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JM 169 Freitag, den 26. Juli. 1889

Fuldaer W Zeitlina.

Die .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

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zu hören, so habe Herr v. Lilienlhal in Elberfeld dagegen protesttrt und würde die Sache weiter verfolgen. — Im Gelt punkt hört eben bei gewissen Leuten der Patriotismus auf!

* Dis für das Damaraland in Südwest» afrtka vom auswärtigen Amte ausgerüstete Expe­dition, welche sich unter Lieutenant von Franco!« am 29. Mai in Liverpool eingefchifst hatte, ist am 24. Juni in Walfischbai glücklich gelandet, nachdem auch ihr Führe;, der Hauptmann Fran­cois, in Teneriffa an Bord gegangen war. Ohne Aufenthalt wird diese Rsitertruppe den Marsch in'« Innere antreten und zunächst versuchsweise zum Gepäcktransport sich der Kameele bedienen, die früher hier nicht verwendet wurden und deren einige zu diesem Zwecke von Teneriffa mitgenom­men wurden. . ,

* Vom 20. Mai 1886 bis zum Oktober 1888 wurden nach der amtlichen Statistik neu begründet 354 Volksschulen mit 975 Klaffen, an denen 952 Lehrkräfte, nämlich 651 protestantische, 291 katholische und 10 jüdische Lehrer und Lehrerinnen angestellt wurden. Die Zahl der Kinder, die da­durch mit Uuterricht versorgt wurde, betrug 57,017, wovon 34,774 dem protestantischen, 21,791 dem atholischen und 452 dem jüdischen Glaubensbc- ksnntniß angehörten. Dis größte Zahl von Kindern war in Berlin neu zu beschulen. Dort wurden ür 14,126 Kindern 18 Schulen mit 275 Klaffen, an denen 195 Lehrer und 80 Lehrerinnen angc- tellt wurden, neu eröffnet.

kanzl«'zu^M,"?d MMkkaWner für Ober- Verhandlungen das Verbot des Termingeschäft« in Kaffee, sowie angesichts des jüngsten.Krachs rm Zuckerhandel eventuell ein Verbot de» Termingeschäft» in allen nothwendigen Ledens-

beträgt die Zahl der Festtheilnehmer z. Z. über 20.000. Das heutige große Maffen-Turnen dn Jugend auf der Therestenwiefe lo<Re viel Publikum an und ist glücklicher Weise ohne besondere Unfälle

sich gegangen Die bayerischen Eisenbahnen haben dem Turnerfeste ein großes^Entgegenkommen Tag dasselbe Lokal. Nun wollen die übrigen Bauern wohl eine neue Schule bauen, aber erst dann, wenn der Nachfolger de« stttgen Schulzen sich feine» Vatersgelübde entledigt hat und

Hoho, Frau Klewes 1" lachte der Schulze, hochroth im Gesichte, „die Sache ist veriährt; wer kann für alle alten Schulden feiner Vorfahren einstehen? Ich bin überhaupt nicht für Neuerungen, und ohnehin blühen mir Ausgaben die schwere Menge, denn da die Eisenbahn komckt, so muß ich den Ezgerr-Kotten kultiviren, der letzt mein Ägenthum geworden ist. Aber trinkt, alte Frau, der Tropfen ist gut!" unterbrach er sich die Flafche entkorkend. Er hob sie hoch und-.füllte mit zitternder Hand das Glas, bis der goldene, perlende Wein überströmte.

