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JV 162. Donnerstag, den 18. Juli. 1889

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worben. Daß damit die Ansfichtm der Bischofs­wahl bessere geworden, liegt in dieser Ernennung nicht.

• Wie au» Köln gemeldet wird, striket seit gestern die ganze Belegschaft der Zeche Dahlbusch wegen sofortiger Entlastung des Delegirten Kang- mann.

Ausland.

• Die Lage im Leobener Strikegebiet ist eine ernste. Jetzt striket auch die Feuerwehr. Die Strikenden gehen gegen ihre arbeitenden Genoffen gewaltthätig vor und wiederholt mußte das Mili* tär gegen Ausschreitungen in Anspruch genommen werden. Die Bewegung scheint einen anarchistischen Charakter zu tragen, die Truppen mußten verstärkt werden.

• Die Anklage gegen Boulanger lautet ans Attentat, Komplott und Veruntreuung. Als Be­weismittel für die Anklage wegen eines beabsich­tigten Attentats gegen da» Elyfee dienen chiffrirte Depeschen, die Boulanger mit mehreren Offizieren aurgetaufcht habm soll. Die Anklage wegen Ver- Mtreuungen stützt sich auf Vorgänge bei Lieferun­gen für die Armee. Der dabei veruntreute Be- trag wird auf 240,000 Franken beziffert. Auch soll der brav’ general Aktien für Militär-Kasino'» au» Geldern de« Kriegsministerium» gekauft und die Aktien für sich behalten haben. — Hebet die Anklageschrift gegen Boulanger, Dillan und Rochefort wird der,Vost.Ztg.' au»Paris tele- graphirt: Die Anklageschrift beschuldigt Boulan- ger, seit 1882 seinem Ehrgeiz die Zügel schießen gelosten zu haben. Sett 1884 habe er abgestrafte Leute als Geheimagenten unterhalten und ZrUun« gen beeinflußt. In seiner tunesischen Befehlshaber« zeit habe er sich mit einem seiner Geheimagenten in ein Trinkgeld von 210,000 Frk». getheilt, wo­für er ein Kaffeepräparat zur Annahme sür'« Heer empfohlen habe. Al» Kriegsminister habe er zur Unterstützung von Zeitungen 242,693 Frks. ver­wendet, die er den Geheimgeldern entnommen habe. Aus denselben Mitteln habe er 60,000 Fik». alter Schulden bezahlt, eine Wohnung für 12,000 Frk«. neu einrichten lasten, dem von ihm gegründeten Offizier-Kasino 140,000 Frk«. zugewendet, um Einfluß auf'« Offizierkorp« zu erlangen u. f. w. Die Straßenunruhen im Juni 1887, bie Lärm*

mag'« biegen oder brechen; wer aber zum Bettler geboren ist, läßt unfern Herrgott 'nen guten Mann fein und sperrt nicht 'mal den Schnabel aus, mag'« auch Brei vom Himmel regnen/

„Hoho!" knurrte Herrn' mit einem Versuch sich empor zu recken, der gänzlich mißlang.

„Doch zur Sache", unterbrach fich -der Schulz, „wollen wir den Handel abschließen, oder willst Du absolut öffentlich verkauft werden? Du hast es jetzt noch in der Hand." Er zog ^»e große, silberne Uhr au« der Westentasche. „®« ist beto Mittag, und dieZ;U drängt — hm! «»«meinst 6e£”tietrc Seufzer wurde hörbar- der Schulze wandte den Kopf nach dem Winkel, wo K ein- Wierchen stumm, aber mtt offenbarer Wßbegierde der Verhandlung ungewohnt hatte. Sie hatte also wohl cm« Herzen«grwide geseM ?

„Aber", fiel plötzlich ihre helle Stimme in die Pause dumpfen Schweigen«, „wo bleibt nun mein Her«ann«ohm, wmn ihm da« Dach über dem Kopf verkauft, ihm Gründ und Boden unter den Füßen weggezozen und ihm der Stuhl vor die Thüre gesetzt wird?" ., . , .

„Ach so," — „Jawohl!" rufen Herrn und der Schulze zugleich, während der Letztere einen

Klein-Wieschen.

