Einzelbild herunterladen
 

JV137

Montag, den 17. Juni.

Mim

1889

Die .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher AbonnementSprciS ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 60 Pfennig.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

—..... ■■ I ■———=g=s=a======a=gsss==

Deutsches Weich

Berlin, 15. Juni.

• Der Kaiser und die Kaiserin wohnten heute mit den drei ältesten Prinzen und den übrigen Mitglie­dern der königlichen Familie dem Gedächtnißgotter- dienst in der Friedenskirche zu Potsdam bei. Die Grabstätte war reich mit Blumen ge­schmückt. Vor Allem waren es die Kaiserin Frie­drich sowie das Kaiserpaar, welche in pietätvoller Weise ihrer Verehrung und Liebe Ausdruck gegeben hatten. Die Königin von England ließ ein kost­bares Arrangement von Immortellen auf grünem Grund niederlegen, welches einen Metallkranz um­gab. Ein aus den ausgesuchtesten Mumm ge­flochtener weißer Kranz trug auf der weißen Atlas- schleife die Widmung „Heinrich. Irene". Auch vom Erbprinzen und der Erbprinzessin von Mei- ningen, der Prinzessin Marie von Sachsen-Mei­ningen und der Herzogin Wilhelm waren herrliche Kränze eingegangcn. Besonders zahlreich waren auch die Blumengaben aus Militärkreisen. Wäh­rend des Gottesdienstes war die Grabkapelle ge­schloffen. Rach demselben wurde fie geöffnet, wor­auf der Kaiser und die Kaiserin in die Grufthalle traten, um die Kränze auf den Sarg niederzulegen. Mit dem Kaiserpaare traten der Kronprinz und die Prinzen Eitel-Frch und Adalbert in die Gruft­halle ei« un legten Kränze auf dm Sarg nieder. Wohl an 10 Minuten verbliebm die Majestäten mit ihren Kindern bei geschloffmen Thüren am Sarge in stiller Andacht. — Anläßlich de« TÄ»es- tages Kaiser Friedrichs hatten viele Häuser der Reichshauptstadt auf Halbmast geflaggt.

* Die Samoa-Konferenz, die gestern Abend 6 Uhr nach Unterzeichnung der Protokolle durch eine Rede des Grafen Bismarck geschloffen worden ist, hat seit dem 30. April neun Plenar­sitzungen und eine größere Zahl von Ausschuß- fitzungen gehalten. Wie die Verhandlungen, so soll auch der Inhalt und Wortlaut des Vertrages bis zu erfolgter Ratifikation desselben geheim gehalten werden, indeffen glauben die Offiziösen schon fitzt so viel sagen zu können, daß die Würde und die sachlichen Jntereflen des Deutschen Reichs in dem­selben in jeder Weise gewahrt sind. Natürlich wird auch in perfider Weise darüber geklagt, daß die oppofitionelle Preffe der Reichsmaschine Steine zwischen die Räder zu werfen suchte. Selbstver-

x jrmr Mi Wendel.

Novelle von Marga Br echten.

(40. Fortsetzung.)

Ob wohl die nahe Hitze der Feuers ihr runze- liches Gesicht so roth erscheinen ließ? Sie legte ihr Strickzeug in den Schooß und fuhr fort: „Noch immer betrauert ihn die gnädige Frau, als ob er erst kürzlich gestorben wäre. Sein lebensgroße» Bild hängt ia ihrem Schlafzimmer. Es ist recht schade um sie; sie war immer eine so liebe, herz- ßute Dame. Wenn ich noch daran dmke, aber ich muß wohl mit Eczählm aufhören, denn Sie ist gewiß müde, liebe Frau?"

Die Angeredete verneinte, und versicherte, noch etwas bleiben zu können.

