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einigen Kantonen ganz löbliche Gesetze gegen die Sozialisten z. B. in Zürich die sogenannte lex Teichler, aber die kantonalen Behörden führen diese Gesetze nicht aus und Zürich ist jetzt ein Hauptsttz der Sozialisten und Anarchisten.

Nebenbei müssen wir uns doch bei der großen Empfindlichkeit, welche in der Schweiz jetzt gegen Deutschland herrscht, daran erinnern, daß in der Frage Chablais und Faucigny, als Napoleon HI. die schweizer Neutralität ignortrte, die erwähnten neutralen Distrikte einfach annektirte und dadurch zu einer Enclave im französtschen Gebiete machte, in der Schweiz Alles ruhig blieb und man sich die Insulte gefallen ließ!

Die Neutralität legt Pflichten auf und die offizielle Schweiz hat diese Pflicht resprktirt. Aber es gibt in der Schweiz auch neben der offi­ziellen eine nicht offizielle Schweiz, wie es in Rußland ein nicht offizielles Rußland gibt. Und diese nicht offizielle Schweiz ist nicht neutral, sondern der treueste, eifrigste Bundesgenoffe der Revolution. Die Häupter der nicht offiziellen Schweiz fitzen in den Großlogen in Bern, Genf und Lugano und manchmal scheint es fast, als ob dieselben Personen, welche als Logenmeister die nichtoffizielle Schweiz leiten, in Bern die offizielle Schweiz regieren.

Wir sind der Ansicht, daß die Schweiz ihre größten Feinde im Innern hat, daß sie von der Loge sich emanzipiren muß, dann wird sie leicht ihre Neutralität wahren und alle Verwicklungen mit auswärtigen Mächten vermeiden.

mit der Voreiligkeit der Jugend und haben doch selber noch so wenig erfahren! Warten Sie, bis einmal trübe Tage kommen, und dann sehen Sie, ob Sie Ihre Miene zu freundlichem Lächeln zwingen können." —

Lehrbach erröthete und bat seine Erzählerin fortzufahren. Er nahm ein Röllchen blauer Seide vom Arbeitstische, drehte e» spielend zwischen den Fingern und sah nachdenklich vor sich hin. Ver­möge einer seltsamen Jdeenoerbindung erinnerte ihn diese Farbe und Gertrude'« mahnende Worte an ein wohlbekanntes Zimmer. Mitten darin stand ein runder Tisch mit einer grünen Decke. Zwei Knaben saßen daran, der eine mit frischem, schel­misch blickendem Gesichtchen, der andere blaß, schüchtern und linkisch. Sie schrieben Beide ihre Schularbeiten, während ein Mädchen mit großen blauen Augen und einem blauen Bande im krausen, schwarzen Haar vor ihnen stand. E» schalt den kleineren Knaben, der so lustig lachte, über seine nichtsnutzigen Stretche, und tröstete den größeren Junge«, der ein spitznafige« Ttntenmännchen auf feinem Schreibheft entsetzt anstarrte. — (Fort, f.)

! I von allen Völkern der Monarchie ausgehend, uns Tro» . und Stärkung in unserem tiefen Schmerz- gewährten . Weder m unseren Beziehungen zu fremden Mächten, noih m der allgemeinen Richtung unserer auswärtigen Politik ' ist eine Veränderung eingetreten. In voller Einigkeit mit unseren Verbündeten steht meine Regierung für eine friedliche Entwickelung der fortdauernd unsicheren euro- pärschen Lag« ein, sie hält fest an der Hoffnung, datz uns auch ferner bte Segnungen des Friedens werden erhalten bleiben können trotz der allerorts fortgesetzten Steigeruna der Kriegsmacht, welche auch uns zwingt, in der Vervoll­kommnung unserer Wehrfähigkeit nicht inne zu halten Der bedauerliche Entschluß des Königs Milan von Serbien' dem Throne zu entsagen, hat während der Minorennität des Königs Alexander die Macht in die Hände einer Regentschaft gelegt, von welcher mir in förmlichster Weise die Versicherung gegeben wurde, die bisherigen freund­schaftlichen Beziehungen zu Oesterreich-Ungarn fortsetzen und pflegen zu wollen. Bon wohlwollenden Gefühlen für das benachbarte Königreich erfüllt, wünsch ich dieses auch meinerseits und hoffe, daß di- Klugheit und der Patrio­tismus der Serben das Land vor ernsten Gefahren be­wahren werden. In Bulgarien herrscht Ordnung, Ruhe und es ist erfreulich, die stetigen Fortschritte zu konsta- trren, welche dieses Land trotz seiner schwierigen Lage macht. In der vollen Würdigung der finanzisllen Verhält- mffe der Monarchie war meine Regierung bestrebt, das gesammte Erforderniß für das stehende Heer und di« Kriegsmarine auf das Nothwendigste zu beschränken. In Folge der außergewöhnlichen Anforderungen ist zunächst die gebotene Fortsetzung jener militärischen Vorsichtsmaß, regeln nicht zu vermeiden, für welche im verflossenen Jahre außerordentliche Kredite bewilligt wurden, ferner solche unaufschiebbare Maßnahmen, die zur Kräftigung und Erhöhung der Kriegstüchtigkeit des Heeres unerläß- lrch sind. Die Einnahmen der Herzegowina und Bosniens «erden auch in diesem Jahre zur Deckung der Kosten der Verwaltung dieser Länder um so gewisser ausreichen als in Bezug auf die wirthschaftliche Entwickelung ein st tiges Fortschreiten konstatirt werden kann. Indem ich di- Ihnen zugehenden Vorlagen Ihrer stets bewährten und patriotischen Einsicht empfehle, rechne ich darauf, daß Sie meine Regierung durch Ihre vertrauensvoll- Mithilfe unterstützen werden, und heiße Sie deshalb herzlich will­kommen.

