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jV 161. Mittwoch, den 17. Juli.

Fuldaer W Rillig.

1889

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LerrtfcheS Reich.

Berlin, 16. Juli.

• Die Reibungen dauern in der inuneren Politik fort. Fürst Bismarck ist in diesem Punkte be- kanntlich besonder» empfindlich uud seit er Reichs- kan-ler ist, verging kaum ein Jahr, ohne einen Friktion«-Krawall. Es wird über bett Gegensatz Waldersee-Birmarck gegenwärtig in den Zeitungen sehr viel hin- und hergeschrieben, aber am Ende dieser Artikel ist der Leser stets so klug wie am Anfang, weil eben gerade Jene, die et «riffelt, kein offene» Wort darüber teben können und wollen. Festzustehen scheint nur ba« Eine, daß der große Einfluß, den Graf Waldersee al» Chef de» Generalstabes und fast ständiger Begleiter de» Kaiser« auf di sm ausübt und ausüben könnte, dem Fürsten Bismarck sehr unlieb ist und ihn Cltig genirt. Da« au«zudrücken, scheint der üzweck de» ganzen Geschreibsel» zu sein. Diese» wird daher nicht aufhören, so lange Graf Waldersee beim Kaiser in Gunst steht und enger mit ihm verkehren darf al» Graf Herbert Bismarck. Hätte diefer die Sicherheit, als feine« Vater« Nqchfolger Kanzler zu werten, so würden wir schwerlich von „Friktionen" hören.

* Die Verschärfung der Kontrolmaßregeln nach der Schweizer Grenze werden jetzt auf über­triebenen Eifer untergeordneter Organe zurückge­führt. Eine Remedur soll bereit« angeordnet sein. SDte Kontrole ist jedoch derart geschildert worden, daß man nur schwer glauben kann, ste sei ledig­lich durch Uebereifer untergeordneter Behörden verschärft worden. Der amtliche Berner .Bunb' konstatirte, daß Viehhändler an der Grenze ihre Geldtaschen öffnen, Bahnbeamte ihre Akten vor­zeigen müffen. Die ,N. Zür. Zig.' bestätigte, daß «ach einer am 8. Juli in Kraft getretenen Ver­fügung sämmtliche au» der Schweiz in Deutschland eintre ff enden Güter einer höchst genauen Revision von Seiten der Zollämter unterliegen, Kiste« und Ballen (jede« einzelne Kolli) mindesten« bi« zur Hälfte auegkpackt werten müffen, welche« auch der Inhalt sei. Den beiden Zollämtern in Basel seien Kelche Verfügungen zugegangen, wa« darauf schließen lasse, daß an bet ganze« Grenze in gleicher Weise vorgegangen wird. Ein solche« Verfahren kann doch kaum ohne Weisung von den höheren Instanzen eingeschlagen worden fein. S«

wird eine Aufklärung feiten« bei kompetenten Stellen bedürfen, um diese Widersprüche zu lösen unb dar Publikum zu beruhigen,

• In Pari« ist bie Meinung verbreitet, daß der Anschluß der Türkei an den Dreibund bereit« perftkt sei, und daß alle Versuche, die von russischer Seite gemacht worden, denselben zu durchkreuzen, erfolglos geblieben seien. Die .Kreuz­zeitung' hält die» für wahrsch-inlich.

• Die dritte Liste für b»e Rothleidenden in Johnstown weist im Ganze« 112928 Mark 71 Pfg. auf. Davon entfallen auf Berlin 75554 Mk., auf Hamburg 16604 Mk., auf Frankreich 15650 Mk., auf Mannheim 5040 Mark.

