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mehr sagten, als die beredtesten Dankerworte, gegen Alle stumm hinwandte, schlug die Frau des Kesselflickers, mit den beiden kleinen Mädchen an der Hand, den Waldweg ein, scheu in dir ent­gegengesetzte Richtung zurückblickend, wo ihr Pei­niger verschwunden war."

„Und damit ist die traurige Geschichte, die Ge­schichte vom jugendlich-, n Leichtsinn, vom süßen Rausch der Le>denschaft und der bitteren Hefe des Elendes zu Ende, nicht wahr?" meinte Johannes sinnend.

„Ja — bald war die Frau im Schatten des Waldes verschwunden, und jetzt wird sie hoffentlich ihr Ziel erreicht haben. Und doch — als die großen Kinderaugen, die mitten im Elend beim Anblick der dargebotenen Leckerbiffen vor Wonne strahlten, so erwartungsvoll auf mich gerichtet waren, da war es mir, als wenn . . .

„Was meinst Du, liebe Marianne?"

„Als wenn der Himmel uns die Röslein zu­geführt hätte, um sie in unseren Garten zu setzen."

„Und die arme Mutter hättest Du ihres letzten Trostes berauben können?"

„Die Mutter — ja — sie wird ohnehin nicht lange mehr leben — der Tod schien ihre Wangen schon berührt zu haben. Ich dachte einen Augen- blick daran, sie auch bei uns aufzunehmen, aber ich wußte nicht, ob e» Dir recht wäre, und wer weiß, welche Last man sich aufgebürdet, welche schweren Folgen man sich zugezogen hätte? —"

„Ja, man darf bei aller HcrzenSgüte die Klug­heit nicht außer Acht taffen, daran erkenne ich meine treffliche Hausfrau," sagte Johannes lächelnd. „Run, die Mutter wird ihren Weg schon finden, und die Kindlein — man kann sie ja ein wenig aus der Ferne im Auge behalten."

Die Matrone drückte ihrem Gatten herzlich die Hand und erhob sich, um in der Küche nachzu­sehen, als die Magd ihr eilig entgegenstürzte.

„Ich komme schon, Kathrin, laß nur die Milch nicht anbrennen — Du weißt, darin versteht der Herr keinen Spaß."

Aber Kathrin war ganz in Aufregung und theilte mit hastigen Worten ihrer Herrin eine zweifelsohne sehr wichtige Neuigkeit mit, denn diese sprang mit hochgeröihetem Gesicht und jugend­lichen Schritten zur Laube zurück, wo Johannes, in Gedanken vertieft, die Welt um sich vergessen zu haben schien.

„Denke Dir, Johanne»!" rief die alte Dame ihm schon von Weitem entgegen, „die Frau ist tobt. Die Dorfknaben haben sie im Walde ge­funden, mit Blut überströmt und die Kinder laut jammernd an ihrer Seite."

„Um Golteswillen, ein Mord!" schrie Jener auf, die Pfeife aus dem Munde fallen lassend.

„Rein, man hat keine Spur von Gewalt ge­funden, ein Blutsturz scheint ihrem Leben ein jähe» Ende bereitet zu haben."

„Und die Kinder, die kleinen Mädchen, wo sind sie geblieben?"

„Man ist mit einer Bahre in den Wald ge­gangen, um sie und ihre Mutter zu holen."

Emen Augenblick schwiegen Beide.

Dann sagte Johannes: „Und was soll nun geschehen?"

Und Marianne erwiderte, indem sie einen Blick ' des Dankes zum Himmel emporsandte: „Wir ; nehmen uns der Kleinen an, wenn Du willst." i — Johannes nickte. — „Der Vater wird wohl ' nicht zurückkehren,' um die Kinder zu suchen — 1

und wenn er kommt, wird er sich schon abfinden taffen — einstweilen aber wollen wir die wilden Röslein zu uns nehmen und versuchen, ob wir sie mit Gottes Hilfe aufziehen und veredeln können."

„Das wollen wir, und wenn der H'mmel seinen Segen dazu gibt, dann sollen sie zu schönen Pfingst­rosen heranblühen zu unserer und der lieben Engel Freude." Und so geschah es.

Kathrin ließ die Milch anbrennen, aber der ge­strenge Hausherr verzog keine Miene, al« ihm die beiden armen Waisen, vom Staube gereinigt und hübsch sauber in Röschen« alte Kleidchen gesteckt, vorgeführt wurden. Er fuhr mit dem Rücken der Hand über die Augen und drückte die Kinder, die zutraulich zu ihm emporschauten, an sein Herz.

