kicher Anblick bot. Die beiden Maschinen waren in Folge falscher W-tchenstellung auf 3 Lastwagen gestoßen, von denen fie den ersten buchstäblich zersplitterten, den zweiten über die Landstraße warfen. Die Räder der Maschine brachen wie Glas. Einen entsetzlichen Anblick bot der erste Personenwagen. Derselbe war ganz zerfetzt, der Gepäckwagen stand auf ihm. Man fah schrecklich aussehende Todte, Verwundete suchten fich vergebens herauszuarbeiten. Eine Frau wurde au« ihrem Kaupö in das nächste durchgkpreßt, - eine andere mußte eine Stunde lang mit ihrem tobten Mann beisammensitzen. Man riß die Tobten au« den Trümmern, um zu den Verwundeten zu gelangen, die meistens schwer getroffen find. Die meisten Verletzungen geschahen an den Beinen. Mehreren war der Brustkasten eingedrückt Um 9 Uhr kam der erste Hilfszug mit Arbeitern, ein zweiter brachte Aerzte und Wazen zur B.förderung ver Paffagiere. Statt um 8 Uhr kamen wir um 12 Uhr in München an. Ein Eisenbahnunglück ist doch etwa« Entsetzliche«.
* München, 9. Juli. Das nächste Budget Bayerns wird einen Uberschuß von 12 Millionen aufweisen. Die Eisenbahnvorlage verlangt Mittel zur Herstellung von Doppelgeletsen, Bahnhoisbauten und Vermehrung des Fahrmaterials. Za diesem Zwecke werden 40 Millionen gefordert.
Ausland.
• Der Wiener Nervenarzt Prof.ffor Lsides- dorf weilt seit Wochenfrist in Petersburg bei einer hochstehenden Dame. Man geht wohl nicht fehl, wenn man in dieser „hochstehenden Dame" die Kaiserin von Rußland sucht, welche ja seit dem Borker Eisenbahnunfall int Oktober v. I an Neuralgie leidet. Professor Leidesdorf behandelte bekanntlich auch dis Herzogin Thyra von Kumberland.
• Der Strike der Weber in Jägerndorf (Oesterr.-Schlesten) halber hat die Behörden ausgedehnte Sicherheitsvorkehrungen treffen laff n. Patrouillen durchziehen Tag und Nacht die Stadt. Die Grenze ist ebenfalls mit Militär besetzt, um eine Beeinflussung der eventuell zur Arbeitsaufnahme geneigten deutschen Arbeiter zu hintertreiben.
* Frankreich, welcher lange zögerte, ist nunmehr der Brüsseler Afrika-Konferenz beigetreten. — Das neue französische Wehrgesetz soll spätestens am 1. November durchgeführt sein. Doch find alle Vorbereitungen getroffm, um es thrtfächlich sofort verwirklichen zu können.
* Rom, 7. Juli. Die Erwartung in Rom war, wie man der .Germania' von hier schreibt, sehr gespannt auf den Inhalt der Allokution der geheimen Kmststortum«, besonder« da die Zeitungen schon längere Zeit vorher von einer solchen geredet hatten. An der hiefigen Börse sanken die Werthe, da plötzlich, al« da« Konststorium begann, mit B estimmtheit verlautete, dasselbe werde sich mit der Abreise der Papste« befassen. In
außer dem Straßenstaube kleine Wölkchen unter mattem Klatsch empor, in ununterbrochener Folge klangen anfeuernde Signale und Rufe au« nächster Nähe zu uns herüber. Endlich wurde da« Gezisch seltener, da« Knattern schwächer, endlich blieb da« Getöse zurück und verhallte langsam in der schwindenden Ferne.
Langsam schloffen wir uns in die Kolonne zusammen und zogen still und schweigend durch die Hügelwellen fort. Keine Lieder erklangen mehr durch die gelichteten Reihen und auch kein Scherz mehr. Dafür schlichen über die braune Wange manche« alten Kcieger« leise Thränen, die eben so gut dem Schmerze um einen verlorenen Kameraden, al« dem Grolle und Zorn fiter ein unverdiente« Mißgeschick, und über das abermalige Unterliegen der eigenen Waffen gelten konnten.
Feme zu unserer Linken brauste noch das währende Schlachtgetöse dumpf durch die Lüfte herüber, aber auch von Norden über dm Monte Baldo her begann es am Himmel zu grollen und mit rasender Schnelle flog eine dunkle Wolkenwand in die Höhe, auf die grell bestrahlten Gelände vor un« breite Schattm werfend.
