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1889

Montag, ben[ 8. Juli.

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aufzunehmen. Als der überwachende Beamte die Rednerin an dieser Stelle auf die Ungehörigkeit derartiger AusKssungen aufmerksam machte, er­klärte sowohl die Rednerin als auch der Vorsitzende der Versammlung unter dem lärmender Beifall der Anwesenden diese „unbefugte Einmischung der Beamten für ungehörig", so daß sich der Letztere genöthigt sah, die Versammlung aufzulösen.

* Den Reptilienfonds aufzuheben räch die konservative Landerzeitung für das Fürstenlhum Reuß ä. L. „Es werden zu viel von dieser Ge­sellschaft (der „Preßhusaren") und zu gut gefüt­tert, und sie schreien schon, wenn nur einmal da­von die Rede ist, daß ihre „Begeisterung" oder „Begeiferung", wie e» gerade fällt, nicht mehr mit Gold- oder Sttbergeld honorirt werden soll. Etwas Aehnliches haben wir in keiner andern Presis der Welt zu bewundern."

* Rach dem römischen Blatte .Fanfulla' trifft das deutsche Kaiserpaar Ende September im streng­sten Inkognito in Rom ein, begibt sich von dort nach Neapel und schließlich über Brindisi nach Griechenland.

* Die überseeische Auswanderung aus dem Deutschen Reich über deutsche Häfen, Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam betrug nach dem Mai­heft der Monatshefte zur Statistik des Deutschen Reich» im Monat Mai 1889 12,836 und in der Zeit von Anfang Januar bis Ende Mai 43,975 Köpfe. Dis Auswanderung hat gegen die Vor­jahre abgenommen.

• München, 7. Juli. Ja Folge falscher Wetchenstellung verunglückte heute Morgen gegen 8 Uhr bei der Station Röhrmoos unweit Dachau der Berlin-Frankfurter Schnellzug. Rach der letzten offiziellen Depesche sind 8 Personen tobt und 9 schwer verwundet, von denen eine nicht transportabel ist. Unter den Tobten befindet sich der Bezieksamtmann Schüller von Pfaffenhofen. Die Schwerverwundeten werden soeben hierher überführt. Auf dem Bahnhof find der Eisenbahn- minister, der Minister des Innern, der Polizei­direktor und Andere zum Empfang anwesend. — Eine weitere telegraphische Dcpffche der , Franks. Ztg.' aus München meldet: Das Unglück des Frankfurter Schnellzuges entstand dadurch, daß derselbe in Folge falschen Weichenstellen» auf 3, auf einem Sackgeleise stehende Wagen auffuhr.

-»«tsch«, «eich.

Berlin, 6. Juli.

• Die offiziösen ,Pol. Nachr.' konstaliren, daß die Ueberweisungen an die Kommunal­verbände auf Grund des Gesetzes vom 14. Mai 1885 für das Jahr 1888/89 etwa auf das Doppelte des vmjährigenUeberweisungSdetrageS sich belaufen. Schon der letzte Usderweisungsbe- trag überstieg diejenigen der beiden ersten Vorjahre um mehr als das Doppelte und Dreifache. Jetzt verdoppelt er fich aus'» Reue, so daß 1889 etwa 30 Millionen an dieKreise überwiesen werden. Während in den ersten Jahren der Jst- betrag der Ueberweisungen regelmäßig erhel- liü hinter dem Etatssoll zurückblieb, wird für 1888/89 da» Etatrsoll von 15 Millionen Mark um etwa 80 pCt. überschritten. Schon bei Ein­bringung des Etats für 1888/89 konnte eine er­hebliche Mehrüberweisung in Aussicht gestellt und in Uebereinstimmung damit eine Erhöhung des be- treffenden Eiatssolls für das laufende Jahr auf 23 Millionen Mark in Aussicht genommen werden; die Wirklichkeit hat aber jene Annahme noch hinter sich gelassen.

