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Samstag, den 27. Juli-
1889
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Rauch- und knallloses Pulver.
Auf militärischem Gebiete steht eine Umwälzung bevor, mindestens von derjenigen Bedeutung, die s. Z. der Ersatz der Vorderlader durch Hinterlader zu Wege brachte. Diesmal handelt cs sich nicht um die Einwirkung einer veränderten Schußwaffe, sondern um die Folgen eines Pulvers, welches den Gebrauch der Feuerwaffe ermöglicht unter ganz beträchtlicher Verminderung sowohl des Rauches wie des Knalles.
Die technischen Einzelheiten interessiren in erster Linie den Fachmann. Genug, daß that'ächllch solches Pulver bei der französischen Armee schon zu den bevorstehenden Herbstmanövern Verwendung finden soll. Einzig und allein hört man noch Zwei- fei darüber äußern, ob das neue Pulver oder, wenn man es nicht so nennen will, das neue Treibmittel, auch eine solche Lagerungrfähigkeit besitzt wie das im Gebrauch befindliche schwarze Pulver. Jndeß die Franzosen behaupten es, und Deutschland kann nicht umhin, alsbald in der Aneignung auch dieser Neuerung zu folgen. Es heißt, daß die bezüglichen Lieferungsverträgs mit der Pulverfabrik zu Rottweil und den vereinigten rheinischen Fabriken u.A. längst abgeschloffen seien. Die Mittel zur Anschaffung stnd ja unleugbar schon in dem großen Extra-Ordinarium vorhanden, welches der Militärverwaltung im Februar 1888 gelegentlich der Abänderung des Wehrgesctzes bewilligt wurde. Auch kein anderer Staat kann stch der Neuerung entziehm. Erst vor wenigen Tagen hat über das neue Pulver auch der schweizerische Bundesrath in einer Botschaft Bericht erstattet.
Die geringere Bedeutung der Neuerung liegt in der Verminderung des Knalls. Und doch führt auch diese schon zur Umgestaltung des gesammten Nachrichtendienstes vor dem Feinde. Der den herannahenden Feind erblickende Vorposten vermag nicht mehr die hintenstehenden Feldwachen durch Gewehrschüsse von der drohenden Gefahr zu benachrichtigen. Die anmarschirmden Truppen können nicht mehr den fern hallenden Kanonendonner zur Richtschnur nehmen für di« Marschbewegungen, um den im Kampfe befindlichen Truppen zur Hilfe zu eilen. Manche Erfirdung der Neuzeit hat ja den Nachrichtendienst und das Auekundschaften erleichtert, der Feld-Telegraph, die Fernsprech-Ein- richtung, der Luftballon, das Radfahren, in der Dunkelheit die Leuchtkugeln und das elektrische Licht. Wie weit aber Aller dies, was zu seiner Anwendung schon einen gewissen Beharrungszustand in der militärischen Bewegung voraussetzt, im Stande ist, durch erhöhten Gebrauch den Nachtheil bi« knalllosen Pulvers auszugleichen, mag dahingestellt bleiben. Ob es überall möglich ist, noch besondere Vorrichtungen mitzuführen, um auch fernerhin durch Knall und Geräusch zu alarmiren, ist eine militärisch-technische Frage. Für dar Gefecht selbst erleichtert die beinahe lautlose Stille die Leitung durch den Zuruf und dar Signal.
Nichtsmehr^beinträchtigtj das Gewehrschußknattern die Feuerleitung. Wie in den Kämpfen desAlters- thums wird es still im männermordenden Kampfe bi» auf das Raffeln der Fahrzeuge und den stampfenden Huf der Roffe.
Aber der Lärm des Feuergefechtes erregt und betäubt auch nicht mehr den Krieger, die Rauchwolke verhüllt ihm nicht mehr die Schrecknisse des Kampfes in unmittelbarer Nähe. Welche moralischen Wirkungen das hervorbringen wird, voraussichtlich verschieden auf junge Soldaten und auf alterprobte Krieger, bedarf keiner näheren Erörterung.
