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JV 139 Mittwoch, den 19. Juni,

fiiliiner W 3eilimg.

1889

D«e .Fuldaer Zeitung' erschemt täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld m,t der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

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Wb Wegen des hl. Frohuleichuams- feftes wird die nächste Nummer d. Bl» erst am Freitag ansgegeben.

I macht, und die Männer, die darin wirken, ver­dienen unfern vollen Dank!" Diese Worte de» Centrumsführers sollten sich alle Katholiken, vor­nehmlich aber die Nörgler, ebenso fest einprägen wie die folgenden: „Man soll mit dem Tadel vorsichtig sein und vor allen Dingen die Herren nicht entmuthigen, denn sie stehen al» Kämpfer da und müssen oft, lange bevor die be­rufenen Streiter de» Volke» einschreiten können, vorgehen!" — Wenn man nach diesen An­schauungen verfahren wollte, würde die Bedeutung der katholischen Presse nicht unwesentlich gehoben und e» dieser ermöglicht, sich immer mehr zu ver­vollkommnen und auch weitergehenden Wünschen zu genügen. Also, um mit Wtndthorst zu reden: „mit dem Tadeln recht vorsichtig, dafür aber um so eiftiger sein in Unterstützung der kathol. Presse — durch Mitarbeit, Abonnement und Annonciren, Jeder nach seinen Kräften!"

Bei dieser Gelegenheit können wir nicht umhin, hierher zu setzen, wa» die .Salzburger Chronik' jüngst über die katholischen Preßverhältnifle schrieb. E» heißt dort nicht mit Unrecht in Bezug auf katholische Lokalblätter:

„Er ist bekannt, daß viele Katholiken die Feh- ler nur an unseren Lokalblättern merken, die mit tausend Sorgen zu kämpfen haben, nicht aber an unseren großen und stark abonnirten Zeitungen. E« ist da» bekannt und auch menschlich natürlich, wenn auch nicht vernünftig. Wie schon bemerkt, sagt man auch ost, der Redakteur 3E. oder S). müsse sich diese oder jene Zeitung zum Muster nehmen. Da» ist unmöglich. Von den vielen hundert katholischen Zeitungen hat jede einzelne ihre besondere Rrdattionsweise, abhängig von dem Bildungsgang und den Charakterzügen des Re­dakteurs, wie von der Erscheinungsweise und dem mehr oder minder beschränkten Raum des Blattes. Manche Zeitungen können aus ganz natürlichen Gründen inhaltlich nicht viel bieten, und das ist Schuld der Katholiken, welche das Blatt gar nicht oder nicht genug unterstützen und heben. Der Wirkungskreis eines Lokalblattes ist beschränkt, auf ein bestimmtes Gebiet angewiesen, dessen Eigen- thümlichkeit im Volkscharakter k» beobachten und dessen Spezial-Interessen es vertreten muß. Und I da ein Central - Organ die Einzel-Interessen be­stimmter, von einander verschiedener Lande»theile nicht vertreten kann, so müssen eben zahlreiche Lokalblätter diese Lücke ausfüllen, und im Kampfe gegen die „liberalen" Lokalblätter auch die katho­lischen Interessen in Wahlperioden fördern und vertheidigen. Und gerade dieser Umstand macht zahlreiche Lokalblätter zur unabweisbaren Nothwendigkeit, weil ein Centralorgan nicht da­zu leisten vermag, was viele Blätter an vielen Einzelpuntten des Handes zu leisten vermögen und leisten müssen. Deshalbst ist e» auch Pflicht der Katholiken, die einzelnen Lokalblätter durch Kor­respondenzen, Abonnement» und In­serate zu unterstützen, zu heben und dadurch immer eir flußreicher und geachteter zu machen...." Welch' hohe Dinge wlfer glorreich regierender Papst Leo XIII. von der katholischen Presse hält, ist allbekannt, nicht unbekannt auch, daß der heil. Vater dieselbe nicht allein praktisch überall unterstützt, sondern auch al» eine schneidige Waffe gegen die zahlreichen und mächtigen Feinde der Kirche zu benutzen weiß. Auch der heiligmäßige selige Papst Piu» IX. pflegte mit besonderer Vor­liebe und bei jeder denkbaren Gelegenheit da» Apostolat der katholischen Presse zu betonen. E» ist deshalb zu bedauern, daß nichtsdestoweniger für die kathol. Presse noch Manche» zu wünschen übrig bleibt. _______

