JV 124 Freitag, den 31. Mai. 1889
filktt W Jeitiing.
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Deutsches Reich.
Berlin. 29. Mai.
• Die .Köln. Ztg.' schreibt, daß die Samoa- konferenz voraussichtlich heute die letzte Sitzung hält und danach die amerikanischen und englischen Bevollmächtigten die Beschlüsse der Konferenz ihren Regierungen zur Genehmigung vorlegen und die Ermächtigung zur Unterzeichnung einholen werden. Bis dahin soll über die Beschlüfle strenges Geheim- niß gewahrt bleiben. Diese Nachricht steht im Widerspruch mit Berichten englischer Blätter, wonach fich bei den Versammlungen erhebliche Schwierigkeiten heraurgestellt hätten.
* Der Reichskanzler Fürst Bismarck hat stch heute nach Schönhausen begeben.
* Der Schah von Persien kommt am 9. Juni in Berlin an und wird in Schloß Bellevue Wohnung nehmen.
* Der deutsche Protestantismus hat bekanntlich den Episkopat ganz aufgegeben, Mil es ihm nicht gelang, einen Bischof zu sich herüberzuziehen. Indessen scheint man doch j tzt da« Bedürfniß nach einem protestantischen Bischöfe zu fühlen, doch nicht in Preußen, sondern in — Jerusalem. König Friedrich Wilhelm IV., dessen kirchliche Gesinnung ja bekannt, hatte 1841 die Errichtung eines England und Preußen gemeinsamen evangelischen Bischofsstuhls in Jerusalem ermöglicht. Der Vertrag wurde 1886 von beiden Thei- len aufgehoben, und die Engländer stellten in der Person eines gewissen Dr. Blyth einen eigenen anglikanischen Bischof zu Jerusalem an. Dr. Blyth's Persönlichkeit aber paßt den deutschen Protestanten nicht. Ein Verbrechen Blyth« in deutschen Augen ist die Thatsache, daß der neue Bischof Ritualist ist. Ai« spezieller Beschwerdepunkt wird in der,Kreuzzeitung' angeführt, Blyth erkenne „selbst die evangelische Ordination nicht an." Wie ein Anglikaner, der auf dem Boden seine« Bekenntnisse« steht, die „evangelische Ordination" überhaupt anerkennen kann, ist ein Räth- sel. Der Anglikanismus hält ja mit der katholischen Kirche an dem Grundsätze fest, daß die priesterliche Weihe nur durch Bischöfe ertheilt werden könne, die ihre Vollmacht durch ununterbrochene Kontinuität von den Aposteln ableiten. Wie die Verbrüderung früher in Jerusalem möz-
x jny van Mecken.
Novelle von Marga Brachten.
(27. Fortsetzung.)
„Gefährlich kaum," war die von einem schwer- müthigen Lächeln begleitete Antwort. „Ich lasse Dich so ungern allein zurück, doch ich weiß, ganz einsam wirst Du nicht sein."
„Ich hoffe nicht," erwiderte ste, „und tolö, da Du also noch heute abreisen willst, mit Truda Deinen Koffer packen, so gut und so sorgfältig wie ich vermag."
Am Nachmittage war der Doktor reisefertig. Die Begleitung seiner Frau zum Bahnhofe lehnte er auf da» Bestimmteste ab.
„Du bist noch zu erregt, und Deine Augen find vom Weinen ganz geschwollen. Also bleibe da, liebes Kind, und sei nicht so betrübt, e« ist ja kein Abschied für'» Leben."
Er stand vor ihr und sie sah zu ihm auf. Ihren ganzen Muth zusammen nehmend, sagte ste: „O Franz, geh' nicht so von mir, e» ist — nicht Alle« in Ordnung zwischen um!"
„Bei mir Alle», aber bei Dir nicht, liebe Elma. Doch nun, leb' wohl, die Zeit drängt — Gott schütze Dich und unser Glück! !"
