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j^s 148. Dienstag, den 2. Juli.

Mm M Zciimig.

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n Oesterreich-Ungarn «nd die Balkanstaaten.

(Schluß.)

Der zweite Wink, den der Kaiser von Oester­reich den Serben ertheilt, ist nicht minder deutlich. Bulgarien hat sich dem russischen Einfluß entzogen, der junge Fürst arbeitet rastlos unter großen per­sönlichen finanziellen Opfern an der wirthschaft- lichen Kräftigung des Landes. „Gehet hin und thut desgleichen!" ist für die Serben zwischen den Zeilen der kaiserlichen Ansprache zu lesen, gleich­zeitig aber auch, daßQstecreich-Ungarn die jetzigen Verhältnisse in Bulgarien al» eine Bürgschaft des Friedens, jeden Versuch einer Aenderung mithin als das Gcgentheil betrachtet. In Bul­garien gibt es ja auch eine rnffophile Partei, sie hat aber im bulgarischen Landvolke keine Stütze. Der bulgarische Bauer ist weitaus fleißiger als der serbische, er ist sparsam und lebt daher, seit er von den Türken nicht mehr ausgebeutet wird, in besseren Verhältnissen. Diese will er stch er­halten und bewahren, er fürchtet die abenteuerliche Politik der Ruffophtlen, für die großslavische Idee hat der Bulgare kein rechtes Verständniß, denn er ist kein Slave, trotz seiner slavischen Sprache und für die Wohlthar, die'der „Zae - Befreier" Len Bauern durch Vertreibung der Türken erwie», hat er stch längst bezahlt gemacht durch die Aussau­gung de» Lande», welcher die von Rußland gc- sandten Offiziere und Agenten stch schuldig machten. Zudem we-ß der bulgarische Bauer nur zu gut, daß da» Räuberunwesen, durch welches er so schwer gelitten, von der russophilen Partei geschaf­fen und genährt wurde. Deshalb wünscht der Bulgare Frieden und Erhaltung der Herrschaft de« Koburgers, der Eisenbahnen und Straßen baut, Gewerbe, Handel und Verkehr befördert. Bulgarien wird in kurzer Zeit, um nur ein Beispiel zu erwähnen, seinen Bedarf an Gewerbc- artekeln im Lande erzeugen, Serbien, welche» seit Anfang dieses Jahrhunderts von der direk­ten Türkenherrschast befreit wurde, muß seinen

x jnm| trän Wenden.

Novelle von Marga Brecht»n.

(50. Fortsetzung.)

„Wenn Sie wünschen, daß ich gehe, so kann dies sogleich geschehen," war die schalkhafte Ant­wort. „Ich bringe übrigens kein Opfer, denn ich bin heute Abend wirklich am liebsten bei Ihnen. Er wäre übrigens auch eine Kunst, jetzt bei meiner Braut zu fein."

„Also nicht Lilli Barnstädt?"

„Nein, o nein," lachte Lehrbach, verzeihen Sie, aber diesmal hat stch da» scharfe Auge doch sehr getäuscht. Fräulein Bornstedt ist ein hübsche», gute» Mädchen, aber fie hält keinen Vergleich mit meiner Braut au»."

„Pah, so sprechen alle verliebten Männer," sagte Almhaus herbe. „Wer ist e» denn?

„Ich habe die Bedingung, welche Sie damals an Ihr gütiges Wohlwollen knüpfen, nie gebroch­en; ich will i» auch heute nicht. Vor einigen Stunden schrieb mir meine theure Mutter und legte einen Brief an mich bei. Bitte, wenn e» Sie nicht anstrevgt, lesen Sie selbst, so brauche ich keinen Namen zu nennen." So sprechend zog der junge Arzt einen Brief hervor und reichte ihn dem Professor. Nachdem er den Schirm der

ganzen Bedarf an Gewerbe-Erzeugnissen aus dem Auslande beziehen! Berühmt ist die Gemüsezucht der Bulgaren, die Serben haben es bisher nur zur Kultivirung der von ihnen so geliebten — Zwiebeln gebracht! Wir könnten die Parallele sehr ausdehnen, aber das Gesagte genügt, um zu zeigen, daß bei den Serben die D fferenz zwischen Wollen und Können eine weitaus größere ist, al« bei den Bulgaren.

