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1889

Samstag,Aenffb. Juli.

Ml 52.

Mikl W 3(itng.

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Zweites Blatt.

X fran; m Amdra,

Novelle von Marga Brechten.

(54. Fortsetzung.)

XXX

Und sie that e« wieder, genau so, wie damals an jenem 24. Dezember vor 10 Jahren.

In der Abendstunde, als die alte Truda mit der reichen Bsfcheerung für die verschiedenen armen Familien, für welche Frau von Wenden sorgte, abgegangen war, stand der Zeiger auf fünf.

Da ließ Elma die fchweren Vorhänge herab, und schlug die Portieren zurück. Sie öffnete eine Schublade, in welcher seit Jahren eine Menge von Päckchen verwahrt wurden. In jedem folgenden halte sie irgend eine Gabe htnzugefügt. Jetzt wurden die Hüllen von Seidenpapier entfernt, die zierlichen Arbeiten zeigten noch ihre glänzende Frische und Elma legte sie in geschmackvoller Ordnung auf den weißgedeckten Tisch im Gesell­schaftszimmer. In die Mitte kam, statt ve» Baumer, jenes Kästchen, befielt Deckelbild sie einst mit so frohen Hoffnungen gemalt hatte. Der Inhalt war indeß verändert, er enthielt da» Geschenk von diesem Jahre.

Als jeder Gegenstand seinen bestimmten Platz gefunden, ging Elma in das Wohnzimmer zurück und entnahm einem kleinen Schranks dasselbe Service, das ste an jenem Abende auf den Tffch gestellt und seitdem nie mehr benutzt hatte. Auch die Kiystallschale war mit frischen Blumen gefüllt worden.

Nun war Alle» fertig. Sie rief sich noch ein­mal jede unbedeutende Handlung in's Gedächtniß und da siel ihr ein, daß sie sich damals sorg­fältiger für ihn gekleidet hatte. Und so zog sie denn ihr beste«, schwarzes Kleid an, entfernte die schwarzen Spitzen und ordnete ihr Haar, wie Franz es am Liebsten an ihr gesehen. Er war zwar nicht mehr gewachsen, aber immer noch dicht und glänzend und hing in reichen Locken auf ihre Schultern herab. Ach, ste hatte es in jedem Jahre so gethan, aber umsonst! Immer hatte sie gehofft, wenn ihr Gatte nicht tobt sei, so müsse er noch einmal wiederkehren, um zu hören, wie treu sie ihm gewesen sei. Diese Erwartung war zu einer fixen Idee bei ihr geworden, und nie lebte diese stärker auf, als an jedem Weihnach'stags.

Die alte Dienerin war indeß zurückgrk hrt. D-e junge Magd, welche zu ihrer Hilfe angenommen worden, hatte für die Feiertage Urlaub zu einer Heimreise erhalten, und so besorgte Truda die häuslichen Geschäfte wieder allein. Sie theilte mit Betty da» Giebelzimmer, in welchem Joseph» Mutter einst gewohnt hatte, und in Elma'» Schlafzimmer stand schon seit Jahren wieder das Bett ihre« Gatten. Sie beugte sich jetzt darüber und strich das schneeweiße Kiffen glatt; da kamen ihr Erika'« Worte in den Sinn und zum ersten Male bemächtigte sich ihrer die Frage: ob ihr Thun nicht frevelhaft sei? Wie, wenn sie wieder einmal solche Vorbereitungen gemacht hätte, und dann plötzlich die Nachricht von seinem Tode er­halten würde? Sie sank vor dem Bette nieder und blickte zu dem Bilde auf, da« sie schon am frühen Morgen mit einem Kranze au« Stechpalmen geschmückt hatte. Doch nein, e« konnte kein Un­recht dabei sein. Eie allein wußte ja, daß Franz nicht tobt sei, daß er noch einmal wiederkommen müsse.

Es war völlig dunkel geworden, und Truda brachte Licht. Al« sie den gedeckten Tisch sah,

seufzte sie und stellte die Lampe auf den Schreib­tisch. Sie ging schon gebückt, und ihr Haar war weiß geworden. Anfang« hatte sie versucht, ihre Herrin van den seltsamen Zurüstungen am heiligen Abend abzubringen, aber die ablehnende Antwort hatte Etwa« enthalten, welche« die Alte wie ein harter Vorwurf traf. Sie wagte keine Einrede mehr und gedachte an diesem Tage ihrer Nach­lässigkeit mit bitterer Reue. Elma wußte die« und sagte: „Bringe den Thee erst später, liebe Truda, und war Du damal« thatest, thue auch jetzt; ich wünsche e« so", fügte sie mit erstickter Stimme hinzu.

