die niedlichen weiß und roth gestreiften Vorhänge bewegten sich hin und her. Aber kein ehrwürdiges, geistliche« Haupt blickte au« denselben, wohl aber hörte man lärmende Knabenstimmen, dazwischen den piependen Ruf eine« ganz kleinen Kinde«: „Ich will mein Pferd haben! Jemand hat mein Pferd gestohlen."
„StM doch, Milly," sagte eine angenehm klingende Frauenstimme: „Sieh', Dick und Harry spielen viel artiger, al« Du!"
Dick und Hany, zwei lärmende, drollige Knaben trieben sich auf der Matte am Boden umher, während ihre Mutter am offenen Fenster nähte. Sie war eine jugendliche, hübsche Frau in einem hellgrauen Sommerkleids, über dem eine zierliche schwarzseidene Schürze befestigt war. Auf dem braunen, welligen Haar saß ein mit Rosa-Schleifen garnirte« Spitzenhäubchen, dessen Enden graziös über die Schultern fielen.
„Mama, Mama," schrie Dick, „also darf ich jetzt geschwind meinen Hut holen und auch den Harry'«?"
„Aber Kind, war fällt Dir eia?" meinte die Mutter überrascht.
„I nun," sagte Harry etwas kleinlaut, „Du hast doch neulich gesagt, wmn wir einmal artig wären, dann würdest Da mit un« in den Park spazieren gehen."
Grenze 100000 russische Bayonete befänden. Er, der Zar, könne nicht dafür stehen, daß er dieselben nicht in Bewegung setzen würde. Der Schah soll nichts geantwortet haben.
• Den Namen „Schloß Friedrichskron" hatte bekanntlich Kaiser Friedrich amtlich eingeführt. Bei dem Dankschreiben an die städtischen Behörden bett, die Ausschmückung der Stadt zur Einholung de» König» von Italien ist daher vielfach ausgefallen, daß es vom „Neuen Palais" datirt ist.
* Der diesjährige Juristentag findet vom 10. bi« 14. September in Straßburg statt.
* Da« Hutten-Sickingen-Denkmal auf der Ebernburg bei Kreuznach wurde gestern am 11. ds. enthüllt. Professor Deien au« Gießen hielt die Festrede. Tag« vorher war das Bungert'fche Festspiel über Hutten und Sickingen aufgeführt worden. Die schlimmsten Stellen waren gestrichen, der Besuch mittelmäßig. (Wir kommen noch darauf zurück. D. R.)
• Au» München wird geschrieben: Es macht einen eigenthümlichen, aber für alle Freunde katholischer Thatkraft beschämenden Eindruck zu sehen, wie jetzt von gewifler Seite vor und hinter den Kouüffen alle möglichen Anstrengungen gemacht werden, um das Zustandekommen eine« Katholikentages zu vereiteln oder wenigstens ihn hinauszuschieben. Er scheinen geheime Kräfte thätig zu fein, welche die kath. Begeisterung möglichst abzuschwächen und das Vertrauen in eine Aktion zu erschüttern suchen. Er herrschen hier in einzelnen geistlichen Kreisen sehr kuriose Strömungen, denen jede entschieden kath. Kundgebung unsympathisch ist, und dann scheint auch ein Theil unserer Patriotenführer die Angelegenheit sehr lax aufzufaffen. Mehrere Abgeordneten scheinen sich dem Kabinete gegenüber obligirt zu fühlen und deshalb die Zögerung mit einer Aktion, die von Anfang her nicht recht ernst genommen wurde. Wir haben in Bayern wirklich recht traurige Zustände und Herr v. Lutz kann sich die Hände reiben über die riesigen Fortschritte, die sein System der kirchlichen Versumpfung leider auch in kath. Kreisen gemacht hat. „
»Ja Augsburg ist am Montag die allge- meine deutsche Lehrerversammlung eröffnet worden. An derselben nehmen ca. 1600 Lehrer Theil.
Ausland
» Zu einer herrlichen Kundgebung de» kathol. Lebens in der Schweiz gestaltete sich die diesjährige Pius-Vereins-Versammlung in Stösst». E« waren über 6000 Personen zugegen, darunter Vertreter der Bundesregierung von Freiburg. Bischof Mermillod hielt die Festrede und pries darin das Fortschreiten der kathol. Bewegung in der Schweiz.
