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j\l 134 Donnerstag, den 13. Juni. 1889

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* Ernste Gedanken

erwecken die Denkmäler, welche in diesen Tagen einem Sickingen, einem Hutten und einem Giordano Bruno gesetzt wurden.

Wohin find wir gekommen, wenn einzig der Haß gegen die katholische Kirche den Maßstab bildet für die Größe unserer Männer?

Einem Franz von Sickmgen, dem Raubritter in großem Style, der unser Volk gewohnheitsmäßig ausplünderte, mordete und ihm feine Habe ver­brannte, der seine ganze Macht dem Könige von Frankreich gegen das Deutsche Reich verkaufte, einem Ulrich von Hutten, einem genialen Vaga­bunden und grundltederlichen V.nusknecht, dessen deutschnationaler Patriotismus ebenfalls die Bünde- leien mit Frankreich ihm erlaubte, einem Giordano Bruno, einem aus der Kutte gesprungenen Mönche von noch größerer Liederlichkeit wie Hutten — solchen Männern setzt die nationalliberale Partei in Deutschland und Italien, setzt die internationale Freimaurerei Denkmäler, solche Männer preisen ihre Redner und ihre Preffe als Muster unserem Volke !1

Solche Männer nennen fie ihre Vorläufer, was diese Männer erstrebt, das, sagen fie, sei jetzt errungen — bloß weil fie Vorläufer der heutigen Kulturkämpfer waren! Da ist wohl das Wort Körners am Platze:

Deutsches Volk, du herrlichstes vor allen, Deine Eichen stehen, du bist gefallen!

Wenn e» nach der christlichen Moral, welch« jene drei nationalliberalen Helden stets grimmig be­kämpft haben, erlaubt wäre, Böses mit Bösem zu vergelten, wahrlich, kein anderer Wunsch wäre berechtigter, als daß die Söhne und Töchter dieser Lobredner eines Hutten und Giordano Bruno sich ' die sittlichen Grundsätze dieser beiden Venurknechte zum Muster nehmen möchten. Das wär- die gerechte Strafe, und fie wird in allen Familien, wo der sittliche Maßstab als Vorbild und für die Verehrung der Menschen verworfen worden ist, sicher mehr oder weniger von selbst kommen.

Und die Monarchie unter deren Schutze diese Feierlichkeiten fich vollzogen, die ihre Beamten sogar zur Verherrlichung dieser Feste sandte? Glaubt fie vielleicht, die Geister der Revolution bannen zu können, wenn fie ihren Trägern Denk-

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Novelle von Marga Brechten.

(37. Fortsetzung.)

So wenigstens dachte die erfreute Mutter, welche mit dem Abendbrot) eintrat.

Später, als die Kinder zur Ruhe gebracht, und dar Theegefchirr abgeräumt worden war, saßen beide Gatten, wie gewöhnlich an den Sommer­abende«, auf der grünen Bank unter dem Ahorn­baume. Gelhard reichte seiner Frau ein elegantes Briefchen und sagte: „Unter den Geschäftsbriefen, welche an die Firma Brokkam gerichtet war, fand ich bei der Durchstcht auch dieses an mich ge­richtete Schreiben: Bille lies es und sage war Du davon denkst."

„Von feiner Frau," sagte diese zögernd, al« fie dar Billet aufmerksam durchlesen hatte. „Ist er dieselbe Dame, von der Du mir einst erzähltest, daß . . ."

„Daß ich fie leidenschaftlich geliebt," vollendete Gelhard In hellerem Tone. „Ja, sie ist ee, aber wie wenig tiefgehend diese Neigung gewesen, be­weist wohl der Umstand, daß ich die schöne, glänzende „Elma Brunn" sobald vergaß, als ich meine Hedwig kennen lernte." Er legte zärtlich seine Hand in die der jungen Frau. „Doch steh',

