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Montag, den 1. Juli.
1889
Warnung ist sehr deutlich, ste richtet sich sgegen
(Schluß folgt.)
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suche, welche Risttc» macht, Serbien dem politischen und wirthschaftlichen Einfluß O-sterreichs-Ungarns zu entziehen. Herr Riflicr hat ein sehr kurzes Gedächtniß. Al« auf Garaschanin's Drängen König Milan, um der inneren Schwierigkeiten Herr zu werden, die ihm Riflicr Agitationen bereiteten, den Krieg gegen Bulgarien führte, als Fürst Alxander, der Battenberger, nach der Schlacht bei Slivn'ca stegrerch gegen Serbien vordrano, erschien der österreichisch-ungarische Gesandte Graf Khevenhüller im Lager des Baitenkergers und erklärte ihm trocken, falls er weiter vordringe, würde er einer österreichisch.ungarischen Armee gegenüber fich b finden I Die Ei Haltung Serbien» in seinem gegenwärtigen Bestände, aber unter österreichisch-ungarischem Einfluß und innerhalb der österreichischen Machtsphäre ist ein Lebensintert sie der österreichisch-ungarischen Monarchie. Die „Klugheit und der Patriotismus" muffen die Serben hindern, an diesen Berhält- niflen zu rütteln, sonst erscheint die österreichischungarische Armee, in diesem Falle aber nicht zum Schutze Serbiens!
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<£> Oesterreich-Ungarn und die Balkanstaaten.
In wenigen Tagen begeht Serbien die Erinnerung an die Niederlage auf dem Koffowofeld. Vor 500 Jahren, am 27. Juni 1389 schlug dort Sultan Bejazeth den serbischen Czar Lazar. Serbien und Bosnien geriethen unter die türkische Herrschaft. Der letzte B.nus Jovan geri th in türkische Gefangenschaft, er starb mit Ketten belastet in einem türkischen Gefängn ß, mit Ketten belastet wurde sein Skelett kürzlich ausgegraben. Beider könnte und sollte für die Serben eine ernste Mahnung sein, die Niederlage sowohl, wie die Ketten des letzten Serbensürsten Bosniens. Der Größenwahn war es, der den Czar Lazar dazu trieb, fich dem übermächtigen Sultan gegenüberzustellen. Oesterreich-Ungarnwares, welches die Ketten löste, in welche die Türken Bosnien schlugen. Der Größenwahn treibt auch heute noch in Serbien ganz eigenartige Blüthen.
Vor wenigen Jahren noch residitte ein türkischer Pascha in der Belgrader Festung, türkische Kanonen bedrohten die Residenz des Serbenfürsten, der ein Vasall der hohen Pforte war. Seit der Unab- hängigkeits.rkärung hat Serbien allerdings große Fortschritte gemacht, aber ein europäischer Staat ist es noch nicht geworden. Der serbische Bauer stehl heute noch auf einer Kulturstufe, die rhn nur sehr wenig vom kleinaflatischen Türken oder dem nordasrckanischen Beduinen unterscheidet, nur der Kausmannrstand in den Städten hat sich durch den lebhaften Verkrhr mit dem Westen gehoben, aber solider ist er nicht geworden. Und dieses Land, welches noch Jahrzehnte lang an fernem inneren Ausbau, an seiner kulturellen Entwicklung zu arbeiten hätte, treibt in unheilvoller Verblendung eine Politik, welche den europäischen Kontinent in Flammen zu fitzen droht.
Jovan Risticr ist ein ehrgeiziger Mann. Er wrll derCavour der Balkanhalbinsel wer- den. Aber die Balkanhalbinsel, deren einstige Kultur unter dem Schutthaufen eines Jahrtausend ruht, ist nicht Italien, und Ristic«, der aller- dmgs wie Cavour ein Schüler Mazzinr's ist, be-
LeretfcheS Reich.
Berlin, 29. Juni.
x ft«| m Weckt».
Novelle von Marga Brechten.
(49. Fortsetzung.)