* In der französischen Deputirtenkammer hat der hochverdiente kath. Parlamentarier Graf de Mun dieser Tage eine flammende Rede gehalten und darin das Sündenregister der Republik
auf dem Schulgebiete aufgerollt. Graf de Mun sagte unter donnerndem Bttfalle der Rechten, daß die Republik sich gerade durch ihre antiktrchliche Richtung so viele Gegner geschaffen habe und heute statt Sympathien nur Antipathie bei drr Mehrheit der Bevölkerung besitze. — Der radikale Stadtrath von Pari» hat wiederum eine Ge- finnungrprobe geleistet, indem er zum Giordano Bruno-Skandale in Rom ein blasphemisches Zustimmungstelegramm absandte und darin bett abgefallenen Mönch überschwenglich glorifizirte. Die Kirchenfeinde bleiben sich, wie man sieht, in allen Ländern gleich.
» Die neuliche Beschlagnahme von Papieren Boulangers hat dem gegen Boulanger einge- setzten Untersuchungsausschuß reiches Material geliefert. Dasselbe soll nicht nur schwere Belast- ungsmomente gegen Boulanger ergeben, sondern auch eine überaus große Anzahl seiner Parteigänger stark kompromittiren. Die boulangistischen Häuptlinge Laguerre, Laisant und Deroulede befinden fich noch in Gewahrsam. Dieselben werden fich heute vor dem Zuchtpolizeigericht in Angou- lerne wegen Rebellion und wegen Bedrohung von Beamten zu verantworten haben.
» Die Giordano-Bruno-Feier in Rom nahm am 1. Pfingstfeiertage ten programmmäßigen Verlauf. Soweit sich aus den bisher vorliegenden Depeschen ersehen läßt, sind lärmende Kundgebungen gegen die Kirche und das Papstthum unterblieben, trotzdem bleibt die „Feier" eine freche anmaßende Herausforderung des Papstes. An der Enthüllung des Denkmals sollen sich 6000 Verein« mit 1970 Fahnen betheiligt haben. Der Festzug setzte fich auf der Piazza bei Termini um 9 Uhr Vormittags in Bewegung. Ja demselben befanden fich 2000 Abgesandte aus den Abruzzen und 2500 Studenten und Deputirte der Freimaurer aus Deutschland, Frankreich, Belgien, den Vereinigten Staaten von Nordamerika, Ungarn, Dänemark und Mexcko. Der Zug traf um lOVe Uhr auf dem Campo di Fiori ein, und gruppirte sich um da« Denkmal. Die Tribünen waren von Senatoren und Depu-
litten, sowie den Munizipalbeamten Roms und Nolas besetzt. Um 11 Uhr fiel die Hülle des Monuments. Alsdann erfolgte die Uebergabe des Denkmals durch Notariatsakt an den Bürgermeister Roms. Der Bürgermeister von Nola und , ...... „—- —■ r-■------ , .. ,
der Deputirte Bovio hielten Reden, welche Bruno Beamter, sowie in dieser Eigenschaft lederzeit be-
verherrlichten, und von albernen Redensarten reit, dem Volke mit Rath und Thai berzustehen.
strotzten. Nach der „Feier" zogen die Deputationen Weit über die Grenzen der Rhön hinaus war er
nach dem Kapitol, wo am Platze der Büste unter dem Namen Maxel bekannt. Kurz und gut
Garibaldis der Deputirte Jmbriani eine Rede ““ *""" "" “ 4 1,,r
* Morgen, den 13. d. Mts. tritt der Central- Vorstand des Afrika-Vereins zum ersten Mal in Köln zu einer Sitzung zusammen, die im erz- bischöflichen Palais unter Vorsitz des hochw. Herrn Erzbischofs Philippus stattfinden wird. Da zum Central-Vorstande auch die Vorsitzenden der Diözefan - Vereine, bezw. deren Delegirte gehören, so wird in jener Sitzung auch unsere Diözese vertreten sein. Die Tagesordnung für dieselbe bringt unter. Andern, die Vorbesprechung der Aufgabe, welche der Kardinal Lavigerie in seinem Einladungsschreiben zu dem Luzerner Kongreß dieser Versammlung stellt, sowie Anträge über die Verwendung der Vereinsmittel.
• Welcher Achtung und Beliebtheit der kürzlich in Batten verstorbene Centrums - Abgeordnete Schmitt auch bei seinen politischen Gegnern sich erfreute, und wie sehr darum sein unerwartet rasches Hinscheiden von Freund und Feind bedauert wird, das dürfte beispielsweise au» folgenden Zeilen ersichtlich sein, die sogar die nationalliberale ,H?fl. Mgztg.' ihren Lesern übergibt: „Am 6. d. M. starb zu Batten der Landtagsabgeordnete für Hünfeld-Gersfeld, Herr Gerichts-Sekretär Max Schmitt, derselbe gehörte der Centrnmsparte, an. Mit diesem Manne ging eine der populärsten Persönlichkeiten in der Rhön zu Grabe. Geachtet und geliebt von Jedermann, war er ein treuer
ein Biedermann vom Kopfe dis zur Sohle, wie es leider nur so wenige giht. Ehre seinem Andenken."
