Einzelbild herunterladen
 

j\g 141 Samstag, dm 22. Juni.

Fnldeer W Zeit»;.

1889

Wbaer Reituna' erscheint täglich Sonn- und Feiertage au-gmommm^ Vierteljährlicher Abonnementspreis oh-eBringerlohn und Bestellgeld Dre ,Fuldaer Lotung Wochenbeilage .Sterne und Blumen- in Fulda und auswärts 1 Mark SO Pfennig.

Inserats Die einspaltige Zeile oder deren Raum IS Pfg-, bei Wiederholungen entsprechender^Rabatt^^^^^E^^^

Zweites Blatt.

MM- KestklmM 1*6

auf die

„Fuldaer Zeitung"

für das am 1. Juli beginnende

III. Quartal 1888

wolle man nicht bis auf die letzten Tage des laufenden Monats verschieben, sondern möglichst bald dem näch­sten Postamte zustellen, damit uns dieselben rechtzeitig übermittelt werden können und prompte Zusendung er­möglicht wird.

Der Post-Abonnementspreis auf die.Fuldaer Zeitung' mit der illuflrirten Sonntagsbeilage

„Sterne und Blumen"

beträgt pro Quartal nur 1 M. 50 Pfg. excl. Bestellgeld.

yGk> Neu zugehende Abonnenten erhalten die Zei­tung nebst der Sonntagsbeilage gegen Einsendung der Post-Quittung bis Ende Juni gratis.

Der Blitz.

Wenn die ersten Schwalben ihren nordischen Sommerfrischen zueilten, pflegte auch „Dörch- läuchting" Adolph Friedrich IV. von Mecklenburg. Strelitz sein Hoflager von Neu-Strelitz nordwärts nach Neu-Brandenburg zu verlegen, denn an der Tollense gab es keine Rohrdommeln, die ihm die Residenz am Zierkcr See während der Sommer­zeit für immer verleidet hatten. Gewitter frei- sich entluden sich auch über der Perle des mccklen- burg.strelitz'schen Reiche», und vor Gewittern graute er Dörchläuchting noch mehr als vor „Frauens­leuten". Wenn der Herzog aber den Blitzstrahl fürchtete, so geschah die», weil er sich trotz seiner Beschränktheit doch nicht der Einsicht verschließen konnte, daß vor der gewaltigen Naturkrast selbst da» fürstliche Haupt eine« „regierenden Herrn" nicht absolut gestchert sei.

Wie immer sind auch diesmal mit den ersten Schwalben die ersten Gewitter eingekehrt und der Blitz hat bereit- seine ersten Opfer an Menschen­leben gefordert. Die ersten, denn der „furchtbare Grimm" der „feurigen Schlange" wird sich im

x frin; m Wenden.

Novelle von Marga Brechten.

(43. Fortsetzung.)

Elma hörte schweigend zu; dann legte sie ihre Hand beschwichtigend auf die gefalteten Hände der Leidenden und sagte: „Wußten Sie denn nicht, daß ich mich seiner angenommen hätte? Mein Leben ist einsam, und wenn der liebe Gott e« einst anders beschließt, als wir sitzt hoffen, so legen Sie die Sorge um den Knaben in meine Hand."

Loni gedachte an die Worte in Erwin'« Brief: „Um Ihre« Kinde« willen weisen Sie die Hilfe eine» treuen Freunde» nicht zurück, die ich Ihnen durch eine andere Hand senden werde." Und nun war diese Hand diejenige seiner Frau! O, Gott, aber Erwin hotte fie geschickt und wenn auch spät, so doch zu einer Zeit, da da» Kind fie am meisten bedurfte. Sie zog Elma'» Hand an ihre brennen­den Lippen und sagte mit schwacher Stimme: „O komm, Joseph, und danke der gnädigen Frau und, wenn fie fich je ihrer gütigen Worte erinnert, so liebe und verehre fie al» Deine zweite Mutter. Dann griff fie unbemerkt unter ihr Kiffen und bat Frau von Wenden, ihr Einige» vorzulesen.