3" dem großen Studi-zimmer, deffen Fenster ouf die hölzerne Altane führte, welche um das obere Stockwerk lief, saß der Prof ffor in seinem großen Armstuhl. Die Vorhänge waren weit zurückgezogen, und da» Wetter hätte fich darum nur um so graufiger an. Ein dichter, grüner Schirm bedeckte die San pe, welche auf dem Schreib- l'-sch brannte, und die wenigen Möbel des mit gesuchter Einfachheit eingerichteten Raumes waren 'N dem Halbdunkel kaum erkennbar.
Der Profeffor fuhr eben aus tiefem Sinnen nuf, und ein fteudiger Schimmer belebte sein Ge- Ncht, als der junge Mann eintrat. Joseph Lehr- °ach beorüßte ihn herzlich, zog einen Stuhl neben oen S ffel des älteren Freunde« und fragte nach seinem B finden.
„Danke," erwidette Dr. Almhau«, „jetzt geht b» fct ffn; ich hätte übrigens sterben und begraben lkln können, ehe Sie nach mir sehen kamen." - „Jitzt find Sie ungerecht," entgegnete der "«^gere, „Sie wissen selbst am besten, daß wir
fitzt Cavours Prrfidie und revolutionären Geist, I Suuwiuug qi ivyi ucmiity, ,ie ncgiei mg igegei nicht aber d-ffen unleugbare diplomatische Geschick- die serbischen Expanfionsgelüste, gegen die Vev lichkeit. Ri st i cs ist Großserbe, sein Programm ' ' " — " ~ ' ------
ist die Vereinigung aller Balkanslaven unter einer serbischen Dynastie. Wohlverstanden einer, er würde also die Karageorg v'c» eben so gern acc ptircn wie die Ob renovier oder, wenn es sein muß, die Petrov'cr Nj gus, die Nachkömmlinge der alten Vladika's der schwarzen Berge. Aber zunächst versucht er es mit den Obrenovics, er war der politische Erzieher Milans und Regent währ nd biffen Minorennität. Milan scheint die Gefahren der großserbischen Idee für Serbien erkannt zu haben, denn als er großjährig geworden, verabschiedete er den unheilvollen Raihgeber und näherte fich O.sterreich-Ungarn. Rist'cs wühlte wie ein Maulwurf, die unkluge und auch unmoralische Ehescheidung Milans unterstützte ihn, Milans Abdankung war ein großer Erfolg Rist i cs, und zum zweiten Male kann der ränkevolle Mann der politische Erzieher eines jungen Fürsten sein. Dem Programm des Herrn Rist'cs nach soll Rußland dieselbe Rolle spielen, welche Napoli on III. cinst in den italienischen Einheits- bestrcbungen übernommen hatte. Riflics träumt davon, daß die russischen Regimenter Oesterreich. Ungarn ein zweites Solferino beibringen, und daß dann Bosnien, die Herzegowina und die öfter- reichifch-serbische Weyrodschaft dem Königreich S.rbien in den Schooß fallen werden! Da stimmt nun die Rechnung aber nicht. Frankreich konnte Oberitalien nach Solferino nicht annektiren, mir wollen von dem Widerspruche Europas ganz absehen, aber es hätte niemals die Italiener mit fich verschmelzen können, Oberitalien wäre für Frankreich ebenso eine eiternde Wunde geworden, wie es eine solche für Oesterreich war, dagegen Rußland findet in Serbien ein verwandtes Volk
—'Es stellt fich jetzt heraus, daß die Meldung I der kulturkämpferifchei - W «M 2*-;'
wonach die preußische Regierung die ganze Bischofsliste des Münster'schen Domkapitels formell gestrichen habe, in dieser Form unrichtig ist. Aber an der Sache ändert das absolut nichts. Die Angelegenheit wird nämlich nur diplomatischer angefaßt, so daß keine vorzeitige Aufregung, die man in Berlin ja wirklich scheut, bei Kleru» und Volk entsteht. Man wird beide vor eine vollendete That- sache stellen. Die Liste wird überhaupt weder genehmigt noch thetlweise oder ganz gestrichen und so an dar Domkapitel zurückgesandt. Sie bleibt vielmehr liegen, wird gar nicht zurückkommen, wird ignorirt. Die preußische Regierung hat eben eine eigene, nicht etwa Kandidatur, nein, sogar eine eigene Liste, mehrere Kandidaten, von denen keiner auf der Liste des Domkapitel steht, und für die schon bald nach dem Tode des hochseligen Bischofs an verschiedenen Stellen und auch
man fich, einen recht theilnehmenden Ausdruck in seine Miene zu legen, wenn man zu einem Kranken ging."
