1889
Montag, den 24. Juni.
>1111118
fiiliaer
da« Werk der Sklavenbefreiung zu machen, Frauen-Vereine zu Gunsten der Neger zu gründen. „ ,
Der hochwürdigste Herr Erzbischof von Köln, al« Protektor de» Afrika-Vereins deutscher Katholiken hat die Vollmachten de« Kardinal« für Deutschland bestätigt und gern seinen Segen gespendet zu dem Werke, welches die edle Dame im Vertrauen auf Gottes Beistand und den echt christlichen Sinn der katholischen Frauen Deutschlands jetzt in Angriff nimmt.
Wir dürfen wohl die zuverstchtliche Hoffnung aussprechen, daß überall in Deutschland stch hochherzige deutsche Frauen finden werden, welche bereit find, ihre hülfrbereite Hand zur Ausführung eine» so schönen Werke» zu bieten. Wir richten deshalb an jene unserer geehrten Leserinnen, welche bereit find, ihren Namen unter einen demnächst zu veröffentlichenden Aufruf zu setzen und in ihren Kreisen für Bildung von Zweigvereinen eine» Afrika-Verein» deutscher katholischer Frauen zu wirken, die freundliche Bitte, schon jetzt ihre Namen nebst Adresse an die Redaktion der Monatsschrift „Gott will ei!" in Münster i. W. oder auch an uns einsenden zu wollen.
(44. Fortsetzung.)
Recht«anwalt Rothhau», welcher schon frühzeitig von Frau von Wendens Wunsch in Kenntmß gesetzt worden war, hatte unterdessen die erforderlichen Schritte zur Annahme des Kindes eingeleitet. Schon nach einigen Tagen wurde Elma als Vormünderin und Adoptivmutter des Knaben vom Gericht anerkannt, nachdem ste erklärt hatte, für dessen Ausbildung und Erziehung Sorge tragen zu wollen.
Die Freude im Bewußtsein ihrer guten That kehrte in ihre Seele ein und gab ihr eine wunder- bare Beruhigung. Zu Hause zog ste ihren Pflege- sohn zu ihrem Sc fiel am Fenster, um mit ihm über dissen nächste Zukunft zu berathen. Joseph war noch jung, aber ein Leben voll Armuty und Entbehrung hatten ihm ftüher einen Ernst und ein richtige» Verständniß gegeben, al» andern Kindern seine» Alter». Ec sagte fich in diesem Augenblick, daß er ohne die Güte dieser milden, edlen Dame da vor ihm, heute schon draußen unter fremden, vielleicht harten und bösen Menschen sein würde. Mit einem warmen Dankgefühle kniete er auf dem Fußbänkchen der neuen Pflegemutter nieder, küßte ihre Hände und versprach ihr ein
11. Kapitel. »
Da» Almhaur und sein Bewohner.
Mir wird das Herz so stille
In dieser milden Nacht, Es bricht der eigene Wille, Die alte Lieb' erwacht.
Es ist als kam ein Grüßen Bom fernen Himmelszelt, Und Frieden möcht ich schließen Mit Gott und aller Wett.
G e i b e l.
XXV.
Wieder war e» Lenz geworden, lieblicher, sonniger Lenz, der die Erde mit jungem Grün bedeckte und in den Herzen der Menschen neue Hoffnungen erwachen ließ. Alle» jauchzte und freute stch an der milden Lust un) dem Gesänge der Vögel, und wer nun immer konnte in Stadt und Land, der eilte hinaus in'» Freie.
Durch die breite Allee der eleganten L.-Straße in Berlin schritten eines Morgen» zwei junge
x jrmr m Wendt».
Novelle von Marga »rechten.
