Einzelbild herunterladen
 
  

stens berichtet die ,Tremonia', daß die Delegirten der noch ausstehenden Zechen de« genannten Re­vier« einen dahingehenden Aufruf an die Beleg­schaften gerichtet habe«. In Essen beschlossen die ArbeÜerdelegirten gemäß dem Bochumer Beschluß vom 19. d. M. an dem Waffenstillstände von 2 Monaten festzuhalten. Von den verhafteten Mit­gliedern de» Strikccomite'« find am Dienstag berest« vier wieder entlassen worden.

Ausland.

* Rom, 28. Mai. Die bedeutungsvolle An­sprache, welche der hl. Vater zu Beginn de« samstägigen Konsistoriums über die entschiedenen Kundgebungen der Katholikentage ausdrückte, ander­seits aber in schärfster Weise da« Vorgehen der neuitalienischen Regierung brandmarkte, ist nicht nach dem Veschmacke der Liberalen. Die hiesige kirchenfeindliche Presse speit Gift und Galle, e« paßt ihr offenbar nicht, da« gleichzeitig mU der Entrevue in Berlin eine so entschiedene Kundgeb­ung de« hl. Vater« gegen Revolutions-Italien erschien. — Al« Sühne für den Frevel der Radikalen anläßlich der bevorstehenden Enthüllung de« Giordano Bruno-Denkmal« in Rom werden an dem Tage Sühnegotterdienste mtt General- Kommunionen stattfinden. Alle Priester werden die hl. Meffe in der Intention de« hl. Vater« lesen._______________________________________________________

* Der Fall Wohlgemuth

hat die Aufmerksamkeit wieder in erhöhtem Maße auf die interessante Frage der Spionage ge­lenkt. Es find wiederholt Beispiele vorgekommen, daß deutsche, englische, russtsche und amerikanische Offiziere in Verkleidungen, unter falschem Namen und mtt falschen Papieren auszogen, um die Pläne de« Feinde« auszukundschaften. Sie begingen dadurch ebensowenig eine unwürdige Handlung, wie der Soldat etwa einen Mord begeht, indem er in der Schlacht einen Feind tödtet. Sie setzen ihr Leben auf da» Spiel, um ihrem Vaterlande einen Dienst zu erweisen. Freilich gibt es auch Osfiziere, welche den Spionendtenst unter allen Umständen von sich weisen. So erzählt Marschall Marmont in seinen Memoiren, daß ihn General Bonaparte im Jahr 1798, al« er Oberst und Adjutant de« Generals war, nach England schicken wollte, mit dem Auftrage, daselbst die besten Mittel zu einet militärischen Landung in England zu studiren. Marmont lehnte diese Sendung rund­weg ab, da ein solcher Dienst, so sagte er, weder seiner Pflicht noch seinen Neigungen entspreche, „Mein Leben al« Soldat gehört Ihnen, Herr General", sagte er, „aber ich bin nur verpflichtet, dasselbe auf Soldatenart einzusetzen." Bekannt ist die Geschichte de« Major« A n d r 6, welcher General- Adjutant der englischen Armee war, und den die Amerikaner nach dem Urtheil eine« Standgerichtes hängen ließen, weil er unter einer Verkleidung in die Linien ^de« amerikanischen Heeres gedrungen war. Der Tod dieser wackeren Osfizier« entlockte selbst seinen Feinden und Richtern Thränen. Bald darauf wurde ein amerikanischer Osfizier, Namens Hale, in den Linien der englischen Armee gefangen genommen und nach einer Stunde gehängt. „Weich' ein Tod für einen Offizier", rief ihm ein eng­lischer Offizier in dem Augenblicke spottend zu,

den Schaufenstern stehen, Papa und Tante möch­ten sonst in Sorge sein."

„Darf ich da« nächste Mal meine Weihnachtr­arbeiten mitbringen und bei Ihnen anfangen? Theo wA auch gar gern etwa« machen," bat die Kleine. Elma nickte freundlich und sah den da- voneilenden Kindern nach; unter dem Thorweg schrieen Beide: „Heisa, der erste Schnee!"

Und e« wirbelte draußen auch gar lustig, eine Flocke jagte die andere, bi« fie schließlich doch alle sämmtlich zur Erde fielen und eine dichte, weiße Decke bildeten. Wäre Franz nur wieder glücklich daheim, dachte Elma, al« fie vom Fenster au« da« immer heftiger werdende Schneegestöber be­obachtete. „Mitten im Winter in einem fremden Lande, unter lauter fremden Leuten, unter lauter fremdm Menschen, und nach seinem letzten Briefe scheint er noch gar nicht an die Hermath denken zu können."