„Nun denn noch ein halb' Stündchen", nickte Truda. „Aber es wird mich recht kränken, wenn Sie das Stückchen Kuchen liegen läßt. Nehmen Sie'» nur, ich leg' auch ein« für den Joseph bei Seite. Bei Profi ffor«, da« sind nämlich gute Bekannte der gnädigen Frau, war gestern Geburts­tag und da hat mir da« kleine Fräulein Rika heul' Morgen die Probe voa dem Kuchen gebracht. E« wülde mir über die Einsamkeit hinweghelfen

ständlich ist da« Unsinn, sagt die .Germania', denn Jedermann freut sich der Beilegung des Streites, den das schroffe Benehmen deutscher an der morbus consularis leidender Beamten ange­facht hat. Wie verlautet, wird beabsichtigt, die samoanische Regierung binnen kürzester Frist durch Vermittelung der Konsuln der Vertragsmächte in Apia zum Beitritt jener Akte einzuladen.

* Der internationalen Arbetterschutz- Konferenz, zu welcher die Schweiz eingeladen hat, haben bis fitzt folgende Staaten ihre Be- thetligung zugesagt: Niederlande, Belgien, Oester­reich-Ungarn, Frankreich, Portugal, Luxemburg, Italien und Großbritannien.

* Der Direktor des Departements für da» In- validsnwefen im KriegSministerium, Generallieute­nant von Grolmann, isi, unter Stellung zur Disposition, zum Gouverneur des Jnvalidenhauses in Berlin ernannt worden.

* Die russische Panzerfregatte „General- Admiral" lief gestern Abend in Kiel ein und wech- fette Salut mit allen Schiffen des deutschen Manöver­geschwaders. An Bord befindet fich der zweitälteste Sohn des Zaren Großfürst Georg. Das Schiff bleibt zehn Tage in Kiel.

* Ueber Deutschlands Postverkehr mit dem Auslande im Jahr 1887 bringt das Amtsblatt des Reichrpostamtes Folgendes: Das deutsche Reichspostgebtet (also ohne Bayern und Würtem- berg) erhielt insgesammt 107 Millionen Stück Briefsendungen (Briefe, Postkarten, Drucksachen und Waarenprobeu) vom Auslands und hat 119 Millionen nach dem Auslande gesendet, also im Verkehr mit dem Auslande 226 Millionen Brief­sendungen gewechselt. Unter den fremden Staaten steht Oesterreich-Ungarn mit 39 Millionen Stück voran, Holland mit 11, die Schweiz mit 11, Rußland mit 8, Belgien mit 7, Dänemark mit 4, Luxemburg mit l1/, Millionen Stück. Außer­dem sind als entferntere Staaten mit bedeutendem Verkehr zu nennen dis Vereinigten Statten von Nordamerika mit 11 Millionen, Italien mit 41/i Schweden mit 2l/il Norwegen mit l1/*. Spanien mit lx/4, Rumänien mit 1 Million. Mit allen übrigen Staaten hat Deutschland nur einen ver- hältvißmäßig geringfügigen brieflichen Verkehr aufzuweisen. So wechselte es mit der Türkei nur 0.7 MMonen, mit Britisch-Jndien nur 0.4, mit Portugal nur 0.4, mit Brasilien 0 4, mit Algerien

und die trüben Gedanken vertreiben," meinte da» liebe Kind. Wie gut, daß ich doch meinem Be­such etwa» vorzusetz n habe. Gelt, nun schmeckt'»?"

Die Frau nickte und nahm der Alten den Strumpf au» der Hand. Währmd ihre müden Hände die Nadeln fleißig klappern ließen, erzählte Truda von dem herrlichm Leben in dem Bankier­hause, von den reichen Festm, von Atlas und Spitzen, von der englischen Tante und Allem, was sie aus der Glanzzeit ihres Lebens noch wußte. Sie hatte noch nie eine so aufmerksame Zuhörerin gefunden, nur dann und wann unterbrach ein kurzer, trockener Husten der Fremdm ihren Rede­fluß. Wie ein bunte» Bild au» einem Märchen­buch zog die Erzählung der alten Dienerin an dieser vorüber — sie dachte wmig darüber nach, ihr Kopf schmerzte bald, und ihre Augenlider wur- dm schwer, aber, wa« that'», sie hatte Jemanden gefunden, der ihrem Joseph vielleicht dereinst freundlich sein würde, und so hörte sie geduldig weiter.