Der Hinweis in der kaiserlichen Ansprache auf die steigenden Einnahmen Bosniens zeigt sehr deutlich, daß O-sterreich-Ungarn an ein Aufgeben dieses wirthschaftlich immer wertvoller werdenden Besitze», der ihm seine Machtstellung auf derBal- kanbalvinsel sichert, nicht denkt.

Man wird in Serbien über diese kaiserliche Ansprache viel nachdenken können, wenn Leute vom Schlage de» Herrn Ristic» überhaupt geneigt wären, objektiv zu denken, ihren persönlichen Ehr­geiz den Interessen ihre» Vaterlandes unterzuordnen.

Auch wichtige europäische Inter» ssen knüpfen sich an Oesterreich-Ungarn« Machtstellung auf der Bal­kanhalbinsel. Europa kann den Balkan durch die russische Barbarei nicht für immer dem europäischen, westlichen Kulturleben entreißen, kann die untere Donau und die Donaumündungen nicht in russi­schen Besitz gelangen losten. Aber Herr Ristic« muß wissen, daß da« Zweikaiserbündniß Oester­reich-Ungarns Machtstellung im Osten ebenso garan- tirt, wie Deutschlands Machtstellung im Westen, daß D-utschland in demselben Augenblicke auf das Kairpffeld gerufen --'N« ilsBun»

desgenrste Serbiens seine Ko ackenheere zum An­griff gegen Oesterreich-Ungarn in Bewegung setzt. Und hier liegen die Gefahren, welche der groß­serbische Jntriguant Europa bereitet. Die euro­päischen Verhältnisse find gespannt bis auf das Aeußerste, Europa gleicht einer mit Pulver gefüll­ten Mine, ein Funken kann fie entzünden. Das frivole Spiel des serbischen Königsmachers Ristic kann sehr leicht den Funken erzeugen, und deßhalb ist es nothwendig, so lange dieser unheilvolle Mann auf seinem unheilvollen Posten steht, alle Vorgänge in Serbien sehr aufmerksam zu verfolgen. Serbien könnte sehr leicht eine Niederlage erleben, schwerer als jene vor 500 Jahren auf dem Amselfelde, aber selbst im Falle des Siege« mit Hilfe der russtschen Waffen würden die Ketten, welche Ruß-

Lampe etwa» in die Höhe geschoben, kehrte er an seinen Platz zurück.--

Der Regen hatte nachgelassen, aber der Sturm raste noch immer mit gleicher Heftigkeit fort. Die Gar flammen brannten trübe, und obschon e« kaum 7 Uhr war» zeigten fich doch nur wenige Menschen auf der Straße. Dieser ganze unbelebte Stadt- theil hatte einige Aehnlichkeit mit der Ostendstraße. O, was mochten fie fitzt in der Heimath Alles thun? Zwei Herzen dachten an ihn, da» wußte °r; die Mutter und die Braut I Ec blickte schweigend in die Nacht hinaus und wunderte fich, daß der Professor noch immer nicht zu Ende gekommen fei.

Doch, — er war e« eben, denn vom Sessel her klang ein Ruf, so hart und rauh: „Das ist die Hand und die Unterschrift eine» Manne»!"

Joseph Lehrbach wandte fich erstaunt um und dachte, wie unheimlich dieser Mann doch aursehen könnte. Dann sagte er leichthin: „Ich hatte ver­gesse«, eine kleine Erklärung'.voraurzuichicken. Meine Braut wurde rn der Kindheit von ihrem Vater unterrichtet, und so gewöhnte fie fich seine Schrift­züge an: fie wird Rika gerufen, heißt jedoch Enka, und um dem geliebten Papa auch hierin gleich zu fein, kürzt fie den Namen hinter dem r ab und unterzeichnet Er. Heimdach mit denselben

land Serbien und Bosnien auferlegen wird, schwerer drücken als jene, die der bosnische Zar Jovan bis an sein Lebensende und noch im Sarge tragen mußte.

