1889
Montag, den 27. Mai.
Die ,Fuldaer Zeitung" erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Marl 50 Pfennig.
Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
WWW — --1--- i —=--'i—S ~----...... nu-lljjül ■ i'-—sig-, --------------------- -------
Zweites Blatt.
|tr letzte Kea«; auf das Srad eiars früh Heimgegllugeuea.
+ Gersfeld, 24. Mai 1889.
WaS vergangen, kehrt nicht wieder. Aber ging es leuchtend nieder — Leuchtet 's lange noch zurück I
Die Glocken sind verklungen, di- Grabeslieder verstummt, die letzte Scholle heimathlicher Erde ist auf das Grab Desjenigen gefallen, der unser aller Liebling war in den Tagen des Glückes, der unser aller Sorge gewesen ist in den Tagen der Gefahr. Noch können, noch wollen wir es nicht begreifen, daß er nimmer zurückkehren wird in unsere Mitte, daß die mildleuchtenden Augen int Tode erloschen sind, daß wir verwaist dastehen, eine Heerde ohne Hirt, «ine Gemeinde ohne Seelsorger! Aber wir haben ja selber seinem fliederumkränzten Sarg das letzte Geleite gegeben, weinenden Auges haben wir ihm nachgeschaut und nimmer kehrt er wieder. Manchen mag es bitter bedünken, daü er nicht bei uni blieb; aber wer seine innige Anhänglichkeit an Vater und Mutter und Heimath gekannt hat, der wird es verstehen, daß die armen, schwergeprüften Eltern den Stolz der Familie, die Perle des Hauses, so gerne in ihrer Nähe haben wollten. Und wenn der Selige wüßte, wo seine irdische Hülle ruht, dieweil der Geist in besseren Sphären wohnt, er würde sagen wie so oft im Leben: „Es ist gut so!"
Nur drei kurze Jahre haben wir ihn unser Eigen nennen dürfen; aber diese Zeit war doch lang genug, um ihn uns in Seinem ganzen Werthe kennen, schätzen und würdigen zu lernen. Bei der großen Beliebtheit, die seine edlen Vorgänger besaßen, war es für ihn keine leichte Aufgabe, in deren Fußstupfen einzutreten und sich einen Platz in den Herzen zu sichern; und doch — wie schnell errang er sich die allgemeine Achtung, wie flogen ihm die Herzen zu, nachdem man sich von seinem liebenswürdigen Charakter, von seinem einfach gewinnenden Wesen überzeugt hatte. Allen ohne Unterschied brachte er das gleiche Wohlwollen entgegen, nie stellte er übermäßige Anforderungen an die Menschen. „Wenn nur Alle ihre Standes- pflichten recht erfüllen", so pflegte er gar oft zu sagen. Immer und überall wußte er den rechten Ton zu treffen und die Saite zu rühren, die den besten Klang gab. Nur eine Seiner vortrefflichen Charaktereigenschaften sei hier erwähnt, die Jeder an ihm anerkannte und hochachtete. Nie hat er in unliebsamer, verletzender Miss über Andere gesprochen; er wußte es ja, daß der gute Ruf eines Jeden aus uns eine gar kostbare Blüthe ist, die vom leisesten Hauche berührt Farbe und Duft verliert, die unrettbar verloren geht und verwelkt, wenn die Stürme über sie hinbrausen. Aber wo er vertheidigte, wo er Partei für die Abwesenden ergriff, da that er es nicht tadelnd und rügend, sondem in der ihm ureigenen milden, schonenden, oft sogar scherzhaften Art. Gerade um dieses liebenswürdigen Charakterzuges wegen war er in Gesellschaft so sehr beliebt, man freute sich, wenn er kam, man bedauerte, wenn er abwesend war.
