Einzelbild herunterladen
 

JV 156. Donnerstag, den^ll. Juli.'

filhtr W 3tifix|.

1889

Dj. suibaer Leitung' erscheint tä glich. Sonn- und Feiertage ausgenommen Vierteljährlicher Abonnementsprcis ohne Brmgerlohn und Bestellgeld ' mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts I Mark oO Pfennig.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Psg, bei Wiederholungen entsprechender Ravalt.

Denktmes EetG

Berlin, 10. Juli.

* An der Börse war heute da» Gerücht ver- breitet, daß sich Graf Waldersee in einer Spezialmtsfion nach Petersburg begeben werde.

• Ein amtliches Telegramm au» Sansibar meldet, daß Pangani am Montag von den deutschen Truppen ohne Verluste eingenommen worden ist. Heber die Einnahme Panqari's meldet der Sp zialkorrespondent dc» ,New-Dark fieralb' in Sansibar unterm 9. d». Mt» : Da» deutsche Kanonenboot „Pfeil" kam heute früh von Pangani hier an und meldete, dieser Ort sei gestern von fünf deutschen Kriegsschiffen bombardirt worden. ®te vier Sch ffe der Wißmam.'schen Expedition, sowie das Avisoboot „Kutsch" lagen ebenfalls vor der Stadt. Nach dem Bombardement landete Wiß> mann'« Streitmacht, w lche üver 1000 Mann stark ist, unterstützt von 400 deutschen Matrosen, wobei 2 Boote eingebüßt wurden. Sämmtliche Araber und Schwarze hatten sich vorher zurück­gezogen. Die Deutschen erklären, ste hätten keine Verluste erlitten, was unwahrscheinlich klingt. Wißmann'» Srrei!macht hat Pangani besetzt. Der Berichterstatter des ,Heralv' fügt hinzu, die er­barmungslose Zerstörung Pangam'», wo niemals ein Deutscher getödtet worden, scheine ungerecht­fertigt zu sein. Die Wirkung davon dürfte in Mombosa verspürt werden, wo das britische Schiff „Tu quoise" bauernd stationirt ist, d-.ffen Besatz­ung Tag und Nacht unter Waffen stehe.

* Zu der wichtigen Angelegenheit der Münster« schen Bischofswahl stnd keine neuen Nachrichten eingctr- ffen. Al» ein verstimmendes Anzeichen auf kirchenpolitischem Gebiete betrachtet man cs vielfach, daß die ,Kreuzzeitung' ihre Spalten lan­gen Artikeln eine» evangelischen Pastor» geöffnet hat/ der die Aufhebung der Parität in Preußen und die Erniedrigung der katholisch n Kirche zu einer dlo» geduldeten, aller öffentlichen Rechte, z. B. auf dem Schulgebiete, emkleideten Religionsgesillschaft offen befürwortet. Die Re­daktion der ,Kr-uzztg.' sagt zwar, sie sei gegen die Aufhebung der Parität, r.ber ste schwärmt doch auch vom „protestantischen" Ursprung und Beruf

Dtt Sag van Salfttina.

(Zur dreißigjährigen Wiederkehr des 24. Juni 1859 von Karl Freiherrn von Binder-Krieglstein.)

(Schluß.)

„Wer geht mit?" frug der Lieutenant.

„Vorwält»!" „naintie Eilore 1“ so scholl c» au» zwei Dutzend rauher Kehlen; aufsprangen die Leute und unter Führung de» Lieutenant» stürm­ten diese alten Revolulionrkrikger heute für die Ehre der schwarzgelben Fahne in rasendem Laufe, mit gefälltem Bajonett hinab dem Weiler zu, von welchem die Franzosen, mittlerweile einge­drungen, die Heranstürmenden mit regellosem Ge­knatter empfingen.

Der Zigeuner war auch dabei. Sonst gerade kein großer Held, wollte er seinen Freund Viola nicht verlosi-n. Ich sah die kleine Heldenschaar noch in den Weiler eindringcn, sah mehrere noch beim Eingänge de» Orte» zu Boden schlagen, sah Noch, wie ste fich auf die Geschütze warfen und mußte dann dem Bffehle folgen, welcher die Leute zum Sammeln rief und zum Rückzug, den auch unsere Plänklerschwärme antreten mußten, wollten vir nicht gefangen oder geiödtet weiden.

