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1889

Freitag, den 7. Juni.

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fulbner

D« Fuldaer Rettung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abomi em entSpreiS ohne Bnngerlohn und Bestellgeld mit der belletristichen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Marl 60 Pfennig.

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L Die Centrumspartei in Baden beabsichtigt, in bet nächsten Zeit eine allgemeine Landesversammlung abzuhalten. Dieselbe wird vor­aussichtlich in Freiburg, am Sitze der erz­bischöflichen Kurie stattfinden. Wer die Parteivcr- hältnisie in Baden kennt, den wird diese Nachricht nur mit innigster Befriedigung erfüllen, denn fie ist ein Beweis dafür, daß endlich die Schwierig­keiten behoben sind, welche einem einheitlichen und geschloffenen Vorgehen der Gesammt- partei lange Zeit entgegenstanden. Die im Herbst bevorstehenden Wahlen, welche eine hälftige Er­neuerung der Kammermandate bringen werden, werfen schon jetzt ihre Schatten voraus, und ist in der That nachgerade der Zeitpunkt für den Beginn der aktuellen Agitation, der Sammlung aller verfügbaren Kräfte und namentlich für eine den jeweiligen lokalen Bedürfnisien Rechnung tragende stramme Parteiorganisation gekommen. Die Liberalen befleißigen sich im Großen und Ganzen einer gewissen zuwartenden Reserve, und es gibt sogar Manche unter ihnen, welche die .Badische Landeszeitung' mit ihrem täglichen öden Kulturkampfsgeschinpfe auf den Blocksberg wün­schen ; sie fühlen nur zu gut, wie sehr ihnen dieses „beruflich befähigte" Blatt namentlich in bett letzten Jahren geschadet hat. Seine rohen Ausfälle gegen die katholische Kirche und ihre Lehren und Einrichtungen bleiben unv.rgeffen und werden bei Gelegenheit zur Illustration des vulgären badi­schen Liberalismus wieder ans Tageslicht gezogen werden. Tiefbetrübend, aber in gewifler Hinsicht auch unaussprechlich lächerlich ist die „Kutten­angst", welche in ungeschwächter Stärke in allen liberalen badischen Blättern und Blättchen ihr Unwesen treibt. Wenn man eben von einer Reise nach Elsaß, tn’s Bayernland oder selbst nach Preußen und H.ssen zurückgekehrt ist und liest in den „aufgeklärten" liberalen badischen Blättern die Ach- und Weherufe über die von bett „Ultra­montanen" angestrebte bloße aushilfsweise Wieder- zulasiung von OrdeuSgeistlich'N oder gar von Mönchsklöstern, so kann man ein mitleidiges Lächeln nicht unterdrücken. In allen den genannten deut­schen Bundesstaaten und nicht nur hier, sondern sogar in der — Türkei walten Ordensgeistliche ungestört ihres Amtes und bestehen Mönchsklöster;

x fte«! tun Wenden.

Novelle von SDtarga Brechten.

(33. Fortsetzung.)

8. Kapitel.

Allein.

So manchmal fuhren sie im Mondenlicht Bom Kiffen auf; von Thriinen war es naß, Und naß von Thränen war auch ihr Gesicht. Geträumt hatten fie, — ich weiß nicht was; Dann dachten sie der alten schönen, Zeit, Und an ihr nichtig Zweifeln, an ihr Scheiden, Und daß fie jetzt so weit, so ewig weit!

O Gott, vergib, vergib und hilf den Leiden!

XX.

Welch' eine furchtbare Heimkehr I In den öde« Zimmern herrschte Eiseskälte und dichte Finsterniß, denn das Feuer war längst erloschen und bas Licht niedergebrannt. Gab es wohl ein passenderes Bild jener tiefen, hoffnungslosen Nacht, welche sich an diesem Abend auf zwei Menschenherzen gelegt hatte? —