Wo es galt Großes und Edles zu fördern, wie gerne lieh er dazu die Hand, wie gerne Rath und Hilfe. Mit welcher wahren Herzensfreude begrüßte er die Niederlassung der Barmherzigen Schwestern in Gersfeld! „Krankenpflege und Kindererziehung sind Gottesdienst", hörten wir ihn sagen. An den göttlichen Kinderfreund, der die Kleinen zu sich kommen ließ und ihnen nicht wehrte, gemahnte er uns, wenn er mitten unter dem blühenden Kindersegen stand und fein Auge voll Liebe und Jntereffe von einem Gesichtchen zum andern glitt. Und die kleinen Unschulvsseelen, wie lieb hatten sie ihn, wie schaarten sie sich um ihn und hörten ihm so gerne zu, wenn er erzählte. Noch lebt er in unser aller Ge- dächtniß am Weihnachtsabend des vergangenen Jahres, wo zum ersten Male den Kleinen in der Kinderbewahranstalt der Christbaum brannte und dieselben stumm vor Entzücken zu den' funkelnden Lichtern emporschauten.
Denen konnte er keine Predigt, keine Rede halten, aber feilt ganzes tiefes Verständniß für die werdende Kinder- feele, es lag in seinen einfach schlichten Worten: „Jetzt ist das Christkind für Euch gekommen, schaut es nur genau an!" Und wie die Kleinen andächtig das Kindlein in der Krippe umstanden, wie gewiß die Meisten aus ihnen glaubten, das fei das lebendige vom Himmel gekommene Christkind, da erglänzte fein Antlitz in Freude, da erklärte er die Feier als eine gelungene, ganz dazu geschaffen, die edlen Keime im Kinderherzen zu wecken und zu entwickeln. Er legte eben einen eminenten Werth auf die rechte Pflege der zarten Blülhen im zartesten Alter und der goldene Morgen ihres Lebens, er sollte ihnen möglichst heiter, ungetrübt und rein erhalten bleiben. Aber nicht nur mit den Kindern, auch mit Denen, die auf des Lebens Sonnenhöhe standen und mit Jenen, für die bereits der Abend, fast die Nacht angebrochen war, meinte er es gut und treu und allen Menschen hat er stets das Beste gewünscht, nie hat er einen persönlichen Feind gehabt.
Biel, unendlich viel hat seine Gemeinde an ihm verloren und die grenzenlose Anhänglichkeit der Seinen, sie hat sich bewährt in den Tagen der Trübsal. Für Alle hat er ja ein Herz gehabt, für ihre kleinen und für ihre großen Sorgen. Wer des Trostes bedurfte, eilte vertrauensvoll zu ihm und er tröstete in einer so sicheren, überzeugenden Weise, daß, wenn man von ihm ging, man das Bewußtsein in sich trug, als müßte nun das Leid fliehen und das Glück geflogen kommen.
Und während er ganz und voll in der Gegenwart lebte und seine Pflicht als Mensch und Priester in der höchsten idealsten Art auffaßte, richtete sich doch auch seine Sorge schon in die Zukunft; o wie wenig ahnte er, daß es keine Zukunft für ihn mehr geben würde. Ein Gegenstand seiner liebenden, rastlosen Fürsorge war unsere Kirche, der er so gern ein noch würdigeres Gewand gegeben hätte. „Traut und heimlich, wie geschaffen zum stillen Gebete, aber in mancher Beziehung doch noch hinter unseren NaHbarkirchen zurück", so ungefähr lautete sein Urtheil. Sein Verdienst ist es, daß der Gedanke angeregt wurde, durch eine jahrelange Sammlung von kleinen Scherflein eine bedeutendere Summe zusammen zu bringen, mit welcher dann die Kirche besonders im Chore restaurirt werden sollte und zwar in 2 Jahren zum 50jährigen Jubiläum unserer Pfarrkirche. Den Stein hat er gelegt zum Bau, aber die Vollendung liegt nimmer in feiner Hand. Er darf das W-rk nicht mehr schauen, das seine Idee gewesen ifl; aber das Werk wird dennoch den Meister krönen, wenn derselbe schon gar lange in der stillen, kühlen Erde ruht. So Gott will, liegt die Vollendung in unser Aller Händen und als ein heiliges Vermächtnis des Dahingeschiedenen wollen mir es betrachen und in seinem Sinne handelnd, in seinem Sinne gebend, dies sein Lieblingswerk zu fördern suchen.