* Die „freireligiösen" Gemeinden Deutsch­lands hielten in der Pfingstwoche in Magdeburg ihre diesjährige Bundes-Versammlung ab, über welche selbst ein diesen Kreisen nahestehendes Organ wie die .VolkSztg.' ein äußerst trübseliges Bild entwirft. Diese Versammlungen mit einigen alten, aus den vierziger Jahren stammenden „Sprechern", umgeben von einer Schaar jüngerer Atheisten, Demokraten und Sozialdemokraten, von denen jeder sein eigene» religiöses und positisches Glaubens oder UnglaudenS-Bekenntmß als das allein „vernunftgemäße" anzupreisen sucht, sind allerdings schon seit Jahren der Lächerlichkeit verfallen; höch­stens gelingt cs dem einen oder dem andern Sprecher durch irgendwelche kulturkämpferische Ausfälle Re- klame für feine Person zu machen. So hielt eine von der „Bundes - Versammlung" heimkehrcnde „Dame" in Ehrcnfild bei Köln dieser Tage einen „freireligiösen" Vortrag, in welchem sie nach ver­schiedenen sozialvemokratischen Redewendungen die Bemerkung machte, daß e« b quemer sei, einem Bettler eine Hostie aus Mehl und Waffer zu reichen, als ihn an einer reich besetzten Tafel al» Gast

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Auf Bergeshöh'n stand Kilian, Ins weite Land zu schauen. Das lag noch in des Teufel» Bann Und Finsterniß und Grauen.

Des Kreuzes Zeichen pflanzt er dort

Am Asenberg der Rhöne, Daß Land und Volk es fort und fort Nur segne und versöhne.

Zum Himmel hebt er Herz und Hand In frommen heißen Bitten, Und weiht das ganz- Frankenland Dem, der am Kreuz gelitten.

Dann steigt er nieder in das Thal, DaS Wort des Herrn zu künden, Zu spenden Gottes Abendmahl, Vergebung aller Sünden.

Und mit dem Herrn ist er bereit

Den Martprtod zu sterben, Auf daß die Lande weit und breit Nur seinen Glauben erben.

Erfüllt ist nun sein Testament Am edlen Volk der Franken, Das freudig ihn Apostel uennt Im Loben und im Danken.

Noch stehst Du auf der hohen Rhön

Das Kreuzeszeichen stehen, Noch fühlst Du her von Kreuzberg» Höh'n Den Gnst des H-il'gen wehen I

(W. tratet tat -Flink. W.')

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Novelle von Mnrga »rechten.

(55. Fortsetzung.)

Die Kraft, die den Schmerz der Trennung überfianden, und seit Jahren für die Qual des Warten« ausgereicht, war jetzt zu Ende. Elma hatte den Kummer ertragen gelernt, aber die Freude war ein zu seltener Gast gewesen, so schwand ihr Bewußtsein bei der Gewißheit, daß sie ihn wieder habe. Sie stürzte vorwärts — er fing sie aus, die leblose zarte Gestalt mit dem treuen Herzen unter der Wittwentracht.

„Herr, Gott, laffe sie nicht sterben!" rang er sich los wie ein Schmerzensschrei aus seiner Brust, und dann folgte ein Gebet, da» keine Form, keine Worte, keinen Ruf hatten, sondern Nicht» war al« ein Ringen um Gnade, und Gott hörte f«. Lang­sam die großen Augen aufschlagend, tastete sie mit der zitternden Hand nach seinem Gesichte — nein, e» war kein Traum ; Thränen der Freude stür tzten über ihre Wangen und mtt vor Schluchzen gebrochener Sttmme bat sie: „Küffr mich, Franz, kamst ich weiß, daß e» Wirklichkeit ist."