P „Jawohl, die Eisenbahn kommt, aber auch die Missionäre kommen zum Glück ! Unrecht ®ut gedeihet nicht und Hochmuth kommt vor dem Fall, knurrte die Frau, al» der Schulze sie ver l“ gVfWte ihren Wein mit saurer Miene, ohne sonderliches Behagen und wandte sich, nun, da man sie allein ließ, an Wieschen. ,v st Du die einzige Tochter der Louise Egger»? begann sie ihr Verhör, da« so gründlich fortgesetzt wurde, al» hätte sie da» Amt eine» Untersuchungsrichter«

Dox, Pilsen, Kladno) sind gleichfalls nicht erfolg­los geblieben. Das gleiche gilt von den steierischen Bergarbeiter-Ausständen, sow-it sie schon beendet sind. Ueberall wurde der Lohn etwas erhöht, und zahlreiche Gruben hatten schon eine Lohnerhöhung bewilligt, ehe es zur Arbeitseinstellung kam. Die Textilarbeiter Brünns, welche in einer Stärke von 12000 Personen durch 14 Tage feierten, find ebenfalls nicht leer ausgegangen. Durchschnittlich betragen die Zugeständnisse an Lohnerhöhung 10 Procent. Der Berliner Maurerstrike ist mißlungen, ebenso ein von den Berliner Bäckergesellen inscenirter Strikc, der schon nach ein paar Tagen mit der Niederlage der Gesellen endigte.

* Mit der Verbilligung der deutschen Arbeit durch Chinesen-Konkurrenz ist jetzt that- sächlich ein Anfang gemacht worden, aber nicht durch jenen westpreußischen Junker, dem im Ueber- muth der geniale Gedanke wiederfahren ist, sondern durch die „königlichen Kaufherren von Hamburg", in deren Händen das Nationalwohl ganz besonders gut aufgehoben sein soll. Die „Deutsche Dampf- schiffr-Rhederei" zu Hamburg hat nämlich Chinesen zuerst nach England und von dort nach Hamburg bringen lassen, wo sie dieselben jetzt auf dreien ihrer Schiffe als Feuerleute und Kohlentrimmer angestellt hat. — Die Negerbevölkerung mit chlechtem Fusel zu Grunde richten und den reutschen Arbeitern die kärglichen Löhne durch die Einfuhr von Negern und Chinesen drücken — daß st also die nationale That jener Millionäre, die Deutschland' gezüchtet'wervr«

♦ In Südwestafrika soll e» neue Urber- rafchungen geben. Als Lüderütz das Land nicht mehr halten konnte, habe Fürst B -marck e ne Anzahl deutscher Kapitalisten, die Kolonial-Gesell- schaft für Südwestafrika veranlaßt, den Lüderitz- schm Besitz zu übernehmen. Diese durch Mangel an Thaikraft stets ausgezeichnete Gesellschaft habe nun, dem Vernehmen nach, boschlossen, ihren ge- sammten Besitz und ihre weitgehenden Rechte an einen englischen Spekulanten zu ver­kaufen. Es wäre das eine unmittelbare Verletz, ung des patriotischen Gefühls und eine Schädi­gung Deutschlands. Auch Privatintttessm würden verletzt und da der Vorstand den Beschluß gefaßt habe, ohne auch nur den gesammten Aufsichtsrath

„So, Mutter Kiews»!" rief er mit erkünstelter Freundlichkeit, „hier ist ein kostbarer SaBe tunl! Er fetzte die Flasche und ein Gla« vor ihr aus den Tisch und wollte sich entfernen, da rief sie ^"„Worth'alten und Versprechen scheint hier Zweier­lei zu sein, Schulze," rief sie, bedächtig den Kopf wiegmd. „Für Unsereins ist'» nicht so. Bei mir heißt'« Versprechen macht Schulden. Ihr seliger Vater hat dem Kirchspiel einen Kapellenbau ver­sprochen, auf seine Kosten, heißt das. Er war zur Zeit, als ihm da» siebente Mädchen geboren worden war, das, wie alle seine vorangegangenen Schwestern, acht Tage nach der Geburt verstarb. Die Mädel« gedeihen mir nicht, rief er, „aber das gelobe ich feierlich: sollte mir Gott das nächste Mal einen Sohn bescheerm, so will ich die alte Schule, die mein Ohm gegründet hat, in eine Kapelle umschaffen und einen Geistlichen besolden der allsonntäglich Gottesdienst halten soll, damit den kranken, alten Müttern der weite Kirchgang nach Werburg erspart wird." „