H. Deutschlands Katholiken ans dem Luzerner Antisklaverei-Kongresse.
Wenn irgend eine Nation stch da» Recht er- worben hat, auf dem Anfang» August tagenden ersten internationalen Antisklaverei-Kongresse vertreten zu sein, bei den ernsten und folgenschweren Berathungen ein gewichtige» Wort mstzureden, so ist c» die deutsche. In keinem Lande, Belgien nicht ausgenommen, hat die Bewegung gegen die aftikanische Sklaverei so rasch und beständig um stch gegriffen, und, wa» wichtig für die Zukunft ist, nirgend» besteht eine so praktische und Dauer versprechende Organisation, wie sie der Afrika- Verein deutscher Katholiken stch zu eigen gemacht hat. 1500 Zweigvereine mit 300000 Mitgliedern nach kaum mchr al« sechrmonatlicher Arbeit, in einem Lande, dissen Katholiken so sehr von der Sorge für so viele kirchliche Bedürfnisse im eigenen Lande und in den Misstonen in Anspruch genommen find, da« ist ein Erfolg, der einzig dasteht.
Entsprechend dieser großen Anstrengungen und Opfer der deutschen Katholiken ist e« nun aber auch dringend wünschenswerth, daß der Afrika- Verein in Luzern würdig und zahlreich vertreten sei. So viel un« bekannt, wird der Ver- waltungsausschuß mehrere Mitglieder, jeder Diözesan- Verein wenigsten« ein Mitglied entsenden, und jene Mitglieder der Zweig - Vereine, welche den Verhandlungen beizuwohncn wünschen, werden gebeten fich zum Empfange einer Legitimation an die Herren Vorsitzenden der Diözesan-Vereine zu wenden. An die Unterzeichner de« ersten Aufrufe», die eigentlichen Taufpathen de» Verein», wird eine besondere Einladung Seiten« de« Central-Ausschusse» ergehen.
Wir wollen hier darauf aufmerksam machen, daß zu den Verhandlungen de» Kongresse« Frauen nicht bloß Zutritt haben, sondern daß die recht zahlreiche Theilnahme derselben dringend gewünscht wird. Die Frauen nehmen ja bekanntlich einen sehr regen Antheil an den Bestrebungen de« Vereins, und gewiß mit Recht, denn die Zustände in Afrika können am wenigsten das gefühlvolle Herz eines christlichen Weibes, einer christlichen Mutter kalt lassen, find e» ja doch vor Allem Frauen und Kinder, auf welchen das gräuliche Joch der
Sklaverei am drückendsten ruht. Also unsere Frauen haben ein Recht, in Luzern zu erscheinen, und wir können nur den Wunsch aussprechen, daß recht viele davon Gebrauch machen; fie werden dort nicht allein sein, den auch von Oesterreich, Belgien, Frankreich, Italien haben sich bereit» Kolleginnen angemeldet, und e» wäre wirklich bedauerlich, wenn Deutschland» Frauen unvertreten blieben. t .
Schon wiederholt ist in der Presse, und besonders in der Vereinsschrift de» Afrika-Vereins („Gott will e» 1") an die deutschen Frauen der Ruf ergangen, stch zu besonderen Frauen-Vereinen zu vereinigen. Diese Idee ist ihrer Verwirklich- ung sehr nahe und hoffen wir in den nächsten Tagen die Namen der Ausschußmttglieder mit- theilen zu können. Gleich zu Beginn der Beweg- ung hatte Se. Eminenz der Kardinal Lavigerie eine durch Rang wie durch großen Wohlthätigkeitr- stnn gleich ausgezeichnete Frau, die verwittwete Gräfin Valerie von Stainlein-Saalen- stein, mit besonderen Vollmachten ausgestattet, damit sie die Bewegung unter den katholischen Frauen in Fluß brüt ie. Nicht leicht hätte der Kardinal eine Dame finden können, welche besser mit den Verhältnissen in Afrika vertraut ist und freudigeren Herzens größere Summen für diesen Zweck opferte, als die Gräfin Stainlein. Seit Jahren ihres edlen Gatten beraubt, lebt ste nur für Werke der christlichen Nächstenliebe und be- trachtet stch als Testamentsvollstreckerin ihres gleichfalls zu früh hinweggenommenen einzigen Kindes, des Vielen unvergeßlichen Grafen Hermann. Graf Hermann, ein für alles Edle begeisterter junger Mann, erfreute stch der persönlichen Freundschaft des Kardinal Lavigerie, der in ihm den opferwilligsten Freund der unterdrückten Neger fand. De» Seligen letzter Wunsch war, daß auch jenen unglücklichen Völkerschaften einst Licht und Freiheit werde, und an der Erfüllung dieses Wunsches ihres Sohnes au» allen Kräften zu arbeiten, ist einziger Lebenszweck der Überlebenden hochherzigen Mutter geworden.