wolle man nicht bis auf die letzten Tage deS laufenden Monats verschieben, sondern möglichst bald dem «Sch. sten Postamte zuftellen, damit uns dieselben rechtzeitig übermittelt werden können und prompte Zusendung er­möglicht wird.

Der Post-Akonnementspreis auf die.Fuldaer Zeitung mit der illustrirten Sonntagsbeilage

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Zum Quartalwechsel.

* Nächst den Jesuiten hassen die Feinde der katholischen RUigion und ihre Bekenner kaum etwa« noch ingrimmiger al» die katholische Presse, welche, unter den Stürmen de» Kul- turkampfe» geboren und zu einer gewaltigen Macht herangewachsen, trotz aller Gegnerschaft nicht müde wird, erfolgreich für die Rechte der Kirche einzu­treten. „Viel Feind' viel Ehr'!", darf die Presse de« Cent rum» von sich sagen. Von der osfi- ziösen Presse der Regierungen, durch die der mit­telparteilichen Kartell, und Hetzgenossenschaft, schil- lernd im schönsten Blau de» servilen Gouverne- menkalirmu», bi» zum Lila de» Nationalliberalis- mu», bis herab zum blutrothen Organe der um­stürzlerischen Sozialdemokratie — alle diese Blätter bekämpfen die katholische Presse bi» auf den Tod. E« einigt die obengenannte bunte Reihe der ver­schiedensten Preßorgane nur die gemeinsame Feindschaft gegen die katholische überzeugungs- treue Presse, welche, unbeirrt um die Tagesströ­mungen, ihren durch die Gebote der Religion klar vorgestcckten Weg zur Befreiung de» katholischen Volke» von der Herrschaft de» Unglaubens und der Staatsallmacht weiter verfolgt und welche al» getreuer Eckard nicht müde wird, so­bald e» geboten erscheint, ihre WarnungSrufe im engen Bunde mit Klerus, Episkopat und Rom hören zu lassen.

Der berühmte Cevtrumsführer Dr. Windthorst hat nicht umsonst der wirklich katholischen, ent- sch,-denen Presse sein schätzenswerthes Lob gespen- det, nicht umsonst dieselbe unterstützt, nicht um­sonst ersucht, ihr nach Möglichkeit Förderung an- gedeihen zu lassen. Und so möge denn jeder Katholik die Worte de» greisen Centrumsführer» beherzigen, namentlich das, was Excellen, Windt- horst den Tadlern dieser Presse sagte! Er ist nichts leichter als Tadeln und Kritistren. Bcsser- machen aber meist recht schwer. Wenn wirklich einmal ein katholisches Blatt nach der einen oder andern Richtung zu wünschen übrig lassen sollte, so möge man doch bedenken, daß der Tadel allein den Mangel nicht beseitigen kann. Unterstütze uud «muntere man vielmehr da» betreffende Blatt, dann wird man « eher i« die Lage bringen, be- rechtigten Wünschen nachzukommen. „Die katho­lische Prtsse Deutschlands hat stch um die Anbah- >umg be» Friedens in hohem Maße verdieut ge- '

Deutsches Reich.

Berlin, 18. Juni.