♦ Die .Nationalzeitung' veröffentlicht einen Brief des Leiters der deutfchen Emin Pascha- Expedition Dr. Peters, dattrt Sansibar, 29. Mai. Dr. Peters beklagt sich darin bitter über die Engländer, die fein Unternehmen prin- zipiell und offiziell bekämpfen. Während sie die für die deutsche Expedition bestimmten Waffen unter Berufung daraus konfiszitten, daß infolge der Blokade die Wr ffmeinfuhr in Sansibar ver­boten sei, habe man die Waffeneinfuhr für eng­lische Expeditionen ruhig zugelasse«. Durch die Unterstützung Wißmann'» ist e« Peter« übrigen», wie er angibt, gelungen, sich vollständig wieder au»zurüsten. Während die Engländer die deutsche Emin Pascha-Expeditton für übet flüssig erklärten, unternehmen sie solche selbst. Peter» beklagt sich auch darüber, daß man ihn persönlich an keinem der Plätze unter britischer Blokade zugelaffen habe, da sich die Blokade doch au»schließlich gegen die Einfuhr von Kriegsmaterial und gegen die Ausfuhr von Sklaven richte, während die Ver- träge jeden deutschen Reichsunterthanm im ge- sammten Sultanat Sansibar, zu welchem die eng- tische Blokadelinie gehöre, völlige Bewegungsfrei, hett geben. Dr. Peter» ist übrigen« zäh. Wir wollen doch einmal sehen, schreibt er, ob durch Ehikanen ein große« nationale» Unternehmen wie da» unsere thatsächlich zu durchkr,uzen ist. Gleich- zeitig veröffentlicht bie .Nationalzeitung' folgende» frühere Meldungen bestätigende Telegramm au« Sansibar: Expedition nördlich Blokadelinie ge­landet, Peter« mit Hanptthetl in'« Innere mar- schirt, „Neeta" später ht Saum gekapert, schein- bar ohne Rechtsgrund, Maschine hier demontirt, Priskngericht 18. d. Mtt." Man steht, der Bries

r irWeligeLage konnte sie-nicht-«schüttern. Louise

fleischten Eremiten und Sonderling geschlldert hatte, behielt ihre jugendliche Phantasie Spielraum, ihn

al« ein leichtfertiger Wechsel, bi welcher Weise e« sei. Ihm ist da» Beharren, da« Ausharren in jeder Hinsicht, die Gewähr für Biederkeit und Zu-

Kleitt-Wiesche«.

Novelle von I. v. Dirkink.

(1. Fortsetzung.)

Egger«, bie Mutter be» jungen Mädchen«, hatte sich in Hermann Egger« Augen zu einem fahrigen Wesen ^stempelt, al« sie, anstatt eine« Hofbesitzer zu heirathen, demselbm einen döiflichen Tischler­meister vorzoz. Und be» Blut biefer abtrünnigen Mutter pulsirte in beu Adern der Tochter, bie e« ja nun schon btt zur Landläuferi« gebracht hatte. Aehnlich rumorte e» im Hirne be» Allen.

„Wie heißt Du beim?" fragte et plötzlich.

„Souife, wie meine Mutter selig, aber zu Hause riefe« sie mich „Klein - Wieschen", erwiderte sie mit ihre« Thräne« kämpfend. Ihre ganze Ver­la ff enheit trat ihr unter ben unwirschen, wort­kargen Gebähten be« Greift« unb inmitten biefer wüste«, verfallenen E «stedelei beutlich vor bie Seele. So hatte sie sich btt Hrimath be« alten, störrischen Junggeselle« nicht vorgestellt. Denn da

„Hoho!" siel der Alte mit einem nochmaligen, jähen Ruck sich nach ihr umdrehend ein,' „hoho! bei mir, ba kommst' Gen recht. Schau Dich nur erst hier um," knurrte er mit bet Genugthuung eine« Gefangenen, bet eineu Ketkergenossm findet, an dem er feine Galle auelaffen kann. In bie ununterbrochcne Einsamkett, welche ihn stumpf ge­macht, trat ba« Schicksal jetzt in Gestatt eine« jungen Mädchen« an ihn heran, bei dtffm Anblick alle, böse Erinnerungen erwachten, um da« in ihm gährende Gift an bie Oberfläche zu treiben.

„Also fortgelaufen bist D« von daheim?" warf et aber bie Schulter und mit einem Tone hin, bet bem Mädchen alle« Blut in'« Gesicht trieb. Einen Augenblick stutzte sie; an diese Auffassung bet Dinge hatte sie nicht gedacht.