Sie fest an fich drückend küßte er ste heiß und
lich war, ist um so räthselhafter, al» ja die anglikanische Kirche stet» betont hat, daß ihr die katholische und griechische Kirche in Bezug auf da» Dogma unendlich näher stehe, al» der Protestantismus. Die jetzige Separation muß deshalb als Abstellung einer unzulässigen Verquickung angesehen werden. — Zur Ausführung des Planes schreibt die ,Kreuzztg.':
„Zum Glück hatte man die von Friedrich Wilhelm IV. für das Bisihum gestifteten 100,000 Thaler in Händen behalten und ste der Verwaltung des Ministerpräsidenten unterstellt. So ist wenigstens in den Zinsen derselben von 12,000 Mark eine Besoldungssumme als Grundlage vorhanden. Auch sind die Baugelder für das Kirchlein, welches nach einem Plane des Geh. Ober-Baurathes Adler auf vorhandenem Grunde neuerbaut werden soll, aus früheren Sammlungen vorhanden. Ferner scheint im Stillen alles geschehen zu sein, um die Errichtung eines deutsch-evangeilschen Bisthums zu Jerusalem vorzubereiten. Der Bischof und alles, was zu seiner Verwaltung gehört, wird auf dem Grund und Boden untergebracht, welchen der Sultan dem Könige von Preußen 1869 schenkte und von welchen der Kronprinz Friedrich Wilhelm bei seiner Reise zur Eröffnung des Suezkanals den Besitz übernehmen konnte. Dort befinden sich schon eine Anzahl von Anstalten der deutsch-evangelischen Gemeinde, dort sind auch die Fundamente des genannten Kirchleins des Johanniter-Ordens, dem früher das ganze Gebiet gehörte. Der Zugang dahin und namentlich zur Kirche war bisher sehr schmal und schlecht und bedurfte zur Verbreiterung des Weges eines schmalen Streifen Landes, über deffen Erwerbung mit dem Besitzer, dem griechischen Presbp- teriat, Unterhandlungen angeknüpft wurden. Das Ziel ist erreicht worden, man hat sich über den Kaufpreis von 40,000 Franks (32,000 Mark) geeinigt und der Besitz dieses Streifens dürfte binnen kurzem angetreten werden. Wie es heißt, wird mit der Verbreiterung und Verbefferung des Zugangsweges noch in diesem Jahre begonnen und voraussichtlich auch der Bau des Kirchleins in Angriff genommen we den.
Die .Germania' bemerkt hiezu mit Recht: Da» Ganze muß für die Katholiken Deutschland» eine Mahnung fein, den „Verein für da» heilige Land" reger zu unterstützen. Unser jüngster Bericht au» Alexandrien hat diese Nothwen- digkeit schon deutlich genug dargethan.
• Vor einiger Zeit wurde im Auftrage de» Kriegs-Ministerium» bei jenen Geistlichen, welche Soldat gewesen sind, also jetzt der Reserve oder Landwehr angehören, angesragt, ob ste berett seien, „behufs nutzbringender Gestaltung der Thätigkeit in der Krankenpflege im Kriege" eine vierwöchentliche Hebung in einem größerem Garnison- lazarethe zu machen. Bei dem allerorts herr-
innig. Sie hatte es warm auf ihre Stirn tropfen gefühlt, dann war er gegangm, so schnell, daß ihre zitternden Füße ihm nicht zu folgen vermochten, Da« Fortrollen de« Wagen« schreckte sie endlich auf; sie saß noch immer dort und starrte nach der Thür.
7. Kapitel.
Ein Fund in der Weihnacht«nacht.
So muß ich wandern und muß scheiden, Gar weit in'« Land di« Straße geht. O Scheiden, Scheiden, arges Selbe«, Das schmerzlich durch die Seel« weht l
Das Waffer rauscht in's Rad der Mühle, Wie letzter Gruß zu Thal es geht.
Die Thräne ich im Auge fühle Und in der Seele ein Gebet.
Alfr. Muth. XVI.
„Aber, so warte doch, Rcka, Du rennst mich ja förmlich um!" So rief der kleine Theo eine« NachmUtag« seiner Schwester zu, welche au« dem Wohnzimmer von Frau Doktor v. Wenden tretend, ihn auf dem halbdunklen Flur nicht bemerkt hatte.
