1889
Samstag, deE27.lMi.
Zeitnnz
ec2
Erstes Blatt.
Klein-Wieschen.
Novelle von I. v. Dirkink.
(10. Fortsetzung.)
Beide blieben stehen und lauschten schärfer. Rich« tia, da« Stöhnen wiederholte sich und 1kam au» dem Hohlwege in der Richtung von Lahnbcck hervor.
Tovv hoh I“ ließ der junge Detten vernehmen, Tovv hoh," wiederholte der Alte.
" Hier! Hilfe! ich sterbe!" schallte e« deutlich ! lutüd. EM Wimmern folgte.
Karl, mir schwant, die alte Klew sche hat sich in ihrem Dusel dort in dem Graben niedergelassen, da« ist die ganze Geschichte. Geh rasch hin und aib' mir ein strichen, wenn ich recht habe. Ein 8Xopp hoh" al« Signal genügt. Insofern Du lle findest kannst Du allein mit ihr fertig werden. Weiß der' Kukuk, ich fühle mich auch nicht ganz sicher auf den Füßen und will machen, daß ich nach Hause komme. Die Thür lasse ich Dir rffm.
Wie der alte Schulze vermuthet hatte, so war c« Karl fand die Hebamme in der kläglichsten !L. sie 6a«« M dm z»ß ->*"» Md war nt4t im Stande, sich von der Stelle zu rühren. L entschlrssm zog «°rl die M- °uf seinen starken Armen au« dem Grabe» h rau«. Die Nacht war zwar kühl, aber mondhell und d»Weg zur Wohnung der alten Frau nicht allzu fern.
dem Sozialistenkongreß zu Pari« gewirkt werden, welche sich den politischen Kreisen mit Nachdruck eine große Rede über den ArbeUerschutz geha ten, aber seine Resolution bewegt sich in alten Geleisen. Andere Redner haben die Frage de« Arbeiter- schütze« kaum gestreift, so daß ein Holländer Dele- girter öffentlich im Kongreß klagte, er habe zu seinem Bedauern bemerkt, daß der HauptgegeN' stand der Tagesordnung, der Arbeiterschutz, nicht genügend zur Geltung gekommen ei. Ja, Bebel « Rede beweist sogar, daß die Sozialdemokca,e in der Frage de« Arbetterschutze« erst spät thätig wurde. Sc sührte au», daß die Arbesterbemgung sich Anfang» mit derartigen praktischen Fragen gar nicht beschäftigt, sondern lediglich ihre Grundsätze diskutirt und zu verbreiten gesucht habe!
Unsere Arbeiter sehen also, wie wenig produktiv die sozialreformatorische Thätigkeit der Herren Sozialdemokraten ist, sobald sie vor positive Aufgaben gestellt werden. Wer erinnert sich da nicht an den verunglückten sozialreformatorischen Gefttz- entwmf, den die Sozialdemokraten im Jahre 1885 dem Reichstage vorlegten und der keine von den großen Ankündigungen, dis Bebel am 28. November 1884 im Reichstag gemacht, verwirklichte? Der neue Gesetzentwurf kopirte lediglich den cuten । sozialistischen vom Jahre 1877 und fügte nur die Forderung de» Miiümallohne« hinzu, über welche die sozialistische Fraktion selbst nicht einig war, sowie einen Organisationsvorschlag, der ein solche» Gemisch von Radikalismus mit Bureaukratie war, wie wir e» der Sozialdemokratie nicht .entfernt maetraut. Auf dem internationalen Sozialisten- ko narr ß in Pari» haben dis Sozialdemokraten gezügt, daß sie roch nicht weiter gekommen find, al» ste 1877 und 1885 waren. Wir können deßhalb von ihnen, obwohl wir vom Gegner gerne da« Gute uns aneignen, deshalb leider nicht«
Ich trage Euch nach Hause; seid ruhig!" gebot"», al» sie fortwährend jammerte und klagte.