Elma erfüllte gern die Bitte der Kranken, zog

Laufe dc» Sommer» noch viele, viele andere er­lesen. Die Zahl der vom Blitz Hinweggerofften ist beteutend größer, al» man in weiten Kreisen gemeiniglich annimmt. In dem Zeitraum von 1869 bi» 1872 sind im preußischen Staate nach den Ermittelungen de» statistifchen Bureaus 369 Personen vom Blitz erschlagen worden, während in demselben Zeitraum auf sämmtlichen preußischen Eisenbahnen nur 165 Reisende verunglückten. Die Zahl der Eisenbahnunfälle betrug demnach nur 45 Prozent der durch die Gewitter verursachten Men­schenverluste. Während aber die Zahl der vom Blitz Getroffenen fich zu Anfang der siebenziger Jahre im Durchschnitt auf 92 für da» Jahr stellte, hat fich diese Zahl späterhin auf 111 erhöht, denn nicht nur hat die Ziffer der Gewitter zugenommen, sondern auch die Bösartigkeit derselben scheint fich gesteigert zu haben.

Wenn nun auch der Mensch der vernichtenden Gewalt der furchtbaren Naturkräfte ohnmächtig gegenüber steht, so vermag er doch, ihr auszu­weichen und zwar um so mehr, als e» ihm gelingt, ' da« Wesen des Blitzes kennen zu lernen. Schiller sagt zwar: „Aus der Wolke ohne Wahl zuckt der Strahl", aber dieses Wort ist eben ein Dichter­wort, da« oftmals nicht mit den Verhältniffen der Natur übereinstimmt. Im Gegencheil wählt der Blitz immer, waltet niemals finnlos, und deshalb allein ist es dem Menschen gegeben, fich selbst und seine Habe bim vertilgenden Schlage der fich ent­ladenden Natur-Elektrizität zu entziehen.

Eine Wolke oder eine Summe von Wolken wird erst dann zu einem Gewitter, wen« fie eine der beiden Elektrizitäten, die man gewöhnlich als negative und positive unterscheidet, in einem solchen Grade besitzt, wie ihn eine plötzliche Entladung derselben, den Blitz voraussitzt. Eine mit nega­tiver Eliktrizität geladene Wolke zieht aber die positive Eliktrizität des Erdabschnitte«, über wel­chem fie schwebt, zu fich heran, während fie die negative in entferntere Erdtheile vertreibt. Mit der Entstehung eine« Gewitter« vollzieht fich dem­nach gleichzeitig eine Vertheilung der beiden, unter gewöhnlichen Umständen stet« verbundenen Elcktri- züäten, aber nicht in allen ge!t die Vertheilung gleich schnell und gleich vollständig vor fich.

Die Metalle und da« Waffer find der elektri­schen Vertheilung am günstigsten. Da« Woffer da» mitgebrachte Buch au» der Tasche und ver­sprach, noch ei« wenig bleiben zu wollen.

Joseph liebte da» Vorlesen auch; er rückte fich leise einen Schemel dicht an der Mutter Bett und legte den Kopf neben da» Kiffen. Loni aber lag ganz still und lauschte der klaren, melodischen Stimme, bi« sich ihre Augen vor Müdigkeit schlos­sen ; — sie war ja schon lange so müde, so müde!

Er ging gegen Abend, der westliche Himmel färbte sich purpurn und die untergehende Sonne vergoldete die Fensterscheiben; da« war ihr Scheide­gruß. Durch da« stille Gemach klangen eben die litzten Verse von Loni'« Liebling«gedicht:

Du sprichst ein Wort: der Sturm ist aus, Es legen sich die Wogen, Und weithin an des Himmels Haus Geht auf der Regenbogen.

Die Welt vergeht mit Schein und Pracht, Der Tag mit (einen Schmerzen;

Im letzten Sturm der bängsten Nacht O halt mich fest am Herzen!

O sprich ein Wort, der Sturm ist aus, Es legen sich die Wogen;

Ich bin in meines Vaters Haus, Den Himmel, eingezogen.