Wenn dann nach Jahren unsere Kirche im neuen Schmucke prangt, dann werden die Gedanken von Vielen, unendlich Vielen rückwärts ziehen zu der Zeit, wo Er in unserer Mitte geweilt, dann wird Sein Name auf allen Lippen, sein Bild in allen Herzen sein, dann werden heiße Gebete durch die Wolken bringen und segnend wird aus Himmelshöhen der Selige seine Hand ausbreiten über die Seinen.
Weithin bekannt war auch seine Gabe als Kanzelredner; Er beherrschte die Sprache in seltener, überraschender Weise und die ganze reiche Gedankenwelt Seines Innern, Er breitete sie vor uns aus, wenn Ec in Allen verständlicher Art die farbenprächtigen Bilder und in beredten Worten uns die Geheimniffe des Buches der Bücher auslegte.
„Ueber eine kleine Weile, und ich werde nicht mehr bei Euch fein," das war seine Abschiedspredigt, das waren seine Abschiedsworte!
Und dann kam die trübe, die schwere Zeit. — Wie ein Blitzstrahl aus heiierm Himmel traf die Kunde von seiner schweren Erkrankung in Häuser und Herzen hinein; rührend war dte allgemeine Theilnnhme, rührend das allgemeine Jntereffe, das sich tagelang nur auf sein Haus
konzentrirte. Da war kein Unterschied mehr in den Ständen, kein Unterschied mehr in den Konfessionen, Alle, ohne Ausnahme brachten ihm ihr Mitleid und ihre wärmsten Segenswünsche entgegen. Von der Stunde an, als man wußte, daß Gefahr diesem theuern Leben drohte, wie richteten sich da die Blick- aufwärts zum Herrn übet Leben und Tod, wie falteten sich die Hände zum Gebete, wie viele Thränen wurden ihm geweint! Und wie klammerte man sich an jeden Hoffnungsstrahl, wie wurden die trüb geweinten Äugen so helle, wenn von einer flüchtigen Beffe- rung im Befinden des geliebten Kranken erzählt wurde; man konnte, man wollte es eben auch damals nicht glauben, daß der Todesengel schon sein Lager umschwebte, daß die Schatten des Todes sich schon herniedergesenkt hatten auf das einst so blühende Angesicht. Mit der See- lenstärke eines großen Mannes, mit der Geduld eine- Heiligen hat er die Schmerzen und Qualen seiner Krankheit ertragen, den Mund nicht öffnend zu Seufzern und Klagen. Bis in feine letzten Stunden hinein war er bei vollem Bewußtsein und innig freute er sich des allgemeinen Antheils und Alle ließ er grüßen und Allen ließ er noch für ihr Gebet danken. Mit der fast erlahmten Hand, die er nur mehr mühsam emporheben konnte, gab er seinen letzten Segen Denjenigen, die danach verlangten. Und als der große Sieger, der Tod, kam, da war er für ihn nur das Amen zum frommen Gebete seines Lebens; als echter Christ, als echter Priester hat er gelebt, als echter Christ, als echter Priester ist er auch gestorben und die weinend fein Todtenlager umknieten, haben sich Alle gewünscht, auch dereinst ein so glückliches Sterbestündlein zu haben und so im Herrn hinüberzuschlummern.