Dieser Umstand ist für Kardinal Lavigerie be- stimmend gewesen, als er der Gräfin Stainlein Vollmacht und formellen Auftrag gab, unter den Angehörigen ihre» Geschlechte» Propaganda für guter folgsamer Sohn zu sein. Elma streichelte liebevoll die blassen Wangen, über die einzelne Thränen rollten, die dem Andenken an die wirkliche, tobte Mutter galten. Dann sagte fie ihm, daß er mit Theo Heimbach die gleiche Schule besuchen werde, und fragte, ob er schon früher einmal daran gedacht habe, was er wohl einst werden möchte.
„O ja," so ganz in der Stille gestand der Knabe und während eine tiefe Gluth fein Geficht bedeckie, neigte er den Mund zu dem Ohr der neuen Mutter, und flüsterte ihr leise einige Worte zu, al» ob er fürchte, sein kleine» Gehetmniß jemand Anderm Preis zu geben.
„Nun wohl," lächelte Elma freudig Überrascht, „warum sollte das unmöglich sein, wenn Du sehr sehr fleißig bist? Und nun komm, ich will Dir Dein kleines Heim zeigen, wo Du nach Herzenslust lernen kannst."
Sie führte Joseph in Wenden'» große» Studir- zimmer, welches vor einigen Tagen zum ersten Male geöffnet und durch eine hohe Tapetenwand in zwei Theile getrennt worden war. In dem an da» Gesellschaftszimmer anstoßenden befand sich eine ganz neue, für den Knaben passende Einrichtung; auch ein mit Büchern und unterhaltenden Spielen bedeckter Tisch stand dort; über dem Bett aber hing da« Muttergottesbild von oben und
Deutsche- Reich.
Berlin, 22. Juni.
* Centrumsmännern, welche irgend eine Anerkennung ober Auszeichnung erfahren haben, dichtet man nun schon seit einem Jahre bald diese, bald jene Beförderung an. E» geschieht dar stets seitens unserer „besten Freunde" in der nationalliberalen Presse. In letzter Zeit ist man hinter das Motiv dieses Manövers gekommen. Allem Anscheine nach verfolgt man mit diesen Schlichen nur den Zweck, hinterher nur erklären zu können, daß jede Berücksichtigung von Mitgliedern des Centrums so ein kleines Staatsverbrechen sein würde. In den letzten Tagen sprengte nun die edle .Rheinisch-Westfälische Zeitung', deren Katholikenhaß, wenn möglich, noch den der .Kölnischen Zeitung' übertrumpft, die Mär aus, es verlaute, natürlich „in gut unterrichteten Kreisen", der Kai- ser habe den C-ntrum» - Abgeordneten Frhrn. v. H u e n e zum „Verwalter seiner Güter ausersehen". Loni'» Brautkranz. Die in das Robinet nebenan führende Thürs ein wenig öffnend, ließ Elma den Knaben einen Blick in bas Innere thun, und sagte, auf die in prachtvollen Schränken aufge- häusten Bücher deutend: „Wenn Niemand kommt, der ein größeres Anrecht darauf hat, sollen fie dereinst Dir gehörigen."
"• "ti'SÄ .L R-u» >s W«.. Kl -MM—K- »-»».