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132. Dienstag, den 11. Juni.

filhtr M Zeit»;.

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Erstes Blatt.

Deutsches Reich.

Berlin- 10. Juni.

• DerSchah von Persien traf gestern Abend um 6 Uhr 5 Min. auf dem reich geschmückten C-ntralbahnhofe ein. Bei der Ankunst intonirte die Musik die perflsche Nationalhymne, während die Ehrenwache präsenttrte. Der Kaiser, welcher die Garde du Corps-Uniform mit dem psrstschen Orden angelegt hatte, empfing, umgeben von sämmtlichen Prinzen, dem Staatssekretär Grafen Herbert Bismarck, dem Feldmarschall von Blumen­thal, den Generälen u«d Flügeladjutanten, der gesummten Generalität, dem Gouverneur, dem Stadtkommandanten, den Stadtverordneten, dem zweiten Bürgermeister, dem Personal der persischen Gesandtschaft und der p rsischen Konsulats, des russischen Militär-Alachs» rc, den Schah, umarmte ihn und drückte ihm wiederholt die Hand. Nach der Vorstellung der Prinzen schritten der Kaiser und der Schah die Ehrenwache ab und ließen die­selbe im Parademarsch dtfiliren. Hierauf begaben sich der Kaiser und der Schah im vierspännigen Galawagen, welchem Spitzreiter und eine Eskadron Ulanen vorausritten, während eine wettere Eska­dron dem Wagen folgte, dem sich die übrige Wagen» reihe in programmmäßiger Weife anschloß, nach dem Schlosse Bellevue, von der zahlreichen Men­schenmenge mit Hochs begrüßt. Beim Passtren der Brandenburger Thore» ertönte der Salut der Geschütze. Bei der Ankunft am Schlöffe Bellevue präsentirte die dort ausgestellte Ehrenwache. Nach dem Parademarsch derselben begaben sich die Herr­schaften in das Schloß, wo die Vorstellung der Oserhof- und Hofstaaten stattfand. Der Karser fuhr alsdann nach dem hiesigen Schloff- zurück, wo der Schah bald darauf ebenso wie bei den hier anwesenden Prinzen und Prinzessinnen Besuch adstattete. Später begab sich der Kaiser wieder nach Schloß Bellevue, wo die Abendtafel stattfand.

* Hauptmann Wißmann scheint in Ostafrika rasch aufzuräumen. Er hat am Donnerstag Raadani und Uwindji genommen und verbrannt. Der Verlust auf deutscher Seite beträgt einen Mann. L-icht verwundet wurden ein Offizier, ein Unteroffizier und sechs Schwarze, schwer verwundet

Das haben Menschen mir gethan!

Noch seh' ich dich im goldnen Kindesalter, Im schönen Traum, dem schönsten, den du lebtest, Da leichten Sinn's du, gleich dem losen Falter, Um lichtbeglänzte «lütheabeete schwebtest. Ein Himmelsgeist an deiner schwanken Fährte War's Leben dir ein gaukelnd sel'ger Wahn, Ein Paradies noch rings die weit« Erde, Es hatten Menschen dir noch nicht» gethan!

Dann kam die Zeit, bie stolz vom Kind stch trennt. Die Seele mündigt mit gewalt'gem Zug; Das Hosten kühn wie dort das Firmament Und muthig wie des Adlers Sonnenflug» Ich sah dich frei zu deinen Sternen dringen, — Sah auch den Pfeil, totkrruzend deine Bahn, Und stürzend dich mit wunden Flügeln ringen: Das hatten Menschen, M e n s ch e n dir gethan.

Du stegtest hin an dieser Todeswunde, Da trat als Engel rettend noch heran Die Liebe, — und die Liebe heilt zur Stunde, Was keine Macht der Erde heil-n kann! Dir wurde Lieb«, Liebe zugelogen, — Ich sah's vergiftend deine Seele, nahn, — Und wurdest um de» heiflaen Rest betrogen Bon Menschen; — Menschen hatten'« dir gethan!

Dann sah zu früh ich deine Locken bleiche», Sah flüchten dich zu deine« Selbst zurück, Wenn Menschen dann mit Schritten, scheuen, weichen, Umschlichen, Mitleid heuchelnd, dein ««schick.

