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jv 150 Donnerstag, den 4. Juli.

Fiild«r M

1889

Die Rulbaer Leitung' erscheint tägltd), Sonn- und Feiertage ausgenommen Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen in Fulda und auswärts 1 Mark oO Pfennig.

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k.O.Die katholische Lehrgesellschast.

(Zuschrift aus Rom.)

~ Ich erlaube mir, die' geehrten Leser d. Bl. auf die Katholisch« Lehrgesellschast in Rom (Borgo Vicchio 165) aufmerksam zu machen, damit dieselbe bei der weiten Entfernung von der Heimath nicht in Vergessenheit komme. Denn fie bedarf der Theilnahme btt deutschen Landsleute. Der nahende Schluß de» Schuljahre» macht bei Manchem eine Berufswahl nothwendig. Wenn dieselbe zum Oldem prtesterstand und Missions- beruf im In« — oder Ausland hinmigt, dann ist die Lehrgesellschaft ein entsprechendes Feld zur Aurführung diese» Berufe«.

Auch für manchen, der nicht Priester werben will, aber im Ordensstande den Frieden sucht, den die Welt nicht geben kann, für manchen Hand­werker, Arbeiter, Kürstler mag die Frage, wohin soll ich gehen, Verlegenheit machen. Die Lehr- gesellschaft bietet ihm die Gelegenheit, den Beruf zu erreichen. Ebenso finden stch stet» und überall vom Geiste Christi beseelte Männer und Frauen, welche für die Ausbreitung des Reiches Gottes unter den Menschen durch Gebet und Almosen wenigsten« in etwas für das eigene Glück de« Glauben« und de« Seelenfrieden« sich dankbar beweisen wollen. Diese können als Förderer, Mit« arbeitet und Wohlthätet det Lehrgesillschast sich Verdienste für den Himmel sammeln.

Damit abet da« katholische Publikum Deutsch­land» und Oesterreich» urtbeilen kann, ob die Katholische Lehrgesellschast auch sich entwickelt und fortschrettet, wll ich den gegenwärtigen Stand ihrer Mitglieder nach Dözesen zur Kenntniß bringen. Sie zählt im Augenblick 147 Mitglieder und zwar au» folgenden D özesen: Freiburg in Baden 8, Paderborn 5, Prag 1, Ermeland 1, Limburg 7, Köln 13, Augsburg 6, Bamberg 6, Breslau 8, München 9, Regensburg 5, Rottburg 6, Tivoli 6, Brercia 1, Leitmeritz 1, Benevent 16, Budweis 5, Würzburg 5, Ariano 2, Avellino 8, Girgenti 5, Olmütz 2, Loreto 1, Lucera 1, Monti cafstno 1, Sitten 1, P.siau 2, Palermo 3, Eichstädt 1, Mainz 1, St. Poelten 1, St. Gallen 1, Wien 1, Speier 1, Roermond 1, Basel 1, Trier 1, Wilna 1, Hartem 1. Man sieht, wie von Siziliens Strand bis zu den Gt staden des deutschen Meere», von den holländischen D^nen bi» in da» russische Gebiet hinein verschiedene Rationalitäten ihre Vertreter liefern.

x ftie; m Wenden.

Novelle von Marga Brechten.

(52. Fortsetzung.)

Die feuchte, fieberheiße Hand tastete nach der de« jungen Arzte« und hielt fie mit schwachem Drucke. Dann kam er wieder, der unheimliche Bericht de« Manne«, der sich selbst um sein Glück betrogen:

„Da« spätere Schiff war untergegangen. Auf die Liste der Ertrunkenen setzte man auch meinen Namen und Alle hielten mich sür tobt. Nur fie allein wußte, baße« eine Täuschung sei; ich hatte ein Abschiedswort zurückgelaffen und da« gerettete Erbe. Sie mußte e« Niemanden entdeckt haben, auch Dir nicht. Ich dankte damal« der Vorsehung für düse falsche Nachricht; fie ersparte Elma jede Verlegenheit vor det Welt und, wenn ich nicht zutückkehrte, mochte fie mich in bet Fremde ge­storben glauben.

Von nun an ergab ich mich in mein Schicksal. Ich wurde finster und hart, versuchte jede Er­innerung zu bannen und konnte e« nicht. Dein Anblick mahnte mich fortwährend an jene glück-

Von dieser Zahl find 6 Priester, 1 Diakon, 4 Subdiakonen, 6 Minoristen (mit nieder« Weihen), 6 mit Tonsur, die übrigen summiren fich au» Prost fforen ohne Tonsur, Novizen, Oblaten und Laienbrüdern.