So schwur er hoch und heilig. „Ja, fuhr sie fort, „manche alte Frau hat sich dennoch auf den immer noch stundenweiten Kirchweg eine bitter­böse Verkühlung geholt; denn der Sohn kam aber die Schule ist noch bis auf den heutigen

Für August u. September werden Abon­nements auf die »Fuldaer Zeitung^ nebst der illustrirten Gratis-Beilage .Sterne und Mumm' von allen Postanstalten, Landbriefboten, Zeitungs« trägem und von der Expedition (Buttermarkt 112) zum Preise von M. 1.— (nebst Bestellgeld) jeder- zeit entgegen genommen.

UiSWischss Weich.

Berlin, 25. Juli.

* Eine wichtige Konferenz, welche zweifelsohne für die kirchenpolitischen Verhältnisse in Preußen von Einfluß ist, hat kürzlich in Wien stattgefunden. Der preußische Gesandte in Rom, Herr v. Schlözer konferirte dort mit Nuntius Galimberti und begab sich sodann nach Berlin.

* Als feststehend darf nun gelten, daß der Zar in der zweiten Hälfte des August in Deutsch­land dm Besuch erwidern wird, den Kaiser Wil­helm II. ihm im vorigen Jahre kurz nach seinem Regierungsantritt abgestattet hat. Der Besuch wird wahrscheinlich in Berlin erfolgen. Mit dem­selben werden voraussichtlich die kriegerischen Ge­rüchte verschwinden, mit denen in letzter Zeit das Publikum beunruhigt wurde.

* Im Protestantismus kamt es nicht anffallen, wenn aucy em - -; - ™ •

hält, der ohnehin nur aus Gesang und einer Pre­digt besteht. Aus diesem Grunde kann es nicht verwundern, daß Kaiser Wilhelm II. bei ferner Nordlandsfahrt an Bord des Kriegsschiffe» „Hohen- zollern" allsonntäglich den Gottesdienst für die versammelte Mannschaft hält und zwar in seiner Eigenschaft als Höchstkommandirender des ScMs. In der deutschen Marine ist es überhaupt Sitte, daß der Kapitän nach einem eigen» vorhandenen Schiffs-Gottesdienst-Buche an Sonntagen „Kirche hält. Wenn dieser Usus auch bei den Landtrup- per eingeführt wird, dann kann es M stltsamen Konsequenzen führen und ist die preußische Staatr- kirche der Zukunft fertig. „

• Die Strikebewegung ist im Nachlassen. Die großen Kohlmstrike» in Böhmen (Wogen,

Klei«7Wieschen^

Novelle von I. v. Dirkink.

(9. Fortsetzung.)

„Oho, wie offenherzig, mein Täubchen", sichelte die Alte. „Also mit so scheelen Augen wird er angesehen, der liebe, kleine Kerl; soll wohl sein, er hat uns einen Strich durch die Rechnung ge­macht. Ach, der liebe Herrgott ist mit Niemanden übln daran, al» mit den dicken Schulzen. Die Sorte weiß nie, was sie will! Weert et 3Räb» chm, wollen sie einen Jungen, und hat «dm gebracht, ist'» ihnen auch nicht recht. Du kannst doch zufrieden fein, Luzie. Der alte Schulze Detten kauft seinem Karl die Sägemühle m Dm fe und der hat ’roa» gelernt; er brauet leinen M zu freien. Jetzt muß e» sich erst recht zeigen, ob et Dich gemeint hat, ober Dein Hab und Gut. Aber," fuhr sie fort, jetzt schaffe mir was Orderst«

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anlaßt hatte. Hastig deckte sie dm Tisch- dann trat sie zum Vater in's Zimmer und flüsterte ihm etwas in'« Ohr, worauf er sich mit gerunzelter Stirn erhob, die Weinflafche ergriff und hinaus- ging.