„Dar ist auch jetzt noch der Fall," Entgegnete Lehrbach und trat an das Fenster. Der Wind rüttelte an den Scheiben und der Regen dauerte noch immer fort. „Sehe ich denn wirklich so ft üblich aus?"
„Kommen Sie näher," sagte Almhaus und zog den jungen Mann zu seinem S ffel. Die etwas abgez-hrte Hand ihm auf die Schulter legend, zwang er ihn da» Gesicht herunter zu beugen, ihm voll und tief in die Augen sehend, sagte er leise: „Ich habe mich in der Ausdruckrweise geirrt. Sie sehen nicht heiter, sondern glücklich aus."
Ein jäher Roth flammte über die jugendlichen Züge: „Welch' scharfen Blick Sie haben, Herr Prost ffor," erwiderte Lehrbach, „ich bin wirklich so glücklich wie noch nie. Fürchten Sie jedoch nicht, daß ich Sie mit Mrttheilungen belästigen werde, welche Sie nicht interesstren können. Erlauben Sie mir dagegen, jetzt etwa« für Ihre Pflege zu thun."
„Wohl, so schellen Sie gefälligst der alten Sufi,
mit gleicher Sprache, gleicher Religion und gleichen Sitten. Wenn Rußland die Pläne Rist'cs unterstützt, so geschieht e», um die slavischen Länder unter seine Herrschaft zu bringen, e» könnte allenfalls einen serbischen Schattenkönig dort dulden, aber nur für kurze Zeit. Wir schicken diese Auseinandersetzung voraus, weil ste die Si- iuation erhallt und die Ansprache de» Kaiser» von Oesterreich an die Delegationen erklärt. Der Kaiser spricht die H fftiung aus, daß „d,eKlugheit und der Patriotismus der Serben da» Land vor ernsten Gefahren bewahren werden." Die in dieser Zeit mehr al» sonst in Anspruch genommen find. Seit fünf Tagen ist die» die erste freie Stunde, die ich erübrigen konnte."
„So, und gehöre ich nicht zu den Kranfin? Aber freilich, so ein alter Mann kann schon eher vernachlässigt werden."
„Lieber Herr Prof ffor," sagte Lehrbach freundlich, „haben Sie verg ff en, daß Niemand Sie in seiner Eigenschaft al» Arzt besuchen darf? Wer hat noch neulich geäußert: „Brauche keine Rathschläge, bin mir selbst Hilfe genug?""
„Was d!e Jugend bod) für ein treues Gedächt- niß hat," sagte Almhaus i: onisch. „Lassen wir j tzt mich unb mein lästiges Unwohlsein au» bem Spiele. Ich möchte Sie nicht burch meine verdrießliche Stimmung vertreiben; wer weiß, wie lange Sie sonst wieder fortbleiben.
„Bitte, thun Sie fich meinetwegen keinen Zwang an", antwortete der junge Arzt fröhlich lachend. „Ich glaube, jeder Mann, der sich zum ersten Male krank fühlt, ist ein wenig übellaunig."
„Namentlich, wenn er in ein so heiteres Gesicht blickt, wie des Jhttge; Sie sehen ja außerordentlich strahlend au«! Ist dar so Brauch bei den jungen Aerzien? Zu meiner Zeit bemühte 1