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jy 149 Mittwoch, bett 3. Juli.

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Die .Fuldaer Zeitung- erscheint täglich, Sonn- und Feiertage °u,genommen. """

Ö mit.der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen m"uSNmrt» 1 Mark «i Psenmg.

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Deutsches Reich.

Berlin. 2. Juli.

• Die Thal fache, daß der Generalstabsches Graf W a l d e r s e e den Kaiser bei seiner Reise nach Not- wegen begleitet, gibt einigen Blättern Anlaß zu allerlei merkwürdigen Combinationen. Sie ersehen Graf Waldersee bereit» al» künftigen Kanzler für den Fall daß Fürst Bismarck feine Augen schließt, und bemerken, daß dessen Sohn keine Aussicht habe, Nachfolger seine« Vater« zu werden. Solche Be- Hauptungen lasten sich nicht bestimmt aussprechen, allein er ist doch symptomatisch für gewiste Ström­ungen, daß gegen Graf Waldersee, der offenbar in der Gunst de« Monarchen sehr fest steht, in einem fort indirekt geschürt und die speziellen Verehrer de« Hause« Bismarck gegen ihn einzu­nehmen gesucht werden. E« läßt dieses Vorgehen verschiedene Beurtheilungen zu und zeigt, daß eben auch in hohen Regionen ein fortwährende» Wett­laufen um die allerhöchste Gunst stattfindet.

* Die Begegnung de» Kaisers mit der Königin von England findet im Sommerschloß Osborns bei Cowes auf der Insel Wight statt.

* Der Kaiser von Oesterreich wird am 12., möglicher Weise schon am 11. August in Berlin eintrlffen.

• Geheimrath Dr. Hinzpeter, der frühere Erzieher des Kaisers, hat ein größeres sozial-poli­tisches Werk vollendet, in dem er die Ergeb« sie seiner langjährigen Studien und Beobachtungen niedergelegt hat. Herr Hinzpeter hat, wie erinner­lich, im Auftrage des Kaisers auch das Gebiet des Kohlenausstandes besucht und dem Kaiser über die dortigen Verhältnisse Bericht erstattet.

* Die Verworrenheit und Unbestimmtheit der Grenzen vieler europäischer Ansiedlungen in Afrika hat, zur Vorverhandlung zwischen den interesfirten Mächten geführt, um in dieser Beziehung eine afrikanische Konferenz einzuberufen. Eng­land, Deutschland, Frankreich, Portugal, Belgien, der Kongostaat und Italien werden auf derselben vertreten sein. Die Verhandlungen find jedoch noch nicht weit gediehen und auch der Konferenz­ort wird noch nicht genannt.

* In dem Prozesse gegen die Armee-Lieferan- ten Wollank und Hagemann, Micher 6 Sitzungstage beansprucht hat, fanden gestern die Plaidoyerr statt. Der Staatsanwalt gelangte zu

x fran; tue Wenden.

Novelle von Marga »rechten.

(51. Fortsetzung.)

Es verging dennoch eine Stunde, bis er zurück- kehrte. Der Profeflor lag jetzt in unruhigem Schlummer, und Joseph Lehrbach trat geräuschlos in das vordere Ztmner, nachdem er zuvor ein Heine« Aquarellbtto auf ein Tischchen vor dem Bett gelegt hatte. E« zeigte einen kleinen Thril eines Friedhöfe»; im Vordergründe einen frisch aufgeworfenen Hügel, den ein Veilchenkranz schmückte. Am Fuße de» Grabe» kniete ein Knabe in ärmlicher Kleidung, sein Hütchen in der Hand haltend. Ihm gegenüber sah man eine Dame in Trauer mit blondem Haar und Elma'« Zügen. Auf der Rücksette de« kleinen Gemälde« standen folgende Worte: „Zur Erinnerung an Deine ver­storbene Mutter Boni Lchrbach." —