Sie war wieder allein und saß auf demselben Platze am Kamin, wo er Abschied von ihr ge­nommen. Truda hatte da« Feuer geschürt, e« flackerte und praffelte, und die brennenden Holz­scheite warfen einen Hellen Schein auf die ein­same Frau, welche, den Kopf auf die Hand ge­stützt, ihr trübe« Leben überdachte. Welch' ein öie«, liebeleere« Dasein war es gewesen! Selbst die Annahme de« Kindc« hatte ihr Da« nicht ge­boten, war sie gehofft. In den ersten Jahren war Joseph bei ihr geblieben, aber dann hatte sie ihn ziehen lassen müssm und war wieder allein. Und jetzt, da seine Studien beendet, gehörte er ja Erika an und sie war zu einem einsamen Alter vsrur- theilt. Wo war Franz, auf deffen Liebe sie ein heilige« Anrecht besaß, er, der am Altäre ge­schworen, sie zu schützen und nie zu verlassen? — Sie halte große Summen geopfert, alle möglichen Nachforschungen angestellt, um seinen Aufenthalt zu ermitteln, e« war vergeblich gewesen; vielleicht, weil er unter fremdem Namen in einem Lande weilte. Die kalten Menschen, die vielen Freunde und Bekannten hatten ihn längst vergeffen. Nie­mand nannte seinen Namen mehr, für sie war er tobt. — Und Alle fanden ihre Trauer lang­weilig, übertrieben ; sie fühlte und sah da« und konnte ihnen doch nicht zurufen: „Ec lebt noch, er ging nur hinweg, weil er sie für untreu hielt." Nur noch die« eine Jahr, dann wollte sie gehen, nach ihm zu forschen von Ort zu Ort, von Land zu Land, bi« sie ihn gefunden ober der Tod ihrem Suchen ein Ende gefitzt.

Sie blickte im Zimmer umher, e« wurde so heiß, dar trübe Lampenlicht ließ Alle« so düster erscheinen. So rückte die Zeit vor, eine Stunde nach der andern verrann. Er war ja an jedem Weihnachtsabend so gewesen, warum sollte e» dies­mal denn anders kommen? Aber ste wollte nicht mehr aufblicken und den öden Raum anstarren, sie wollte nicht sehen, daß ihr Harren wieder umsonst gewesen sei. Nur ihr Ohr schärfte sich, eng in die Polster des Seffels geschmiegt, faß ste dort und lauschte gespannt auf jeden Laut, der dann und wann von der unbelebten Straße her­überklang, auf jeden Schall der fern rollendm Wagen. „Gott, der Du in dieser Nacht Frieden auf die dunkle Erde brachtest, bringe auch mir Frieden", betete sie leise. — Aber jeder Ton ver­hallte, die Men chen gingen an dem stillen Hause vorüber, Niemand dachte an sie, und kein Geräusch hatte für ste eine Bedeutung.

Keine«? O doch, denn wa« war das da drü­ben? Still — ihre Augen treten hervor, und sie preßt die Hand auf ihr Herz, d-ffsn Schlag fast auszusetzen droht, denn ihr Ohr hat endlich den Laut vernommen, den sie seit Jahren zu hören gehofft. Es klang wie ein leiser, langsamer Schritt, müde und schwer, wie der Fuß des verspäteten Wanderers, der den Weg in die Heimath gefun- den. Eine schmale Hand faßte die Falten des Thürvorhanges, um Raum zu geben für eine hohe, stolze Gestalt mit einem bleichen, abgehärm­ten Geficht!

Sie blickt ihn an — nur eine Sekunde lang — Niemand würde ihn erkannt haben — aber ste wußte, wer es fei. Ihr Körper beugte sich vor, die Hände streckten sich au», dann rief sie mit zitternder, fremdklingender Stimme: „Ich habe gewartet, o Gott, Du bliebst so lange!" _______________ (Fortsetzung folgt.)

Vermischtes.

[Zehn Gebote für Hausgenossen.) 1. Man sei stets nachgiebig, ohne fich Alles gefallen zu lassen. 2. Man begrüße sich stets freundlich, meide aber womöglich den näheren Verkehr. 3. Man taffe sich nie über die Mitbewohnern von dem Dienstmädchen ic. erzählen. 4. Man halte nie dieselbe Waschfrau, Näherin rc. 5. Man nehme nie ein Mädchen, das schon im Hause gedient. 6. Man unterlasse das gegenseitige Entlehnen, kommt es aber doch einmal vor, so gebe man das Geliehene bald mit Dank zurück. 7. Hat man auf der Treppe oder im Haus­gang etwas verstreut oder ausgegoffen, so lasse man es sofort sauber beseitigen. 8. Man nehme stets Rücksicht auf die neben, über oder unter sich Wohnenden durch Vermeidung alles unnützen Lärms, Getrampels und be­sonders Mißhandlung des Klaviers; unterlasse das Aus­schütteln von Teppichen, Vorlagen rc. aus den Fenstern, sowie das Uebergießen von Blumen aus den Fenstergesimsen. 9. Hört man einen Wortwechsel (der in den besten Familien vorkommen kann), so schließe man seine Fenster und Thüren und entferne sich, um nichts davon zu verstehen. 10. Man bilde sich niemals ein, die gesittetsten und bravsten Kinder zu haben und lehre sie neben den zehn Geboten Gottes auch die vorstehenden frühzeitig.