* 3n SB e i c e r e 8 fand am Sonntag ein Boulangistenbanket und gleichzeitig eine antibou- langisttsche Versammlung statt. Zwischen beiden Parteien kam es dabei zu einem Zusammenstoß. 5D6rouIe)e wuroe dabei verhaftet und dem Sraatr- anwalt vorgeführt, später aber wieder in Freiheit gesetzt.

I * Bezüglich derErnteaussichten in Ruß­land nimmt man in sachverständigen Kreisen an, daß eine weiter andauernde Trockenheit von nur

-8 Tagen aus reichen wird, um dem Süden und Südwesten Rußlands eine vollständige Miß- ernte zu bereiten. Tritt dec ersehnte Regen bald ein, so kann sich das Bild freundlicher gestalten. Aber auch in diesem Falle wird nicht mehr wie eine knappe Mittelernte erwartet. Sonach gestal- ten sich also die Ecnteausstchten im Süden und Südwesten Rußlands von Tag zu Tag schlechter. Die Vorräthe an Weizen aber find noch so groß, daß die Preisbildung in diesem Artikel doch noch nicht wesentlich günstiger für den Verkäufer ge­worden ist. Dagegen steigen überall im Innern wie im Süden Rußland die Preise des Rog­gens, des Hauplverbrauchsartikels Rußlands. Diese Hauff e ist ein sicheres Zeichen, daß die pessi­mistische Auffassung hinsichtlich des russischen Ernte- Ergebnisses für 1889 die Oberhand hat. Das wäre ja dem oielgeplagten deutschen Bauer sehr zu gönnen.

I der König nach dem Schlosse begab, setzten die beiden Prinzen ihre Reise nach Stuttgart fort. — Der König von Griechenland verbleibt heute, einer Einladung des Kaisers folgend, in Berlin und be« giebt sich morgen nach Frankfurt a. M.

* Dem Präsidenten des Reichstags von L e v e tz o w ist das Großkceuz und den beiden Vicepräfidenten Dr. Buhl und Freiherr von Unruhe-Bomst das Komthurkreuz des königl. sächstschen Albrecht- ordens verliehen worden.

* Urber bett in Aussicht gestellten Angriff auf Pangani liegen noch keine amtlichen Mittheil, ungen vor. Ja London verbreitete Gerüchte be­sagen, daß am Mittwoch Hauptmann Wißmann die Araber nach einem harten Gefecht gänzlich zersprengt habe, worauf er nach Sansibar zurück- gekehrt sei.

• Krefeld, 22. Juni. Nach amtlicher Fest- I stellung wurde bei der am 18. d. M. im 11. Düfleldorfer Wahlkreis (Krefeld Stadt und Land) stattgehadten Reichstagsersatzwahl Rechtsanwalt Dr. Karl Bachem (Cenyum) in Köln mit 5522 von 6987 Stimmen gewählt. Der Gegenkandi­dat, Buchdru^ereibefitzer Karl Grillenberger in Nürnberg (Sozial».), erhielt 1461 Stimmen.

* Nach einem der.Germania' aus Heiligen­stadt zugehenden Prtvat-Telegramm meldet die .Eichsfeldia', daß der Herr Bischof von Hildes­heim an Stelle des verstorbenen Generalvikars Koch den Stadtpfarrer von Duderstadt und bischöf­lichen Kommissar oe« Untereichsfeldes Herrn Hugo zum Domkapitular in Hildesheim und zum Generalvikar ernannte. Der Amtsantritt er­folge am 1. Oktober. Herr Hugo ist erst einige Jahre in seiner jetzigen Stellung in Duderstadt. Vorher war er lange Jahre, schon in den 60er Jahren, Pfarrer der katholischen Gemeinde der Univerfitätsstadt Göttingen und Umgebung und genoß in seiner Gemeinde und weit darüber hin­aus große Hochachtung, Verehrung und Liebe wegen seiner Tüchtigkeit, seiner Hingebung an sein schwieriges Amt in einer ausgedehnten Diaspora- Gemeinde und wegen seines zugleich liebenswürdigen und festen Charakters. Möge ihn Gott für den neuen hohen Beruf noch viele Jahre in Gesund- heit und Kraft erhalten!