E» waren allerdings schon einige Wochen seit der Abreise de» Doktor« verstrichen. In dm et» fien Tagm ließ da« Leid übet dm unetwattetm

al« man ihn zum Galgen führte. „Jeder Tod ist ehrmvoll, mein Herr," entgegnete ihm Hale, „wenn man ihn für eine Sache stirbt, wie e« die meine« Vaterlande« ist!" Daß der drakonischen Strenge, mtt welcher im Kriege die Spionage durch Abschreckung bekämpft wird, auch viele Unschul­dige zum Opfer fallen, ist unvermeidlich. Einer der berühmtesten Heerführer Napoleon« I., Mar­schall Davout, hatte in dieser Beziehung den Ruf einer furchtbarm Strenge. Er machte nicht viel Federlesen« und ließ Jeden, auf den auch nur der leiseste Verdacht der Spionage fiel, hän­gen. In den Memoiren Marmont« wird erzählt, daß Davout, einige Tage vor der Schlacht von Wagram eine Proklamation erließ, in welcher er den Bewohnern der Gegmd unter Todesstrafe verbot, die Linie der französischen Vorposten zu überschreiten, und daß er, trotzdem man ihm vor­stellte, daß die österreichischen Bauern nicht Fran­zösisch lesen können, ohne Gnade Irden hängen ließ, der innerhalb der französischen Linien ange­halten wurde. Wie General Lamarqne erzählt, erkannte man da« Lager Davout« immer an der großen Anzahl der Gehenkten, dir an allen Zu- gängm desselben sichtbar warm.

Die rührendste „Spionagegeschichte" ist wohl aber jene der achtzehn Jungfrauen, welche die Pariser Schreckensmänner im Jahre 1793 unter der Anklage hinrichten ließen, daß fie dem Feinde Nachrichten hattm zukommen lassen. Es war eine kleine französische Grenzstadt, die von den verbündeten Preußen undOesterreichern besetzt wurde, nachdem die französische Garnison abgezogen war. Das Offizierkorps der Verbündeten gab nun im Stadthause einen glänzenden Ball, zu welchem die vornehmsten Familien der Stadt, die schöne Töchter hattm, geladen waren. Achtzehn Fräulein erschienen auf demselben und von diesen sollen zwei ober drei ihren Tänzern Dinge mitgetheilt haben, welche den Franzosen nachthettig waren. Bald darauf ver­ließen die Verbündeten die Stadt und die Angeber, von denen es damals in ganz Frankreich wimmelte, richteten eine Denunciation an den Pariser Con­vent. Derselbe beschloß, alle achtzehn Mädchen an da» Blutgericht zu stellen. „Wohl", argumentirte das letztere, „sei e» nicht erwiesen, daß mehr al« zwei oder drei Mädchen ihr Vaterland an den Feind verrathen hätten, allein auch die Uebrigen hätten den Tod verdient, da ste an einem Feste Theil nahmen, welche» der Feind auf französischem Boden veranstaltete." Die achtzehn Mäochen wurden nach Pari» gebracht und in einem Wagen zur Guillotine geführt. Da» Jammern und Wehklagen der unschuldigen Geschöpfe auf ihrem Todeswege war herzzerreißend und dieser rühende Anblick trug nicht wenig dazu bei, daß die Schreckens­herrschaft einige Tage darauf gestürzt wurde.

In ein ganz anderes Gebiet fällt die S p i o n a g e im Frieden; das heißt die geheimen Nachforsch­ungen in einem Lande, gegen welches man sich nicht im Kriegszustände befindet. Allein auch hier gilt die Wahrheit, daß es nicht» Neues unter der Sonne gibt. Im Jahre 1811—1812, als die Verhältnisse zwischen dem Kaiser Napoleon und seinen Alliirten, dem Kaiser Alexander von Ruß­land, sich zu trüben begannen, kam der russische Oberst Giaf Czernischeff nach Pari», wo er sehr gut ausgenommen und bald ein Liebling der

Tod der gebebten Tante alle» Zweifeln und Grü­beln über die mit dem Gatten vorgegangme räch- selhafte Veränderung in dm Hintergrund treten. Sie beweinte die Verstorbene aufrichtig, dann aber kehrte ihre ganze Sorge wieder dem geliebten Manne zu, und fie nahm fich vor, durch ange­strengte TTätigkeit die unglückseligen Rückstände zu decken. Durch seine Abwesenheit und ihre jetzige Trauer hörten alle gesellschaftlichen Beziehungen zu den neuen Bekannten für die nächste Zett doch so wie so auf. Hierdurch trat in den Ausgaben der Haushaltung eine bedeutende Verminderung ein, und Elma freute fich durch gewissenhafte Sparsamkeit noch eine kleine Summe zu einem bestimmten Zwecke zu erübrigen. Manche Frau an ihrer Stelle würde im Gedanken an da« ihr wahrscheinlich zufallende reiche Erbe die Hände in den Schooß gelegt und sorglos dahin gelebt haben.

