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1889

Samstag, den 8. Juni.

J\S 131.

Die Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bnngerlohn und Bestellgeld ' mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen in Fulda und auswärts 1 Mark KO Pfennig.

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Erstes Blatt

SKT Wegen des hohen Pfingstfestes wird die nächste Nummer ds. Bl. erst am Dienstag erscheinen.

-r- Pfingsten.

Auf der Schwelle zwischen Frühling und Som­mer, mitten in der schönsten Zeit des Jahres, während die Natur mit verschwenderischer Pracht ihren reichsten Laub- und Blüthenschmuck aur- breitet, stellt fich alljährlich das hohe Pfingstfest ein. Ja diesem Jahre scheint Pfingsten seinem Rufe als sonniges, lachende« Frühlingsfest ganz besonders Ehre machen zu wollen, denn nach einem Maimonat, wie man ihn seit Jahren nicht präch­tiger erlebte, hat auch die erste Juniwoche Alles aufgeboten, um durch eine herrliche Naturentfaltung dem Feste erhöhten Glanz zu verleihen. So find nun einmal die Staubgeborenen, daß fie ihre Stimmung — vielleicht allzusehr — von ihrer äußeren Umgebung, von der Natur und ihren Er­scheinungen beeinflußen laßen. Und so sehen denn auch Heuer unzählige Menschen mit doppelter Freude dem Nahen des ersehnten Festes entgegen. Sind ja auch die Pfingsttage allüberall in hervor- ragendem Maße dem Wandern durch die herrliche Gottesnatur, Familienaurflüzen und Vergnügungs­reisen gewidmet, so daß ein verregnetes Pfingstfest nicht nur tausende von schönen Plänen und freu- digen Hoffnungen zu Waffer macht, sondern auch allen denen, deren Geschäft die Beherdergung und Erquickung der Pstngstaurflügler ist, einen bösen Strich durch die Rechnung macht. Diesmal scheinen allerdings, soweit fich zur Stunde, da wir diese Zeilen schreiben, leurtheilen läßt, derartige trübe Aussichten nicht zu bestehen, vielmehr lacht ein tiefblauer Himmel, prächtiger Sonnenschein und eine gesegnete, üppige Vegetation dem herannahen­den Feste entgegen.

„Saure Wochen, frohe Feste!" sagt der Dichter, und man würde uns mit Recht als Hypochonder schelten, wenn wir dem fröhlichen Völkchen, welches zu Pfingsten durch Ausflüge und Wanderungen in der frischen» freien Natur Erholung und Erquick­ung sucht, fein Vergnügen mißgönnen wollten. Das fei fern von un»! Namentlich Denjenigen, welche in der Woche im Schweiße ihres Angesichte» ihr Brod verdienen müßen, gebührt an Sonn- und Feiertagen eine standesgemäße Erholung. Wogegen wir uns aber sowohl von moralischem und reli­giösem, als auch von sozialem und wirthschaft- lichem Standpunkte wenden müßen, das ist das Uebermaß und die Uebertreibung in den Sonn- und Festtagsvergnügen, wie fie in neuerer Zeit nicht nur in den großen Städten, sondern silbst in kleineren Otten und auf dem Lande um sich greift.

In sozialer und witthschastlicher Hinsicht ist diese überhandnehmende Vergnügungssucht deßhalb verwerflich, well ste den Beutel de» kleinen Mannes über Gebühr angreift, so daß oft an einem Ver- gnügungstage der Erwerb von einer ganzen Woche verj lbelt wird, weil sie namenllich in der Heran­wachsenden Jugend jede ernstere Lebeusauffasiung schon im Reime erstickt und einen wirklichen Spar- sinn gar nicht aufkommen läßt. In moralischer und religiöser Hinsicht wollen wir die sittlichen Gefahren der herrschenden Uagebundenhett und des Vergnügungstaumels nur kurz streifen. Diefer Punkt hängt aufs Innigste zusammen mit einem andern, der gerade vor dem Helligen Pfiagstfeste Hervorhebung verdient. Wir meinen die Vernach- läifigung der religiösen Pflichten überhaupt. Ge- rade an den in die sogenannte bessere Jahreszett

fallenden Rirchensesten wird hierin von Vielen in unverantwortlichster Weise gefrevelt. Wie viele Pfingsttouren und sommerliche Sonntag«aurflüge werden unternommen, ohne daß man vorher Dem­jenigen gehuldigt, der das Gesetz gegeben hat: „Ge­denke, daß du den Sabbath heiligest!"

