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Freitag, den 28. Juni.

1889

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Zweites Blatt,

Aber das stille Bergkloster sollte noch mehrmals

Und hier soll neben anderen bedeutenden Schriften ____________________vm

auch sein großes Werk: „de universo“ entstanden I nicht nur ^'^e^ch^^^s^^^^nd^^'au^aesta'ttet sein — eine Universal-Encyclopädie, welche in ist, sondern die sich auch vereinzelt im Dorfe zweiundzwanzig Büchern alle Gegenstände des 1 "• ■ - ’ — -

menschlichen Wissen» umfaßte. Kaiser Lothar, mit dem er fortwährend in freundschaftlicher Verbind­ung blieb, schrieb ihm einen Brief und lobte in diesem seinen jetzigen Aufenthalt in der Einsam­keit der Berge, welche für den inneren Menschen so förderlich sei, da weder Neid noch Schmeichelei seine Seelenruhe störe.

/achdem er bte Klosteranlage im | Aber das stille Bergkloster sollte noch mehrmals Thale gegründet, auf dem östlich davon gelegenen ein Opfer der Zerstörung werden: so im Jahre Uges- oder Eulenberg eine Kapelle erbaute: 1 -------- ' • ---- ' -

ein kleines Gotteshäuslein, dem hochragenden Basaltgestein angekittet und im Osten an die Felsenstirne des Berges stch lehnend. Baugulf, der ihm in der Abtswürde nachfolgte und dem Kloster des hl. Bonifatius von 780 bis 803 vor- stand, führte auf Sturmi'» Kirchlein noch einen Oberbau auf, doch wurde diese vergrößerte und er­weiterte Kirche erst unter Hrabanus — dem fünften in der Reihe der Fuldaer Aebte, — voll­endet und durch den Chorbischof Reginbald von Mainz im Jahre 838 eingeweiht. An der Nordseite der Kirche fügte Hraban dann ein Klösterlein an, da« er mit Mönchen von Fulda besetzte. Nachdem aber dieser berühmte Gelehrte, der ein treuer Anhänger des Kaisers Lothar gewesen, nach des letzteren Sturz im Jahre 842, der Abtswürde selber entsagen mußte und die Wahl auf seinen Freund Hatto gelenkt hatte, zog er stch ganz auf den P-tersberg zurück, wo er bis zu seiner im Jahre 847 erfolgten Erheb­ung auf den erzbischöflichen Stuhl zu Mainz, nächst Gott nur seinen Studien und Arbeiten lebte.

finden, wie z. B. an dem oberen Wirthshause oder an den Eingangspforten de« ausgedehnten mauerumzogenen Gartens, in dem die Pröpste einst sehr edle Obstsorten zu kultiviren verstanden haben.

1327 unter Abt Heinrich VI., der cs bald wieder aufbaute und 1525, als die rebellischen Bauern, wllder und schlimmer vielleicht wie einst die Ungarn, das Buchenland so schwer heimsuchten. Der Propst auf dem St. Petersberg war damals, Apollo vonVilbel, derselbe, dessen werthvolle Fuldaer Chronik soeben von unserem Landsmann Dr. I. Rübs am in der Zeitschrift des Vereins für höfische Geschichte und Landeskunde veröffent­licht wurde und die im Verlag von A. Mater, Hierselbst, auch als Sonderabdruck erschienen ist.

Abermals, nachdem der schreckliche Bauernkrieg vorüber, wurden die Gebäude neu aufgeführt, doch diesmal nicht wieder mit Mönchen, sondern nur mit einem sechzehn-ahnlgen Propste besetzt. Die propstei- liche Herrlichkeit dauerte bis zur Säkularisation, die an der Nordseite der Kirche dreiseitig ange­bauten Propsteigebäude aber, — die jedoch von sehr geringer Ausdehnung gewesen, find erst zu Anfang unseres Jahrhundert« abgebrochen worden. Sie umschlossen einen kleinen Hof, von dem der alte Ziehbrunnen noch ein Ueberbleidstl ist. Von der feudalen Vergangenheit gibt sonst nichts Kunde als viele Wappenschilder, mit denen

Quartals-Wechsel (1. Juli 1889) werden die verehrlichen Abonnenten gebeten, ihr Abonnement bei den kgl. Post­anstalten schleunigst zu erneuern, damit in der Zusendung des Blattes keine Unter­brechung eintritt. Aus die nach dem 1. Juli erfolgenden Zeitungs - Bestellungen berechnen die Postanstalten eine um 10 Pfa. höhere Gebühr.

