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j\t 165. Montag, deE22.LJuli. 1889

Ful-ier W Äilng.

einer neuen Zeit, unserer Zeit, ist der Bastillen- sturm, erklärt der Berliner ,BSrsen-Courier'; und begeistert ruft er au»: „Ein Strom voa Jreali«- mu» ist damals in die Welt geflossen, und alle Schöpfungen unserer Zeit find mit diesem heiligen Naß angefeuchtet. Wir gönnen deßhalb Frankreich seinen Gedenktag, ja wir feiern ihn mit." Auch die allzeit zahme, die Strömungen in den oberen Regionen stet» berückfichtigende Wortführerin de» Nrtionalliberalirmu», die .National«Z ttung' ist

man dem alten Mann; nachzuheuien, al» ob er nicht so den besten Theil erwählt hätte. Aber ich kann'» mir denken," fügte et mit M-üschem Tone hinzu, „man hat ihm den Schrank hübsch abge- schwindelt, dah heißt." verbesserte er sich, „man hätte die kindische Natur de» Alten zum eigenen Vortheil ausgenutzt, wenn nicht andere Lsuts uns zeitig auf die begehrlichen Finger geklopft hätten.

Mit angehaitenem Äthern hatte Wirschem chm zugehört; Scham und Zorn kämpften um dieW-tte in ihrem Herzen. Aber hier war nicht der geeig­nete Ort, um mit dem herzlosen Tyrannen zu streite«. Ach, warum weinte sie auch; der Ohm war ja allen bösen Tagen emfi°hen. Aber war

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Wird da» bet den nächsten französischen Wahlen geschehen? Der Graf von Pari» rechnet mit Sicherheit auf eine konservative Mehrheit; Baron Mackau, einer der Führer der französischen Kon­servativen, sprach ebenfall» in einer der letzten Fcaktioarsitzungen seiner Partei vom „nahen Siegestag". Wir können nur dringend wünschen, daß diese Hoffnungen in Erfüllung gehen.

Frankreich bietet jetzt ein Schauspiel de« Spott« und Hohne«, die Beseitigung der Republik würde eine wcchre Erlösung für da« französische Volk sein. Die Regierung in Frankreich ist jetzt der Gegenstand der allerschwersten Anklagen. Man behauptet, daß Alle, die sich am Staatsruder be­finden, ihr hohes Amt zu persönlichen Zwecken mißbrauchen. Präsident Grevy ist über die Wil- sonaden gestürzt, die gegenwärtigen Minister sollen all; der Reihe nach in unlauterer Weise yre Stellungen benützt haben. Ministerpräsident Tirard und Finanzminister Rouvier sollen sogar unsaubere Börsengeschäfte getrieben haben.

Die öffentliche Meinung Frankreichs ist von Ekel erfüllt und sie bereitet sich auf schwere Er- eigniff; vor. Einen Gradmesser für die Stimmung in Frankreich bildete von jcher die französische Rente. Der Cour» dieser Rente ist j tzt in fort­währendem Sinken begriffen I Die neueste Pariser Stadtanlühe ist viele Prozent unter dem Emission«- kourse ausgeboten und trotzdem nicht voll gezeichnet worden, während sonst Pariser Stadtanleihen so stark belegt wurden, daß die Z-ichner kaum mchr d-Nvu^i..

Maße verblüfft. Sie haben allen Grund dazu; denn wenn diese und die vielen anderen Anzeich.n nicht trügen, dann ist bei den bevorstehenden Wahlen eine so starke Schwächung des R publi- kanismus zu erwarten, daß sich das Uebnge von selbst ergibt. ________________________________________

(gute erwiesen hatte, und dem sie au« dem reichen Schatze ihrer Liebe hätte mittherlen können ? Unter diesem Ansturm der Stanken ^schwand der Aerger über die ungerechte Anschuldigung des Schulzen schnell. Sie erwiderte kein Wort, trocknete ihreThränen und starrte sinnend auf den Torten.