Von der bei Weitem größten Bedeutung ist bei dem neuen Pulver die Verminderung de» Rauche» für das Zielen. Die Infanterie und die Artillerie wird durch den Rauch des eigenen Feuer» nicht mehr behindert, den todtbringenden Geschossen das richtige Ziel zu geben. Nicht mehr erzwingt die Rauchwolke mit der Unmöglichkeit des Erkennens der Vorgänge vor der Feuerlinie zeitweilige Pausen im Feuergefecht. Aber andererseits ist auch die Aufstellung de» Feinde» schwerer erkennbar. Denn nicht mehr deutet die fortziehende Rauchwolke in der Luft die Stelle an, von welcher die Geschosse gekommen. Nur das Aufblitzen de» Schusses vermag während einer Sekunde den Standort des Gegners zu markiren. Man wird sicherer schießen in der beabsichtigten Richtung, aber man wird weniger sicherer beurtheilen, ob in dieser Richtung auch der Feind stch befindet. Weit verheerender als bisher aber wird das Feuer wirken auf den Feind, der sich in der Seeweite befindet. Die Deckungrfrage wird noch erheblich wichtiger, als sie schon durch den Hinterlader und das Magazingewehr geworden ist. Die aufgelöste Schützenlinie gewinnt noch größere Bedeutung. Das Heranschießen in gedeckter Stellung an den Feind muß noch bis zu größerer Nähe vor stch gehen. Der Raum, welcher durch eine Attacke zu überschreften möglich ist, verkürzt stch wiederum auf's Neue.
Eine Kavallerieattacke wird unter diesen Umständen gegen Infanterie zur Unmöglichkeit. Der Puloerdampf, welcher die feuernde Artillerie und Infanterie umhüllte, war der Kavallerie bester Verbündeter zu unbemerkter Annäherung und zu raschem Einhauen gegen unaufmerksame Batterien oder Schützenlinien. Da» breite Ziel von Mann und Pferd gestattet dagegen der Infanterie, nunmehr unbehindert tat Zielen durch den eigenen Pulverdampf, in rascher Aufeinanderfolge soviel fichere todtbringende Schüsse abzugeben während der Ansturms, daß nur im Staube sich wälzende Knäuel von Roß und Mann übrig bleiben von den stolzen Reiterschaaren. Einen sonderbaren Eindruck machten unter solchen Au»stchten Division»- attacken bei den jüngsten Manöver» auf dem Tempelhofer Felde, die schon unter den bisher bestehenden Verhältnissen eine Bedeutung für den Ernstfall kaum beanspruchen konnten. Mit der Kavallerie al« Schlachtreiterei ist e» nunmehr völlig vorbei. Wird sie im Ausklärungsdienst sich behaupten können? Auch hier erwächst ihr eine furchtbare Gegnerschaft in der Begünstigung de» kleinen Kriegs durch das neue Pulver. Aus dem Versteck oder durch den Ueberfall wird der Kavallerist von Streifabthrilungen, Freikorps, Freischaren niedergeschossen. Der Schuß verrälh dm Schützen weder durch einen lauten Knall noch durch Pulverrauch. Wenn es dagegen auch künftig im Vorpostendienst mehr auf rasche Meldungen von Kavalleristen, auf Ordonnanzritte u. dgl. ankommt, so vermag dies die vermindert« Bedeutung der Kavallerie tat übrigen nicht ausgleichen. Deutschland hat bei der bevorstehenden Umgestaltung der Taktik unleugbar viel zu viel Kavallerie; es wird diese kostspielige Trupp; ganz bedeutend^einschränken könnm im
Krieg und im Frieden. Die Infanterie wird mdj1 noch Jägertruppe werden als bisher; an Bedeut' ung gewinnt dagegen die Artillerie. Einem Sturm der Infanterie muß eine Erschütterung der feind- lichen Stellung durch Artillerie noch mehr als bisher vorhergehm.
Noch lassen stch die Umgestaltungen, welchen das Heerwesen entgegengeht, in ihrer ganzen Tcag- weite nicht übersehen. Keine Truppe, kein Reglement, keine militärische Einrichtung wird davon verschont bleiben. Von Traditionen, auf deren Werth man stch zur Aufrechterhaltung unnütz oder schädlich gewordener Einrichtungen in Militärkreisen so gern beruft, wird Manches schonungslos geopfert werden müssen. Von dem militärischen Prunk, dem blanken Zierrath, der den Gegnern in die Augen sticht und das Zielen erleichtert, wird nichts übrig bleiben dürfen.
