-Ungarn u. f. w. ist gleich am Tage der Veröffentlichung mit großer Strenge burchaeführt worden. Zahlreiche Sendungen, bie nur der Abnahme durch die Käufer harrten, wurden von den Behörden wieder an die betr. Grenzen zurückgeschickt. Gleichzeitig find beim Reichskanzler G.suche eingegangen, daß die Emsuhr desjenigen Schwarzviehes gestattet werden möge, das nachweislich vor dem Bekanntwerden jene« Ver­botes in Rußland und Oesterreich-Ungarn eingc- kauft worden ist.

* Zur Beurtheilung der Beziehungen zwischen Deutschland nnd der Schweiz ist die Mit­theilung von Jnterrste, daß gelegentlich de» gestern und heute in Bern gefeierten Feste« der schweizerischen Osfiziersversammlung die deutsche Gesandtschaft

Klein-Wieschen.

Novelle von I. v. Dirkink.

(12. Fortsetzung.)

Sollte er überhaupt nicht hingehen?' Wieschen hatte ihr erzählt, daß er mit ihr bei der Klewcs zusammengetroffen sei, und immerfort von seinen Geschäfte n gesprochen habe. Da, r» wissen, be- ruhigte sie, also dachte er noch an keine Andere. Ach, wenn nur diese Dütting'« Johanna nicht wäre! War gäbe sie nicht darum, wenn sie wüßte, ob er heute dort einträfe ober nicht! Aber konnte man nicht ein« der Mädchen, mit einer vorgeb', lichen Bestellung hinschicken? Nein, nein! So schnell ihr bet Gebanke gekommen, so schnell wurde er wieder verworfen. Niemals durfte eine Unter­gebene die Vertraute einer Schulzentochter sein; „Stand verpflichtet!" war Luzien S Wahlspmch: sie seufzte in unerträglicher Qual unter diesen Gedanken. , , ,,

Wuchtige Fußtritte unterbrachen ihre Grübe­leien. „Luzie!" rief der Vater, ..Du sollst zur Mutter kommen, sogleich! Wie steht'« mei.. Schäf- chen?I" neckte er sie, indem er nahe an sie her­antretend ibr in die Wange zu kneipen versuchte. Ein ui angenehmer Dunst, wie er Gewohnheit!«

natürlich geradewege«, Reißaus."

„Verruft nur das Glück nicht. Vater," bebte ee von Luzien's Lippe«; „Glück und Glas, wie leicht bricht da«," heißt e«.

Ein schrille« Auflachen war die Antwort.

„Lieber Gott," dachte Luzie, „wo soll da« hin- au», der Uebennuth führt den Vater am Ende noch an den Trunk. Seit dem Kiudtaufrfeste sah ich ihn fast immer wie berauscht. Macht e« der Wttn oder da» Uebermaß von Glückseligkeit über die Geburt de» Knaben? Diese Trunkenheit ist immerhin eine« älteren Manne» unwürdig."

Sie ging langsam, mit ihren Thräaen kämpfend, auf die Kammer. Wieschen trug den Kleinen in einem Stechkiffen auf und ab und summte ein Wiegenliedchen. mit dem sie ihren Schützling ein- geschläfert hatte. Luzien's Eintritt, ihre geräusch. volle Annäherung weckte den Knaben au» seinem Schlumm.rc und zog dem Störenfried eine herbe

l. Zwölftausend aus allen Theilen der Pfal, heute m Neustadt versammelte katholische Männer sprechen dem hochwürdigsten Episkopate Bayerns, insbesondere ihrem hochwürdigsten Diözesan-Bischof Joseph Georg tiefsten Dank aus für die in der bischöflichen Vorstellung be» thätigte Rückforderung der der katholischen Kirche m Bayern zustehenden Rechte. Sie bedauern lebhaft, da« das königl. Staatsministerium diese verfassungsmäßig be­gründeten Beschwerden in ihren wesentlichen Punkten ab- gewiesen hat. «18 Staatsbürger verlangen sie die loyale Durchführung deS zwischen der Krone Bayern und dem apostolischen Stuhle abgeschloffenen Vertrages.