Liebende Hände hatten dem Todten eine würdige Stätte bereitet, zwischen Blumen gebettet, bekleidet mit dem Meßgewand und das Haupt umschlungen von dem Priesterkranz, den er damals getragen, als er zum ersten Male «iS der Gesalbte des Herrn das unblutige Opfer auf dem Altäre dargebracht; so lag er friedlich vor unseren Augen; er hatte ja ausgelitten und ausgekämpft. Und doch, in der Mitte seiner Jahre, mitten aus dem vollblühenben Leben, mitten aus dem segensreichen Wirken, zu einer 3eit, wo er noch so viel Gutes hätte schaffen, so viel edle Pflanzen zur Reife bringen und so viel Verlorenes hätte wiederfinden können, hat ihn das Schicksal heraus- geriffen, hat Gott Denjenigen, der getreu war bis in den Tod, zu sich berufen, um ihm für all' sein treues Wirken die ewige Krone zu geben. Und wenn wir mit gerungenen Händen an seiner Bahre standen und in stummen Schmerzen an den Himmel die Frage richteten: „Herr, warum gerade dieser?" lein: andere Antwort ward uns vonOben als das Wort der Schrift: „Meine Gedanken sind nicht Euere Gedanken und meine Wege sind nicht Euere Wege l" Unerforschlich ist Gottes Rathschluß und der Mensch muß sich ihm beugen. Die Welt stand in Blüthen, als die Stunde kam, wo wir ihm das Geleite geben sollten zur letzten R-ise in den Himmel. Zum letzten Male sandte die Sonne vom blauen Himmel herab ihre wärmsten Strahlen auf den blüthenumdusteten Sarg, die Fliederbäume neigten und beugten sich auf den stillen Schläfer herab und die Vöglein in den Zweigen fangen ihm ihr Abschiedslied. Dann trugen sie ihn fort, fort von der Scholle, die ihm drei Jahre lang eine zweite, eine liebe Heimath gewesen ist und seiner Leiche folgte in fast endlosem Trauerzug ein einig Volk von Brüdern, einig im selben Schmerze, einig im selben Seufzer.
Es war kein Traum mehr, es war nun volle greifbare Wirklichkeit, daß er von uns gegangen war auf ewig, daß uns nichts von ihm geblieben ist als fein Andenken; aber dies Andenken, wir wollen es hoch und heilig halten und die Erinnerung an ihn, an feine mitten SBorte, an feinen l achtenden Lebenswandel, sie fei der lichte Stern, der uns schützen, leiten und führen möge auf dem W-ge, den er uns vorangegangen ist.
So legen wir denn tieftrauernben Herzens biefen letzten Kranz auf fein frühes, fein fernes Grab, ben Kranz stiller Verehrung unb unvergänglicher, nie weltenber Anhänglichkeit unb Treue! Möge ihm bie Erbe leicht werden, möge seine Asche in Frieden ruhen und das ewige Licht ihm leuchten. Amen.
* Nützlich -Sh, für jede« Mldchen M «*
Wegweiser j
zum häuslichen Glück
Zu hftbOT in allen Buchhandlungen
d' in dir. Einbänden
h X. 0,75, M. 1,00 und X. 1,50.
Preislisten über Neuheiten von:
Jagdgewehren, Tearhins, Revolvern, Scheibeiibüchsen, Jagdutensilicn etc. versende ich an Jedermann frei ins Haus. — Alle meine Waffen sind amtlich gepinkt und präcis eingeschossen. Für alle Waffen übernehme ich jede gewünschte Garantie. Jeder kann 4 Wochen Probe schiessen und dann tausche ich noch gratis um. Vorderladergewehre werden zu Hinterladern billigst umgearbeitet Reparaturen werden sauber ausgeführt ' Für streng reelle Bedienung bürgt mein Weltrenommö.
Hippolit Hehles, Waffenfabrik, Berlin W., Friedrlchstr.
Verein
Frankfurt a. M.
unter dem Patronate der Handelskammer, empfiehlt Ilandlungshänsern und Gehilfen seine ausgedehnte Stellenvermittlung.
Besetzt wurden: 19,000 Stellen seit dem Bestehen (1864), bis 14. Mai 1889, davon 1471 im Jahre 1887, 1812 i. J. 1888 und 734 vom l./l.—14./5. 1889.
Einschreibgeld für Nichtmitglieder Mk. 2.50 bei dreimonatlicher Bewerbungsdauer. (590