Das Kirchengebot, welches die Katholiken zum Besuche der heiligen Mßr an Sonn- und Feier­tagen verpflichtet, wird kaum jemals mehr ver­letzt als an den Pfingstfeiertagen, namentlich an solchen, welche sich durch günstiges Wetter aus- zeichnen. Za der großen Pflichtverletzung gesellt sich hier die Undankbarkeit gegen dm Schöpfer, bt ff en Gaben und Segnungen man genießt, ohne ihm die schuldige Ehre zu erweisen. Gerade an den hohen Festen des Kirchenjahres sollte die Sonntagshelligung und der pflichtgemäße Kirchen- besuch mit doppelter Strenge eingehalten werden. Die Erholung und das Vergnügen wird durch die vorhergegangene Erfüllung der kirchlichen Pflichten stets eine gewiße Weihe erhalten, freilich kann das nur von den harmlosen und erlaubten Vergnü­gungen gelten, die nicht schon an sich eine Sonn­tagsentheiligung darstellen.

Pfingsten, deßen Name von dem griechischen Worte „Penükoste" d. i. der 50. Tag — nach Ostern) hergel-ttet wird, ist das Fest der Aus- gießung des hl. Geistes auf die Apostel. Auch heute betet die Kirche um die Ausgießung des hl. Geiste» in die Herzen der Gläubigen um die sieben Gaben: der Weisheit, des Verstandes, des Rathes, der Stärke, der Wiflenfchaft, der Frömmigkeit, der Furcht Gottes. Möchte der wahre göttliche Geist Allen zu Theil werden, die in Demuth darum bitten. Ja einer Zett, da die Jagd nach dem materiellen Besitz und Genuß aller Andere in den Hintergrund drängm möchte» kann nur die wahre Erleuchtung durch den hl. Geist, die echte christ­liche Lebensauffaßung und Lebensführung ein Gegengewicht bilden gegen die wachsenden Gefahren des allgemeinen Glauben»« und Sittenverfalls.

LerttfcheS Meich.

Berlin, 7. Juni.

• Anknüpfend an eine Auslastung der »Ham­burger Nachrichten', daß bei der letzten Kardinals­ernennung die preußische Regierung dm Herrn Fürstbischof von Breslau ernannt wistm wollte, der Vatikan aber den Herrn Erzbischof von Köln dafür ansersehm hatte, theilt die.Germania' mit, daß beide Kardinäle geworden wären» wenn die preußische Regierung zugestimmt hätte; diese j- doch habe der Ernennung des Kölner Erzbischof» zum Kardinal ihre Zustimmung vorenthalten. Hierzu bemerkt nun die »Kölnische Volkszeitung': In der Erzdiözese Köln wird man derattige An­gaben, welche der Beglaubigung nicht zu entbehren scheinen, mit eigmthümlichm Gefühlen lesen und daraus Schlüße zichen, welche für unser gegen­wärtiges kirchenpolttische» System nichts weniger al« schmeichelhaft fein können. Unsere Regierung sollte, wenn e« ihr darum zu thun ist, dar Ver- trauen der katholischen Bevölkerung zu gewinnen, in solchen Fragen die größte Zurückhaltung fich auferlegen und lediglich die kirchlichen Gesicht»- punkte entscheidm laff.n. Nach biefen dürfte aller­dings der Erzbischof von Köln wegm der hervor- ragmden Stellung de» Kölner Erzbi»thum» im kirchlichen Oraanirmu» Preußen« und der lang­jährigen bischöflichen Wirksamkeit de« gegmwärtigen Inhaber» de» Erzstuhle» für die Erhebung zur Kardinals würde zunächst in Betracht gekommen sein. Jntereßant ist auch der Hinweis aus die Papstwahl, bei welcher, wie e« scheint, die preußische Regierung noch immer gern ein Wort

mitreden möchte, obwohl sie auch hier unseres Erachtens nicht vorsichtig genug sich zurückhalten kann. Die Erfahrung hat ja auch gezeigt, daß die Zeiten einer irgendwie gearteten Einmischung der Regierungen in diesen Akt vorbei sind. Wie viel wurde nach dem Ableben Papst Piu» IX. von der Nothwmdigkeit einer Einflußnahme auf die Wahl seiner Nachfolgers gesprochen, und wenn emals eine Papstwahl ohne alle und jede Spur einer solchen Einflußnahme sich vollzog, so war e» diejenige des gegenwärtig regierenden Papstes.