Der junge Mann wollte da« von Susi für ihn hergerichtete Zimmer nicht aufsuchen, sonbern fitzte sich in den gvchen Lehnstuhl an'« Feuer und dachte über die Ereignisse de« Abend« nach. Müde und erschöpft versuchte er sich dennoch wach zu erhalten, aber allmählich schloffen sich die Augen, und ein schwerer Traum umfing seinen Geist. —

dem Resultat, daß der Angeklagte Wollanck in 5 und der Angeklagte Hagemann in 24 Fällen der Beamtenbestechung schuldig seien und beantragte gegen letzteren eine Gefängnißstrafe von 6 Jahren und 5 Jahre Ehrverlust, gegen Wollank eine Ge- sammtstrafe von 2 Jahren, ohne Verlust der Ehrenrechte. Da» Urtheil wird morgen Mittag verkündet.

* Um den Absatz der oberschlesischen Kohle in den Ostprovinzen zu fördern und die englische Kohle dort zu verdrängen wurde eine Zeitlang tie Einführung eine« Kohlenzolls gefor- bett. Es geht aber auch ohne einen solchen. Seit vorigem Oktober find die Seefrachten derart ge­stiegen, daß schotttsche Kohlen mit den oberschle- fischen im ost- und weflpreußischen Küstengebiet nicht mehr konkurriren konnten. E» wurden 47 Prozent mehr oberschlesische Kohle mit der Bahn nach dort tranrportirt als int Vorjahre.

* Bochum, 30. Jun». Mit der 36. Haupt­versammlung der Katholiken Deutschlands soll be­kanntlich eine Ausstellung für christliche Kunst verbunden werden, die in den Tagen vom 18. bi» 20. August stattfinden wird. Man hatte Anfangs Zweifel, ob Bochum für eine solche Aus- stellnng der geeignete Platz fei, weil hier und int ganzen Jndustriebezirk das christliche Kunsthand­werk nur sehr wenig gepflegt wird. Das Ans- stellungs-Komitö glaubte indeß, den Versuch jeden­falls machen zu sollen, und das Ergebniß ist über­raschend genug, nämlich ein voller Erfolg, wie er besser nicht gedacht werden kann. Die Ausstellung wird, da» steht heute fest, eine glanzvolle werben. Alle Zweige bes weilen Gebiete« ber christlichen Kunst unb bes Kunsthandwerker werden vertreten fein; die Aussteller wetteifern förmlich, ihreGrup- pen möglichst prächtig auszustatten. So find zahl­reiche Sammlungen bis zu 15,000 Mark Werth angemeldet.

• Dortmund, 2. Juli. In dem zweitägigen Schwurgerichtsprozeß gegen die Hauplurheber de« Bergarbeiterkrawall« auf der Zeche „Schles­wig" wurde heute Bernhard Trautmann zu 5, Pfahl und Schwirl zu 41/2, Otto Trautmann und Wowries zu 4 Jahren Zuchthaus, Doring- hoff zu 3, Generotzky und Schnatmeyer zu P/2- Krietenbrink zu 2»/4 Jahren Gefängniß verur- theilt. (Frkf. Ztg.)

* München, 1. Juli. Die erste Münchener

Er bewohnte wieder das Dachstübchen mit der Mutter, fie waren beide so arm, — dann kam ein fremder Mann mit stolzem, kaltem Gesicht, der ihn hinab zur Pflegemutter führte; Rrka die schöne Braut war auch dort. — Trotz des un­bequemen Lager» erwachte er erst nach einigen Stunden. Er stand leise auf, kühlte da» heiße Gi sicht mit frischem Wasser und ging in da» an­stoßende Zimmer.

Der kranke Mann mußte schon lange erwacht sein; al» Lehrbach sich dem Bette nährte, legte et beide Hände auf seine Schultern, zog seinen Kopf hernieder und küßte ihn. —

„Jetzt weiß ich, wer Du bist — Lotti'» Kmd unb Adoptivsohn meiner geliebten Elma!" Bei ber Nennung bes teuren Namens riefelten große Thränen über die bleichen Wangen: „Lege das Bild hier vor mich, damit ich ihr liebe» Gesicht sehen kann, und dann fitze Dich her, — ich habe Dtr so viel zu sagen. Ich würde e» nickt ihun, aber wer sollte ihr dann von meiner Reue er­zählen? Ich fühle, daß eine schwere Krankhert über mich kommt, — wer weiß wie sie endet? Wenn e» der Tod sein sollte, so mußt Du ihr sagen, wie furchtbar ich gelitten, wie bitter ich den Zweifel an ihrer Liebe bereut. Wenn Du Alle«

Jahresausstellung von Kunstwerken aller.Nationen im Glarpalast ist heute durch den Prinzregenten Luitpold von Bayern eröffnet worden.