Von dem Häuflein Tollkühner kehrte Keiner Mehr zurück; ste waren Alle unter den Kugeln und Brjonneten der Zvaven gefallen. Für diese Männer waren die verlassenen und bedrohten Ka«

Preußens in bedenklicher Weise. Offenbar fehlt es in weiten Kreisen nicht an der Neigung, einen neuen Kulturkampf, und zwar einen „evan­gelischen" , anstatt de» liberalen Falt'schen Kultur­kämpfe» in Szene zu sitzen. Glücklicherweise ist die Kraft dieser „evangelischen" Katholikenfr.sier längst nicht ro groß, al» ihr Mundwerk und ihr böser Wille. Wir brauchen un» nicht bange machen zu loffen, bemerkt hiezu dar ,W. Bff, wohl aber ist Vorsicht geboten gegenüber den Annäherungs­versuchen der „konservativen" Evangelischen, welche so gern ein Stück vom Centrum abreißen möchten, um dann über die Katholiken triumphiren zu können.

* Nach dem im ,Reich«anz.' veröffentlichten Saatenstandsberichte ist für die östlichen Provinzen der Monarchie höchsten» eine Mittel« Ernte zu erwarten, in Folge anhaltender Regen­losigkeit; nur die Kartoffffn stehen überall gut. Die Heu-Ernte ist gut ausgefallen. Vielfach be­friedigt auch der Körner-Ansatz, dagegen ist der Stroh-Ertrag durchweg mangelhaft. Die Berichte aus dem Westen dagegen, besonder» au» der Rhein provinz und Westfalen, lasten, ausgenommen Obst, »ine reiche Ernte erwarten; auch guten Stroh-Ertrag. Der Stand der Weinberge im Rhein­gau und im Regierungsbezirk Koblenz ist befrie­digend. Im Regierungsbezirk Trier rechnet man auf ein bi» zwei Drittel des sogenannten vollen Herbstes. Im Regierungsbezirk Köln wird nur geringe Weinernte sein.

• Die bei der Prüfung und Einführung des von Prof stör Scheibler erfundenen verbesserten Pulver« für die Artillerie betheiligten Militär- prrsonen haben eine namhafte Dotation als Staats­belohnung erhalten.

* Wie den ,Hrmb. Nachr.' gemeldet wird, beabsichtigt das Emin-Pascha-Komitv wegen der B fchlagnahme der für die Expedition bestimm­ten Waffen und de» Dampfer» „Neera" durch den englischen Admiral beim auswärtigen Amte vor­stellig zu werden und durch eines ihrer Mitglieder eine aktenmäßige Darstellung der bisherigen Vor­gänge und der Schwierigkeiten zu geben, mit denen die Emir.-Pascha-Expedilion bislang zu kämpfen gehabt hat.

* Köln, 8. Juli. Eine große Katholikenver-

nonen nicht so und so viel Pfund Bronze, die man im Nolhfalle um so und so viel Gulden wieder kaufen kann; für sie war in dem tobten Metall die lebendige Ehre ihrcs Heeres verpfändet und um sie zu bewahren, dafür find ste gestorben,

Für un» war c» aber nun hohe Zeit, an den Rückzug zu denken. Da» Gehöft neben uns war von Tobten und Sterbenden überfüllt. Eben trat der Oberst des Regim nt», Baron Dormus, au» dem Gehöft zu UN» heraus, um Nachfrage wegen der Aeizte zu halten, als mit tiefem, pfeifendem, kurzem Schnurren etwa» turch das Ziegeldach de» G-Hüste» schmetterte.

Noch war da» Getöse und da» verzweifelte Aufschreien au» dem Inner« de» Hause» nicht verhallt, al» au» der Mette de» neben un» liegen­den Bataillon« ein scharfer, donnernder Schlag, wie au» der Erde herau«, ausbarst und gleich darauf ein dumpfer, wirbelndes Surren nach allen Seiten in die Lüfte aufwärts schnitt. Der auf diesen schmetternden Schlag unmittelbar fol­gende Augenblick scheinbar tiefer Stille wurde bald durch ein jammervolle« Stöhnen au» der Mitte de» Bataillons unterbrochen. Zugleich stand eine Anzahl Leute auf und ich sah, wie man drei zuckende, rothe Klumpen in die avSzebreiten Män­tel hineinwickelte, au« dem Viereck hinaus hinter die nächste Weinhecke trug und dort niederlegte.