Elma sprach kein Wort; ihre Füße trugen sie nicht mehr, und ihre Zähne schlugen vor Frost aneinander. Die alte Dienerin wußte noch nichts von dem Vorgefallenen, aber sie ahnte, daß ein urchtbares Geschick über ihre Herrin herein ge-

ohne daß die Sicherheit des Staates irgendwie in Gefahr kommt. Ja, in der Hauptstadt unseres süddeutschen Nachbarstaates Bayern würden selbst die hartgesottensten Nationalliberalen Jeden aus­lachen, der hinter der Wirksamkeit der Franzis­kaner und Kapuziner eine Gefahr für Staat und Gesellschaft oder für den „Frieden" der Familien witterte. Selbst die offiziellen pfarramtlichen Hand- lungen, Taufen, Trauungen, Beerdigungen werden dort von veritablen „Kuttenträgern" vorgenommen. Ob bei solchem Gedanken einem richtigen badischen „Nationalen" nicht eine Gänsehaut überläuft? Es gibt in der That nichts Lächerlicheres und nichts der modernen Aufklärung Unwürdigeres, als die badische Angst vor den einfachen Mönchen, dir Jedem nur Gutes und Liebes, Niemandem aber etwas zu Leide thun, bei denen namentlich die Armen und Nothleidenden stets bereitwillige Hilfe finden. Möge der Ausfall der nächsten Wahlen int Herbst den unverbesserlichen badischen Kultur­paukern beweisen, daß das katholische Volk ihre „Kuttenangst" nicht nur nicht theilt, sondern nach dem Segen des Mönchthums verlangt und nicht mehr länger gewillt ist, einen gesetzlichen Zustand zu ertragen, der nach dem Kammer-Ausspruch des nationalliberalen Abg. Wtnterer in keinem civi- lisirten Staate der Welt besteht. Rach der Freiburger Katholikenversammlung ging fast den ganzen Herbst und Winter hindurch eine lebhafte Bewegung und Erregung durch das katholische Bade«. Volksversammlungen folgten auf Volks­versammlungen, die Besucher mehrerer derselben bez fferteu sich auf 2000 bis 5000. Seitdem ist eine gewisse äußere Ruhe eingetreten. Dir bevor­stehende Landesversammlung der Centrums­partei wird die Kugel aufs Neue tn’s Rollen bringen. Hoffentlich wird bann der Eifer nicht er­lahmen, damit im Herbste die Wahlschlacht, soweit es nach unserer Wahlkreisgeometrie und nach dem Stande der zu ernennenden Mandate möglich ist, mit einem vollen Siege der katholischen Sache endige. Papst und Erzbischof stehen entschieden zum Centrumr Programm und seinen kirchenpoli­tischen Forderungen. Liberale Manöver, welche etwa eine Verurtheilung dieser Bestrebungen durch die Kirchenbehörde konstruiren wollten, find heute unmöglich. Das ist ein großer Gewinn.

brachen fei, und das weckte das ganze Mitgefühl des treuen Weibes, welches mit fast mütterlicher Zärtlichkeit und Hingebung an der jungen Frau hing. Und so brachte fie dieselbe zu Bette, heizte von Neuem ein und suchte Wärme und Behagen um fie zu verbreiten. Sie achtete nicht der eigenen Müdigkeit, Elma's Ausruf hatte ihr tief in die Seele geschnitten, o, fie hatte gewiß viel gut zu machen, und so lief fie hin und her, machte heißen Thee und that Alles, um ihr Erleichterung zu verschaffen. Auf ihr inniges Bitten nahm die atme Frau etwas von dem erwärmten Getränk, und lag bann wieder stumm und regungslos da mit weit geöffneten Augen, während die Alte am Rande des Bettes saß, die kleinen, kalten Hände zwischen den ihrigen reibend.

So verging Stunde auf Stunde. Da plötzlich klangen Glocken durch die sttlle Nacht, erst nur leise anschlagend, dann stark und feierlich, wie ein mahnender Ruf, daß Alle ihr eigenes Glück oder Leid vergeffen und an Ihn denken sollten, der etnst in in jener heiligen Nacht den Weg vom Himmel auf die Erde zurückgelegt hatte. Elma zuckte zusammen: „Was ist das?" fragte fie leise.

„Sie läuten zur Caristmette im Dom, gnävtge Frau," „es ist ja die Weihnachtsnacht, fügte Truda zögernd hinzu."