Unteroffizier Wlke und ein Zulu. Die Verluste de» Feinde« sind noch unb.kannt. — Nach einer eingegangenen Meldung stieß die deutsche Macht auf ernsteren Widerstand zuerst südlich von Saadani, indessen flohen die Eingeborenen nach kurzer Zit. Augenblicklich schweben Verhandlungen, von deren Ausgange es abhängt, ob die Deutschen Pangani angeifen werden.

• Zwischen der belgischen und deutschen Regierung finden Unterhandlungen wegen der Ec- richtung einer direkten Kabelverbindung von Ostende nach Amerika mit Umgehung der eng­lischen Linie statt.

* Die Verhandlungen zwischen Deutschland und der Schweiz über den Fall Wohlgemuth scheinen nicht günstig zu stehen. Es wird sogar schon die Möglichkeit einer Verständigung bezweifelt. Es heißt, daß in diesen Verhandlungen die von der deutschen offiziösen Presse in Aussicht gestellten „Vergeltungsmaßregeln" bereit« eine Rolle gefp elt haben. Em Berner Brief der ,N. Zür. Ztg.' spricht von Drohungen schwerer, gewichtiger Art. deren man stch von Berlin au« als Einschüchter­ungsmittel bedient habe, die aber wirkungslos geblieben feien, da das gesammte Schweizervolk in dieser Frage zum Bundesraths stehe. Hoff ntlich erweisen stch diese Berichte al« unrichtig. Uebrigen» hat in Bern, wie das ,B. T.' von dort meldet, eine Veisammlung von 350 Reichsdeutschen statt-gesunden, welche durch eine einstimmig ange­nommene Refvlution die Ang.'ffe der ,Nordd. AÜg. Ztg.' gegen die Schweiz zurückwus, als die guten Beziehungen beider Staaten gefährdend. Die Versammlung sprach dem BundeSrath und den kantonalen Behö den ihre Anerkennung für die loyale und gerechte Ausführung de« Niederlassung«- vertrage« und der bestehenden Ges.tze gegenüber den in der Schweiz wohnenden Deutschen au«.

* Der .Staatsanzeiger' publtzirt dis Stem­pelsteuergesetz-Novelle, durch welche der Pacht- und Mrethsstempel erheblich ermäßigt und der Stemp l für amtliche Fübrungszeugn ff- in Privatsachen beseitigt wird. Das G s-tz hat die königliche Sanktion bereite unter'»» 19. Mai erlangt.

* Die Städte Altona und Ottensen werden zu einer Stadtgemeinde v-reinlgt.

* Der Melbourner Korrespondent der.Austr. Zig.' berichtet: Der Komm ssar für die demiche Äbtheilung, Herr Regierungsrath Wermurb.

Du konntest unter Menschen nicht genesen, —

Ich wagt' «s nie, ich fragte nie dich an;

In deinen Augen war's ja stumm zu lesen

Und wahr: das haben Menschen mir gethan!

Längst schon umweht des Todes heipger Schauer

Den stillen Hügel mit dem Kreuz von Erz;

Nur Menschen prahlen noch mit falscher Trauer: Da ruht ein gutes, edles, brave» Herzt Ich lenne sie! — So ost ich zu dir trete, Weht klagend deines Geiste» Hauch mich an, Wenn ftagend ich an deinem Grabe bete:

Dai haben Menschen, Menschen mir gethanI S.

x ftiuj m Wruik».

Novelle von Marga «rechten.

(35. Fortsetzung.)

Ja der Dämmerstunde kam eine flüchtig ge­schriebene Karte von Fr. Erdmann. Auf der Rückseite stand: „Ist sie denn wirklich wahr, die furchtbare Nachricht, welche da« .Franks. Journ.' heute überbrachte! Meine arme, theuere Freundin, wie schwer sucht Gott Sie heim! Wann darf ich kommen um Ihnen mein Veileid au«z^drücken?"

