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Dienstag, den 9. Juli.

1889

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jcitinig.

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Z Einheitsstaatliche Eisenbahn- Politik

zeigt sich wieder einmal. Seit längerer Zeit ist der preußische Eisenbahnminister v. Maybach fort­während Angriffen ausgesetz». Seine Amtsverwal­tung galt bi» zu diesem Frühjahr als eine aus­gezeichnete, er wurde mit Orden dekorirt und er­hielt im Parlament von allen Seiten Lobsprüche; man war darüber einig, daß da» gute Gedeihen der preußischen Bahnen und die Beseitigung der bei der Ipreußischen Essenbahn-Verstaatlichung ge­hegten Befürchtungen wesentlich der Klugheit und Gewandtheit de» Herrn v. Maybach zu verdanken sei. Diese für den preußischen Essenbahnminister so günstige Lage hat sich seit Ende März diese» Jahres verändert und einer Situation Platz ge­macht, welche auch die übrigen Bundesstaaten, namentlich Boyern und Württemberg, unmittelbar berührt und auf welche nicht nachdrücklich genug hingewiesen werden kann.

Der Angriff, den Ende März der Staatssekre­tär des Reichspostamts, Dr. v. Stephan, im preu­ßischen Herrenhause auf Herrn v. Maybach'« Ber- waliung richtete, ist noch in Erinnerung. Herr v. Stephan führte damals aus, der Wagenman- gel, der sich auf den preußischen Bahnen theilweise gezeigt, sei schwer entschuldbar, die Ueberschüffe der preußischen Bahnen rührten theilweise au» der Zurückstellung von nothwendigen Erneuet ungen de» rollenden Materials her; trotzdem werde die Eisen­bahnschuld nicht in nennenswercher Weise getilgt. Das ist ein schwerer, zum Theil sogar berechtigter Angriff, wie man trotz aller Verdienste de» Herrn v. Maybach zugeben muß. Seitdem hat die Be­fehdung der Moybach'schen Eisenbahnverwaltung gar nicht mehr aufgehört. Namentlich find e» die den Industriellen dienstbaren Blätter in Rheinland- Westfalen, welche direkt auf die Befestigung de« Herrn v. Maybach hinarbeiten und ihn gern durch einen Industriellen, etwa durch den Krupp'schen Generaldirektor Jencke, ersetzen möchten, damit die Bahnverwaltung mehr den Jntereffen der Industrie nachkäme.

Alle diese Angriffe erhalten jetzt eine hochpoli­tische Spitze durch Auslaffungen der .Kölnischen Zeitung' und.Hamburger Nachrichten'. Die Erstere ist mit der augenblicklichen Eisenbahnpolttik unzu­frieden, weil man vom Reich au« die Verhältnisse

X ftanj roi Wkidk».

Novelle von Marga Brecht»n.

(Schluß.)

„Mit Dir überall!" sagte die glückliche Frau. „Aber sage, ist Dir der Name Wenden sehr ver­haßt und auch Alle«, was damit zusammenhängt ?"

„Nicht gerade Alle». Ich denke gern an meine Eltern, welche ihn geführt haben, aber mich er­innert er an meine Schuld gegen Dich", antwor­tete er mit zitternder Lippe.

„Vergiß es, Franz, ich bitte Dich, und nun komm, stütze Dich auf mich, ich möchte Dir so gern zeigen, wes Alles auf Dich gewartet hat." Sie fühtte den Gatten zu den Gaben, die mit so rührender Liebe aufgehäust waren. Al» er mtt freudiger Rührung das Bild seiner Heimath bettachtete, öffnete Elma da« Kästchen und darin lag — der Kaufbrief de« Wendenhofe»! Es war zwar noch lange nicht Mr« abbezahlt, aber Dok- tor Almhau» konnte das Fehlende von dem Sei­nen leecht ersetz»«.