Novelle von I. v, Dirkink.

(2. Fortsetzung.)

„Laß hören, wie Du e« meinst," rief er, mit dem Holzschuh die glühenden Törfe zusammen- schiebend, während die zitternde Rechte durch da« verwllderte Haar fuhr.

Ich kaufe Dir unter der Hand Dein Anwesen ab mit Stumpf und Stiel und übernehme natür­lich sämmtliche Schulden ,

Al« der Schulze eine Pause machte, fiel Herrn mit ungewöhnlicher Lebhaftigkeit ein: »Hoho, Vetter, ist dar Alle«? Dann bin ich lustso roeU als bisher; ich möchte aber misten, weßhalb Dir an demUebertrag unter der Hand gelegen ist, da Du bei der Zwangsversteigerung ebenso gut Dein Ziel erreichen kannst." ,

Der Schulze lächelte bei dieser Einwendung des SUten still in fich hinein, rückte aber unruhig auf seinem Platze; jedenfalls hatte er dem stumpfen Greis diese Gedankenreihe nicht zugetraut.

„Natürlich liegt mir,an dem Handel unter uns, und wenn Du mich aursprechen läßt, wirst Du meine Gründe schon erfahren," tief er, die Arme verschränkend.

Kapelle. Diese sowohl, wie die Ueberrefie der Schwester warm verkohlt. Die Gebeine der Opfer würben in Särgen untergebracht, welche bie Expe­dition von Dar*es-Salaam mitgebracht hatte, und auf dem Friedhöfe bei Pugu unter Bezeichnung der Gräber bestattet. Auch auf dem Rückmarsch nach Dar-eS'Salaam wurde die Expedition nicht ««gegriffen. _ „ p

• Aus Anlaß der Erstürmung des befestigten Lagers de« Rebellenführer« Bufchiri bei Baga- moHoin Ostafrika find durch Kabinetsordre de dato Hardanger Fjord, dm 8. Juli 1889, dm Offi­zieren und Mannschaften bet Kreuzerfregatte „Leipzig", bet Kreuzerkorvette „Carola" und der Kreuzer« „Schwalbe", welche sich besonder« au«- gezeichnet hatten, Orden verliehen bezw. Belobi- gungen ertheilt worden.

* Wie nun feststeht, wird die von der Regierung de« Kongostaate« angeregte Afrikakonferenz in diesem Herbst in Brüssel zusammentreten. Zur Thellnahme eingeladen wurden alle diejmigen Mächte, welche die Berliner Kongoakte unterzeichnet haben. Von den meisten sind bereit« bestimmte Zusagen eingegangen. Reben der belgischen Re­gierung hat sich ganz besonder« die mglische für da» Zuflandekommm dieser Konferenz bemüht, auch Frankreich und Deutschland habm zugesagt.

♦ Die neun Mitglieder der Kommission zur AusatbeitungeinesbürgetlichenGesetz buche« find durch Ordmsverleihungm ausgezeichnet worden.

» Der Verein der S p t i t s a b r i k a n t e n Deutsch* land« ist beim Reichskanzler dahin vorstellig ge­worden, daß mit Oesterreich-Ungarn wegen Auf­hebung der Ausfuhrprämien für Sprit in Ver­handlung getreten beziehentlich eine allgemeine Ver. einbarung wegen Aufhebung bet Ausfuhrprämien für Spiritus in ähnlicher Weife, wie bie« bei Zucket beabsichtigt ist, in Erwägung gezogm wer. den möge.

• Zum königlichen Wahlkommissar für bie Münstetfche Bischofswahl wat der frühere Oberpräfidmt von Hagemeistet ernannt worden. Obgleich derselbe schon anderthalb Monate seinen Abschied erhalten, hatte von einer neuen Ernen­nung nicht» verlautet. Jetzt ist an Stelle de» früheren Obetpräfidmten Se. Excellenz der Herr Oberprästdent Studt von St. Majestät dem Kaiser und König zum königlichen Kommissär bei der Wahl eine« neuen Bischöfe« von Münster ernannt