* In der letzten Sitzung der Berliner Gesellschaft für Anthropologie wurde das 12jährige Riefenkind Elisabeth Lyska vorgestellt. Professor Virchow theilte kurz mit, daß Elisabeth jetzt, am 16. September 1877 geboren, 1.95 Meter groß ist, daß ihr Körper untadelhafte Ver­hältnisse aufweist, daß die Länge des Schädels (Kopfes) 208 Millim. beträgt, die Haltung leicht, der Körper voll­ständig gesund, die Muskulatur ohne Fettansatz, vortreff­lich entwickelt ist und auch der Fuß in gutem Verhältnisse zum Körper steht, daß er sogar kleiner ist, als in der Regel angenommen wird, d. h. daß seine sechsmalige Länge noch nicht der Länge des Körpers gleichkommt. Die Muskelkraft hat er nicht probirt; der Impresario gibt aber auf Befragen die Auskunft, daß das Mädchen ein Gewicht von 20 Pfund mit steifem Arme emporhebt, „was er nicht nachmacht." Herr Professor Virchow zeigte Naturabgüffe der vortrefflich geformten Hand und des ebenso normalen Faßes. Männer vom stattlichstem Wüchse reichten dem Kinde kaum bis an die Schulter.

[Die verstehts besser.) Er (ehemaliger Wacht­meister): „Merke Dir das ein für alle mal, Frau — Widersprach dulde ich nicht — habe ich nicht umsonst 26 Jahre gedient und zwei Feldzüge mitgemacht I" — Sie: „Und ich taffe mir erst recht nichts bieten, habe auch 22 Jahre gebient und — bin mit 54 Madamen fertig ge­worden!" . , ,

[31 o 6 e L] Chef (zum Lehrling): „Sw bekommen bet mir jeden Abend eine warme Knoblauchswurst; wenn Sie sich weiter führen zu meiner Zufriedenheit, kriegen Sie vom nächsten ersten auch — Senf dazu *

Literarisches.

Pastor bonus. Zeitschrift für kirchliche Wissenschaft und Praxis, herausgegeben von Dr. P. Einig und Dr. A. Müller, Profefforen am Bischöflichen Priester­semiaar in Trier. Mit bischöflicher Genehmigung. Verlag der Paulinus-Druckerei in Trier.

Das soeben zur Ausgabe gelangte Heft 7 hat folgen­den Inhalt: Verbinden die Pflichttheilsbestimmungen des Code civil im Gewissen? (P. L. v. Hammerstein 8. J.) — lieber das Te Denm (Pfarrer I. Beinroth.) — Die Ablässe ver Devotionalien (Subregens K. Schrod.) — Fingerzeige für junge Seelsorger (Regens Jak. Graach.)

Was und wie tst in der Kirche zu singen? (Domkapell- meister PH. Lenz.) — Bau und Grundriß der Trierer Maximinkirche vor 950 Jahren (H. B. Sauerltmd.) — Mittheilungen: Die Gehaltszuschüsse der Geistlichen in Preußen. II. (Prof. Dr. A. Reuß.) — Familienbuch für die Pfarrer. — Lotterien für Kirchenbauten. — Bucher- schau : Grundriß des kath. Eherechts. Bon Dr. Heiner. (Pros. Dr. A. Müller.) — Die Bau- und Kunstdenkmäler der Rheinprovinz. Bon Dr. Lehfeld. (Domdechant Dr. oe Lorenzi.) — P. Agostino da Montefeltro (Prof. Dr. A. Müller.) — Anhang: Verzeichnis: neu erschienener Bücher.

Mit vorliegendem Heft 7 beginnt das III. Quartal. Der Preis eines Quartals ist 1 Mark. Bestellungen kön­nen sowohl bei den Buchhandlungen, als auch bei den Postämt.rn gemacht werden. Probehefte sind durch jede Buchhandlung gratis zu beziehen. Wir empfehlen die Zeitschrift nicht nur den Herren Geistlichen zum Abonne­ment, sondern auch jedem gebildeten Katholiken.