Und er, der Heimkgekehtte, sprach nicht gleich, sein Herz war zu voll, aber er drückte die treue Frau so innig und zärttich an sich und heiße Tropfen fielen auf ihre Stirn, gerade wie ta­

rn den Einzelstaaten nicht beherrscht. Sie verlangt darum, daß da« Reichseisenbahnamt in die ihm durch die Reichsverfassung verbürgte Stellung eingesetzt werde. Die ,Hamburger Nachrichten' gehen sogar noch weiter und plädiren für ein Reichseisenbahngesetz im militärischen Interesse; damit keine Meinungsverschiedenhei­ten, wie ste jetzt zwischen Generalstab und preu­ßischer Eisenbahnverwalrung bestehen, künfttg mehr Vorkommen, soll das Reich die Forderungen der Landesverthetdigung in Bezug auf Personal, rol­lendes Material und Betriebseinrichtung erfüllen können, ohne die Bundesstaaten.

Erstchtlich stellen alle diese Kritiken und Wünsche eine komdinirte Aktion einheitsstaatlicher Eisenbahn­politik dar. Jetzt erst weiß man, wie Dr. v. Stephan vor aller Welt in so ungewöhnlicher Weise den Angriff aus seinen Kollegen v. Maybach wagen konnte, ohne daß es ihm geschadet hätte. Er fühlte sich eben gedeckt durch die militärischen In­teressen. welche er in seinen Beschwerden mit ver­trat und um derentwillen zwischen dem General­stab und dem Eesenbahnministerium Meinungsver­schiedenheiten ausgetreten sind. Die Sache ist um so bedenklicher, al» die öffentliche Meinung ja viel­fach jede Widerstandsfähigkeit verliert, sobald mili­tärische Jntereffen ausgespielt werden.

Der augenblickliche Stand der Dinge ist nach der Reichsverfassung und dem Ges>tze über die Errichtung eines Reichseisenbahnamte» im Wesenr- lichen folgender: Der Beaufsichtigung der Reicher unterliegt da« Eisenbahnwesen im Interesse der Landesverthetdigung und de« allgemeinen Verkehrs. Essenbahnen, welche im Interesse der Vertheidigung Deutschlands oder im Interesse des gemeinsamen Verkehrs nothwendig werden, können unbeschadet der Landeshoheitsrechte vom Reich in den Bundes­staaten errichtet werden. Dem Reich steht die Kon- trole über das Tarifwesen zu. Eine Ausnahme machen jedoch Bayern und Württemberg; erstere» ist in dieser Beziehung ganz selbstständig.

Ein Reichreisenbahnamt überwacht diese Reichs­kompetenzen. Es ist aber nie zur Geltung gekom­men, weil es eine Behörde ohne Exekution ist: sie ist eine Behörde auf dem Papier, die zum Zeit­vertreib sich mit Statistik beschäftigen kann.

Xie oben besprochenen Aeußerungen gehen auf eine Erweiterung der vorstehend skizzieren Reichskompetenzen au». E» soll vom Reiche au»

mal», aber diesmal waren es Thränen de» reinsten Glückes.

„Mein Liebling, mein Alle»!" sagte er endlich weich; „zaghaft kam ich zurück, ich hatte verdient, mit Kälte und Vorwurf ausgenommen zu werden, und nun überhäufst Du mich mit solcher Zärt­lichkeit. O, der Wendenhof! Möge er uns eine liebe ftohe Heimath werden! Wie werde ich mich fteuen, ihn wiederzusehen, und Dir dort jede Stätte theuerer Erinnerung zeigen zu können! — Wenn Du willst, so bringen wir fortan den größ­ten Theil de» Jahre« in Berlin zu; ich möchte meinem dorttgen Wirkungskreis nicht gern ent­sagen und Du sollst sehen, ein wie heiteres, ge­sellige« Leben Dich da erwarten wird. Die Zeft >e« Spätsommer« und Herbste« aber wollen wir auf dem schönen Wendenhof zubringen, den Deine Liebe mir wiedergewonnen hat. Er küßte ihr »olde« Gt sicht und sie fühlt» sich reichlich belohnt, al« sie in seine dankbar leuchtenden Augen sah.