Da sank der Hetmgekchrte vor ihr nieder, um- faßte ihre Kniee und flehte so rührend um Ver- grbung für da« Leid, da» er ihr angethan. Sie

Todt sind: Der Oberzollinspektor Junge au« Eibenstock, Oberforstmeister Bayreuther au» Eben­stock, Reservelieutenant Stoll au» Ingolstadt, Post­direktor Renz und dessen Frau au» Eibenstock, ein Kind und eine Frau, deren Namen noch nicht fest­gestellt wurden. Schwer verwundet find: August Wiesner, Schuhmacher au» Eichstätt, Frau Ober­forstmeister Bayreuther au» Eibenstock, Anton Speh, Reisender au» Nürnberg, Callar, Atjunkt au» Ingolstadt, Kaufmann Bösmüller aus Ingol­stadt, Hutmacher Lorenz Haderer au» Nürnberg und König, unbekannt woher. Die erste ärzliche Hilfe wurde mit dem Sr paratzuge von hier nach Röhrmoos geleitet; Geheimrath Nußbaum war selbst zur Stelle. Die Verletzungen trafen zumeist Kopf und Beine.

» Von den Passionrspielen in Oberammer­gau schreibt man: Die Bühne zum Passtonsspiel­hause ist nun vollständig neu hergestellt. Sie be- steht aus einer Mittelbühne zur Aufführung der lebenden Bilder und einer Vorbühne für die großen Umzüge der Haupthandlungen. Die Mittel­bühne erhält eine vollständige bühnentechnische Ein­richtung und empfängt das Licht durch das Pro­szenium, sowie durch das mit Glas gedeckte Dach. Gegen den Zuschauer hin bildet sie den einfachen Griechischen Tempel; zu beiden Seiten desselben schließ-n sich zwei Stadtthore an, durch deren Bogen man zwei Straßen Jerusalem» erblickt. Dann folgen die Paläste de» Pilatu» und de« Hohenpriester» Anna», an welchem sich zwei Colon- naden zur Aufnahme der Sänger, Chöre rc. schließen. Diese plastisch aurgeführten Gebäude stehen unter freiem Himmel und repräsentiren eine mächtig gebaute Stadt de« Alterthum« im Rahmen der herrlichen Hochgebirgswelt. Wird diese Stadt dann erst durch eine etwa fünfhunderiköpfige Menschenmenge bevö.kert, die in die Farbenpracht der damaligen Tracht gekleidet ist, so wird sich dem Zuschauer ein großartiges Bild entrollen. Diese Neueinrichtung wird den Charakter de» aus dem Volke selbst enstandenen Spiele» in keiner Weise ändern. Tie in hervorragend künstlerischer Weise auögesührte Panorama-Dekoration kann in verschiedener Weise durch das regultrbare Tages­licht und durch künstliche Beleuchtung der theil- weise transparenten Dekorationsstücke erhellt wer­den. Auch ist für die rasche Verwandlung der aber legte ihre kleine Hand auf seinen Mund und sagte: „Sprich nicht davon, Franz, vielleicht später oder auch nie, sag' nur, daß Du« bist und bei mir bleibst für immer."

„Und Du kannst mir verzeihen, Du wirst Den nicht fortschicken, der einst sreiwillig ging und so vielen Kummer auf Dich häufte, weil er an Dir zweifelte?" '

Ihre Arme um seinen Hal« schlingend, sagte sie leise: „Fortgehen? Sprich da« Wort nicht au«, ich kann e« nicht hören. Aber wa« ist da«, Du wirst so todtenblaß?"

„Erschrick nicht, Geliebte — t« ist Nicht«, ich bin der Freund von dem Joseph schrieb, und war kaum genesen, al« ich zu Dir kam."

Die« Wort gab ihr neue Kraft. Mtt unend- sicher Zärtlichkeit half sie ihm fich ausrichten und führte ihn zum Sopha. Dort ruhte nun Franz von Wenden zwischen den Ktssen und Decken, welche Elma zusammengetragen. Da« Herz schwoll ihm beim Anblicke einer solchen Liebe, die keinen Vor- wurf, kein btttere« Wort zu kennen schien. Währmd all ihrer Bemühungen fragte sie, wo er gewefen, wie er gelebt, und er erzählte, wie t« ihm lange Zeit ergangm sei. Seia Auge wandte sich nicht von ihr ab, sie war so rührend schön in ihrer Freude mit den wieder rosigen, aber thränm-

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