Einzelbild herunterladen
 

JM 167.

Mittwoch, den 24. Juli.

1889

Fillinler W 3tifixg.

Die .Fuldaer Zeitung' erscheint tü glich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Psg., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

AM" Für August ».September werden Abon­nements auf die ,F«ldaer Zeitung^ nebst der illustrirten Gratis-Betlage »Sterne und Blumen' von allen Postanstalten, Landbriefboten, Zeitungs- trägern und von der Expedition (Buttermarkt 112) jum Preise von M. 1.— (nebst Bestellgeld) jeder- zeit entgegen genommen?

Deutsches Reich

Berlin, 23. Juli.

• Der deutsch-schweizerische Nieder- lassungsvertrag vom 27. April 1876 ist von Deutschland gekündigt worden. Die Gründe für diese Maßregel stnd aus den seinerzeit im .Reichs- anzeiger' veröffentlichten Erlaffen des Reichskanzlers an den deutschen Gesandten in Bern bekannt. Der Vertrag tritt am 20. Juli 1890 außer Kraft. Die Schweiz hat von der Aushebung nicht mehr Nachtheile als Deutschland, und übt ste die Frem« denpolizei in richtiger Weise, dann steht sie intet- national unanfechtbar da.

• Wie die Loge ihre Zwecke zu betreiben weiß, davon wieder ein Beispiel. Im Börsenblat für den deutschen Buchhandel Nr. 63 findet sich fol« gcnde Anzeige: „Für Kalenderverlegeri Verlegern verbreueurr »vitetutmvn uwuuucu »u leihweise gratis einige Cliches zu der für die Zeitgeschichte so hochbedeusamen (1) Enthüllung des Denkmals von Giordano Bruno, bezichungs- weise zur Darstellung seines Feuertodes und seiner Leiden als Märtyrer der Geisterfreiheit. Leipzig. Rauert & Rocco." Daß die Herren Rauert & Rocco in dem säubern Patrone einen „Märtyrer der Geistesfreiheit" erblicken, sei ihnen unbenom­men; die Geschmäcker stnd bekanntlich verschieden und eine ordentliche Biographie des verkommenen Apostaten werden die Herren ja wohl nicht gelesen haben. Ein Anderes ist aber die Frage, wie die Herren dazu kommen, gratis die Cliches abzu- laffen? Da muß es wohl eine „General-Kriegs, kaffe" geben, die das bestreitet, und das kann nur diejenige der Loge sein. Die „Hauptzierde" der „liberalen", der Freimaurer-Kalender zum kommenden neuen Jahre kennt man also jetzt schon.

Klein-Wieschen.

Novelle von I. v. Dir link.

(7. Fortsetzung.)

„Aha, Du bist Klein-Wierchen", ruft ste plötz­lich, „von dem mir der Schulze erzählt hat. Komm' her zu mit!" winkt sie mit der Hand. Wie sanft und wohlklingend berührte diese Stimme Wies- chens Ohr. Aber plötzlich konnte ste ihre Thrä- nen nicht mehr zurückhalte«. Die zarte, bleiche Frau, das kleine Kind, es ritf eine Erinnerung an ihr Elternhaus in ihr wach und j tzt war es ihr zu Muthe, als ob sie jahrelang vom Hause fort sei und eine ganze Menge bitterer Erfahr­ungen gesammelt habe. Die Frau deutele auf den Stuhl vor ihrem Bette und Wieschen ließ sich nieder. Nach und nach begann sie zu erzäh- len von ihren häusliche« Verhältnissen, von ihrem Heimathsdorf und vom Hermannsohm. Und die blaffe, kranke Schulzin vertiefte sich mit steigender Theilnahme in den Anblick des jungen Mädchen«, deffen Art und Weise ihr Herz im Sturm ge­fangen nahm. Mit einem tiefen Seufzer lehnte sie sich endlich in die Kiffen zurück.