„Ei, Theo, wie kommst denn Du hierher?" fragte diese erstaunt, und Du sagst noch nicht einmal „Guten Tag".
schenken Priestermangel wird wohl kaum einerLin der Lage sein, feinen Wirkungskreis auf 4 Wochen verlassen zu können, um eine militärische Hebung zu machen. Es läßt fich nicht verkennen, daß solche Hebungen wichtig sind; denn im Falle de« Krieges werden ja die Geistlichen, welche der Reserve oder Landwehr angehören, nicht zum Dienste mit der Waffe, sondern vorzüglich zur Kranken- pflege herangezogen. Eine Unterweisung im Krankendienste bekamen aber bi» jetzt diese Geistlichen nicht; sie mußten in dem Jahre ihrer mllitärischen Dienstzeit dieselben Uebungen machen, wie jeder andere Soldat, der zum Dienste mit der Waffe bestimmt ist. Bei der jetzigen Verfügung de» Kriegsministerium» drängt stch einem unwillkürlich die Frage auf: Zu welchem Zwecke müssen denn die Geistlichen ein ganze» Jahr mit der Waffe dienen, da ste irn Kriege doch nur in der Krankenpflege verwendet werden? Der ganze Militärdienst hat doch nur den Zweck, den Soldaten für den Krieg tüchtig zu machen. Welchen Zweck hat es also, die Geistlichen ein ganzes Jahr mit der W-ffe dienen zu lassen, da sie doch im Kriege die Waffe nicht führen sollen?
• Vom Königlichen Etsenbahn-Betriebs- Amt Berlin (Direktions-Bezirk Erfurt-Anhalter Bahnhof) wird heute Folgendes bekannt gegeben: In Folge Zerstörungen des Bahnkörper» durch Wolkenbrüche heute Nacht auf den Strecken der fächstschen Staatsbahn zwischen Weinböhla- Großenhain und Niederau-Pristewitz ist der direkte Zugverkehr nach Dresden und darüber hinaus über beiden Routen (Elsterwerda und Röderau) unterbrochen. Stuf ber Linie Berlin-Elsterwerda- Dresden verkehren bis auf Weitere» nur Züge van Berlin nach Großenhain und zurück, dezw. von Dresden nach Weinböhla und zurück. Ein Umsteigen der Reifenden ist nicht möglich. Nach den bis jetzt vorliegenden Meldungen ist zu erwarten, daß der birette Zugverkehr Berlin-Röderau- Dresden bald wieder ausgenommen werden kann.
• Der Oberpräsident von Westfalen, Herr von H a g e rn e i st e r hat aus Gesundheitsrücksichten feinen Abschied erbeten. Unterstaatssekretär im Ministerium für Elsaß-Lothringen, Stndt, wird al» Nachfolger genannt.
• Im Dortmunder Revier wird am Freitag wieder auf allen Zechen gearbeitet werden. Wenig-
„Das wollte ich ja eben thun, da fielst Du mir in die Rede." Guten Tag, Frau Doktor, einen schönen Gruß vonsPapa und von der Tante," sagte der Kleine zu der hinter Rcka in der offenen Thür stehenden Frau von Wenden. „Draußen fällt bet erste Schnee, und weil ich gar zu gerne noch einmal durchgelaufen wäre, so schickte mich der Papa Dich abholen und Dir 'einen Schirm bringen. Ich wollte den Unterricht nicht stören und so blieb ich die lange Zeit bet Truda in bet Küche."
„Na, besonders schlecht scheint Dir da« Warten aber nicht bekommen zu fein,“ meinte die Schwester und ließ ihr niedliches Näschen prüfend umherfahren, „Du riechst ja ganz nach ftisch gebackenen Theebretzeln!"
„Ach ja," erwiderte Theo ein wenig kleinlaut, „Truda hatte gerade welche im Backofen. Sie mußte doch wessen, ob sie geraten feien, und fo gab sie mir eine zum Probiren."
Elma lachte herzlich über feine verblüffte Miene, eilte in die nahe Küche und wickelte einige besonders schöne Stücke de« noch heißen Gebäck.» in einen Bogen weiße» Papier, da» sie den Kindern reichte. „So," sagte sie, „Rcka soll nicht zu kurz kommen, und nun geht hübsch artig und anständig nach Hause; bleibt auch unterwegs nicht an