Daß die kirchlichen Behörden der Gesellschaft günstig und wohlwollend stch zeigen, also auf deren Wirken, Schaffen und Leben Verttauen setzen, mögen jene, welche von diesen Dingen ein Verfländuiß haben, daraus ersehen, daß die schwierige Frage des sogenannten Tischtitels oder des Nachweise» von genügendem Lebensunterhalt für die Priester vom heiligen Vater Papst Leo XIII durch Dispens von demselben in allen den Fällen, in welchen in letzter Zeit nachgesucht worden ist, immer gelöst worden ist. Ebenso wurde für solche, welche von ihren Bischöfen aus dem Dchzesanverband entlaffen oder excardinirt worden find, vom heiligen Vater gestattet, daß fie der Generalobere der Gesellschaft für die Weihen präsentire, daß fie also ohne D özesan- verband der Gesellschaft selbst ircardinirt werden.

Die Wirksamkeit der Lehrgesellschast ist wohl noch wegen der kleinen Anzahl von Priestern auf da» Mutterhaus beschränkt, aber die vorhandenen Kräfte «besten, soviel fie vermögen. Außer der Erziehung und dem Unterricht bet Mitgliebet, von denen nut die Kandidaten det Phllosophie und Theologie die öffentliche Gregorianische Uni» versttät besuchen, während die niederen Studien im Hause selbst gemacht werden, gibt fie noch den „Nuntius Romnnus“ in lateinischer Sprache, den „Missionär" und da» „Manna für Kinder" in deutscher Sprache und 2 italienische Zeitschristen heraus. Au« der Druckerei ist auch kürzlich eine neue Auflage des renommiiten Werkes der Mon­signore Cavagni«, R.ktor des päpstlichen römischen Seminars in Rom „Institution es iuris publici ecclesiastici“ in 2 Bänden hervorgegangen. Dazu ist auch pro 1890 bereits wieder der Apostel- kalender fertig gestellt, welcher demnächst Mitte Juli schon erscheinen wird und auf den wir hier­mit zugleich die Aufmerksamkeit der Leser di.se« Blatte» hinlcuken wollen.

Nach dem Gesagten wird e» also nicht als unbescheiden gelten, wenn ich mir neuerding» er­laube, die Katholische Lehrgesellschast dem Wohl­wollen und der Unterstützung be» hochw. Klerus, wie ber guten Laien deutscher Nation zu empfehlen.

liche Zeit, ich begriff nicht warum, und gab mir Mühe, Dich au» meiner Nähe zu verscheuchen. Jetzt weiß ich, weshalb ich mich zu Dir hingezogen fühlte. Ich kannte einst Deine Mutter und war ihr mit herzlicher Neigung zugethan; aber ich konnte sie nicht so lieben, wie fie glaubte. Später verlor ich ihre Spur und war in der ersten Zeit erbittert, daß sie fich meiner Sorge entzog. Und dennoch, wie hätte fie mich ausfinden können. Au- selbstsüchtiger Vorsicht hatte ich ihr meinen Namen v-rschwiegen, und nur einen meiner Vornamen an­gegeben ; fitzt erkenne ich die Strafe, die über mich kam: durch einen Namen hatte ich die arme Loni irre geführt und wurde nach Jahren selbst durch einen Namen getäuscht.

„Sieh mich nicht so finster an, o, sprich nur ein Wort, Du hast ja selbst die Strafe gehört und meine Rene gesihen l Was ich an Deiner Mutter verschuldet, meine Elma hat es an Dir gesühnt. — Ihr that ich ein größeres Leid an; fie kann mir rücht verzeihen und so bin ich ft oh über diese Krankhett, die mir ein Leben endloser Selbst quälen erspart. O, daß ich noch die Kraft gehabt hätte, fie auf meinen Änteen um Vergebung zu bitten,

DerckscheS Neich.

Berlin, 3. Juli.

