123 Mittwoch, den 29. Mai 1889
f »linier Ä Ikitiig.
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Zweites Blatt.
□ Gegen den Sklavenhandel.
Daß der Sklavenhandel in dem türkischen Reiche und btfien Provinzen al» abgeschafft erklärt ist, dürfte bekannt sein. Thatsache ist nun, daß er mehr oder weniger geheim fortbesteht. Besonders blüht er in Arabien. Das Rothe Meer bildet die Verdindungsstraße, auf welcher die Sklaven au« Afrika nach Asten eingeführt werden. Auf diesem Wege werden jährlich Tausende von Negern der Galla- und Nubierstämme an der arabischen Küste ausgeschifft. Die Händler tauschen die Sklaven gegen Kleidungsstoffe in Afrika ein; ste kennen genau die Plätze, an denen ste ungehindert und von den Schiffen unbeobachtet ihre Menschenwaare verladen können. Ihre Sambrik (Segelbarken) legen bei günstiger Windrichtung, die von Erfahrenen genau vorhergesehen wird, in 1 Stunde bis zu 10 Meilen zurück. An unbewachten Punkten Arabiens wird gelandet. Die Landungsplätze find großenthetl« namentlich bekannt; solche find Ruez, eine Ortschaft zwei Kilometer nördlich, Uasta einige Stunden südlich von Djedda; je nach Bedürfniß werden die LandungSp'ätze mit Geschicklichkeit und Ortskenntniß verlegt und gewechselt. Von der Küste werden die Sklaven nach dem Innern, nach Mekka und Medina befördert; zahlreiche werden in Djedda eingeschmuggelt. Die Häuser und Räume der Stadt, in denen ste provisorisch untergebracht werden, find allgemein bekannt. Den Verkauf besorgen die Unterhändler und Händlerinnen, deren Namen ebenfalls bekannt find. Ste betreiben dieses Geschäft als Profesfion. Wer einen Sklaven oder eine Sklavin wünscht, wendet sich an ste; ste bringen die Neger zur Ansicht und Auswahl in die Wohnungen der Kauflustigen. Der Sklave wird untersucht, man verhandelt über seinen Preis. Gegenwärtig ist diese Waare sehr billig. Während noch im letzten Jahre ein Sklave 80—100 Thaler kostete, zahlt man heute 35, 40, 50 Thaler. Ein Araber bot sich dem Schreiber dieses an, ihm binnen zwei Stunden für 400 Thaler 10 junge,
X fron; nee Wendt».
Novelle von Marga »rechten.
(26. Fortsetzung.)
Doch auch dieser Abend nahm ein Ende. Wenden hatte die Kraft, der liebenswürdigen Dame des Hause» mit lächelnder Miene für die angenehmen Stunden zu danken und feine Gattin zu dem bestellten Wagen zu führen. Elma drückte sich in die Ecke; sie war verwundert über dar sonderbare, halb strenge, halb liebevolle Wesen ihre» Mannes und blickte ihn scheu von der Seite an.
„IstDir etwa«, Franz?" fragte sie besorgt und berührte seinen Arm. Er schüttelte den Kopf, bedeckte seine Augen mit der Hand und nahm die ihrige nicht wie sonst mit festem Druck in die seine. Sie zog ihre Hand verletzt zurück und dachte: „Gott, wie kann man nur so launig und empfindlich sein!"
Kein Wort wurde mehr zwischen den Gatten gewechselt. Beide durchwachten die lange, lange Nacht, mit einem Sturme von bitteren Gefühlen kämpfend, mit einem Herzen voll der neuesten, innigsten Liebe, aber beide zu stolz, um derselben Ausdruck und so ihrer gegenseitigen Qual ein Ende zu machen. Morgen, beruhigte sich Elma endlich, als ihr wieder und immer wieder da» tiefe Seufzen ihres Mannes wie ein unterdrückter Stöhnen klang, morgen will ich ihn herzlich um Aufklärung seines seltsamen Benehmens bitten. Diese Stunden, die
rüstige Sklaven zu liefern. Ein Beweis, daß Ueberfluß an Waare ist. In der That sind in den letzten drei Monaten in Djedda allein an 2000 Sklaven eingeführt worden; nach dem Innern sind ungleich mehr abgegangen. Dort, besonders in Mekka und Medina, geschieht der Handel viel freier als an der Küste, wo die Anwesenheit von Europäern den Handel etwa» gentrt. In Mekka verkauft und versteigert man die Sklaven in Höfen, in Medina auf offener Straße.