DerrtscheS Reich.

Berlin, 1. Juli.

• Der sranzöfiche Deputirte Graf de Mun, ein ehemaliger Kürasfier-Osfifler, der durch ritter­lichen Charakter und Geist zu den vornehmsten Repräsentanten der monarchistifchen Partei in Frankreich zählt, hielt vor wei igen Tagen in einer großen Versammlung christlicher Vereine eine Rede, die auch außerhalb Frankreichs berechtigtes Auf­sehen erregen dürfte. Der Schluß derselben, wo fich der Redner an die christliche Jugend wendet, enthält folgende Stellen; „Ich werde nicht ouf- hören, der Jugend zu wiederholen: Blickt den Umwandlungen, die fich vorbereiten, fest in« Auge. S>tzt euch nicht auf die Trümmer der Vergangen­heit, sondern marschirt entschlossen vorwärts. Bewaffnet mit den christlichen Prinzipien, tretet in die große soziale Bewegung, welche die Völker ergriffen hat, und tretet in dieselbe mit den Ideen der Zukunft. Dte materiali­stische Bourgeoisie hat die Bewfizien der Revolution von 1789 zurückbehalten, fie versprach dem Volke die Emanzipation und die Gleichheit, fie ließ e» aber wehrlos in dem Kampfe, wo die Macht dem Reichthum gehört; fie überlieferte die Massen einer ökonomischen Unterdrückung, welche hundertmal schwerer auf ihnen rastet, al« die Mißbräuche des feudalen Regimes. Christliche junge Männer, ihr müßt euch losmachen von den alten Kadre», wo euer Eifer nutzlos vergeudet wird. Ihr müßt zum Volke gehen mit Aufrich­tigkeit und Vertrauen und ferne Klagen hören, auch wenn sie von Drohungen und Zornesaus« brüchen begleitet find. Die große Reform, welche dem Volke die Stabilität und die Sicherung der Existenz bringen soll, wird allerdings große An­strengungen und Kämpfe fordern und einem hart­näckigen Widerstande begegnen. Ihr müßt aber den nöthigen Muth dazu haben und dafür sorgen, daß die große Reform fich nicht ohne euch und gegen euch vollzieht. Laßt nicht die Transinfor­mationen de» Jahrhundert» mit der Resignation

verschlungenen Zügen wie er. Sie that die» schon al» kleines Mäochen."

„Und durch diese alberne, unweibliche Gewohn­heit hat fie zwei Menschen unglücklich gemacht I" scholl e« mit vor Zorn bebender Stimme zurück.

„Herr Prosessor, Sie sprechen von meiner Braut I" sagte Lehrbach kalt und sah ihn an,, als ob er irre rede.

„Es ist wahr, und ich Thor hätte „Re" besser kennen lernen sollen! O Gott, die Erkenntniß kommt zu spät, und die Qual der langen Jahre war also umsonst!!" Ein dumpfer Ton erschüt­terte die Luft — dann folgte ein gewaltige» Ringen nach Luft, und die Hände vor da« von Thränen überströmte Gesicht pressend, sank die Gestalt de« Profi ssor» in stch zusammen.

Lehrbach stürzte auf ihn zu, er achtete nicht auf die abwehrenden Bewegungen, sondern schlang die Arme um den fich Sträubenden und lehnte da« Haupt de» Freundes an seine Brust. Ver­gessen war alle» Glück der vorigen Stunde Über der innigen Theünahme für diese« finstern, ernsten Mann, der mit ihm unter Hunderten eine Aus­nahme gemacht und ihn allein mit Zuneigung be­handelt hatte. Er begriff nicht ganz, wa« diese Erschütterung Hervorrufen mochte, aber er ver­stand, daß fie mit dem Briefe seiner Braut zu-