• In Karlsruhe hat heute die Vermählung >e» Erbprinzen Aribert von Anhalt mit der Prin­zessin Marie von Baden stattgefunden. Die Zivil- trauung vollzog Staatsminister Dr. Turban, woran sich die kirchliche Trauung durch den Prälaten Doll schloß. Bei dem Wechseln der Ringe wurden dreimal zwölf Kanonenschüffe abgefeuert. Nach der Trauung war Galadiner im Schlöffe.

Ausland-

• Der französische Generalstaatsanwalt Beau- repaire beantragt Boulanger wegen Hochver- rath» und zwar wegen des Versuchs mit dem Prinzen Viktor Napoleon die Republik zu stützen unb wegen Veruntreuung von Staatsgelderu während seines Ministeriums zu vermtheilen. — Prinz Viktor Napoleon bereitet ein große» Mani­fest an die französische Wählerschaft vor.

• Da» norwegische Ministerium Swrrdrup hat am Dienstag demisfionirt.

• Der Zar hat an den jungen König von Serbien Alcxander ein eigenhändige» Schreiben gerichtet, welche» der russiche Gesandte Parfiani gleichzeitig mit den Insignien zu dem Großkreuz de» Annenorden» überbringt.

• Der Schah von Persien ist in London ein­getroffen. Bei der Landung in Gravesend wurde er vom Prinzen Wales und biff en Söhnen, sowie vom Großfürsten Georg von Rußlanb empfangen.

Ein Opfer der modernen Gennß- sncht.

Da» Lanbgericht Augsburg verhanbelte am 19. vor. Ms. gegen den sechs Vergehen bes Be­trug» angeklagten 29jähtigen früheren Privat- docenten Carl Fisch von Rostock. Fisch absol- virte seine Universttätrstubien mit Auszeichnung, errang schon im Alter von 23 Jahren ben Doktor­grab ber phllosophischen Fakultät unb erhielt im Januar 1885 einen Ruf al» Privatdocent für Botanik an die Universität Erlangen, welcher Posten ihm ein Einkommen von mindesten» 2500 Mark sicherte. Alle Umstänbe beuteten auf eine glänzenbe Cartiöre bes jungen Manne».

Nun ober entwickelten sich in bem bisher in

gehört hast, wirst bu mich verachten unb von mir weggehen. Es thnt nichts, sag' ihr nur, baß ich sie unendlich geliebt und meinen Jrtthum hart gebüßt habe. — Nenne mich nicht mehr „Freund" sondern „Vater", denn al« Elma'« Pflegekind bist Du mein Sohn!" — '

XXVIII.

Während sein Körper von Fieberschauern er­bebte, erzählte der Professor in abgeriffenen Sätzen die Geschichte der letzten trüben Iahte. Der junge Arzt dachte nicht daran, wie schädlich dem Kranken da« viele Sprechen sein würde, e« ging ihm wie Jenem am vorhergehenden Abend: er wollte unb mußte jetzt mehr hören. Unb sich weit vorbeugend, lauschte er angestrengt, wie e« leise, fast flüsternd von den brennenden Lippen kam:

„Ich liebte meine Elma mit ber ganzen hin­gehenden Stärke de« gereiften Manne«, aber ich hegte im Innern stet» die thörichte Furcht, baß ich fie nicht glücklich machen könne unb baß sie sich eine« Tage« unbefriebigt von mir abwenben werbe. Da lernten wir bie Familie Deiner Brant kennen, unb von ber Zeit an war Elma wie um» gewandelt. Sie war oft fo kindlich vergnügt unb ol — mein argwöhnisches Hetz schrieb e« einer