Man wird mich abholen, Herr Schutze, I ich batte nämlich einen Engel zur Seite, einen leibhaftigen Engel in Menschiugeftalt, sonst wäre ich wohl am W^e verkommen. Den Enael habe ich nach meinem Hause geschickt, damit sie dort w'ffen, wo ich bleibe. Mein Sohn w rd mich abholen; aber da« sage ich, mit rechttn Dingen ist e« nicht zugegmlgen, daß ich ganz de duselt worden bin, denn ich kann ziemlich viel ver | Bi
Ä”4 Schicksal in meiner Hand habe," plauderte ste in blinder Muth, die sich mehr und mehr steigerte, । jd ßttßtciitod Rcitl SEBibßtfptol pwlt* ... . 1 Dumm«3-8. «jj *,»* *mK** vorn Schulzen denken?" verwies ihr Kartt
Denken? hm, denken kommt von w.ssen, ächzte sie "mit einer Stimme, al« solltefirerstlcken.,,O, ol" mumpste fie weiter, „wenn ich sprechen wollte und beschwören kann ich, war ich werb, so doch nein, mein Herz ist ein Grab und ben @a^ bfjel hebt mir Niemand in der Welt auf, rem Misfionär und kommt auch der erfie Buxpce g
I der Welt zu mir! Aber ver Truthahn, die Luzie,
lernen. .
Ja zweiter Linie stand auf der Tagesordnung iu» Sozialistenkongo sie» die Bereinigung der Marxisten, welche den sozialistischen Staat durch allgeMinen Umsturz herbeiführen w°llsn, mit den Possibilisten, welche praktische Sozial- Politik auf dem Wege der Gesetzgebung ohne Um- könnte wohl ein Bischen gefälliger sein S^u Uns»- ein»; da» sagen Sie ihr gelegentlich! D.nn Ihr Schaden wäre c» auch junger, lieber Herr, wenn ich reden wallte. Aber davor soll mich Gatt be- roajtad hatte seine Bürde schon eine halbeStunde weit geschleppt, al» er Ablösung erhielt. Wieschen hatte da» ihr bezeichnete Hau» entdeckt und die Einwohner mit der Nachricht von dem Unfälle der alten Frau auf dis Füße gebracht.
; Xtufenb Dank, Kindl" rief ihr FcauKlew^ entgegen, al» Wierchsn mit ihrem Begleiter sich näherte. „Und auch Ihnen, lunger Herr! Du kommst dieser Tage 'mal zu mir, Wieschen, hörst Du", schärfte sie ihr ein. „Jetzt weißtDu msin tzru»; Dein Ohm Egger, war mein Schulkame- tob, ich kann Dir Biele, erzählens
Wieschen versprach e« und eilte dann, so schnell sie konnte weiter. Karl sah ihr lange nach. Dann begab er sich pfeifend auf den Rückweg. Eme seltsame Lustigkeit überfiel ihn plötzlichr, j», er begann »u singen und wo er an einem Gehöfte vorüberstrich, gab e» ein Gekläff der Hofhunde, al« ob die W-lt um ihn rein toll geworden! wäre.
Am folgenden Tage entstand ein wahrer Tu «ult auf dem Hofe, al« de- Nachlaß de» seligen Egger» au einein großen L iterwagen angerückl kam. Em I Trümmerhaufen wurde abzeladen; nur der große
vortrefflichen Denkschrift noch näher entwickelte. I Seitdem hat die Propaganda für diese Ideen nicht aufaebört. Sie ist in allen Ländern geführt worden und wurde in DeutschlarchnamentlH von den Katholiken mit hem größten Eifer und Geschck zum Gegenstand eingehendster ^»d^n gemacht. Wir Katholiken haben auf diesem Gebiete schon eine alte und umfassende Origin^-Litteratur, welche allen Sozialpolitikern zum Muster dienen kann. Bereit» im Jahrs 1871 entwickelte der hochselrge Bischof von Ketteler feinen bekannten ^Entwurf zu einem sozialen Programm", in welchem er d,e sozialreformerischen Bestrebungen der Kacholtten XmZS Am 23. März 1877 hat da» Centrum im deutschen Reichstag ein detaM^e» Arbeiter-Schutz-Programm vorgelegt rurd d R nieruna aufaefordert, einen bezüglichen Gesetzentwurf vorzvlegen. Dasselbe geschah Setten» de« Eentrum» 1882 und 1885 und da Fürst Brsmaick sich kons.quent ablehnend verhielt und die gesetz- aeberische Durchführbarkeit der Centrums-Jdeen noch immer bezweifelte, legte da» Centrum dem Reichstag ausgearbeitete Arberterschutzgesetze vor und fitzte später durch, daß der Reichstag 1888 in einstimmigem Beschluß den Ans^de« Arbeiter- schrtz'S machte und wenigsten» die abgeschwächt.n
i Centtumsanträge annahm.