* Die Stuttgarter Regierungsjubiläumr- feierlichketten wurden am Sonntag durch Festgottes­dienst in allen Kirchen eingeleitet. Dann fand die Enthüllung des Herzog Christoph-Denkmal« statt, worauf die Kciegervereine dem Könige einen Huldtgungrzug darbrachten. An dem Zuge nah- men 14,000 Krieger mit 500 Fahnen thetl. Der Vorbeimarsch dauerte ®/4 Stunden. Am Nach- mittag fand Festregatta auf dem Neckar statt.

Ausland.

* Der Kaiser von Oesterreich hat am Sonn­tag die Präsidenten der österreichisch-ungarischen Delegation empfangen und folgende Ansprache an dieselben gerichtet:

„Mit aufrichtiger Befriedigung nehme ich die Versiche­rungen treuer Ergebenheit entgegen, welche Sie soeben an mich gerichtet haben und gedenke gerührten Her«ns der zahllosen Kundgebungen unerschütterlicher Treue und Anhänglichkeit an mich, die Kaiserin und mein Haus, di«, eines Tages ein Fremder in unser Haus. Ec Ec war ein Studienfreund von Papa und dieser nannte ihn „Doktor"--warten Sie, ich muß

mich dieses Namens noch erinnern. — Nein, er fällt mir nicht mehr ein. Es ist auch wirklich schon zu lange her, denn Lilli war damals noch ein Kind von ungefähr acht Jahren. Ich war viel älter, aber sehr kränklich und in Folge dessen ein ganz launiges Ding. Aber eine merkwürdige Beobachtungsgabe war mir eigen, und so sah ich vom unteren Ende des Tisches her unfern Gast starr an und sann und dachte darüber nach, was sein Gesicht so düster gemacht haben mochte. Hatte er selbst ein Unrecht verübt, oder erzähfte dieser herbe Zug von Leiden, welche ihm Andere zuge­fügt hatten."

„Immerhin spricht dieser düstere Ernst gegen ihn," schaltete der junge Mann ein. Man sagt, j großer Kummer mache einen guten Charakter weich und mitfühlend, während der böse Mensch sich int Gram verhärtet."

„D, wie rasch Sie urthellen," sagte Gertrude und drohte lächelnd mit dem Finger. „Sie richten |

Deutsche- Reich.

Berlin, 24. Juni.

* Die Vermählung des Prinzen Friedrich Leopold von Preußen mit der Prinzessin Luise Sophie von Schleswig-Holstein hat heute in Gegen­wart des Kaisers und der Kaiserin und der Prin­zen und Prinzeffinen de« königlichen Hauses sowie der Könige von Sachsen und Griechenland statt- gesunden. Den Zivilakt vollzog der Minister de« königlichen Hauses von Wedell, die kirchliche Feier Oberhofpredtger Dr. Kögel. An die kirchliche Vermählung schlossen sich zunächst eine große Defi- liecour, dann die Zeremonientafel und schließlich der Fackeltanz. Infolge der Theilnahme des König« von Griechenland an den Festlichkeiken er- fuhr das F-stprogramm einige nicht wesentliche Aenderungen. Nach den Vermählungsfeierlichkeiten begibt sich Prinz Friedrich Leopold mit seiner Gemahlin nach Schloß Glienicke, um dort wäh­rend der nächsten Zeit Aufenthalt zu nehmen. Das Hochzettsgeschenk de» Offizierkorps der Gardes du Corps, welche« am Sonnabend dem Prinzen Friedrich Leopold durch den Kommandeur der Regiments überreicht wurde, besteht in einer stl- bernen Kredenzplatte, in welcher die Namen und Wappen sämmtlicher Offiziere eingravirt find. Ein jeder Offizier des Gardes du Korps erhält bei seiner Verheirathung ein Hochzeitsgeschenk.

* Der König und der Kronprinz von Grie­chenland, sowie der Großfürst-Thronfolger von Rußland find gestern Abend von Petersburg kommend in Berlin eingetroffen. Während sich älteren Herren zu verlaffen, fiagte Almhau« noch flüchttg nach dem Namen seines Heimathortes. Lehrbach nannte feine Vaterstadt.

Da wurde die schon halb zum Abschied ausge- streckte Hand des Fremden wieder zurückgezogen; eine tiefe Falte entstand zwischen den stolzen Braunen und ein Blick eisiger Kälte traf Oskar'« erstaunten Freund. Eine herablaffende, kaum merk­liche Verneigung —, und Joseph Lehrbach sah sich allein.

So unangenehm diese Begegnung den jungen Arzt auch berührt hatte, so fühlte er dennoch fortan ein fast unerklärliches Interesse für jenen feltfamen Mann. Nichts destoweniger vermied er ein aber­maliger Zusammentr ff en, und konnte nicht begreifen warum man den Professor in Kreis: zog, welche er offenbar nur ungern besuchte und ihn mit solcher Aufmerksamkeit behandelte. Als er einst feine Verwunderung hierüber ausdrückte, theilte ihm bte stille Gertrude Bornstedt Folgendes über ihres Vaters Freund mit.

»Vor vielen Jahren", erzählte Gertrude und nahm eine Handarbeit aus ihrem Körbchen, „kam |