Nun muß man sich also fragen: wenn e« Jedermann bekannt ist, daß Sklaven eingeführt werden, wenn man die Landungsplätze, die Verkaufs- und Versteigerungshäuser, den Preis der Sklaven kennt, wie ist es möglich, daß keine Abhilfe geschieht und die wiederholten Verbote der türkischen Regierung ein todter Buchstabe bleiben? Die Antwort ist einfach. Der bekannte orientalische Bakschisch thut seine Schuldigkeit. Die Händler erkaufen sich die Verschwiegenheit der Beamten und Zollbediensteten; man gibt für den Kopf zehn und mehr Thaler Trinkgeld und da» Geschäft geht flott seinen Gang. Vor einigen Monaten entstand unter den Beamten in Djedda Streit über die Vertheilung dc» Bakschisch, der für Einfuhr von 70 Sklaven geleistet wurde. Um dem Streite ein Ende zu machen, konfirzirte der Statthalter die Sklaven und ver- theilte ste unter die türkischen Beamten. War diese, geldgierig wie sie find, damit gemacht, läßt fich denken. Da» nennt man Sklaoenbefreiung. Sklaven ko:fi»zrren, ste an Günstlinge verschenken, die ste verkaufen, ist landesübliche Art und Weise, das Gesetz gegen den Sklavenhandel anzuwenden.
Die türkischen Schiff-, die au» dem Rothen Meere nach Konstantinopel gehen, führen Sklaven mit. Diese Thaisache ist Jedem bekannt, der auf einem solchen Schiff- gereist ist. Allerdings werden die Sklaven der Kommission, die in Suez und Port-Said zur Visitation an Bord kommt, nicht auf dem Verdicke vorgestellt, aber sie sind an Bord.
Der Hebel zur Beseitigung de» Sklavenhandels muß im türkischen Reiche und seinen Provinzen angesetzt werden. So lange die Großen der Tüikei Egyptens, Nordafrikas, Arabiens u. f. w.
sie nutzlos verstreichen ließ, ohne zuerst das versöhnende Wort zu sprechen, sie hätte ste später, ach so gerne, mit einem Theile ihres L-bens zurückkaufen mögen! — Aber es rächte sich bitter ihr Schweigen vor dem Gatten und die thörichte Eifersucht in dem Herzen der sonst so trefflichen Arztes!
XV.
Nach der schlaflosen Nacht machte sich in den Morgenstunden die Erschöpfung geltend, und al« die junge Fiau endlich erwachte, fand sie da« Lager ihre« Gatten leer. Auch beim Frühstuck war er nicht anwesend, denn die Sprechstunden hatten längst begonnen. Nur einmal, beim Hinausbegleiten einer Dame, erblickte sie ihn flüchtig, mit einem so fremden, gealterten Ausdruck in den Zügen, daß sie dem Zusammentreffen beim Mit- tagrtische mit unwillkürlicher Scheu entgegensah. Sie versuchte die gedrückte Stimmung zu überwinden und um ihre trüben Gedanken zu zerstreuen, öffnete sie den kleinen Briefkasten vor der Gang- thüre und entnahm ihm die schon früh angekommenen Briefe und Zeitungen.
Unter den ersteren befanden fich zwei große Schreiben mit dem Lnndoner Poststempel, welche ste hastig erbrach. Da« größere derselben war eine in englischer Sprache abgefaßte Einladung von der dortigen B-Hörde zu der in einigen Tagen stattfindenden Testamentseröffnung der verstorbenen Mistreß Ellen Morel, Wittwe des Advokaten Charles Morel.