Man muß da» hervorheben gegenüben den prahlerischen Kundgebungen, welche dem inter nationalen Sozialistenkongreß mirausgegangen sind und gegenüber den wirklühen Leistungen de» Kon greffc». E» liegt geschichtlich vor, daß bie Idee be» Arbeiterschutze» keine Endung der Sozial- demokratie ist, und daß dis P^e und Ausbreit ung diese» Gedanken» durch die Katholiken in der eifrigsten und erfolgreichsten Mise! von jr^r sich geltend machte, schon zur M al» die Sozial- demokratie noch in ihren Anfängen stand, und unbeeinflußt durch da, Wachsthum der Sozialdemokratie^ Zur bloßen Demonstration mit dem Gedanken des Arbeiterschutze, ist drMlb dis berusung eine« internationale« SoziaUsteickongreff-s mabrlich nicht mehr nöthtg gewe e«, da« sind über- hotte Ding? Wollten dttSoziattlemokraten etm« I tbun dann mußte in großartigen, neue Mege I weisenden und neue Gedanken produzire^ren Sßto- ZS_jfe die Idee de« Arbeiterschutze« auf
8 Das Erg-bnih des
„eien S-ztaliftenl-ngeeffeS.
Der interrailonals Sozialistenkongreß, welcher vom 14. bi« 22. Juli in Paris abgehatten wurde, sollte nach der Ankündigung formalistischer Blätter alles bisher Dagewesene übertreffen, er sollte im vollen Sinne ein Arbeiter Parlament bilden, welche« über die Bestrebungen der Arbeiterwelt. «nb ihre Bedürfniffe da« große Wort sprechen sollte.
Diesen großspurigen Ankündigungen hat da» I Ergebniß be« Kongresse« gerade in Bezug auf de« Lauptgegenstand der Berathungen nicht entfernt entsprochen. Der Kongreß war einberufen, um die Frage de« Ar beiter schütze« zu derathm, I und gerade hierüber hat der international Sozia- lifienkongreß^ nicht einen einzigen neuen Gedanken von stch8gegeben, nicht da« geringste neue Material hervorgebracht. Die Erkenntniß, daß Arbeiterschutz die wichtigste und dringlichste Aufgabe sozialer Rssnrmvolitik ist sowie daß er am Besten inter- I natton? g»eS wird, ist in Deutschland und anderen europäischen Ländern so allgemein und schon so lange verbreitet, daß die Sozialdemokrat.e darauf die Welt nicht erst aufmerksam zu> machen braucht. Schon lange, ehe e« eine Sozialdemo krati? gab, arbeitete sich diese» Erkenntniß in da, öffentliche Bewußtsein hinein. Al, rm Jahre 1841 im französischen Parlament aesttzgeberische Maß- regeln über die Kinderarbeit in Fabriken berathen wurden, machte schon der elsäffische W ™ Daniel Legrand eine E.ngabe an die franMche Kammer, in welcher er den Mangel an Unterricht und Erziehung, dis srühzeitigs Ausnützung der Kinder, tie lauge Arbeit,zeit erwachsenerArdeiter, die Nachtarbeit, dis Sonntagsarbeit, da, Zusam- menwersen der Geschlechter, die ü^v°llen A«r. Wohnungen und die mangelnde Fürsorge sür alte und invalide Arbeiter al» die Konscquenzen der modernen Industrie bezeichnete, die durch mternatio- nale Verträge abgeschvfft werden müßten. Hier ist schon ein volle» Arbeiterschutzprogramm entwor en, da» derselbe hochherzige und weitblickende Sozial- Müler im Jahre" 1857 den Kabinetten von Berlin, Wien, Peter»burg und Parir^in^einer
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