1889
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Zweites Blatt.
durch Gottes Barmherzigkeit uni) des hl. apostolischen Stuhles Gnade
Bischof von Fulda,
Sr. päpstlichen Heiligkeit Hauspräiat, entbietet der hochwürdigen Geistlichkeit und allen Gläubigen des Bisthums Groß lllld Kkgru im Kkttll.
urch die barmherzigen Fügungen der göttlichen Vorsehung, welche ich in demüthigem Danke täglich anbete und durch die Gnade des Apostolischen Stuhles Euer Bischof geworden, hegte ich vom Antritte meines Oberhirtenamtes an den sehnlichen Wunsch, in Rom zu den Füßen des hl. Vaters mit dem Ausdrucke meines schuldigen Dankes für meine Erhebung zur bischöflichen Würde die Versicherungen gläubiger Ehrfurcht, kindlicher Folgsamkeit und männlicher Treue gegen den Statthalter Christi niederlegcn zu können. In gnädigem Walten hat Gott mir die Erfüllung dieses Wunsches gewährt. Nachdem ich am Sonntage Misericordia mit dem Hochw. Domcapitel in der ehrwürdigen Bonifatius- gruft mit tief bewegtem Herzen die Gebete der Kirche zur Erstehung einer glücklichen Pilgerfahrt verrichtet, trat ich die Reise nach der ewigen Stadt an. Das Gebet meiner geliebten priesterlichen Mitarbeiter am Altäre, die Fürbitten aus gottgeweihten Klosterzellen, aus Euren Gotteshäusern und aus so vielen frommen Familien geleiteten meine Schritte. Unser großer Glaubensvater St. Bonifatius legte die einmüthige Gebetsempfehlung des Hirten durch die Heerde vor dem Throne Gottes nieder. Von Seinem Schutz durch die Fürbitte der Maienkönigin behütet, habe ich das Ziel meiner Reise am 10. d. Mts. wohlbehalten erreicht, wenige Tage später Se. Heiligkeit Papst Leo XIII. gesehen, über eine Stunde hat er mir huldvolle Audienz gewährt und so bin ich am verflossenen Samstage in später Abendstunde in die theure Bonifatius- und Bischofsstadt Fulda heimgekehrt. Nachdem ich Gott und dem himmlischen Schirmer der Kirche St. Michael, an dessen tausendjährigem Heiligthum ich wohne, beim hl. Meßopfer den Tribut meines innigsten Dankes für die gnadenreiche Pilgerfahrt gezollt, drängt niich mein Herz, Euch in väterlicher Zuneigung für all' Eure Gebete und frommen Wünsche die tiefe Erkenntlichkeit einer Seele auszusprechen, welche während der Reise in dem Gedanken an Euer frommes Geleite täglich ihr Vertrauen belebt hat und zeitlebens das Gedächtniß an den Ausdruck der Theilnahme einer ergebenen Familie für den fernen Vater bewahren wird. Doch ich bin nicht für meine Person, ich bin als Euer Führer, als Euer Bischof
und somit in gewissem Sinne als Euer Vertreter zu den Grabern der Apostelfürsten gewallt und darum drängt es mich, Euch gleich nach meiner Heimkehr von meiner Besprechung mit dem hl. Vater, dessen Segen ich in meiner Kathedrale bereits gespendet habe, und von den auf der Rom- reife empfangenen Eindrücken zu erzählen. —
„Leo XIII. ist wirklich ein großer Papst", so sagte mir ein durch seine hohe Gelehrsamkeit nicht minder wie durch seine bewährten Priestertugenden weltberühmter Cardinal am Tage vor meiner Privataudienz beim hl. Vater. Mit dem gleichen Gedanken schied ich andern Tags von dem ehrwürdigen Vater der Christenheit. Ja, geliebte Diöcesanen, unser hl. Vater ist eine wahrhaft hehre Erscheinung, dem man nicht begegnen kann, ohne vom Schauer einer tiefen Verehrung und begeisterter, hingebender Liebe zu ihm erfüllt zu werden. Mit herzgewinnender Freundlichkeit empfing mich der hl. Vater. In wohlwollendstem Interesse erkundigte er sich nach meinen persönlichen Verhältnissen wie nach den kirchlichen Zuständen unseres Bisthums. Er war sichtlich glücklich, zu hören von der aufrichtigen Einheit, wie sie — mit freudigem Danke gegen Gott spreche ich's aus --- zwischen Bischof und Domcapitel, Geistlichkeit und Volk besteht, von dem regen Glaubensleben unter meinen Diöcesanen, von der opferwilligen Wirksamkeit der verschiedenen religiösen Orden, von der klugen Maßhaltung der unter Andersgläubigen zerstreuten Kinder der Kirche, von der durch so viele