Er waren fiöhliche Pfingsttage im Rosengarten, al« die Kleinen so lustig sich tummelten und kaum des armen Mütterlein» gedachten, da« da draußen auf dem stillen Friedhof zur Ruhe gebettet war.

Die Mädchen, man halte sie Rota und Rosalie getauft, denn man wußte nicht, ob die Eltern Heiden oder Christen waren, wuchsen und blühten heran, und da» Dunkel ihrer Herkunft vermochte keinen Schatten auf ihr junges Leben zu werfen.

Der Vater war und blieb verschollen.

Die beiden Rosen hatten ihre ganze Liebe auf ihre Pflegeeltern übertragen, und als sie größer wurden, fromm und einfach geblieben, wie ihre fromme und einfache Umgebung, da trat das Gc- dächtniß an feüher Erlebtes kaum noch im Traum an ihre Lagerstätte heran.

Im Dorfe lebte Alles ruhig in gewohnter Weife weiter. D.s greifen Pfarrers Rücken krümmte sich noch tiefer unter der Last der Jahre, aber fein Geist nahm treu und rege wie immer den Flug gen oben. Der Graubart Johannes war zum Weißbart geworden, und der Matrone Gang war noch würdevoller und behäbiger, als ehedem.

Auch die Liebe wußte den Weg in’« stille Dorf zu finden.

Der junge Lehrer, der Sohn des alten, der mit allen Kindern des Dorfes auch die Pfingstiöschen in Zucht genommen hatte, gewann der blühenden Jungfrau Rosa Herz und führte sie in sein be­scheidenes Heim.

Rosalie aber, die bleichere Rose, war oft nach­denklich und in sich gekehrt, und al» ihr auf vieles Drängen die Mutter Marianns das Schicksal ihrer Eltern, das van den Dorfkmdern wohl einmal be­rührt worden war, umständlich, soweit sie selbst davon wußte, mitgetheilt hatte, da beschloß sie in ihrem Herzen, sich dem Herrn als Süvnopfer für die Armen darzubringen, wenn dis Pfl-geeltern einst die Augen schließen würden.

Und al« die Zeit kam, als die Alten hingingen, und das stille Dorf ein neue« Ansehen bekam, da nahm Rosalie den Schleier, um als Pfingstrose auf dem Altar des Herrn ihr Leden im süßen Wohlgeruch himmlischer Tugenden zu verhauchen.

Die beiden Worte der Klatschsucht.

Es gibt zwei Wörtchen so kurz, daß man sie ohne Ueberlegung ausspricht, so leichtbeschwingt, daß sie von Mund zu Mund fliegen, ohne daß man weiß, auf welchen Lippen sie geruht haben, so mächtig, daß sie Verleumdung rechtfertigen und viele Gewissen nicht belasten. Dennoch vermögen diese beiden Wörtchen den guten Ruf ganzer Familien zu vernichten und die Herzen mit Verzweiflung zu erfüllen. So schlimm sind sie, daß sie der Jugend ihre Freuden, dem Alter seinen Frieden, liebenden Herzen ihr Vertrauen, Allen aber das Glück rauben; so beliebt, daß sie in allen Häusern, in allen Gesellschaften Annnahme finden; so geistreich, daß sie da? Gespräch beleben, so daß

durch sie auch die einsilbigsten Leute wortreich, die lang­weiligsten unterhaltend werden. Nun, diese zwei Worte heißen. Man sagt. „Man sagt", unter dieser Maske verbirgt flch ein Gespenst von der Art jener Vampyre, die im Dunkel der Nacht das Blut ihrer Opfer aussaugen. Dieses Schreckgespenst, so schreibt „Fürs Haus" sehr richtig, raubt aber nicht das Blut, es raubt ein weit höheres Gut, die Ehre. Würde man Thassacheu aufstellen und sagen: „Der und der hat es gethan", so würde jeder entrüstet auffahren und Beweise verlangen, aber — „Man sagt es!" Wer ist verantwortlich? Wer hat die Geschichte zuerst aufgebracht? Der tödtliche Pfeil kommt aus dem Hinterhalt. Und gibt es kein Mittel gegen diese Ausgeburt der Hölle? Wenn einmal Lüge und Verleumdung, Haß und Neid, Rachsucht und verletzte Estelkeit im menschlichen Herzen durch Nächstenliebe und Wahrhaftigkeit, Gerechtig­keit und Güte verdrängt sein werden, so ist das Mittel gefunden. Aber dieses goldene Zeitalter kommt nicht; und bis zum Ende der Welt werden Verleumdung und Klatsch- sucht herrschen durch die Worte „Man sagt".____________

Vermischtes.