ihre Paläste und Harems mit Sklavinnen, Eunuchen und schwarzer Dienerschaft füllen, wird der Sklavenhandel bestehen. An dem Tage, an dem diese Länder aufhören, die Absatzgebiete für die afrikanische Menschenwaare zu sein, wird der Handel von selbst finken, mit ihm werden die Greuel der Negerjagden im Innern Afrika» sich mindern; die Räuber und Händler werden gezwungen sein, sich mit einbringenderen Handelszweigen zu 6c* schäftigen, wenn die Menschenwaare keinen Absatz findet. Es genügt nicht, mit dem Türken eine Konvention gegen den Handel der Neger geschlossen zu haben; Europa muß dem Gesetze Geltung verschaffen. Türken und türkischen Beamten die Ron- trole über die Ausführung der Gesetze gegen den Sklavenhandel übertragen, erinnert an die Fabel vom Wolf als Wächter des Geflügels. Die Kon- trole muß von gewissenhaften Europäern strenge geübt werden; die Mächte müssen einen starken Druck auf die Türken ausüben und jede lieber- tretung des Sklavengesetzes strenge bestrafen; bie» ist offenbar leichter und weniger kost'pielig, al» eine Expebition nach bem Innern Afrika«, bie viel Geld unb Menschenleben verschlingen würbe, ohne einen bauernben Erfolg erzielen zu können, so lange bie Türkei unb ihre Staaten bas Absatzgebiet ber geraubten Negersklaven bilden.
Gottesdieust-Ordrmrsg in Fulda.
Donnerstag, 30. Mai. (Christi Himmelfahrt.)
Dom. Um 5, 6, 68/4, 71/s Uhr hl. Messen, um 9 Uhr Hochamt mit Predigt des Hochwürdigsten Herrn Bischofs und nach dem Hochamte Ertheilung de« Päpstlichen Segens, der mit Verleihung eines vollkommenen Ablasses unter den gewöhnlichen Bedingungen (hl. Beicht, hl. Kommunion und Ablaßgebete) verbunden ist. Um l Uhr Prozession in die Andreaskirche zu Neuenberg um den Segen Gottes über die Früchte zu erflehen. Um 5 Uhr Abendandacht. — Stadtpfarrkirch e. 5 Uhr hl. Messe mit Predigt, 7 Uhr hl Messe, 8 Uhr hl. Messe mit Predigt, 9i/z Uhr Hochamt mit Predigt, 11 Uhr hl. Messe, 1'/, Uhr Wallfahrt auf den Frauenberg. —MichaelSberg. 10 Uhr Gottesdienst. — Ho Spital S kirch e. 8 Uhr Gottesdienst, 5 Uhr Abendandacht. — Frauenb erg. 5, 6 u. 6>/, Uhr hl. Messen, 8 Uhr Hochamt. Nachm. nach Ankunft der Prozession Predigt und Betstunde.
Diese schmerzliche Nachricht kam Elma völlig unerwartet unb versetzte ste in tiefe Trauer. Durch Truva ließ ste ben Doktor um eine kurze Unter» rebung bitten; bie betrübende Nachricht, welche feine Frau erhalten, half ihm ben eigenen Kummer auf kurze Zeit vergessen, er tröstete bie meine nbe Elma in ber alten freundlichen Weise unb öffnete dann selbst ben zweiten Brief, welcher bie ihm noch bekannte Handschrift Michael'» Gelhard«, de» früheren Buchhalter» seine» Schwiegervater» trug. Derselbe schrieb, daß Mistr. Morel plötzlich gestorben sei unb in ihrem Testamente, zu dessen Z-ugen er gehört habe, ihr Vermögen der Tochter seine» einstigen Herrn vermacht habe. Die Verwandten de» Herrn Morel beabstchtigten jedoch einen Prozeß mit der Erbin zu beginnen, und er erlaube sich den Rath, daß Herr von Wenden al» der Bevollmächtigte seiner Frau selbst nach London kommen und sich ber Sache persönlich annehmen möge. Die Besprechung mit tüchtigen Advokaten sei dann einfacher und der Erfolg im andern Falle nur zweifelhaft.
Der Doktor entschloß fich kurz. „Ich will meine Patienten für die Dauer meiner Abwesenheit einem anderen Arzte übergeben und dann Hinreisen. E« steht zu viel für Dich dabei auf dem Spiele, um nicht unsere ganze Sorgfalt aufzuwenden", sagte er.
„Wann kannst Du wieder zurück sein?" „Vielleicht in einigen Wochen."
„O, welch' eine unangenehme, gefährliche Reise im Anfang de« Winter»!" rief Elma. (F. f.)