Gute Nacht, lieber Ohm I" preßte sie endlich her­vor und breitete «in weiße» Leinentuch üb-r ihn au». Mit schwerem H-.rzen verließ fi; die Kam­mer. Kurz darauf trat der Schulze zu ihr an den Herd. „Ich werde die Veranstaltung treffen, daß

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muntert, wer wußte, wa» er zu offmbaren geha hätte. Thränenlo« folgte sie dem Sarge, als er auf dem L-tterwagen de» nächsten Nrchbarn, der eins halbe Stunde entfernt wohnte, nach dem Kirch­hofe gefahren wurde. Da die größere Anzahl der Leidtragenden sich erst Eingang« des Dorfes ein- finden wollte, so bestand da« Gefolge, welche« dem Todten vom Sterbehause au» da» Gelette gab,

Klei« Miesche«.

Novelle von I. v. Dir link.

(5. Fortsetzung.)

Kein Laut antwortete ihr und al« der Schulze in's Hau» trat, stürzte ste ihm mtt v rstöctem G^ sicht und einem dumpfen Aufschrei entgegen. „Ich glaube, er ist todt!" rang e» sich endlich heiser au« ihrer Kehle. Sekundenlang stand der Schulz; wie erstarrt. Dann eilte er nach der Kammer «nd mit zwei, drei heftigen Fauststößen gelang er ihm, die alle morsche TM zum Weichen zu Mn- gen. Sie traten zugleich an da« Bett. Starr und kalt, mit gefalteten Händen, die W «* *;’ klärt vom seligen Frieden laz der alte Msmi da Reine Spur von einem Kampfe mit dem Tode» enael' sanft hatte er ihm die Stirne geküßt und ihn hinübergeleitet in ein bessere« Jenseit». Sau. weinend streichelte Wieschen ihm die hageren 2^n« gen und sank vor seinem Lager nieder. Den Schulzen machte dieser offenbare schmerz de» Rädchen» bettvffen, fast mißtrauisch segm fie, da er eine versteckte Absicht htttter demftlb.nwiterte

„Stelle Dich nur nicht so an, heischte er barsch, ste am Arme in die Höhe zerrend. „Ich bin kein Freund von solchem G^thue. Wa» braucht

dieser Gesinnung in d«n

Im Jlittrcffe de« monarchischen Gedanken» und der sozialen Ordnung ist e« sehr beklagen» veith, daß neben uns eine große Republik besteht, welche der Stützpunkt antimon^rchischer, revolutionärer Bestrebungen ist. Wie diese Thatsache auch bei uns wirkt, kann man gerade jetzt bwbachren, wo deutsche Zeitungen in schwungvollen Artikeln über den Hundertsten Jahrestag der Eckürmung der französtschen Bastille (14. Juli 1789) sich eraeben und so den Beginn der blutigen G;wa t- Ln der ft-nzösischen R publik sich selbst an- eignen. Wir finden solche A.tikel bnspielsw.ise in allen liberalen Zsituugen der deutschen R-ichr- l rj «« *“ s^ummernden Gedanken unserer VW. sät äi-ä

-t- Frankreich am Vorabend der Wahlen.

Am 28. Juli finden in Frankreich die General- rathswahlen statt, welche gemeinhin al« eine Probe auf die wahrscheinlich am 18. August stattfinden» den allgemeinen Wahlen angeschen werden. Wa» werden diese Wahlen bringen?

