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schule beseitigen läßt. Wir sind der Anficht, daß eine einfache Unterweisung in der Buchführung in dm ländlichen Volksschulen viel mehr Nutzen stiften würde al» manches Andere was gelehrt wird. Möchte man besonders in dm Volksschulen auf dem Lande möglichst dm Anforderungen entsprechm, welche später das praktische Leben an den ge- wesenm Schüler stellt! In den landwirthschaft- lichen Winterschulen wird in anerkmnenrwerthrr Weise auf die landwirthschaftliche Buchführung Gewicht gelegt.

Das Mindeste, was auch der Kleinbauer thun muß, besteht in der jährlichen Aufnahme des In­ventars, das ist seines lebendigen und tobten Vermögens, wie der Schulden, die darauf ruhen; ferner in der regelmäßigen Führung eines Kass m- buches, in dem Ein- und Ausgaben sorgfältig verzeichnet werden. Das kann doch Jeder, der überhaupt mit Erfolg die Volksschule besucht hat. In wie vielen Fällen werden aber sogar diese allereinfachsten Grundsätze völlig mißachtet! „Am Ende", so sagt die überwiegende Mehrzahl der Bauern, „muß fich ja doch alles finden." Frei­lich findet cs fich am Ende; doch frage Keiner: „Wie?"-----------------------------

AuS Stadt, Brovirrz imfe Nachbargebiet.

Fulda, 10. Juli.

• Unfrr Hochw. Herr Bischof ist au« Würz­burg, wohin er fich am Sonnabend zur Theil- nähme an der St. Kilt ansfeier begeben hatte, gestem Abeud 6 Vs Uhr nach hier zurückgekehrt und wird fich zur Fortsetzung seiner mehrerwähnten Firmungsreise, welche erst mtt Ablauf des Monats Juli zu Ende geht, in den nächsten Tagen nach Halberstadt begeben.

* Aus Rom wird der .Germania' geschrieben: „Es wurden jüngst auf eine lokale Antwort der Kongregatton der Abläsi einige Zweifel laut über den Portiuncula-Ablaß in dm Kirchen und Kap Ren des Dritten Ordens des hl. Fran­ziskus. Kardinal Monaco La Valletta, Protektor des Kapuzinerordens, hat diese Zweifel Seiner Heiligkeit vorgelegt, und der hl. Vater hat in der Audienz des 28. Juni zu erklären geruht, daß diese« Jahr, bi« die Kongregation der Ablässe die neuen Postulata beantwortet hat, der Porttun- cula-Ablaß in allen Kirchen und Kapellen de« ®ritten Ordens unter den gewöhlichen Bedingungen von allen Gläubigm erworben werden kann."

• Wie der gestrige ,Rsichsanzeiger' meldet, haben Se. Maj. der König allergnädigst geruht, der Charlotte von Amelunxen und der Emilie von Amelunxen, Beide zu Fulda, die Eclaubniß zur Anlegung de« ihnen verliehenen Päpstlichen Kreuzes „Pro Ecclesia et Pontifice“ zu ertheilm.

* Gestern Nachmittag gegen 1 Uhr, erlitt der Bahnbedienstete Heinrich Wagner am hiestgen Bahnhofe beim Rangiren der Wagm in Folge Ausgleiten« von der im Gang bestadlichen Loko­motive mehrere Beinbrüche und Kopfverletzungen und wurde alsbald in« Landkrankmhau« verbracht.

* Die Aschoff.nburger Jäger-Kapelle wird über­morgen (Freitag) in der Walhalla concerttrm.

lagm sie da, bleichen, entstellten Angesichts, mit ihren zerschmetterten Gliedern und durchbohrten Leibern, leise wimmernd oder stöhnend, oder mit matter Stimme um einen Schluck Wasser» flehend. Vergebens sendete ich ein paar meiner Leute nach Trinkwasser au«, war sie mir aus dem Brunnen schöpften, war ein röthlicher, widerlicher Misch­masch von Blut und SB affet, in welchem Patronen­reste und kleine Fetzm Stoffes herumschwammen.

Er mochte um die zweite Stunde nach Mittag gewesen sein, da erhielt ich den Befehl, am Orte vorbei hinter den unmittelbar aufliegmden Hügel abzurücken, und hier, in einem ziemlich breiten Thale, fand ich mein Regiment versammelt und schloß mich mtt meinen Zügen demselben an.

Aber wie war e« zugenchtet! Von meiner Kom­pagnie fchlte der vierte Offizier, der Name ist mit entfallen, beide Feldwebel, wovon bet Eine ein brauet, junget Mann mtt Namm Oesterreicher; vom Bataillon nahezu bet britte Theil bet Offi­ziere und Mannschaft; ober trotzig und ungebeugt wehte noch die durchlöcherte Fahne in der Hand ihre« Führer«, und mtt dem Bewußtsein, unsere Pflicht treu erfüllt zu haben, begrüßten wir die

Die bett. Anzeige finden unsere verehrten Leser im heutigen Blatte.