Auf da« Höchste erstaunt la« Elma diese Worte. Sie fchickte Truda sogleich nach der angekomme­nen Zeitung und fand ein der Tagesnummer bet­gegebene« Extra-Blatt, welche« die Lösung jener

hatßvon^den ihm sür die Dekorativ-Aurstattung der Ausstellung zur Verfügung gestellten Lstrl. 17,500-die ansehnliche Summe von Lstrl. 4000 erübrigt, welche in die Reich-kaffe zurückfließt. Trotz diese« Ueberschuffe« ist in der deutschen Ab- theilung der Ausstellung nicht gekargt worden; fie war, wie selbst die Neider zugeben mußten, die am besten und geschmackvollsten arrangirte.

* Zur Theilnahme an der F-ier de« Regie­rungsjubiläums des Königs von Württem­berg treffen der Kaiser und die Kaiserin sowie der König von Sachsen am 25. Juni früh in Stutt­gart ein.

Ausland.

* Am Donnerstag hat die feierliche Eröffnung der n'uen Achsensee-Bahn in Tyrol in Gegen­wart des Statthalter» und der Spitzen der Be­hörden stattgefundrn. Der Feier wohnte auch Geheimer Kommerzienrath Gruson au« Magde­burg bei.

" Die Schweizer Bundesversammlung wird voraussichtlich noch in dieser S-sfion die Einführ­ung von kleinkalibrigen Repetirgewehren beschließen uno die dazu erforderlichen Kredite bewilligen.

* Der Nordwesten Frankreichs ist wieder von einem Erdbeben betreffen worden, welches sich namentlich in Brest bemerkbar machte, nennenr- werthen Schaden aber nicht anrichtete.

* Paris, 9. Juni. Der Präsident Carnot eröffnete h-ute auf dem Ex-rzierplatzr von Bincen- ne« da« internationale Turnfest. An demselben nahmen gegen 10,000 Turner theil.

• Am Donnerstag haben wieder Haussuchungen bei zw-i hervorragenden Anhängern Boulanger« stattgefunden. Dabei sollen zahlreiche Papiere be- »cklagnahmt worden sein, welche die Betheiligung Boulanger» an einem Komplott gegen die Sicher­heit der Staate« feststellen.

• Italien und Luxemburg haben ihre Th-ilnahme an der von der Schweiz angeregten inbrnatioruüen Arbeiterschutzkonferenz zugesagt.

* Dr italienische Ministerpräsident CriSpi w'rd Anfang künftigen Monats eine Zusammen­kunft mit em österreichischen Minister des Aus­wärtig.» G-afen Kalnoky in Eger haben.

• Rom, 10. Ium. Das Giordano-Brunofest »ft heute ohne S ö»u "g verlaufen. — Wie wenig

iäündba<te“ SBotte enthielt. Dort stand: „Calais, „Otn 24. Am 23. D.zsmber, Abends zwischen 7

uno 8 Uir nt der von England kommende „Dampf r „Pr»vc Albert", Kapitän Smith, bei „einem h f.t^n Sturm in der Nähe von Calais „gefchett>rt. Von r en Passagieren, der Mann­schaft uno de»L oti n wurde nur Einer gerettet „und zwar der Matrose John Billing. Die in „Dover amtlich beglaubigte Abschrift der Pas- „sagierliste enthält, auß r den Namen vieler out* „ländischen Passagiere, auch die der Deutschen „Mitreisenden, nämlich: „M. Ellenrot au» Ber- „Im, Kaj. I, Dr. Fr. v. Wenden au» Frankfurt „a. M., Kaj. I und Kaufmann Sander au« „Bremen, Kaj. II."

Die junge Frau athmete tief auf. Wenn sie auch die armen Ertrunkenen beklagte, so empfand fie dennoch fast ein doppelte« Gefühl der Freude. Ihr Mann mußte durch die Wahl eine« anderen griffe« dem Tode entgangen sein; mochte er auch fern von ihr weilen, so wußte fie ihn doch am Leben. Dann aber freute fie sich, daß ihr dieser Unglücktfall e« möglich machte, ihn offen zu beweinen und vor der Welt al« seine Wtttwe zu erscheinen, anstatt, al« die von ihrem Gatten verlassene Frau.