Zugleich geben fie fich der festen Erwartung hm, daß die katholischen Mitglieder beider Kammern des Land­tages mit allen gesetzmäßigen Mitteln auf volle Beseiti­gung der in der bischöflichen Vorstellung niedergelegten Beschwerden dringen. , A M„ A „

TL Die Versammlung erhebt ferner entrüstet«: Protest gegen die seitens der Feinde der Kirche dem apostolffchm Stuhle gelegenUich der Giordano Bruno-Feier m Rom neuerdings zugefügt« Schmach und gelobt dem hl. Vater innigste Treue und Ergebenheit. Sre erblickt m diesen Vorgängen einen neuen Beweis für die unwürdige Lag^ in welche der hl. Stuhl gebracht wurde und wird durch dieselben in der Ueberzeugung bestärkt von d«Noth- wendigkeit der Wiederherstellung einer der Weltstellung des Papstthums entsprechenden und bte volle Freiheit seines hohen «mteS verbürgenden Souverametät.

Nach bet Versammlung fand ein Bankett im Saalbau statt. (Näheres folgt.)

* Karlsruhe, 29. Juli. Im B.find,» de» Erbgroßherzog» von Baben ist eine erfreuliche Besserung eingetreten, Jo daß bie Hoffnung auf Genesung nahe gerückt ist.

• Der Großherzog von Mecklenburg- Schwerin begibt sich morgen von Kiel aus auf der russischen Yacht „D-rjawa" nach Kronstadt zum Besuche bee russischen Kaiserpaare«.

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• Nach ben bisherigen Nachrichten über bie französischen Generalrathswahlen hat Boulanger eine empfindliche Niederlage erlitten. Da« Probe-Plebiscit ist wider Erwarten schlecht ausgefallen. In mehr al« 150 Kantonen kandi- bitte Soulanger. In 80 Kantonen war Bon- langer „offiziell" aufgestellt. Doch hatten fich die Boulangisten kluger Weise gehütet anjugeben, welche Kandidaturen fie al« offiziell betrachteten. Nach ben bisher bekannten Wahlergebnissen ist Boulanger nur in 11 Kantonen gewählt. Zur Stfilwahl kommt er nur in 89 Kantonen. 6» muß habet bemerkt werben, baß bie Aufstellung de« General« nur in solchen Kantonen erfolgte, wo für ihn die Chancen günstig zu stehen schienen. Zurechtweisung au« dem Munde der Schulzin zu- Luzie aber war heute nicht in der Stimmung, eine Rüge schwelgend hinzunehmen.

„Vater hat mich herausgesch!ckl!" sagte fie un­wirsch, „und nun ich da bin, ist'« auch nicht recht; al« ob ich hätte ahnen können, daß der Kleine meine Gegenwart im Schlafe nicht ’qtal vertragen kann."

Die Schulzin seufzte. „Sein Schutzengel," er­widerte fie schärfer, al« e« ihre Gewohnheit war, „hat e« ihm am Ende verrathen, daß du ihn nicht lieb hast. Atzt strengt er sich sogar aus Kräften an, liebenswürdig zu sein. Sich' nur, Schwester­chen, winkt er, ich lächle Dich an, sei mir endlich “ Mit vor Mutterglück strahlenden Zügen schaute fie auf ihren Liebling, den Wirschen vor ihr auf das Bttt gesetzt hatte und schäkerte mtt ihm, in­dem sie seine geballten Händchen an ihre schmale Wange hin und her rieb. So oft er bie langen, spindeldürren Finger audspreizte, virglich Luzie fie in Gedanken mit den Fützen einer Kreuzspinne

Wie Ihr Euch nur einbilden möget, daß der Junge schon lächeln kann," erwiderte fie spöttisch auf die Mahnung der Frau. „Krämpse find'«, die ihm da» Gesicht verzerren, mich wundett nur, daß

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