Hatte denn der Ohm, bem sie ihre Lage ge­schildert, kein Verstänvniß für ihren Trttb nach Selbsthülfe, bet aus inperet und äußer« r Roth- wendigkeit entsprang? AG sie wußtt k« nicht, wa» ihre Mutter bittet gMlg empfmrdcn, daß einem Bauersmann nicht« verächtlicher erscheint,

ist ganz im gewohnten Stile de» Herrn Dr. Peter« geschrieben, der immer noch die Emin Pascha-Expedition al« ein große« nationale« Unter­nehmen zur Rettung de« unglücklichen Emin Pascha hinstellt und bittere Klagen führt über fragliche Jntriguen, die in der bekannten Konfirkation bet Waffen unb be« Dampfer» „Neera" bestehen. Einige Sätze sind bezeichnend für den Briefschreiber, al» bett ehemaligen Rivalen Wißmann'».

* Der Magdeb. Zig.' zufolge finden gegenwär­tig Verhandlungen über bie Herstellung einer direkten Dampserverbindung zwischen Deutsch­land und Marokko statt.

• Der Kaiser wirb am 2. August mit bem deutschen Geschwader auf der Höhe von Portsmouth ehttnffen und vom Prinzen von Wale« an Bord der kaiserlichen Pacht „Hohenzollem" bsgrüßt.wer­den. Die kaiserliche Pacht und da« deutsche Ge­schwader segeln sodann durch bie in Reihen auf­gestellten britischen Kriegsschiffe nachO«borne-Bay. Der Kaiser bleibt Gast bet Königin von England in Daborne btt zum 7. August, an welchem Tage bie Truppenschau in Akderschot statt findet, «ach welcher der Kaiser sofort die Rückreise antritt. London wird der Kaiser nur incognito besuchen.

♦ Karl Schurz wird am 10. ober 11. August auf bem Schnelldampfer „Columbia" in Hamburg eintrtffett. ....

• Um jeden Einwand gegen die Vollständigkeit und Unparteilichkeit der Untersuchung bet von dm Bergleuten im rheinisch-westfälischen Kohlenrevier erhobenen Beschwerdm von vorn­herein zu beseittgm, sind dtt Oberpräsidmte« von Rheinland unb Westfalen unb da« Königl. Ober­bergamt zu Dortmund durch ben Minister bet öffentlichen Arbeiten unb be» Innern ermächtigt Worten, bie Untersuchungskomnission anzuweisen, jeben Bergarbeiter, welcher bisher eine Beschwerde schriftlich oder mündlich angebracht habe, sowie überhaupt Jeden, welcher vernommm zu werten wünsche, protokollarisch zu hören.

• Münster, 15. Juli. In bet hochwichtigen Angelegenheit bet Bischof,wähl ist noch kein Fort­gang zu bewerten. E« ist jetzt ein Vierteljahr seit dem Tode be» Bischos» Johann Bernhard per- flössen. Der Regel «ach soll da« Domkapitel bei Verlust seine« Wahlrecht« innerhalb eine» Biet- teljahre« ben neuen B.schof wählen. Da bett Domkapftel an ter Verzögerung durchau« keinen mit ter Rolle eine« etwa« wunderlichen, aber doch ehrwürdigen, alten Rlauiner zu bekleiden. Dtt Ernüchterung war schmerzlich, aber bet (Bebaute an Umkehr tarn ihr trotzdem nicht in ben Sinn. Forschend glitt ihr Bl'ck umher; jetzt, da ihr Auge sich au btt ewige Dämmerung be» fenfierarmen Baue« gewöhnt hatte, stieg btt Neugierde in ihr auf, bie echt kindliche Neugierde, der alle» Fremd- artige wie ein Wunderbare« erscheint. Ob sich hier nicht noch etwa« Besondere« entdecken lassen würde?

E» war eine niedrige, langgestrecktt Behausung von Fachwerk unb Lehmwänden unb verwittertem Strohdach, da« bei Regenwetter fo wenig Schutz bot, al« ob sich Herrn' mit einem durchlöchertem Regenschirm unter feiner kahlen Pappeln nieder­gelassen hätte.

Mit diesem uv sicheren Dache war bet Einsiedler von Jugend auf vertraut. Und da et nebenbei mit zäher Mderstandrkcast ausgerüstet alle Unbilben der Witterung, jeden Wechsel bet Jahreszeit ohne eine Spur von Gliederreißen überdauert hatte, so sah er mit stumpft» Gleichmuth zu, wenn es bei einem Landregen allmählig rund um ihn herum sickerte, tropfte, plätscherte unb bte unebene Lehm» diele sich in ein Flußbett verwandelte. Diese