* Der Kriegslärm ist noch nicht zu Ende gekommen; aber die öffentliche Meinung hat stch ersichtlich schon einer ruhigeren Beurtheilung der Lage zugewendet. Zweifellos herrscht in den deutschen Regierungskreisen eine gewisse Verstim­mung gegen Rußland, und in Oesterreich sieht man mit Unbehagen dem Treiben der Ruffen­freunde in Serbien zu. Aber der nüchterne und erfahrene Polttiker kann nicht» Überraschendes darin finden, daß der Zar keine Zuneigung zu Deutschland spürt und daß die russische Polittk ihre Jntriguen auf dem Balkan in gewohnter Weise fortsetzt. Für Oesterreich ist 'es ja frei­lich angenehmer, wenn in Serbien seine Freunde Staat und Kirche regieren, al» wenn der unzu- verlässtge Ristirsch die Staat»geschäste führt und der russische Pensionär Michael wieder den Metro­politenfitz einnimmt. Aber dieser Wechsel in bett serbischen Staats- und Kirchenhäuptern ist auch lange nicht der Anfang vom Kriege. Er stellt bloß neue Anfgaben an die Wachsamkeit und Geschick­lichkeit der österreichischen Staatsmänner. Im Grunde genommen isi es ganz heilsam, meint da» ,Wests. 8361', daß der bekannte Trinkspruch de» Zaren und die Entwickelung in Serbien die Lage geklärt, die Gefahr einer falschen Sicher­heit abgewandt haben. Rußland beharrt „unent­wegt in seinem Streben nach Konstantinopel und nach Indien; Oesterreich und England müssen also in erster Linie, deren Freunde in zweiter Linie auf dem Posten sein. Wa» insbesondere die Stell­ung Deutschland» angehl, so ist uns etwa» „Verstimmung" gegen Rußland viel lieber, als die bedenkliche Liebedienerei, wie ste stch z. B. zur Zeit der Battenberg'schen Hsirathsfrage in der „nationalen" Presse kundgab. Wer die wechselnde Haltung der Ossiziösen gegen Rußland verfolgt hat, wird auf da» Knarren dieser Windfahnen nicht« mehr geben, sondern sich einfach an hie j Thatsache halten, daß Rußland uns feindlich gefinnt ist, aber un« nicht an greifen wird, so lange wir und unsere Bundesgenossen die Ueber- macht haben.

* Die .Germania' schreibt: „Wir haben in Betreff Ernennung preußischer Kirchenfürstm zu Kardinälen jüngst die Thatsachen gegenüber den offiziösen Blättern richtig gestellt. Jctzt thellt man der .Riederrh. Ztg.' den Grund mit, aus welchem die Regierung gegen die Erhebung des Kölner Oberhirten zur Kardinalswürde gewesen sei. Dieser Grund soll in dem letzten Wahl er­lasse de« hochwürdigsten Herrn liegen. Wir hal­ten da» angesichts de« von der liberalen und gouvernementalen Presse gegen den Erlaß erhobe­nen Geschreies nicht für unwahrscheinlich? So sehr willkommen während des Verfassungsstreites Wahl- erloffe de» Kardinals v. Geissel waren, so unsym­pathisch mögen jetzt die beiden Wahlerlaffe de» Kölner und Münsterschen Oberhirten gewesen sein. Au» der Zuschrist de» Crefelder Blatte» erfährt man noch, daß die Bischöse während ihrer letz­ten Znsammenkunst in Fulda beschlossen hatten, behus» der damals bevorstehenden Landtagswahlen keine Wahl-Hirtenbriefe zu erlassen, falls nicht fpezielleUmstände in den einzelnen Diözesen es erforderlich erscheinen ließen. Die speziellen Umstände, wesche den Herrn Erzbischof von Köln und den Herrn Bischof von Münster zu den Wahl- erlassen bewogen haben mögen, liegen auf der Hand." •

* Neueren Meldungen zufolge ist die Berufung der nächsten ReichrtagSsession für Anfang November in Aussicht genommen, und der Arbeit«-

auf die

„Fuldaer Zeitung

für das am 1. Juli beginnende

III. Quartal 1889