Elma schloß da» Buch, und aufblickend gewahrte fie, daß ihr Niemand mehr zuhörte, denn fie ver-

aber findet fich nicht nur gesammelt in den Mee­ren, Seen, Flüffen und Bächen vor, sondern e» durchdrängt auch mehr oder minder alle oberen, nicht seifigen Schichten der Erdrinde und ist ein Hauptbestandtheil aller thierischen und pflanzlichen Organismen. Das Waffer sitzt ferner, ganz so wie die Metalle, der elektrischen Vertheilung nicht nur keinen Widerstand entgegen, sondern es ge­stattet der Elektrizität auch den Durchgang in einer Geschwindigkeit, wie ste eben nur der elettrischen Bewegung eigen ist, ist also ein vortri fflicher elek­trischer Letter. , , „

Der Hauptnutzen der Blitzableiter ist jedensall» in dem Umstande zu suchen, daß fie die in den Gebäuden sich ansammelnde Elektrizität den Wolken entgegen führen und so durch diese ihre Thätig- kett die Gefahr de« Blitzschläge« vermindern.

Au« den Spitzen der Masten und Raen der auf hoher See befindlichen Schiffe strömt manch­mal die Elektrizttät in einer solchen Stärke au«, daß ste im Dunkil der Nacht al« ein etgenthüm- liche« Leuchten sichtbar wird. Dieses Glimmlicht ist da« sogenannte Elsfeuer, da« von den aber­gläubischen Matrosen sehr gefürchtet wird, da fie er al« einen untrüglichen Vorboten eine« Unglücks­falles ansehen. , ~ ,

Die Elektrizttät ist eine Kraft. Jede Kraft aber ist Ursache einer Bewegungsänderung, mag dieselbe nun in der Aenderung der Geschwindig­keit oder der Richtung bestehen. Die Wolkenelek­trizität zieht die Erdelektrizität an und umgekehrt. Wohl wird der Zug de« Gewitter« in erster Linie durch den Wind bedingt, aber beeinflußt wird er durch die Wafferläufe und durch die Waldungen. Von jeder Kiefer- und Tannennadel, von jedem Laubblatt webt fich ein unsichtbare« Band hinauf zu dem schwarzen, hin und wieder in falbem Schein ausflammenden Wolkenhimmel, und wenn jede« einzelne Band auch noch so schwach sei« mag, milliardenmal oder billionenmal vervielfältigt, ist e« stark genug, dem Gewitter eine Richtung zu geben welche von der Luftströmung unter einem größeren oder kleineren Winkel ab weicht. Wenn irgend eine Naturerscheinung den sichtbaren Beweis für die Wahrheit des Satzes vom Kräfti Parallelo­gramm bietet, so ist e« dte Bahnrichtung des Ge­witter» in wald- oder «affe reicher Gegend. Neh­men wir ein bestimmtes Beispiel. Auf dem linken

nahm die tiefen Athemzüge des Knaben. Sie waren Beide eingesä lasen, die Mutter und dar Kind. Aber auf Loni's Schlaf folgte am andern Tage ein Erwachen, welches mahnte, rasch den Prüster zu holen. Um dte Mittagszeit schlief fie nochmal» ein, um im Jenseits zu erwachen.

Am Abend deffelben Tages begab fich Elma früh in ihr Schlafzimmer, um hier in der Stille noch einmal über da« Schicksal de« ärmen Waisen­knaben und dte Art, wie sie fich seiner annehmen wolle, nachzudenken. Truda hatte ben Auftrag erhalten, für bie Beerdigung der Wittwe und die Bestellung de« darauf folgenden TrauergotteSdien- ste« Sorge zu tragen, nachdem fie zuvor für den kleinen Joseph ein Bett auf dem Sopha im Wohn­zimmer hergerichtet hatte. Für dte ersten Tage sollte er nach Frau von Wenden'» Wunsch jeden­falls noch bet chr im Hause bleiben.

, Warum nicht für immer," dachte ste und nahm fich" vor, mit dem Rechtsanwalt Rothhau», dem alten Freunde ihres Manne«, da» Nähere zu über­legen. Derselbe hatte ihr schon so oft mit seinem Rathe beigistanden und würde auch diesmal die nöchige« Schritte zur Adoptirung des Kindes ein- zuleiten w ff-n, wenn fie fich dafür entscheiden würde. — Der Knabe war so zutraulich trotz aller Schüchternhett, und Elma sagte fich, daß ste dies