» Am 15. Juli beginnen die Gerichtsferien und endigen am 15. September. Zu dieser Zeit werden nur verhandelt: 1) Strafsachen, 2) Arrestsachen und die einstweilige Verfügung betr. Sachen; 3) Meß- und Marktsachen; 4) Streitigkeiten zwischen Vermiethern und Miethern von Wohnungsund anderen Räumen wegen Ueberlassung, Be-
zenden Ruf ausbrachen: „Der Vater kommt! Der Vater kommt!" Ä _
Die kleine Milly wollte rote immer die Erste sein, und obschon sie laufen konnte, dachte sie, es müsse wohl ander» schneller gehen und kroch auf Händen und Füßen dem Fenster zu.
Der Mann draußen schritt quec über den Rasen und lehnte sich weit über die Brüstung, an der sich sein Töchterchen anklammerte. Jetzt hob er das kleine Mädchen empor, küßte es innig und fuhr ihm mit einer überhängenden Wrinranke neckend um Kinn und Hals. Und Milly schrie laut aus vor Vergnügen und schlang die dünnen Aermchen um des Vaters Stuft, während die Knaben drinnen schrieen: „Mr auch Papa, mir auch!"
Sie waren Beide nicht schön zu nennen; da» kleine Mädchen hatte ein blaffe», kränkliche» Aussehen und de» Manne» Gesicht trug einen früh« zettig gealterten Ausdruck. Die klugen Augen hinter den scharfen Brillengläsern blickten zu ernst, und um den fest geschloffenen M mb spielte M« weilen ein herber, fast spöttischer Zag. Eben jetzt aber lag auf beiden Gesichtern ein so strahlende», glückliche» Lächeln unb bar umrankte Fenster bilbete einen piffenben Rahmen zu bem hübschen Bilde: Michael Gelharb unb sein Kind!
(Fortsetzung folgt.)
Gläubigen werben aufgefordert, Sühne zu thun für die gegen die Kirche verübten Attentate.
* In Irland dauern die Ausweisungen der armen Pächter fort und werden dieselben in brutalster Weise ausgeführt. So jagte Lord Cleeri- carde 50 Pächter auf einmal von den Gütern, wobei 140 Polizisten und 150 Soldaten asfistirten. In Felcaragh leistete ein alter Mann, der mit seinen Söhnen ausgewiesen werden sollte, den heftigsten Widerstand. Die Polizisten stiegen durch da» Dach ein und schleiften den mit Blut bedeckten Greis bei den Füßen aus dem halb demolirten Hause. Und solche abscheuliche ©eenen find im 19. Jahrhundert in dem von Humanität über- fließenden England möglich!
AuS Stadt, Vrovtuz und Nachbargebiet.
Fulda, 12. Juni.
zum Gedächtnisse de» General» hielt.
»Rom, 10. Juni. In einem Dekrete urbis et orbis, welche» von dem .Dfferv. Rom.' publi- zirt wird, erthellt der hell. Vater au» Anlaß der zweiten Centenarfeier der Verehrung des hl. Herzens Jesu den Gläubigen am 28. d., also am Feste de» hl. Herzens Jesu ober am darauf folgenden Sonntag einen vollkommenen Ablaß, sobald ste die vorgeschriebenen Bedingungen erfüllen. Die
„Ja, ja," fiel Dick ein, „so war'«, und wir warten nun schon so lange darauf."
„Rur Geduld, Ihr kleinen Wildfänge," lachte die hübsche Frau. „Es hat mir auch lange gedauert, bis ihr einmal ein kleines halbes Stündchen lang brav gewesen seid. Für heute ist'« zum Ausgehen viel zu spät, aber, wenn das Wetter gut bleibt, wollen wir morgen den versprochenen Spaziergang machen. Seid jetzt nur hübsch ruhig; der Vater wird bald kommen; ich gehe in die Küche nachsehen, was uns Sally zum Abendbrod bringt."
Die Sonne sank hinter den geschwärzten Gebäuden der Vorstadt. Ihre letzten Strahlen ver- goldeten noch die Fenster der Nachbarhäuser und färbten das Blau de» schmalen Stück Himmels, das man von hier au» sah, In leuchtende», rölh- liches Gold. Die hohen englischen Pappeln an der einen Seite de« Hauses wiegten ihre Kronen im Abendwinde, und der Ahornbaum ließ eine Menge von weißen Blüthenblättern auf die unter ihm stehende grüne Bank und den runben Tesch fallen.
Au« bem engen Mauerpfab am Herrenhause trat ein Mann; er bog um bie Ecke unb öffnete die Gitterthüre, welche zum Rasenplatz führte. Kaum hörte man seine Schrllte auf dem Ae»weg, al« die Kinder in dem Wohnzimmer in den jauch-