„Laß un« einen Plan für die nächsten Tage offen", fuhr Wenden fort. Wegen meiner „Krank- seit mußte ich mir einen 4 monatlichen Urlaub tönnen, e« bleibt un« noch über die Hälfte dieser Zett, welche wir an irgend einem schönen Otte zubringen «ollen. Willst Du, mein Herz?"

in die innere Verwaltung der bundesstaatlichen Bahnen eingegriffen werden können, so wünscht e« der Militarismus. Die .Kölnische Zülung' hat dagegen mehr das Tarifwesen im Auge. Es ist bekannt, daß die Industriellen das Tarifwesen am liebsten ganz in den Händen de« Reiche« sähen. Da« wäre ein indirekter Weg zu einem Ziel, welches direkt zu erstreben man sich scheut. Die süddeutschen Staaten sind durch ihre ehemalige Essenbahnpolitik, die nicht rasch genug die Haupt- verkehrsverhältniffe immerbar festlegte, Preußen gegenüber bereit» in der Lage, daß Preußen einen großen Theil des Verkehr» von ihnen ablenken kann, wenn es einen Tarsskrieg beginnen wollte. Geben Bayern und Württemberg das Tarifwesen ganz au« der Hand und übertragen e» demReichs- etsenbahnamt, dann brechen ste selbst eine ihrer Stützen bundesstaatlicher Bedeutung und Selbst­ständigkeit.

Deutsches Weich.

Berlin, 8. Juli.

* Preußische Großindustrielle und Großgrund­besitzer haben sich vor nicht allzu langer Zeit mit dem Gedanken berumgetragen, sogen. Kuli« (Hindu« und Chinesen, welche al« Feldar­beiter in den britischen Kolonien benutzt werden) einzuführen, da die« äußerst billige Arbeitskräfte wären. Nun wurde unlängst berichtet, daß auf Sch ffeu der Gesellschaft „Deutsche Dampfschiff­rhederei", sowie aus solchen der Firma „Aktien­gesellschaft Wörmann", an deren Spitze der Reichr- tagSabgeordnete Herr Wörmann steht, bereits für Deutsche Chinesen als Feuerleute rc. eingestellt worden wären. Ist erst einmal der Anfang ge­macht, so wird da« Beispiel rasch Nachahmung finden. Die ostpreußtschen Agrarier haben schon lange nach billigen Arbeitskräften geschrieen, ob­gleich sie ihren Arbettern nur Hungerlöhne zahlen; fie haben auch schon die Idee angeregt, Kulis ein­zuführen. Etwa« Gefährlicheres könnte c« in einem Lande der allgemeinen Stimmrechtes und namentlich der allgemeinen Wehrpflicht kaum geben, al» wenn den deutschen Arbeitern durch die Ein­führung der Kulis demonstrirt würde, daß sie nur ein nothwendiges liebet gewesen seien, wel­ches man durch fortgesetzte Erfindung arbeiterspa­render Maschinen zu mindern bestrebt ist. Sollte

Sie lächlte froh: „Laß un« schon morgen reifen, Franz. Wir weichen dann jeder lästigen Neugier au« und find mit unserem Glücke allein. Joseph mag uns später nachkommen und dann mit un« nach Berlin reisen, während die gute Truda hier Hau« hält bi» zum Sommer. Ich werde ihn und R.ka Morgen durch ein Billet be­nachrichtigen, daß ich verreist sei. Komm nun zur Ruhe, Du bist noch nicht gesund und ich möchte Dich so gern pflegen."

Weich' ein glücklicher Weihnachtsabend ist die» gewesen! Er schloß 10 Jahre der Trauer ab und verhieß ihnen Beiden eine sorgenfreie Zukunft voll Ftteden und Glück.

Sie gingen zur Ruhe. Die Weihnachtsglocken läuteten von Fern und mit heißem Dankgebet dachte Elma an jene Nacht, wo die nämlichen Töne ste in so bitterm L-io angetroffen hatten.

In der ftühesten Morgenstunde besuchten die wieder vereinigten Gatten da» nahe Gotteshaus und baten um Segen für die kommende Zett. — Am Abend des ersten Feiertage» reiste Professor Alm- Hau» mtt seiner glücklichen Frau nach dem schönen München. Truda sandte ihnen da» nöthige Gepäck nach. Der junge Doktor Lehrbach hatte jedoch einige Mühe, bis seine hübsche Braut endlich da«