* Der XXVII. Verbandstag der hessischen Vorschuß- und Kredit-Vereine wird Donnerstag den 18. Juli und Frettaz den 19 Juli zu Cassel im Palais-Restaurant abgehalten werden. Die Anwaltschaft der deutschen Genossen­schaften wird durch den Anwalt Schenk-Berlin vertreten sein. Der diesjährige Verbandstag ist von besonderer Wichtigkeit, da es sich vornehmlich um Abänderung der Statuten der einzelnen Vereine nach dem neuen Genoffenschaftsgesetz handelt. __

* Nach einer statistischen Ausstellung de« ,R ich«- Anz.' berechnet sich der durchschnittliche Flächen- Jnhalt der 38 hessen-nassauischen Kceise, von denen 16 jenen überschreiten, auf 409 12 Quadratkilo­meter. Wa« die Größe der einzelnen Landkreise anlangt, so ordnen sich dieselben in folgender Weise unter: Biedenkopf, Gelnhausen, Hofgeismar und Fulda mit 677 bis 600 Quadratkilometer, Zieger Hain, Marburg, Frankenberg, Rotenburg (Reg.-Bez. Cassel) Untertaunurkreis, Dilltreis und Eschweze mit 600 bis 500 Q ladratkilometer, Hersfeld, S ilüchtern, Rinteln, Hünfeld, Witzen­hausen, Wolfhagen und Cassel mit 500 bis 400 Quadratkilometer, Unterlahnkceis, Oberlahnkreis, MUsungen, St. Goarshausen, Unterwesterwald­kreis, Ufingen, Gersfeld, Limburg, Fritzlar, Kirch­hain, Oberwesterwaldkreis, Homberg und Wester­burg mit 400 bi» 300 Quadratkilometer, Hanau, Schmalkalden, Rheingaukreis, Obertaunuskreis und Wiesbaden mit 300 bis 200 Q mdratkilorneter, Höchst mit 193 Quadratkilometer und Frankfurt a. M. mit 60 Quadratkilometer. Unter den hessen- naffaufichen Landkreisen ist mithin der größte Biedenkopf, der kleinste Frankfurt a. M., der erstere ist 11,3 mal so groß, als der letztere.

• Einen „kritischen Tag" stellt Rudolf Falb für bett 12. Juli in Aussicht. Am 12. Juli ereignet fich eine Mondstusterniß, zusammen- fallend mit der Erdnähe des Mondes — zwei Faktoren, die in der Lehre vom Einflüsse des Mondes auf das Wetter, bezüglich der Erdbeben und Grubenkata­strophen, eine hervorragende Rolle spielen. Da int „Kalender der kritischen Tage" die betreff nde Zusammenstellung nach der Fluthformel von Laplace geordnet ist, welche die Fmsterniss! nicht berück- stchtigt, und dadurch der 12. Juli in die zweite Ordnung der ziff rmäßigen Fluthstärken eingereiht erscheint, während die Erfahrung — und wohl auch die strenge Theorie — den Finsternissen in dieser Frage ganz unzweideutig eine hervorragende Rolle anweist, so will Herr Falb darauf aufmerk­sam machen, daß dieser Tag (eine Verfrühuwg oder Verspätung bis zu zwei Tagen nicht ausge­schlossen) möglicher Weise als kritischer Tag erster Ordnung auftreten dürfte.

• Seiten« der Franziskanerpatres ist nunmehr die Verwaltung des Kreuzberges endgiltig übernommen worden. Dieselben versehen jetzt schon den Gottesdienst daselbst. Ja den nächsten Wochen werden zwei Patres dauernd dort Wohnung nehmen; zu denselben soll, wie man her ,Köl. Vzt.' aus Bonn mtttheilt, später noch ein Dritter kommen.

* Offiziöse Andeutungen lassen eine Abänder­

bisher in Reserve gestandenen Bataillone, welche an uns vorbeimarschirten, die Straßen und Hänge zum Kastell und Friedhof hinauf, um die dort Kämpfenden entweder zu unterstützen oder diesen Schlüssel der Stellung wieder zu nehmen.

So standen wir da und horchten auf das Kampf­getöse in der Höhe. Er kamen Regimenter mit himmelblauen und meergrünen Aufschlägen an uns vorbei. Auf unsere Fragen versicherten die Offi­ziere, es sei unmöglich gewesen, die Höhen gegen den übermächtigen Angriff und das verheerende Geschützfeuer zu halten oder wieder zu nehmen. Da wurden wir denn beordert, den Rückzug zu decken und den Feind so viel al« möglich aufzu­halten. So erhielt ich mit meiner Kompagnie den Auftrag, den gegen den Feind link« vorliegenden Hügelkumm zu besetzen. Unter heftigem Geschrei und Geblase und fortwährendem Feuer drangen die Garde-Zuaven, welche wir bei der geringen Entfernung al» solche nur zu deutlich erkennen konnten, über den Thalgrund herüber gegen unseren Hang vor, wurden aber immer wieder durch unser Feuer zurückgetrieben. Ich sehe ihn jetzt noch vor mir, den alten, bärtigen Hallunken, wie er zwei