male zur Nachahmung für dar kommende Ge­schlecht errichten läßt ? Werden doch diese drei Männer nur aus dem Grunde von der national- liberalen und von allen ungläubigen Parteien ge­feiert, weil sie mit geholfen haben, die größte Revolution in unserem Jahrtausend zu vollziehen, nehmlich die Geltung der christlichen Weltanschau­ung zu brechen. Und ruht nicht auf dieser christ­lichen Weltanschauung auch der Thron? Man wähne ja nicht, die kath. Kirche und die christliche Welt­anschauung, welche von der Kirche allein noch mächtig vertreten wird, den revolutionären Prin­zipien als eine Art Ladenhüter hinwerfen zu kön- nen, nm sich selbst zu sichern. Wenn ganze große Regierungsparteien, wenn die Professoren könig­licher Universitäten, wenn selbst kgl. Beamte durch ihre Gegenwart die Vorkämpfer der Revolution verherrlichen, so wird dieser felve Geist durch Presse und Katheder allmälig in die tiessten Schichten des Volkes Hineinfickern mdsie«.

Als die Folgen jener großen Revolution sich geltend machten, als nichts mehr hielt und alles in Eährung und Aufruhr war, da suchten die Fürsten sich und den Staat in Landes-Kirchen zu retten. Ja diesen kirchlichen Polizeianstalten ge­lang cs, den Geist des anarchischen Umsturzes zu bändigen. Heute aber Haden sie ihre Wirkungen eingebüßt und jener Geist ist mächtiger als je wieder hervorgsdrochen. Ist es angesichts solcher Verhältoifls Staatsweisheit, wenn man stttenlofen Vorkämpfern der internationalen Revolution Denk­mäler f-tzen lGt und im Kampf gegen die-kath. Kirche dabei mitmarfchirt — im Kampf gegen die einzige Anstalt, welche die staatssrhaltenden kon- fervativen und sittlichen Grundsätze noch allein mit imponirenoer Macht und gewaltigem Einfluß auf die Geister vertritt? Discite moniti.

Deutsches Reich.

Berlin, 12. Juni.

• Der „Fall Wohlgemuth" hat nunmehr wirklich zu einem ernsten Zerwürfniß zwischen Deutschland und der Schweiz geführt. Der Ge­sandte Deutschlands in Bern, Herr von Bülow, hat am Montag dem Bundesrath Droz, al» dem Vorsteher des Auswärtigen Amte«, mitgetheilt, daß die deutsche Regierung die Unterhandlungen in der meine Liebe, als ich die bekannte Handschrift er­blickte, erwachte in mir die alte Anhänglichkeit an den verstorbenen Bankier und desien Familie, denn ihm und seiner Schwester verdanke ich e», daß ich damals in dem fremden Lande sofort eine neue Heimath fand."

„Ja, und durch ihre Güte kamen wir zusam­men," sagte Hedwig, indem fie nach ver Gegend sah, wo die Alt-Stadt London lag. „Und schon deßhald meinst Du, sollten wir Alles thun, wo­durch wir der Dame dienen können."

Glhard nickte.

„Ich weiß nicht, woran es liegt, aber es ist etwa» in dem Briefe, was ich nicht verstehen kann," fuhr die hübsche Frau fort; „etwas so seltsam Harte«, Unglückliche« spricht sich darin au« und Da«, was fie da von dem vor zwei Jahre erfolgten Tode ihre« Manner schreibt, ist mir vollends unklar. Bist Du gewiß, daß er nicht mit dem verunglückten: „Prince Albert" fuhr?"

„Aber, meine Liebe, ich begleitete ihn ja selbst bis Dover, wo Wenden an Bord ging."

„Run, was es auch fein mag," meinte Hedwig; „ich denke, daß wir der Dame in keinem Falle durch neugierige Fragen lästig fein dürfen. Schenkt fie uns später ihr Vertrauen, wohl, so wollen wir es ehren, schweigt fie jedoch über ihre Ver-