S Ein sonderbares Begräbniß fand dieser Tage in Paris statt. Es wurde auf dem Pere-Lachaise ein mit Blumen bedeckter Sarg gebracht, welchem 150' Seil­tänzer und Jahrmarktsgaukler, die theilweise ihre bunten Trachten mit einem abgeschabten lleberzieher bedeckt halten, folgten. Der, welchem sie die letzte Ehre erwiesen, war der „Herkules" Louis Launay, der schon in seinem 24. Lebensjahre auf tragische Weise geendet hat. Launay, der auS wohlhabender Familie stammt und seinen Beruf aus Neigung gewählt hatte, besaß einen Hund, mit dem er Vorstellungen gab. Dieser biß jüngst die Frau und die drei Kinder des Künstlers. Der Thierarzt, der den Hund untersuchte, erklärte, derselbe sei toll und müsse getödtet werden. „Das soll schnell geschehen sein", sagte Launay nnd erwürgte auf der Stelle das Thier, das ihn jedoch noch in die Wade biß. Die Frau und die Kinder, die im Pasteur-Institut geimpft wurden, befinden sich bis jetzt wohl, während Launay, der seiner Wunde keinerlei Be­deutung beimaß, vor einigen Tagen plötzlich von der Wuthkrankheit befallen wum, aber doch noch Geistes­gegenwart genug besaß, seiner.Frau zuzurufen, sie möge fliehen. Dann starb er nach langen, schrecklichen Wuth- anfällen.________________________________________________________

Gottesdienst-Ordnung in Fulda.

Sonntag, 9. Juni.

Dom. Um 5, 6, 6»/4, ?i/2 Uhr hl. Messen, um 9 Uhr bischöfl. Hochamt mit Predigt, um 5 Uhr Abendan­dacht , um 7V» Uhr in der Gruft Schlußandacht der achttägigen Feierlichkeit zum hl. Bonifatius. — Stadt­pfarrkirche. 5 IX. hl. Messe, 7 U. hl. Messe, 8 Uhr Hochamt mit Predigt, 91/2 Uhr Hochamt mit Diakonium und Chorgesang, 11 Uhr hl. Messe, 2 Uhr Festpredigt und Andacht. — Michaelsberg. 10 Uhr Gottesdienst. — Severikirche fällt aus. — Hospitalskirche. 8 Uhr Gottesdienst, 5 Uhr Abendandacht.— Frauenberg. 5, 6, 61/2 Uhr hl. Messen, 8 U. Hochamt, Nachm. 2 U. Fest­predigt und Betstunde. Di« General-Asolution wird er« theilt nach der ersten hl. Messe, dem Hochamte und der Nachmittagsandacht.

Pfingstmanlag.

Dom. Um 5, 6, 6s/4, 71/2 Uhr hl. Messen, um 9 Uhr Hochamt mit Predigt, um 5 Uhr Abendandacht. — Stadtpfarrkirch e. 5 Uhr hl. Messe mit Predigt, 7 Uhr hl Messe, 8 Uhr hl. Messe mit Predigt, 91/2 Uhr Hochamt mit Predigt, 11 U. hl. Messe, l>/2 Uhr Flur- prozesston. — Michaelsberg. 10 Uhr Gottesdienst. — Hospitalskirche. 8 Uhr Gottesdienst, 5 Uhr Abendandacht. — Frauenberg. 5, 6 u. 6’/a Uhr hl. Messen, 8 Uhr Hochamt, Nachm. 2 Uhr feierliche Vesper,

Donnerstag, 13. Jnni.

Frauenberg. Fest des hl. Antonius von Padua, vollkom- Ablaß. Von 5 Uhr ab hl. Messen, 8 Uhr Pre­digt, Prozession und Hochamt. Nachm. 3 Uhr Vesper.

Einem hageren Körper $u angenehmer Fülle zu verhelfen gelingt nur einer Nahrung, welche mehr Nährstoff im Körper zurückläßt, als diesem durch den Lebensprozeß entzogen wird. In dieser Hinsicht leistet Kemmerich's Fleisch-Pepton gut« Dienste, wenn man es als Belag auf Brod oder als Zusatz zur Suppe, Saucen, Wein, Cacao, u. s. w. neben der gewöhnlichen Nahrung genießt. Vermöge seines hohen Eiweißgehaltes ist es im Stande, bie gesammte Eiweißmenge, welche wir sonst im Fleisch, Eier u. s. w. aufnehmen, zu ersetzen und die Bildung der Gewebe, wie den Fettansatz in hohem Maße eintreten zu laffen.

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Andreas Schreiber,

Ohmstraße 276.