—* Die ungläubigen Bewohner der Metropole der Christenheit rüsten sich am heiligen Pfingstfest- einem Manne einen Triumph zu bereiten, der die Grundsätze des Glaubens und der Sittlichkeit, in denen er erzogen war, mit Füßen trat. Sie beweisen daimrch klar genug, welcher Geist in ihnen lebt, welche« ihre Ideale find. — Giordano Bruno, dies nämlich ist der Name ihres Helden, wurde um 1550 in Nola geboren, trat frühzettig in den Dominikanerorden ein, mußte aber den­selben verlaßen, da er sich durch Unstttlichkeit sowie durch Leugnung verschiedener Grnndwahr- hetten de« christlichen Glauben« des Ordensstande« unwürdig erwies. 1580 ging er nach Genf, dann nach Lyon, Toulouse, Paris und kam 1583 nach London, wo er seiner Leichtfettigkeit wegen bei Hofe sehr beliebt wurde. Später verweilte er in Marburg, Wittenberg, Prag, Frankfurt a. M. und kehrte 1598 nach Italien zurück. In Venedig wurde er verhaftet, nach Rom geführt und an­fänglich milde behandelt. Dä er aber auf seinen lockeren Grundsätzen, rooburd? er das Christenthum und da» Wohl de» Staates gefährdete, beharrte, wurde er vom geistlichen Gerichte dem weltlichen übergeben und von diesem, dem weltlichen Gerichte, im Jahre 1600 mit dem Feuertods bestraft. Die» ist in weiten Zügen das Lebensbild des unstät umherirrenden Manne», deßen Unfitttichkeit fich am klarsten in den von ihm verfaßten Liedern und Lustspielen zeigt, in welchen sich ein Abgrund von Schamlosigkeit und glühendem Haß gegen alle» Heilige eröffnet. Sein Stolz und warft« schreierischer Eigendünkel spricht stch sehr deutlich au» in den Worten, mit denen er fich der Uni­versität Oxford vorstellt al» „Giordano Bruno au« Nola, den Lehrer einer lautereren Weishett, einen Philosophen, der an den hervorragendsten Universitäten Europa« bekannt und von ihnen mit Ehren überhäuft ist, der nur Barbaren und Unsiffenden unbekannt die schlafenden Herzen er- ro.it und die anmaßende Unwiß-nhett siegreich bekämpft." Er glaubte nicht an einen persönlichen, über und außer der Welt stehenden Gott, fonbern er gehörte zur Zahl derjenigen, welche lehren, daß die Welt und Gott eine« und ba«felbe,'ber Mensch ein Theil Gotte«, ber Wille nicht frei, die Seele nicht unsterblich sei, welche batnit alle Religion unb Sittlichkeit unmöglich machen. Giordano vereinigte in fich alle schlechten Elemente feiner Zett: glühenden Haß gegen die Kirche und ihre Wissenschaft, Vorliebe für da« Heidenthum, hoch- gradige SittenlofiM. Außerdem war er nach dem Zeugniß eine« seiner Verehrer ein Anhänger der Nekromantie, Chiromantte, Geisterbeschwörung, „dem e« im Kopfe nicht richtig gewesen sei, der fich zum Narren studitt habe." — Wa» ihm bei den Feinden der Kirche zur größten Empfehlung gereicht, da» ist fein glühender Haß gegen den Glaub«! sowie sein Tod, der ihm bee Namen eine» „Märtyrer für die Wahrhett" eingetragen hat. Und doch, wer leidenschastrlor da» Leven diese» kirchmseindttchen und staat»gefährlichen Manne» betrachtet, muß eiugesteheu, daß ein Jahr­hundert, da» solche Männer mit dem Feuertode bestraft, wett über eine Zeit erhaben ist, bie so