± Die Kirche auf dem Petersbera bei Fulda.

Von Jos. Gr.

Einer der besten Aussichtspunkte unweit unserer so verschwenderisch von landschaftlichem Zauber um­gebenen Stadt ist ohne Zweifel der östlich von ihr gelegene Petersberg. Besonders jetzt in der Sommerpracht des Jahres lockt er Viele mit mäch- tiger Anziehungskraft auf feinen kirchengekrönten Gipfel, von dem der Blick den blauen Gebirgs- zug der Rhön in weitester Ausdehnung umfaßt. Aber wenn die Besucher sich an diesen form- und farbenreichen Bergbtldern, die sich zu einer wunder­vollen Kette — wie schimmernde Edelsteine zum herr­lichen Geschmeide — zusammenreihen, die Seele er­quickt und entzückt haben, dann verfehlen wohl nur wenige, auch dem altersgrauen Kirchlein einen Besuch abzustatten. Ist es doch eines der ehrwürdigsten und interessantesten Baudenkmäler unserer Heimath, wo seit mehr als elfhundert Jahren das immerwährende Opfer der Versöhnung auf dem Altäre dargebracht wird und die ewige Lamps ihr mildes Licht vor dem Heiligthume aus- Aßt. Und mochten auch manchmal verhängnißvolle Stü me mit zerstörender Gewalt diese hehre Feier unterbrochen haben, sowie die Zeitläufte wieder besser geworden, wurde doch immer diese gottge- weihte Stätte ihrer heiligen Bestimmung zurück­gegeben.

Kein Anderer als der hl. Sturmius war

und mein Gesicht den heiteren Ausdruck verlernt, aber ich freue mich auf Ihr baldiges Kommen und werde heute Nacht schlafen, ohne in den alten Schmerzen zu wühlen."

Der Mond stand hoch am Himmel, gerade über dem Schweizerhause. Es lag still und vereinsamt da; die Dachspitzen und Schnitzereien aus hellfarbigem Holze schimmerten herüber, und von den Gebüschen her wehte ein betäubender Jasmingeruch. An der Gartemhüre trennten stch die beiden Männer mit einem so herzlichen Händedrucke, wie ihn nur je zwei so ungleiche Freunde gewechselt hatten. Der Jüngere von ihnen stand noch lange da und schaute über da» Gitter, bi» der Mond sich hinter einer dunklen Wolke versteckte und die Nacht an­brach. —

Al» die große Hitze abnahm, und der Sommer zu Ende ging, da ließ auch die Heftigkeit de» ausgebrochenen Fiebers nach. Seine Kraft schien gebrochen und die Stadt athmete auf. Joseph Lehrbach bewohnte noch immer die bescheidene Wohnung in der Nähe des Krankenhauses. Trotz der brummigen alten Vermietherin hatte er dieses Heim liebgewonnen, denn er fühlte sich dort frei und ungenirt, und so blieb er taub gegen die Bitten der Famllie Bornstedt, wieder zu ihnen zu ziehen.

Eine« Morgen« kam O»kar und holte de»

Da« Dorf führte früher den Namen Brau­haus. Schannat berichtet, daß Berthold I., Propst zu St. Peter, feinen Brüdern im Jahre 1233 gegen gewisse jährliche Abgaben die Güter zu Bruhns mit Leuten, Knechten, Wiesen, Hut und Wald gab.