„Du weißt doch, daß der Herr Hülsm, er hat den Spitznamen „Seidmbaton", da« verschuldete Gut de« Herrn von Padern angetauft und sich mit Kind und Kegel dort angefiedelt hat. Der hat Geld im Sack, war er doch früher Banguier und bet Himmel mag wissen, was Alles. Gmug, et hat Geschäftchen gemacht und ist jetzt Gutsherr, der durchaus die Provinz beherrschen und sich mächtig ausdehnen will. Dazu braucht er immer mehr Land und Sand. Und wo ein Stück Wald ober Grundbesitz an dm feinen stößt, hat er die Hand im Spiel, das Ding fchlmnigst an sich zu bringen. Leiber Gotte», seufzte der Schulze .„ar­beiten ihm unsere Bauersleute mit aller Gewalt in bie Hände. Die gehen alle dm Krebsgang und mit so rasender Geschwindigkeit, daß eine Dampfmaschine eine Schlafmütze dagegen ist."

Jetzt rückte Henn' ein wenig unruhig auf fei­nem Stuhle. „Weiß bet Kukuk, Schulze, Du wirst doch nicht gar anzüglich", hüstelte er. „Ja, wenn die verd . . . Weibsleute nicht auf meinem Kotten vor Urzeiten so unwei» gewirthschaftet hätten, wäre ich wohl ein ganz anderer Kerl.

„Wohl mSglich, aber mich dünkt/ betonte der Schulze, den Kops wiegend, „wer »um Sauer ge­boren ist, legt fich allemal hinter die Pflugschaar,

Deutsche- Reich.

Berlin, 17. Juli.

• Der Chef des Großen Generalstab« Graf Walderfee hat den ,Hamb.Nacht.' ausDront- heim ein Telegramm zugehen laffen, in welchem er die Nachricht bementirt, „bet Chef be« General- stak» der Armee habe S. M. dem Kaiser eine Denkschrift überreicht, in welcher zum baldigen Kriege, gegen Rußland geraten wirb." Diese liHttsache ist von nicht zu unterfthätzmber Beben« tung, nicht nur beßhalb, weil dadurch bie künstlich erregten Kriegsbefürchtungen wenigstens zum Theil, imb zwar in bem am besten faßbaren Theile, Lügen gestraft werben, sondern noch mehr durch die Thatfache, daß Graf Walderfee überhaupt zum ersten Male öffentlich das Wort ergreift, um fich gegen die wieder ihn gerichteten Angriffe zu weh­ren. Man ficht also, e« wird in der Umgebung be« Kaiser«, auch wenn er sich im hohen Norden auf Reisen befindet, von den Friktions-Artikeln ge­sprochen, und bei der ersten Gelegenheit, die sich zu einer Abwehr eignete, hat der Chef des Gene- ralstabe« die Erlanbniß erhalten, eine öffentliche Erklärung zu erlaffen. Särnmtliche hiesige Blät- ter nehmen von der Erklärung Notiz, nur bemer- kenswerther Weise die .Norddeutsche Allgem. Zei­tung' nicht.

* Die ,Nat. • Ztg.' erhält aus Sansibar einen Bericht über die Expedttion, welche am 2. Juni Lieutenant Schmidt mitWißmann'schenTruppen nach Pugu unternahm, um die Ueberrefie der ermordeten deutschen katholischen Missionäre aufzusuchen und zu bestatten. Die Expedition er­reichte Pugu, ohne irgend welchen Feindseligkeiten zu begegnen. In Pugu sowohl wie auf der Mis­sions-Station war Alles niedergebrannt. Alle früher urbar gemachten Grundstücke wurden ver­wüstet vorgefunden, nur einzelne kleine Hütten (frühere Werkstättm der Missionäre) sind Noch er­halten; von den größeren Sauten find nur ein­zelne Mauerreste übrig. Die Gebeine der Missionäre wurden vorgefunden, und zwar die des einen Srubers auf der Schwelle des Hauses, bie bet Schwester wenige Schritte barmt entfernt am linken Umgang ber Kapelle. Letztere mußten jedoch, da si? durch eine eingefallene Lchm- mauer verdeckt waren, erst auigegraben werden. Die Ueberrefie des zweiten Bruder» lägifi in ber

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