Jahrhunderte hin vererbten Verehrung zum hl. Bonifatius und seinen Gefährten. Ich erklärte dem Hirten der Gesammtkirche: wie einst Winfried, dem Papst Gregor II. den hochgefeierten Namen Bonifatius beilegte, dreimal nach Rom gepilgert sei, um seine Glaubenseinheit mit dem hl. Stuhle zu bekennen, seinen Gehorsam und seine Hingebung dem Statthalter Christi aufs Neue zu versichern, so werfe auch ich, der Hüter des Grabes unseres glorreichen Apostels Deutschlands, mich dem hl. Vater zu Füßen, um den Eid zu wiederholen, durch den der hl. Bonifatius sich vor mehr denn 11 Jahrhunderten zur Verkündigung des reinen Glaubens und zum unverbrüchlichen Gehorsam gegen den apostolischen Stuhl verpflichtete; gleich ihm spreche auch ich aus und betheuere die innigste Vereinigung mit dem hl. Stuhle. Ich berichtete dem hl. Vater, wie dieselbe Anhänglichkeit an die Kirche und ihr sichtbares Oberhaupt auch bei Geistlichkeit und Volk der Heimath herrsche, wie dieselben daher hochbeglückt seien durch das Geschenk des bronzenen Petrusstandbildes, mit welchem ihre Kathedrale ausgezeichnet worden sei; und so oft Deutschlands Bischöfe bei späteren Versammlungen in unserer Bischossstadt, bei ihren Berathungen über die großen Anliegen der Kirche unseres
geliebten Vaterlandes in Pietät den Fuß des Petrusstandbildes küssen werden, würden sie auch mit dem katholischen Volke Deutschlands sich in dem Gebete vereinigen, daß Gott den allgeliebten Hirten der Hirten, den hochherzigen, den starken Leo erhalten und über seine und der' hl. Kirche Feinden triumphiren lassen möge. Als äußeres Zeichen der Verehrung und kindlichen Dankbarkeit meiner Person und meiner Bisthums- Angehörigen überreichte ich dann neben dem neuen Plane für die künstlerische ^Ausgestaltung unserer Bonifatiusgruft den Peters- psennig der Diöcese. Mit Freude und Dank nahm der hl. Vater diesen Ausdruck unserer kindlichen Anhänglichkeit und Unterwürfigkeit entgegen, sodann erkundigte er sich über unser Seminar. Gott sei Dank! war ich in der Lage darüber nur Gutes zu berichten und über dessen gedeihliche Blüthe mich zu verbreiten, die dasselbe, wie einst die Klosterschule von Fulda Jahrhunderte lang die bedeutendste Bildungsanstalt für die deutsche Geistlichkeit war, unter Gottes Segen befähigen dürste, für unser Bisthum und dessen nächste Umgebung wieder eine Stätte der Frömmigkeit und kirchlichen Wissenschaft, eine Pflanzschule echt priesterlichen Geistes zu werden. Beifällig hörte der hl. Vater von dem segensreichen Wirken unserer zurückgekehrten Franziskaner, unserer barmherzigen Schwestern, von dem guten. Geiste in dem Convente der Benedictine- rinnen, von dem Streben der Ursulinen und der Englischen Fräulein, ihre frühere Thätigkeit wieder aufzunehmen, sowie von dem regen Leben der kirchlichen Kongregationen und Vereine der Diözese. Es befriedigte ihn, als ich so vieles Gute über den Geist unserer niederen und höheren Schulen berichten konnte. Schließlich er- theilte er mir und meinen Diöcesanen, insbesondere den Ordensfamilien, den Professoren und Zöglingen unserer kirchlichen Lehranstalt, seinen apostolischen Segen.
Ihr erkennt, gel. Bisthums-Angchörige, aus dem Erwähnten, wie sorgfältig sich der hl. Vater mit dm gerade für i)ic Gegenwart bedeutsamen Angelegenheiten der Kirche in unserm deutschen Vaterlande beschäftigt, wie sein weiter Blick, sein wahrhaft großes Herz Verhältnisse und Menschen prüfend und liebend umfaßt. Ihr wisset, was die Katholiken Preußens der Weisheit und den rastlosen Friedensbemühungen des hl. Vaters, welche die Vertreter des katholischen Volkes im Landtage in unerschütterlicher Verteidigung der kirchlichen Rechte förderten, zu verdanken haben, welche Erleichterungen uns gegenüber dem Nothstande der Kirche, unter dem wir über einJahrzehnt seufzten, durch das Einvernehmen von Papst und König zu Theil geworden sind; und wenn ich auch mit dem hl. Vater in dem Wunsche übereinstimme, daß uns noch wichtige, für ein frisches kirchliches Leben