Die Hörner bliesen zum Sammeln und Reti-

sammlung dahier nahm gestern folgende Resolution einstimmig an: „Die im Pius-Bau zu Köln ver­sammelten Katholiken haben mit Schmerz und Entrüstung die Feier zur Verherrlichung eines abtrünnigen Priester« und unsittlichen Schriftstellers (Giordano Bruno) verfolgt, welche au» Haß gegen die katholische Krrche und da» Papstthum am Pfingstsiste in Rom veranstaltet worden ist. In der Veranstaltung einer solchen Feier unter den Augen de» Vatikan« erblicken dieselben einen neuen Beweis für die gegenwärtige unwürdige Lage de« Papste« und eine neue A>fforderung, die Wieder­herstellung der vollen Unabhängigkeit de» Aposto­lischen Stuhle« unablä stz anzustreben. Mit diesem Einsprüche gegen eine widerchrtstliche Feier verbinden dieselben da« erneute Gelöbniß unverbrücklicher Treue gegen den Apostolischen Stuhl und herz­licher Ergebenheit gegen S?. Heiligkeit Papst Leo XIII. Ueber 1400 Männer, zumeist der echt Kölnische Mittelstand, waren erschienen, da­runter die Abgeordneten Dr. Karl Bachem, Jul. Bachem, Braubach, Haanen, Menken, Pleß, die kathol. Stadtverordneten, der Generalvikar Dr. Kleinheidt und Domkapitular Dr. Dumont, zahl­reiche Geistliche und sonstige Notabeln der Stadt, um laut Protest gegen den Skandal in Rom und die Beschimpfung der hl. Vater« zu erheben. Auch au« andern rheinischen Städten waren Theilnehmer erschienen.

* Ueber das Eisenbahn -Unglück bei Röhr­moos schreibt ein Augenzeuge: Vielleicht hat mancher Leser ein Interesse daran, von Einem, der es mitgemacht hat, etwa» Genauere» über bin Eisenbahnunfall zu erfahren, hatte vielleicht ber eine ober ber andere einen lieben Verwandten dabei. Bekanntlich werden die Schnellzüge Berlin- München und Köln-München in Treuchtlingen zu einem Zuge vereinigt. Die» geschah auch am 7. Juli, wie sonst immer. Wir hatten Verlpä- tung und sehnten un» schon nach dem lieben München, wo wir 8 Uhr 2 Min. ankommen sollten. Da, wir passirten gerade die Station Röhrmoo», 5—6 Nothstgnale, dann ein Ruck, daß wir alle von den Sitzen schnellten!, und der Zug stand still. Alle» verließ die Wagen und eilte nach vorne, wo sich ein entsetz« riren, die vorgeschobenen Ketten zogen sich, fort­während feuernd und wieder Front machend, lang­sam zurück an un« vorbei, mein Batallion trat auch unter die W.ffen und begann auf der Straße und zwischen den Kulturen abzuziehen, langsam, ohne einen Schritt zu beschleunigen, und ich er­hielt mit meiner halben Kompagnie bett Befehl, in Kette nachzufolgen und den Feind so viel al« möglich aufzuhalten. '

Noch j tzk überkommt e« mich in Erinnerung daran sonderbar und noch sitzt denke ich an jene Minuten al« an die faltalsten und gefährlichsten de« ganzen Tage«. Hinter mir war da« Batail­lon schon abgezogen, vor mir in den Hecken und Feldern schwärmte e« von den starken Ketten der verfolgenden Tirailleurr. Anfang« gerade zurück- führend, bog die Straße nach hundert Schritten scharf gegen Norden ab und ich mußte nun mit nteirer feuernden Kette in Ziehung nach recht« an ber ganzm langgedehnten, feindlichen Plänklerlinie vorbei, Nicht hundert Schritte waren wir von den Franzosen entfernt. Unaufhaltsam sah ich die bärtigen G. sichrer der Zuaven hinter dem Ge­treide und den Weinhecken auftauchen, schießen und wieder in die D dang hinabsinken. Unab­lässig zischte e« an meinen Ohren vorbei, wie ich so, die Seite dem F.inde zugekehrt, langsam zurückging.

Fort und fort wirbelte e« neben meinen Füßen