Angelegenheit Wohlgemuth abbreche, da fie die Ueberzeugung erlangt habe, daß er nicht möglich sein werde, zu einer Verständigung zu gelangen. Einer Berner Depesche zufolge hat die Reichsregie­rung weiter erklärt, sie b» finde sich nun in der Lage, gegenüber der Schweiz die geeignet crschei- nenöen Repressalien ergreifen zu müssen, um fich auf diesem Wege Genugthuung zu verschaffen. Die deutsche Reichsregierung kam nochmals auf die Interpretation des Artikels 2 des deutsch-schweize­rischen Niederlassungs-Vertrages zurück, wonach es der Schweiz nicht zustände, deutsche Reichsange­hörige aufzunehmen, die keinen Heimathrschein und keine Legitimation über ihren guten Leumund und ihrs Ehrenfähigkeit vorweisen können. Damit wäre deutscherseits das schweizerische Asylrecht in Abrede g stellt. Wie die Schweiz diese« Vorgehen Deutsch­land» aufnehmen wird, bleibt abzuwarten.

• Zu Ehren de« Schah von Persien fand gestern große Galatasel im hiesigen Schlöffe statt. Der Kaiser toastete auf den Schah und sprach die zuver sittliche Hoffnung auf Fortdauer der bisherigen Freundschaft zwischen den beiden Reichen aus. Der Kaiser sprach Deutsch. Schah Nassir eddin antwortete in persischer Sprache ur.d schloß mit deutschem Hoch auf den Kaiser. — Morgen Vor­mittag verläßt der Schah Berlin und begleit sich zunächst zum Besuche der Ausstellung nach Cassel. Am Sonnabend wird der Schah zum Besuche der Kruppschen Werke in Essen erwartet. — Graf Herbert Bismarck erhielt das Bild de« Schah« mit Brillanten

* Zur Invalidität»- und Alters-Versicherungs- Frage wird uns aus Glogau (Schlesien), 9. Juni geschrieben: „Ja Nr. 126 Ihres Blattes war in einem „von einem Reichstags-Abgeord­neten" verfaßten Artikel dis Angabe enthalten, daß diejenigen Petitionen, welche dem letzten Reichstag gegen Ende bei Session zugegangen, und wonach „alle Reichrangehörigen au» Reichsmitteln nach vollendetem 65. Lebensjahre eine Jahresrente von vorläufig 100 Mark" erhalten sollten, von Glo- gau aus, „von ein.m Vrrlagrbuchhändler Dr. Müller und zahlreichen Genoffen" angeregt worden seien. Zugleich versicherte der Mitarbeiter Ihre« Blattes, daß die Glozauer damit „bei Leibe keine Perstflage auf den vielumworbenen Reichszuschuß" hätten aussprechen wollen, sondern daß e« ihnen hältniffe, sd muß unser Benehmen daffelbe bleiben. Immerhin ist es sonderbar, daß fie zu Lebzeiten Mistres Morells nicht nach England kam, und nun auf einmal für den Wohnort der theuern Verstorbenen ein so großes Interesse verräth und hier in London Ruhe und Erholung suchen ww. Ach, Michael, wie wenig wirkliches Glück und wahren Frieden ist doch bei den Reichen und Vor­nehmen, wenn man etwas tiefer hineinfchaut."

„Mein liebes Weib," sagte Gelhard herzlich, „ich wenigstens möchte nicht mit einem von Jenen tauschen. Es fehlt Ihnen immer Etwas zu ihrem wirklichen Glücke. Weißt Du noch, wie Dr. von Wenden am letzten Abend unsere drei Kleinen mit fast neidischen Blicken betrachtete, und Dick ihm so harmlos auftrug, seine Buben in Deutschland von ihm zu grüßen! Und als ich später mit ihm nach Scyd'» Hotel in Finrbuiy Square ging, da sagte er schmerzlich seufzend : „„Gclhard, wie reich ist Ihre Ehe gegen die unsere!" Doch da fällt mir ein, in dem nämlichen Hotel wollte ja auch seine Frau einige Zimmer besorgt haben."

„So schreibt sie," antwortete Frau Hedwig. „Aber wie unangenehm Ist das nicht sür eine ein­zelne Dame. Was meinst Du dazu, wenn wir ihr nun unsere zwei Zimmer oben überließen? Die schönen Möbel, welche ich von Mistreß Morel ge-