ung bezw. Verschärfung de» Wuchsrge- setze» erwarten. Die Zahl der auf Grund de» Wuchergesetzes erhobenen Anklagen ist gering, noch geringer die Zchl der Verurtheilungen (0,4 bi« 0,5 Proz. der Anklagen) und beide sinken von Jahr zu Jahr. Die ,N A. Z.' zieht daraus den Schluß, daß die dunklen Ehrenmänner, welche sich mit der wucherischen Ausbeutung von Noth oder Leichtsinn (und Unerfahrenheit) beschäftigen, fich eine stetig wachsende Geschicklichkeit in der Umgehung de» Gesetze» erworben, so daß e» für die Justiz immer schwerer wirb, die­selben wirklich zu überführen und zur Rechenschaft zu ziehen. Auch die unzweifelhafte Abnahme bet überhaupt vorkommenden Anzeigen w-gen Wucher» fährt die ,N. A. Z.' fort, bedeutet keineswegs eine Verminderung der wucherischen Ausbeutung. Denn die immer lauter werdenden Klagen über die Ausbreitung des Wuchers und die stets wach­sende Aussaugung der Lande« durch denselben be­weisen da« Gegentheil. Er wird eben nur ein verschwindend kleiner Theil der Wucherfälle zur Kenntniß der Behörden gebracht; theil«. weil die Bewucherten au« Rücksicht auf ihre gesellschaftliche Stellung ober Furcht vor wirthschaftlichem Unter­gänge schweigen oder die Hülf«mittel nur mangel­haft kennen, welche da« geltende Recht auch kür die Befreiung van den Wucherschulden selbst bietet, theil« weil die Wacherer e« inzwischen gelernt haben, die wahre Beschaffenheit ihres Treiben« unter scheinbar straflosen Geschäften zu verbergen.

•Sauterbadj, 8. Juni. Gegenwärtig arbeitet auf dem Hofgut Rudlo» ein Frowler'scher Kipp- dampfpflag, welcher von 2 p 54 Pferdekräfie star­ken Drahtseilen gezogen wird. Die Arbeit ist eine außerordentlich interessante, besonder« bei der Ur­barmachung einer Hutwride; da'elbst werben 2 Ctr. schwere Steine gehoben und zur Seite geworfen.

* Cassel, 8. Juli. In dem Frankfurt-Mün­chener Zuge, der gestern bei Röhrmoo» verun­glückte, befand fich auch von hier der Bankier H. und der Kaufmann Sch. mit ihren Frauen, die glücklicherweise unverletzt Hieben. (C. A. Z.)

• Wabern, 7. Juli. In der gestrigen General­versammlung der Aktionäre der hiesigen Aktien- Zuckerfabrik wurde Rechnungsabschluß vorgelegt, derselbe war für die Aktionäre ein sehr günstiger, indem dieselben 15% Dividende und für lieber» rüben auf den Doppelcentner 25 Pfg., also auf den Center 2% Pfg., mehr erhielten, al« für die Rüben, welche auf jede Aktie gebaut werden müff n, für letztere wird für den Center 1 Mark bezahlt. Von kleineren Aktionären wurden etliche Aktien verkauft und kam die Aktie 400 M., also 100 M. mehr, al« dafür bezahlt war. (C. A. Z.)

' Au«Zella, 7. Juli, wird der,Eis. Tagerp.' geschrieben: Heute Mittag wurde hier am Eingang de« Orte« der al« Embrecher und al« Genosse Klotzbach« Übel berüchtigte Göbel durch die Her­ren Kammergutspachter Dobenecker, Postagent Marks und Güterverwalter Göb verhaftet. Ganz ungenirt versuchte Göbel das Dorf Zella zu pas- sicen, und nur dem Umstand, daß Herr Doben­ecker denselben kannte, ist es zuzuschreiben, daß man seiner endlich habhaft wurde. Drei tele-

Mal sein Gewehr auf . mich anlegte und abschoß, da ich, als Ossizier an der Feldbinde leicht er­kennbar, in meiner ganzen Länge und Magerkeit auf dem Kamme der Anhöhe zwischen meinen ge­deckt feuernden Leuten dastand.

Hier war er auch, wo ich meine beiden Freunde, den alten Honved Viola und Bolond Mischka, den Zigeuner, noch ein Mal und dann nicht mehr wieder sah. Zu unseren Füßen lag der kleine Weiler verlassen von den Unseren, noch nicht be­treten von den Franzosen, die fich von allen Seiten vorstchtig, wie in Besorgniß einer Falle, an denselben heranschoss m. Während wir so noch ihre Bewegungen verfolgten, gewahrten plötzlich einige von der Mannschaft zwischen den paar Häusern zwei Geschütze, welche dort verlassen, wahrscheinlich demonttrt zurückgeblieben waren.

„Herr Lieutenant!" wendete fich der alte Viola an meinen Kameraden, den ersten Lieutenant Namen« Thoma, „sollen wie die Kanonen den Franzosen lassen?"

„Nein, wir holen die Kanonen!" hieß e« von allen Setten.

(Schluß folgt.)