„Ach, wenn Luzie doch so wäre wie diese« Kind!" e« wie ein Hauch über ihre Lippen, während

• Die Veranlassung zu dem Sch weine ein- fuhrverbot aus Rußland, Oesterreich-Ungarn und den Hinterländern Oesterreich-Ungarns hat, wie die .Nordb. Allg. Ztg.' hört, in den Sperr­maßregeln gelegen, welche vor Kurzem die deutsche Vtehaurfuhr nach dem Westen betroffen haben. Nachdem im März ds. I«. unter einigen von Deutschland nach England verschifften Schaftranr- porten die Maul- und Klauenseuche festgestellt worden war, haben die Regierungen von Groß­britannien, Frankreich und Belgien allgemeine Verbote der Vieheinfuhr gegen Deutschland er- kaffen. Diese Maßregel hat ben gesammten in­ländischen Viehhandel, namentlich aber die Land- wirthschaft auf das Eirpfindlichsts getroffen. Die ,N. A. Z.' konstatirt, daß diejenigen Seuchefälle, welche die jetzige Sperre veranlaßt haben, auf Schweinettanrporte zurückgeführt werden, die von Oesterreich her auf deutsche Viehmärkte aufge­trieben worden find, und daß in unseren östlichen Nachbarländern, besonders in Oesterreich, Rußland und Rumänien, die Maul- und Klauenseuche stark verbreitet ist.

* Dem »Hamb. Korresp.' wird au« Berlin ge­meldet, daß die italienische Regierung ange­zeigt hat, daß ste sich von der im Verein mit Deutschland, Frankreich, England und Portugal ausgeübten internationalen Blokade an der ost­afrikanischen Küste zurückzöge.

uu«

hören die Noten dieser Bank mit Ende dieses Jah­res auf, Zahlungsmittel zu sein. Bis Ende 1891 behalten sie noch die Kraft einfacher Schuldscheine, nach diesem Termin find sie nur noch Makulatur. Der der Hannoverschen Bank bisher zugestandene Antheil am Gesammtbetrage de« steuerfreien unge­deckten Notenumlauf« wächst der Reichsbank zu. Der Antheil der Letzteren steigt damit auf 282,085,000 Mark.

* Die Vorschriften zur P rüfung der Zahn­ärzte, welche der Bunderrath auf Grund der Bestimmung im §. 29 der Gewerbe-Ordnung be- schloffen hat, treten am 1. November d. I. in Kraft. Nach diesen Bestimmungen stnd zur Erthel- lung der Approbation als Zahnarzt sür das Reichs­gebiet befugt: 1. Die Central-Behörden derjenigen Bundesstaaten, welche eine oder mehrere Landes- Universitäten haben. 2. Das Ministerium für

ein Schatten über ihre Stirne flog. Dann richtete sie sich wieder empor. „Weil Du Kinder so lieb hast, soll mein kleiner Joseph Dein Pflegling werden. Seine Schwester, meine Stieftochter," bemerkte ste, „war jahrelang das einzige Kind des Hause» und muß sich erst an ben kleinen Mann gewöhnen —" sie stockte, denn die Thüre öffnete sich geräuschvoll und ein stämmige« junge« Mäd- chen trat hastig über die Schwelle. Ihre grauen, hellbewimperten Augen streiften mit einem kühlen Blick den fremden, jungen Gast an der Wiege. Achtlos schritt sie dann vorüber; ihre Annäherung machte die Kranke fichtlich betroffen. Aengstlich richteten sich ihre Augen aus die Eintretende, deren stattliche, hübsche Erscheinung leider Trotz und Hochmuth verrieth, von deren stolzem, eiskaltem Wesen e« wie ein Frosthauch auf ihre Umgebung überging.

„Mutter! Schulze von Detten ist da!" rief sie, ohne Wieschen den Tage«gruß zu bieten. Ihre Stimme klang scharf; doch so schroff ihr Wesen auch war, Wieschen hatte das Gefühl, als ob diese herbe Frucht einen guten Kern in sich berge.