E« gibt deutsche Organe, welche den Sieg der Republikaner bei diesen Wahlen wünschen. Die Mnische Zeitung' bat diesem Wunsche schon oft Ausdruck verliehen: sie glaubt, der Republikanir- mus erhalte Frankreich in feiner Zerrissenheit und mache e» unfähig zu kriegerischen Unternehmungen. Da« ist aber ein erheblicher Jrrthum. Die fran« Msche R. publik von 1789 hatte da« alte Frank- reich in einen erbarmungswürdigen Zustand ver­sitzt, und dennoch wurde da« ganze monarchische Europa allein von diesem Frankreich niederge» werfen. Zudem wird ein monarchische« Frankreich gar nicht so die Volksleidenschaft gegen Deutsch­land aufwühlen können, wie die« jetzt unter der Republik der Fall ist, die keine Rücksichten zu nehmen hat und nur in der R-vancheidee wurzelt. 6ine Monarchie hat eine ganz andere Aufgabe zu erfüllen und wird zum Mindesten nicht kriegerischer gesinnt sein, al« die j tzige Republik.

Die freundlichen Wünsche für die Existenz der französischen Republik können aus der praktischen Politik nicht begründet werden. Um so schärser tritt die antimonarchische und unchristliche Tendenz

Lettisches Meich.

Berlin, 20. Juli.

• Di- ,Rordd. Allgem. Zig.' hat bisher noch mit keinem Wort die bekannte E. larung de» Grafen Waldersee erwähnt. E» ist da» recht auffällig; denn diese Erklärung ist wchtign al« da« Meiste, was in letzter Zett in der »Nordd. Allg. Zig.' gestanden hat, und e» gibt äuget diesem der Verstorbene mit allen Ehren beerdigt wttd," sagte er. „W-nn es Dir nicht gruselt, magst Du Todtenwrche halten hier. Jh werde Dir eine Magd mit Speisen schicken und Leute, die dem Todten das Sterbehemd anlegen und die Nacht wache übernehmen. Zlnde die O-llampr an, so ist er Brauch und Sitte, und st-lle sie zu seine» Häupten und bete für ihn; es nützt chai mehr als ^Äffo^mtt "allen Ehren, wie ein Groß -auer sollte er bestattet werden? Diese Zusicherung versöhnte Wieschen in etwa mtt dem Schulz n, vor dem sie jedoch eine unerklärliche Furcht empfand. , Ja, sie v reute es bitter, daß fir sich zu einem Dienst bei

vom Taumel ergriffen. Nachdem sie nicht mit Unrecht den Bastillensturm mit dem Beginn der Revolution Luther's verglichen führt ste aus, daß am 14. Juli 1789 Pari« die Vorkämpferin der allgemeinen Freiheit geworden; der ganze gigan­tische Thurmbau der Tyrannei fiel mtt einem Jahrtausend voll Unterdrückung, Elend, Schmach und Schmerz. Auch heute «och Hafter etwa» von dem Glanze aus jenem Ereigniß, der er bei seinem Erscheinen so blendend bestrahlte. Al» ein Eckstein unserer politische» und gesellschaftlichen Emrich- tungen wird der Tag de« Bastillensturm» gefeiert, erklärt pathetisch die .Rational-Zeitung'. So äußern sich in einem monarchischen Staate Blätter über den Beginn der frevelhaftesten aller Revolutionen. Hätten die am 5. Mai 1789 zum ersten Male seit 1614 nicht mehr ein­berufenen Generalstände die Bahnen ruhiger, ziel­bewußter Reformen beschritten, so wäre man ohne Wettere« in Frankreich au« dem alten Feudal« staat in moderne konstitutionelle Verhältnisse ge- ^Macht^ewHk^^Em^MGMe^e- nöthitt und entschloff-n war. Aber man wollte diese friedliche und ' etige Entwicklung nicht, man zog den Weg der Gewalt vor, «eil man die Monarchie und dar Christrnthum vernichten wollte. Vom Tage des Bastillensturme« beginnt die ge« waltsam; V-rwirküchung dieses diabolischen, revo­lutionären Planer. Und dennoch s-iern deutsche Blätter diesen Tag in jubelnden Besprechungen. Wäre e« möglich, wenn man nicht jene revolutio­nären und widerchristlichen G sinnungen hegte, welche man wegen der Drange« der Umstände niät laut in der O.ffentlichkeit zu verwirklichen