Bevor wir noch die Häuser von Pozzolengo erreicht hatten brach da« Unwetter mit unerhörter Hestigkett und unter Hagel und strömenden Güssen aus. Fahl zuckten die Blitz; durch die Luft und zum Boven nieder und da« Geprassel und majestä- tische Rollm des himmlischm Donner«, da« sich in dem Hfigellande mit zehnfältigem Echo brach,
den pMischen Zirkeln des Quirinal« herrschte ebenfalls große Aufregung, und man suchte mit allen Mitteln dem Gegenstand der Verhandlungen de« Konststorium« auf die Spur zu kommen. Montag Morgen« fanden die Gerüchte über die wahrscheinliche Abreise desPapste« Verbreitung über die ganze Stadt.; die Römer beruhigtest fich erst, als am Abend die Allokution durch die Zeitungen bekannt wurde. D-r Eindruck derselben war ein gewaltiger und befestigte das Zutrauen der Römer zu Leo XIH, dem fie ihre Liebe schon Samstag Abends durch die glänzende Beleuchtung der ganzen Stadt, besonder» des Campo di Fioci, jenes Schauplatzes der ruchlosen Ge- waltthat vom 9. Juni, schon gezeigt hatten. Wir bemerken dies eigens, um dm lügenhaften Berichten liberaler Z itungen entzegenzutreten. — Augenblicklich wird hier sehr stark Jrredentismus getrieben unter den Ausfpicien der italienischen Regierung. Z itungen wie dis ,T ibuna', ,Mef- sagnero' und besonders auch offiziöse Blätter bringen fast j den Tag einen Hetzartikel, der schließlich bezweckt, Trient und Triest vom Bundesstaate Oesterreich lorzureißen und der Rrub- ironardjie Italien einzuverleiben. Einige Zeitungen haben sogar eine eigene Rubrik für diefes Thema eröffnet. Anderweitig hat sich in diesen Tagen eine sogenannte Dante-Gesellschaft gebildet, deren Zweck die Verbreitung der italienischen Sprache und die Unterstützung aller italienisch Gesinnten ist. In einer an den Straßenecken angeschlagenen Proklamation, von Senatoren und Deputirten unterzeichnet, wird besonders hervorgehoben, daß man allen jenen italienischen Brüdern helfen müff-, welche fich, vermöge ihrer eigenthümlichen Sage und ihre» Wohnortes in der Gefahr befinden, die Kenntniß ihrer Sprache oder gar die Liebe zu ihrem angestammten Vaterlande zu verlieren. Die Herren wollen ihren Zweck erreichen durch Gründung italienischer Schulen in den un erlöst en Provinzen und durch Unterstützung. Wer erinnert fich nicht an jene Entrüstung österreichischer Liberaler, al» der Katholikentag in Wien an den hl. Vater telegraphirte! O. die Herren den Ministerpräsidenten j tzt auch inter- pelliren werden, da der italienische liberale Janhagel öff n Vaterlandsverrath predigt?
* Der Kaiser von Rußland hat für Anfang Augufi die Zusammenziehung aller Schiffs der baltischen Flotte in Kronstädt, zur Besichtigung derselben, angeordnet.
* JmLondonerJustizp rlast find gestern von der Polizei vier Höllenmaschinen aufgefunden worden, welche aber nur mit Sand gefüllt gewesen find. Die ,Ewening New»' hatten an demselben Tage einen anonymen Brief veröffmtlicht, worin ein „Amateur Dynamit»" mittheilte, er werde im Iustizpalast vier Höllenmaschinen legen, deren Uhrwerk auf 1 Uhr zum Abfeuern gestellt sei.
verschlang den anmaßenden Lärm de» nichtswürdigen Skandal», den wir, zu gegenseitiger Liebe und gegenseitigem Erbarmen geschaff ne, winzige Kreaturen seit 12 Stunden allhier unablässig vollführten. So gut e» anging, suchten wir uns in den Häusern und unter dem Thurm vor dem tobenden Unwetter zu schützm. Ganze Wasserwände raffelten vor uns mit metallischem Klange zum Bodm nieder um in schmutzig-gelbem Schwalle, vermischt mit Gerölle aller Art, die gewundene Straße hinab der nächsten Bodensenkung zuzurauschen und zu brausen.
Dann wieder erhob fich unter Winseln und Pfeifen ein Orkan, welcher die alte Warte, unter der ich geborgen war, in ihren Grundfesten erschütterte und die herabströmenden Regenmass.n in horizontaler Richtung fortpeitschte und trieb.
Und alles das über Fluren, auf welchen mehr als 30,000 Verstümmelte und Sterbende sich in ihren Schmerzen wanden!
Jetzt »Hangen auch die Hörner zum Sammeln, die Kompagnien traten wieoer an, fetzten sich in langer Kolonne in Bewegung nach Osten durch Hügel und Thäler auf Mincio zu. Vor einem Weiler preßte sich Alle« zusammen, so daß für den Augenblick keine Möglichkett war, durchzukommen.
Auf einem armseligen Wagen unmittelbar neben mir, auf dürftigem Stroh, lag ein Jägeroffizier auf dem Rücken au«gest reckt, mit einem kleinen, runde«, dunkelrothen Fleck auf der Brust; krampf-
* Furchtbare Regengüsse richteten in dem östlichen Theile de« Staate« New-York großen Schaden an. Brücken und Fabriken wurden fort- gespült. Bisher kein Menschenverlust.