* Au« Rom erhält die .Franks. Ztg.' einige Mitcheilnngen über die Ansprache, welche der Papst am 30. Juni im geheimen Konsistorium bet Karbinäle hielt. Die Rebe de» Papstes wat gegen die Giotdano-Bruno-Feiet gerichtet, und gegen die, welche dieselbe tm Kampfe gegen die Religion angeregt und unterstützt haben. Nach der Beendigung der Ansprache unterhielt fich bet Papst längere Zeit mit ben Äarbinäten, welchen er die Unhaltbarkeit ber gegenwärtigen Lage bar- stellte unb benen gegenüber er seiner festen Ab­sicht (??), ben Papstfltz nach Spanien ober einet im spanischen Besitz bcfinblichen Insel zu verlegen, Ausdruck gab. Der Papst erklärte wie­derholt seine unerschütterliche Ueberzeugung, daß die jetzigen Verhältnisse zu einem bal« digenKriege drängen, unddaß in einem solchen das Papstthum in Rom keinen Schutz fände. Damit werden, so heißt e» in dem betreff. Bericht, meine Meldungen ganz be­stätigt, daß mit der spanischen Regierung bereit» alle Abmachungen getroffen wurden; ber Wortlaut bet Rebe geht, wie ich soeben erfahre, heute Abend an die Nuntien ab. Im Anschluß an diese Nach­richten geben wir nachstehend den Wortlaut be» Wolff'schen telegraphischen Berichte»:

In der gestrigen Allokution erinnerte der Papst an den bereits Ostern erhobenen Protest gegen das Bruno- Denkmal; er habe die Kardinäle zu einem außer­ordentlichen Konfistori-m berufen, um seine Indig­nation auszudrückeu. Nach der Einnahme Rom» durch die italienischen Truppen habe die Religion wie der päpstliche Stuhl eine lange Reihe von Verunglimpfungen erlitten. Man habe die gewaltsamen Angriffe fortgesetzt, um die Kirche zu stürzen, als Gipfelpunkt würde ein hohe- Fest­tag gewählt, um einen Denkstein als Zeichen des Krieges gegen die katholischen Institutionen aufzuricl- ten. Man wollte einen Rebellen gegen die Kirche, einen P antheisten und Materialisten damit ehrm. Man versuchte es auf's Neue, den Haß gegen das Pontifikat zu entfachen; Rom habe eine Menge gesehen, welche Fahnen und Abzeichen trug, die revolutionäre Tendenzen nicht nur gegen die Religion, auch gegen die allgemeinen Grundsätze der Ordnung bekundeten. In den Reden hätte man ohne Scheu heilige Dinge angegriffen und eine falsch», der bürgerlichen Ordnung, wie den christlichen Grundsätzen zuwiderlaufende Freiheit verherrlicht. Die Regierung habe diese Angriffe offen vorbereitet und gefördert; es schmerze ihn, sagen zu müffen, daß in der Stadt, in welche Gott den Wohnfitz seines Statthalters verlegt hat, die Ketzerei und Jrrthümer durch ein Denkmal verherrlicht werd- n. Er will diese unwürdige Thatsache der ganzen katholischen Welt öcrlünben und zeigen, daß Diejenigen, welche de t Papst die weltliche Herrschaft entriffen, auch jetzt den

aber schreibe ihr nicht, versprich e» mir heilig. — Bleibe bei mir al« Sohn unb al» Arzt, um Elma'« Willen; vielleicht, baß Gott Deine Mühen segnet, unb sie Dir doch dereinst bauten wirb I Auch ich habe in einer Nacht voll Sorgen an Deiner Wiege gestanden unb Dein junge» Leben gerettet. Loni segnete mich bafür."

Er wollte sich aufrichten, aber seine Kraft war erschöpft. Er bohrte da» schmerzende Haupt tief in bte Ä ffen, sein Geist umnachtete stch; er sah nicht bte Thräne im Auge be« jungen Manne«, aber er fühlte, daß seine Hanb mit kräftigem Drucke umfaßt unb warme Lppen darauf gepreßt wurden.

Der junge Arzt betrachtete ihn mit tiefer Rüh­rung, er wußte nun, daß dieser Mann, ber j tzt so gebrochen und yiiflo« vor ihm lag, einst seiner armen Mutter nahe gestanden, unb daß er ber Gatte seiner geliebten Pflegemutter war, ble ihn mit nie enbenber Liebe betrauerte. O, um ihret­wegen unb um be« Vertrauen« willen, ba« ber Professor in ihn gefitzt, wollte er seine ganze Kraft aufbieten unb ihn zu retten suchen.

So begann Joseph Lehrbuch noch in biefer