„Stet junge oder alte Schulze?" fragte zagend die Frau. „Natürlich der alle! Was hätte Karl hier noch zu suchen?" betonte Luzie mit funkeln-

Elsaß-Lothringen. Die Approbation wird dem­jenigen ertheilt, welcher nach Maßgabe der Vor­schriften die zahnärztliche Prüfung vollständig be­standen hat. Die zahnärztliche Prüfung ist vor den für die Prüfung der Aerzte gebildeten Kom­missionen abzulegen, denen für diesen Zweck min­desten« ein praktischer Zahnarzt beizuordnen ist. Es finden in jedem Jahre zwei Prüfungen, die eine im Sommer-, die andere im Winterhalbjahre, statt. Die Zulassung der Prüfung ist bedingt durch den Nachweis der Reife für die Prüfung eine» deutschen Gymnasiums oder Realgymnasiums, mindestens einjähriger praktischer Thätigkeit bei einer zahnärztlichen höheren Lehranstalt oder einem approbirten Zahnarzt und eine« zahnärztlichen Studiums von mindesten« vier Halbjahren auf den Universitäten des Deutschen Reicher. Die Prüfung zerfällt in vier Abschnitte. Zwischen den einzelnen PrüfungsAbschnitten darf in der Regel ein Zeit­raum von acht Tagen liegen.

* Bochum, 21. Juli. Schon vor längerer Zeit hatte der ständige Kommissar der deutschen Katholiken-Versammlungen, Se. Durchlaucht der Fürst Karl zu Löwenstein, den Wunsch geäußert, sich persönlich von dem Stande der Arbeiten de« vorbereitenden KomilL'« für die 36. Haupt­versammlung der Katholiken Deutsch­land« zu überzeugen und einer Sitzung derselben beizuwohnen. Wie nunmehr feststeht, wird der Sonntag Morgen wird derselbe zunächst die für die Versammlung in Aussicht genommenen Saal­bauten u. s. w. besichtigen, dann Nachmittags 5 Uhr einer Sitzung de« engeren Vorstandes und endlich Abends 8 Uhr eitler solchen des Gesammt- komils's beiwohnen. Die Thatsache, daß Se. Durchlaucht unter dem Drange seiner vielfachen Geschäfte sich noch die Zeit nimmt, die weite und beschwerliche Reise hierher zu machen, zeigt jeden- falls, welche Bedeutung man in den maßgebenden katholischen Kreisen der diesjährigen Katholiken- Versammlung beilegt.

* Se. Durchlaucht Fürst Karl zu L ö w e n st e i n, dieser große Förderer aller kath. Bestrebungen, hat in der Prager Vorstadt Schwichow ein Kloster der Benediktinerinnen gestiftet und hiezu einen bedeutenden Grundkomplex angekauft. Da» Klostergebäude steht bereit» im Baue und sollen

den Augen, die unwillkürlich die Wiege streiften. Ein Blitz de» Hasse» loderte in ihren Blicken empor. Wieschen fing ihn auf und wie eine Binde fiel es von ihren Augen. Ein Seufzer der Schulzin unterbrach die sekundenlange Stille, ste wandte da» Gesicht ab und winkte mit bet Hanb nach bet Tochter hin. Diese aber schien ben Wink nicht zu verstehen; heraurforbernb ver­harrte sie auf ihrem Platze.

„Soll er zum Abendessen bleiben ober nicht? fragte sie. Keine Antwort. Ein höhnische», grelle« Auflachen erschall.

Die Schulzin zuckte zusammen; sie barg da» Gesicht in bie Kiffen und Wieschen glaubte ein unterdrückte« Schluchzen zu vernehmen. Sie war bis auf'« Blut empört; alle ihre Selbstbeherrschung war dahin. Blitzschnell fuhr sie von ihrem Stuhl empor, Auge in Auge standen die Mädchen sich gegenüber. Aber ahne einen Laut van sich zu geben, wandte Luzie sich ab und verließ die Kammer.

Die bittersten Vorwürfe hatten Wieschen auf der Zunge geschwebt, die sie mit Rücksicht auf die kranke Frau, der sie jede Aufregung ersparen wollte, unterdrückt hatte. Aber ihre Augensprache hatte offenbar gewirkt. Wie steinhart mußte da«