Deutsches Reich.

Berlin, 6. Juni.

• Der Kaiser hat an den Magistrat und die Stadtverordneten von Berlin folgendes Schrei­ben gerichtet: „Bei der jüngsten Anwesenheit Sr- Maj. des Königs von Italien war es mir über­aus erfreulich Zeuge der herzlichen Verehrung zu fein, welche meinem erlauchten Gaste von der Bürgerschaft meiner Haupt- und Residenzstadt Berlin allenthalben entgegengebracht worden ist. Die geschmackvolle und sinnige Au chmückung der Feststraßen und der Gebäude, sowie die vieltau­sendstimmigen Zurufe bei dem Einzuge Sr. Maje­stät in Berlin gaben beredtes Zeugniß von ben tief in die Herzen der Bevölkerung Deutschlands eingewurzelten Sympathieen für den mächtigen Bundesglnoffen und fein gesegnetes Land. Ich kann es mir daher nicht versagen, den städtischen Behörden und der gesammten Bürgerkchaft Berlins für den meinem hohen Freunde bereiteten wür­digen Empfang meinen wärmsten Dank auszu­sprechen. Neues Palais, den 1. Juni 1889. gez. Wilhelm."

* Bekanntlich sind katholische Pfarrer Dank der Regierungs-Vorlage wie den Befchlüffen der Kar­tellmehrheit schon in Bezug auf die Höhe der Staatszuschüsse sehr benachtheiligt int Ver­gleich zu ben protestantischen Predigern. Ganz unbegreiflich aber müssen die Verzögerungen in der Auszahlung der spärlichen Zuschüffe erscheinen, die an verschiedenen Orten beliebt werden. So schreibt die.Trier. Landeszeitung': „Neulich wurde an dieser Stelle der Bescheid mitgetheilt, welchen ein Geistlicher der Diözese Trier auf seine Eingabe an den Herrn Kultusminister von der Königlichsn Regierung zu Trier erhielt. Wie jener Gei stliche müssen auch viele andere katholische Pfarrer auf die schon im Monate Januar durch ein Sch reiben derselben Königlichen Regierung für ben 1. April bS. Js. als monatlich praenumerando zu er» hebende Gehaltsaufbesserung bis zur Stunde noch warten, und doch hat schon der dritte Monat des neuen Etatjahres begonnen. Da muß man doch fragen: Woran liegt es ? In jenem Bescheide der König!. Regierung wurde dem betreffenden Pfar­rer im Auftrage des Kultusministers eröffnet, daß „nach den bestehenden Grundsätzen" sein Gehalt

Da richtete fie den müden, gebrochenen Körper empor und sagte die Hände faltend: „O, ich will hingehen und Gott um Barmherzigkeit bitten 1"

Die Alte drücke fie sanft in die Kiffen nieder. „Bitte sprechen fie nicht so, das ist ja ganz un­möglich, gebe Gott, daß Sie sich diesen Abend nicht eine schwere Krankheit zugezogen haben. Sie find ja so blaß und sehen so krank aus 1"

Elma's Augen glühten in unheimlichem Feuer. „Glaubst Du das? O, wenn das wahr wäre, und ich daran sterben dürste! Der Tod würde mich von diesem Leben erlösen und jenen furcht­baren Schmerz von mir nehmen."

Da hielt sich Truda nicht länger. Vor dem Bette niederknieend, schlang fie ihre Arme um die feine Gestalt und sagte mit gebrochener Stimme: „Mein Liebling, theuere Elma, bitte, denken Sie daran, daß ich Sie auf diesen Armen getragen und gepflegt habe, als Sie noch ein ganz Heines Kind waren, daß ich Sie in all' den Jahren in Freud' und Unglück gleich lieb gehabt habe und — sagen Sie mir was es ist. Ich weiß, daß ich durch mein Hinuntergehen gefehlt habe, aber ich kann den Gedanken nicht ertragen, daß ich all' Ihr Leid dadurch verschuldet haben sollte.

„Nein, nicht alles," sagte Elma schmerzlich be­wegt, und wenn ich j-tzt darüber nachdenke, so