Arr- Stadt, BLSÄimz mtfc Aachbargsdisk.
Fulda, 11. Juli.
• Heute Morgen ertheilte der hochwürdigste Herr Bischof in der Seminarkapelle den Herren Jestädt und Becker (Diözese Fulda) die SMiakonats- wsihe. Beide Herren find bei der Gensralmuster- ung am verflossenen Montag von der Militärpfl cht entgiltig befreit worden.
—* Der hochw. Herr Bischof Dr. Klein von Limburg weilt heute, einer Einladung unseres hochw. Oberhirt-n Folge leistend, in unserer Stadt. Ec wird mit dem Abendzuge nach Salzschlirf, woselbst ihm der Kurgebrauch sehr gut bekommt, wieder zurückkehren. — Zu bedauern ist, daß der hohe Herr leider nicht ganz den Verordnungen seines Arztes entsprechen kann. Das mäßige Bergsteigen ist ihm bei den so auß ^ordentlich schlecht, resp. gar nicht in Stand gehaltenen Waldwegen, geradezu unmöglich. Die Badeverwaltung will jedoch die Oöerförsterei zu Großenlüder veranlassen, gütigst darauf htnzuwirken, daß die Forstwege in der Nähe de« Badeorte« den Bedürfnissen entsprechend hergestellt werden und wird es für ihre Kosten übernehmen, an geeigneten schönen Aussichtspunkten Ruhebänke, wie fie früher bestanden, wieder Herst Ben zu lass n.
• Wie der heutige ,R ichranzeig»' meldet, ist dem Eisenbahn - Bauinspektor Domschke, Vorsteher der hiefigen Eisenbahn Hruptwerkstätte, der königl. Kronenorden vierter K aff: und dem Ober- brandmeister August Fiedler zu Hünfeld da» allgemeine Ehrenzeichen verliehen worden.
* Wie dem hiefigen ,Kcbl.' von zuverläsfiger Seite mitgetheilt worden ist, wird an Sonn- und Feiertagen von jetzt ab bi» auf Weitere« aff der Streck; Fulda-Gersfeld ein Extrazug eingelegt werden, welcher 11 Uhr 56 Min. die hiesige Station verläßt und P/4 Uhr in Gersfeld ankommt. Derselbe wird Aoend« 8 U. 17 M. von Gersfeld wieder abfahren und 91/a Uhr in Fulda eintreffen. Diese Neuerung wird von sämmtlichen Sonntagstouristen, namentlich aber benj.lügen, welche die südliche Rhön besuchen, dankbar vermerkt werden; können letztere doch nunmehr beinahe zwei volle Stunden länger die Schönheiten der Rhön genießen, während den Sonntagsau«' flügern in die nähere Umgebung eine etwas längere „Sitzung" beim kühlen Schoppen auch nicht zu mißgönnen ist.
* Ueber Eduard Strauß unb seine Kapelle, welche nächsten Montag in der Harmonie dahier conc-rtiren wird, schreibt der ,Hannov. Courier':
haft hob und senkte fich diese unter der offenen Uniform, mit verglastem Auge, schwer röchelnd und schon bsstnnungslos zupfte er mit den Händen Flocken, wie der Franzose sagt. An der Seite de« Armen, von Zett zu Zeit seins erkaltende Hand fassend und kuff md, stand ein Oderjäger, das ehrliche Gsstcht thränenüberströmt und fortwährend laut jammernd: „Mein Hauptmann stirbt, mein guter, armer Hinptmann stirbt!" Dann plötzlich den Trupp gefangener Vsrfaglieri gewahrend, die Arm an Arm neben mir auf der Straße standen, stürzte er wüthend daher, auf fie los, deren Kameraden feinen H mptmann gemordet. Nur mit Mühe gelang es, den Mann fo weit zu besänftigen, daß er fich an den wehrlosen Feinden nicht vergreife. Endlich löste fich der fürchterliche Wirrwarr.
Mit Macht war der Abend bee langen Sommer- tage« angebrochen. Dichte Schatten lagerten in den Thälern, in blaßgoldigem Dufte schwammen die Hügelkämme, al» wir vor un« leises Rauschen hörten unb bald daraus zu unseren Füßen den dunkelnden Mincio in Wollen aufglitzernd dahin- fl'eßen sahen.
Vom anderen Ufer erglänzten schon zahlreiche Fmer und scholl der Lärm de« Sagergetöfe« Hertz ver, und auch wir überschritten bald darauf die Kriegsbrücke und rückten auf unseren Lagerplatz unmittelbar beim Flusse und neben dem Otte Monzambano ab. Aber heute gab e» kein fröhliches Treiben mehr, wie gestern um diese Zett