Die gesammte Kriegführung wird noch mehr als bisher den Charakter des Massenmords annehmen und zwar des meuchlerischen, heimtückischen Morde», der den Gegner aus der Entfernung beschleicht, unversehm» überfällt und abthut, ohne daß es zum Kampfe kommt Mann gegen Mann, Auge in Auge. Da» ritterliche Wesen im Kriege crleidet abermals Abbruch; die rasfinirtere Aus- bildung der Mordmaschinen, die gesteigerte An- Wendung derselben. gibt vollends den Ausschlag. Der Menschenfreund kann dabei nur in dem Gedanken eine gewisse Beruhigung finden, daß, je scheußlicher sich die Kriege der Zukunft gestalten müssen, um so größer die Verantwortlichkeit der Machthaber wird, welche e» in der Hand haben, die Kriegrfurie zu entfesseln. (Freis. Ztg.')
Vermischtes.
(Durch eine Kegelkugel gelobtet] Man schreibt aus Trebitsch vom 18. Juli: Vor einigen Tagen unterhielten sich mehrere Dorfinsaffen von Loukowitz im Gasthause des Joseph Oberschlick mit Kegelschieben. Als die Partie bereits zu Ende war, wollte noch der 20 Jahre alte Gruudbesitzerssohn Franz Choubek einen Schub machen. Er griff die einen Kilogramm schwere Kugel, warf aber so unglücklich, daß die Kugel aus der Kegelbahn heraussprang und die in der Nähe sitzende neuneinhalb Jahre alte Wirthstochter Cäcilie Oberschlick an der rechten Schläfe traf. Das unglückliche Mädchen stürzte sofort tobt zusammen. ...... m .■
«Mißverstanden.] Ein Herr tritt in den Barbier - laden, um sich rasiren zu lassen. Der Raseur walkt im Hintergrund eben seinen Lehrling, und der Gast muß inzwischen warten. „Dauert das noch lange?" fragt er endlich ungeduldig. — »Nein, bitte, mein Herr, Sie kommen sogleich an die Reihe," erwidert der Raseur, weiter prügelnd. ~
sAus der Kaserne.] Unteroffizier: „Ich bitte mir aus, daß nicht heut' wieder wie neulich so viele aus den Sätteln fliegen und die Beine brechen; ich werd; überhaupt von nun an Jeden mit Arrest bestrafen, der ferne königlichen Dienstknochen nicht besser in Acht nimmt."
— (Wörtlich genommen.) In einer Wirthschaft bestellt ein Gast zwei weiche Eier und ein anderer ruft dem davoneilenden Kellner zu: „Mir auch zwei, aber frische;" Der Kellner in der Küche: „Bier weiche Eier; zwei müssen frisch sein!"
— (Aus dem Gerichtssaale.) Präsident: „Sie sind von dem Kläger beschuldigt, ihn Kaffer genannt zu haben. Nicht wahr, Kläger so ist's?" — Kläger (Leipziger): „Ganz gewiß gennen SeS glauben, daß er Gaffer gesagt hat" — Präsident: „Nun, Angeklagter, was haben Sie zu erwidern?" - Angeklagter: „Ja, Gaffer hab' ich gesagt, daß eä aber die Leipziger gerade so rote Kiffer aus- sprechen thun, daderoor kann ich Se nischt. Ich bin Se nämlich aus Dräsen. =
— (Die zerstreute Frau.) „Also das ist Ihre Frau ... Sie müssen sehr glücklich sein!" — „Bin ich auch — wenn sie nur nicht so schrecklich zerstreut wäre ! Sehen Sie, da schicke ich sie z. B. neulich mit einem Haufen Geld in die Stadt, um mir ein Dutzend Hemden zu kaufen, und was bringt sie heim? — einen neuen Hut für sichl»
* (Veränderte Sachlage.) Junger Ehemann: „Aber liebes Täubchen, der Kaffee, den Da mir vorsetzest, wird ja immer dünner!" — Junge Frau: „Ich glaube gar, Du machst dieselben Ansprüche, als ob wir noch miteinander verlobt wären!