Frau von SBenben dagegen dachte anders. Würde ihum durch die gütige Fürsorge der Tante dar Vermögen zufallm, so wollte ste fich freuen,

vornehmen Gesellschaft wurde. Czernischeff machte in der vornehmen Gesellschaft mit einer Dame Bekanntschaft, die ihn auf fein Geheiß mit einem V.rwandten ihrer Kammerfrau, Namm» Michel, in Verbindung setzte, der im Kriegministe­rium angestellt war und ihm die Pläne der Armee­organisation bet bmtschm Hilssttuppen auslieferte. Michel hatte eine große Anzahl von Mitfchuldigm unter bett Beamten de» Kriegsministeriums, die er mittelst bet ihm von Czernischeff zur Verfügung gestellten großen Gelbsummen bestach. Durch einen Brief Michel», bett Graf Ezeruischeff bei seiner Abreise von Pari» zu vernichten vergessen hatte, würbe ber Verrath entdeckt und die Schuldigen wurden nun vor da« Gericht gestellt welche« Michel zum Tode verurtheilte und die übrigen Angeklagten freisprach, da ste nachwiesen, Michel habe ihnen wei-gemacht, daß ihre Notizen einem Armeelieferant n zur Ocientirung dienen sollen. Wa« den Obersten Grafen Czernischeff an- belangt, so beklagte sich Napoleon, mit Berufung auf die Grundsätze des Völkerrechte» und der Ehre über seine Aufführung bitter beim Zaren Alexander; allein e» ist mit Recht anzunehmen, daß er empfind­licher gegen die PreiSgebung feiner Geheimnisse, als gegen die Verletzung der Prinzipien war. Czernischeff wurde im Jahre 1813 einer jener russischen Generale, welche der französischen Armee am verbänanißoollsten werden tollten.

A«S Stadt, Provinz und Nachbargebiet.

Fulda, 31. Mai.

* In feiner gestrigen Festpredigt, zu welcher sich die Gläubigen in dicht gedrängten Massen eingefunden hatten, machte unser Hochwürdigster Herr Bischof den Versammelten die erfreuliche Mittheilmn, daß er in dieser Predigt den Haupt­zweck und das Ergebniß seiner unter Gottes Schutz glücklich beendeten Rom reise vorläufiz nur mit wenigen Worten schildern wolle, weil er beabsich­tige, alle weiteren Ausführungen in einem beson­deren Hirtenschreiben niederzulegen, welche» wahrscheinlich schon in den allernächsten Tagen erscheinen werde. Daß unsere verehrten Leser diese» mit Spannung erwartete Hictenschreiben alsbald nach dessen Verlesung von der Kanzel sei­nem vollen Wortlaut nach auch in diesem Blatte ftnben werden, dürfen dieselben zuversichtlich hoffen.

* Die Wallfahrten zum Grab de« hl. Boni­fatius während der Festoktav vom Sonntag den 2. bis Sonntag den 9. Juni finden in folgender Ordnung statt: Sonntag: Stadtpfarrei, Neuen­berg, Dietershan, Pfarrei Ho ras und Niestg. Montag: Die Pfarreien Johannesberg und Pe­tersberg. Dienstag: Die Pfarreien Heimbach, Margrethenhaun und Steinhaus. Mittwoch: Die Pfarreien Dletershausen, Eichenzell und Flo­renberg. Donnerstag: Die Pfarreien Hatten­hof und Neuhof. Freitag: Die Pfarreien Bim­bach, Großenlüder, Marbach und Michelsrombach. Samstag: Die Pfarreien Dipperz, Giesel und Kämmerzell. Im Falle an einem Tage durch Regen die Wallfahrten unterbleiben müßten, sind dieselben am folgenden regenfreien Tage zu halten.

* In Betreff ber morgen stattfinbendeu Eröff­nung der Bahnstrecke Fulda-Bieberstein gibt

um ihres Gatten willen, der sich dann etwas mehr Ruhe gönnen und manchen wissenschaftlichen Ge­nuß verschaffen konnte; aber auch um ihrer selbst willen konnte sie alsdann dem Leben heiterer und sorgenloser entgegensehen. Sie war nicht vergnüg- ungssüchtig, und ihr Herz hing nicht am Gelds, wie Franz manchmal gedacht haben mochte, und wenn fie fich zuweilen hinaus gesehnt hatte, so entsprang dieser Wunsch nur der Einförmigkeit ihres ehelichen Leben»; ihre Thätigkett wurde nicht von jenen kleinen unzähligen Sorgen einer Mutter in Anspruch genommen, und die völlige Einsam­keit, welche ihr Gatte in seinem immerhin wechseln­den Berufe nicht empfand, drückte auf ihr van Natur fröhliche«, gesellige« Gemüth mit einer lähmenden Schwere. Manchmal stellte ste fich vor, baß Franz arm zurückkehren werde, wie er gegangen, und bann erkannte fie mit einem be­seligenden Gefühl, daß ste ihm mtt demselben Jubel, mtt derselben wahren Herzensfreude entgegen eilen würde.

(Fortsetzung foigl.)