Draußen hatte drr Regm längst aufgehört und da» Feuer in der kleinen Küche glimmte nur noch. Da schlug die Küchemchr 11, und nun endlich leuchtete Truda ihrem Gast in da« obere Stock­werk.

0.3, Argentinien 0.3, Ägypten 0.3, Australie 0.2, Griechenland 0.2, Serbien 0.2, endlich ' mi China, Japan und Afrika nur etwa je 150,000 Stück. Hieraus ergiebt fich, daß die Verkehrsbe­ziehungen zwischen Deutschland und seinen »mittel­baren Nachbarstaaten allerdings hochentwickelt, daß dagegen diejenigen mit fernere« Ländern verhält- nißmäßig im Rückstände geblieben sind. Auch ist bemerkenswerth, daß Deutschland von Frankreich, England und den Vereinigten Staaten nicht un­erheblich mehr Briefsendung erhält, al» es dorthin absendet, während Deutschland seinerseits nach Bayem, Württemberg, Oesierreich-Ungarn, Däne­mark, Rußland, der Schweiz und nach den meisten übrigen Ländern nicht unerheblich mehr Briefsend­ungen abfertigt, als es von dort empfängt.

* Sowohl in der Umgegend von H i r s ch b e r q i. Schl, als wie in der Umgegend von C h e m - nitz in Sachsen sind gestern durch Wolkenbrüche große Schäden angerichtet worden. In den Stra­ßen de» Osttheils von Chemnitz stand das Waffer Vs Meter hoch.

* Geh. Kommerzienrath Krupp ist von Ber­lin nach Essen gereist, um dort den Schah von Persien zu empfangen, welcher morgen zur Besichtigung des Etablissement» eintrifft. Am Montag kehrt Herr Krupp wieder nach Berlin zurück.

* Dresden, 15. Juni. Zur Teilnahme an der Wettinfeier ist die verwittwete Herzogin von Genua, die einzige noch lebende Schwester de» Königs von Sachsen heute früh in Dresden ein- getroffen und vom fächfischm Köntgspaar, sowie dem italienischen Botschafter Grafen Launay em­pfangen worden.

NrrSland

* Im Befinden des Königs von Holland scheint ein Rückschlag eintreten zu sollen. Derselbe leidet feit einigen Tagen an so heftigen Kopf­schmerzen, daß sich die Berufung de» Dr. Rosen­stein nach Schloß Loo erforderlich gemacht hat.

* Bern, 15. Juni. Der Nationalrath be­willigte einstimmig und ohne Erörterung 3,350,000 Franks für Kriegsmaterial, 600,000 für Weiter­führung der Gotthardbefestigungen. Damit erscheint seine Geneigtheit bekundet, weitere 6 Millionen für Golthardarbeiten zu bewilligen.

* Die Pariser Droschkenkutscher haben gestern

XXIII.

Als die Tage kürzer wurden und die Nacht­fröste sich einzustellen begannen, da befand sich Elma von Wenden wieder daheim.

Es war keine frohe Heimkehr gewesen, denn ihre feste Hoffnung, in jenem fernen Lande irgend welchen Aufschluß über ihre» Gatten Aufenthalt zu bekommen, hatte sich al» nichtig erwiesen. In ihr einst weiche» heitere» Gemüth war eine Bit­terkeit eingezogen, welche» sie alle» Interesse am Leben verlieren ließ. Nun kannte sie keinen Zweck, kein bestimmtes Ziel mehr, da« sie erstreben konnte und die Tage verstrichen wieder einer wie der andere, trüv und eintönig.

Vergebens versuchten wohlmeinende Freunde die noch immer jugendliche, intereffante Frau in ihren heitern Kreis zu ziehen; sie blieb am liebsten in den eigenen stillen Räumen. Da kam Truda'« Bericht von der neuen Bewohnerin be» Giebel­stübchen» mit ihrem Knaben. Elma'» Theilnahme wurde geweckt, und fie versorgte die arme Wittwe mit Arbeit. Auf ihre Empfehlung ließen auch andere Famllien bei ihr nähen. Bald saß Loni Lehrbach vom frühen Morgen bi» zum späten Abend an ihrer Maschine und arbeitete emsig, um alle Aufträge zu erfüllen und noch ein Sümm-