Der Kirche auf dem Petersberge, wie wir sie gegenwärtig sehen, haben die verschiedensten Perio­den ihr Gepräge aufgedrückt. Der älteste Theil, noch ein Rest der ersten Anlage, ist die schmucklose Kiypta, welche aus drei nebeneinander liegenden, mit Tonnengewölben überdeckten Abthellungen be­steht; ein gewölbter Gang zieht sich vor ihnen her, der auf der einen Sette in die Felswand

® ,5Ib b«wng erschemtt a g l I ch.Sonn- und Feiertage auSgwtommen. Btertehahrltcher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mtt der belletristischen Wochenbetlage .Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig. 13

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Mit Recht ziert darum Hraban's Bildniß das Schiff der Petersberger Kirche und erinnert daran, daß dieser geistesmächtige Mann, welcher das größte Wissen seiner Zeit in sich vereinigte, hier fünf Jahre lang gelebt und gewirkt hat. —

Im Jahre 915 unter Abt Hugo (891—915) wurde das Kloster auf dem Petersberg von den einfallenden Ungarn zerstört, doch stellte es H ai ch o (916—923) wieder her und besetzte es mit welt­lichen Stistsherren, die indessen bald wieder St. Benedikt'» frommen Söhnen weichen mußten.

ehe ich weiß, warum Sie mich früher so zu Haffen schienen. War es persönliche Abneigung?"

„Erst so starrköpfig und nun so neugierig'" sagte der Professor vor sich hin. „Sie sollen sich die Antwort selbst geben können, indem ich eine kleine Bedingung an unsere künftige Freundschaft knüpfe. Sie ist nicht schwer zu erfüllen: sprechen Sie mir nicht von ihrer Heimath und den Per­sonen, die dort leben. Ich habe an jenem Orte ein so großes Leid erfahren, einen so herben Kummer, daß ich nicht mehr daran erinnert sein will. Al» Sie ihn vor Monaten ahnungslos nannten, brach die alle Wunde von Neuem auf, und ihr Anblick ärgerte mich. Persönliche Anti­pathie war es nicht, im Gegentheil, ich interessirte mich sogar wider Willen für Sie, obgleich ich Sie früher nie gesehen. Ein junger, strebsamer Kollege bleibt von un» älteren Aerzten nicht lange über­setzen. Sind Sie nun zufriedengestellt?"

„Vollkommen, ich danke Ihnen," erwiderte Lehrbach.

Nun wohl," sagte der Professor im Wetter- schreiten, „ich kann Sie nicht mehr bitten, heute Abend in mein Haus einzutreten. Es ist schon spät, und wir brauchen Morgen neue Kräfte. Aber nehmen Sie bi Ihr stilles StudirstÜbchen die Versicherung mit, daß Sie mir wohlgethan haben. Mehr Mund hat zwar das Lächeln der Freude

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Novelle von Marga »rechten.

(48. Fortsetzung.)

Noch immer regte sich keine Hand; in tiefes Sinnen verloren betrachtete der junge Arzt feinen früheren Feind. Die Anspielung auf seine Muiter ihn tiefer gerührt, als er gestehen wollte. Ihr Bild stieg klar und deutlich vor ihm auf, — jatte nicht die thenre Verstorbene an einem großen Schmerze gezehrt und dennoch verziehen?"

„Junger Mann," sagte Almhaus weich, „ein wann meines Alters und meiner Stellung macht »n solche» Anerbieten nur ein einzige» Mal. yarum besinnen Sie sich wohl und schlagen Sie ein, — wollen Sie mich fortan al» Ihren Freund oetrachten und zuwellen kommen, um die letzten <Jal)re eine» einsamen, verhärteten Gemüthe» zu rrhettern?"

Da beugte Joseph Lehrbach da» vorher so »otzig erhobene Haupt und umschloß die ihm ge- ootene $anb mit warmem Drucke: „Vergeben Sie mir, daß ich so lange gezögert, in der Jugend wird da» Vergessen oft so schwer. Ich weiß die «hre die Sie dem unerfahrenen, Ihnen gänzlich MMden Manne erzeigen wollen, wohl zu schätzen. Sie wiegt da« Vergangene reichlich auf. Und vennoch kann ich mich noch nicht darüber freuen,