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Montag, den 27. Mai.

1889

Fnlimer W Icitmig.

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Erstes Blatt.

Roma locnta, causa finita!

O München, 25. Mai.

Rom hat gesprochen, die Sache ist entschieden. Der liberale Nebel von der „Befriedigung" der kirchlichen Oberbehördcn Über die RegterungS- antworl auf das bischöfliche Memorandum ist nun ebenso gründlich zerstört wie der ganze Dunstkreis, den der Liberalismus seiner Zeit um die „voll- kommene Befriedigung" verbreitet hatte. Der Papst selbst, das Oberhaupt der Kirche hat ge­sprochen, und seine Entscheidung ist gerade an denjenigen Ktrchenfürsten gerichtet, dessen Namen die liberale Presse Wochen lang mißbraucht hat, um eine an maßgebender Stelle angeblich vor­herrschende „Befriedigung" zu kvnstatien, die nach Lage der Sache weder bestand noch bestehen konnte.

Das nunmehr im Worlaut vorliegende Schreiben des hl. Vaters an den Erzbischof von München- Freising ist aus verschiedenen Gesichtspunkten al» ein hochwichtiges Aktenstück anzusehen. Durch das- selbe ist die Reife der offiziellen Kundgebungen, welche sich an das Schlagwort von der „vollkom­menen Befriedigung" anknüpften, erst formell ab- geschlossen. Was bisher in der katholischen Presse über die Entschließung der Staatsregierung ge­schrieben und geurtheilt wurde, hatte, "obgleich es sich auf den unabänderlichen Prinzipien der Kirche aufbaute und aus'« Engste an die Encyclrka und das Memorandum anschlvß, immerhjn nur den Werth einer unmaßgeblichen MeinmWäußerung ohne jede autoritative Kraft und Tragweite. Nun. mehr hat aber der Papst selbst gesprochen, es liegt ein maßgebender Ausspruch der höchsten kirchlichen Autorität vor, und zwar über eine Sache, welche ausschließlich kirchlicher, päpst­licher Kompetenz,tst. Gegen diese Logik kann keine überale und pseudokatholische Spiegelfechterei etwa» ausrichten. Wir wiederholen es: Roma locuta, causa finita!

Wie aber hat der Papst gesprochen? Offen »nd unzweideutig, fest und entschieden, nicht etwa mit bloßen Redensarten um den springenden Punkt herumgehend, sondern das Ziel klar im Auge haltend, im vollen Bewußtsein seiner hohen Ver­

x jr««j voll WM».

Novelle von Marga Br echten.

(23. Fortsetzung.)

Die Soiree der Frau Geheimrath von S. ver­sprach eine glänzende zu werden, Dr. von Wenden «ar Hausarzt bei der sehr reichen und angesehenen Familie, und da seine junge Frau deren Kreis zum ersten Male betreten sollte, gedachte sie ihrer Toilette eine besondere Sorgfalt zu widmen. Sie besaß ein noch neues Kleid vom feinsten Seiden- sammt, das sie bis jetzt nicht getragen, weil es für ihre einfachen Verhältnisse nicht recht paffen wollte. Für diesen Abend dürfte e» jedoch geeignet sein, und so wurde der Stoff denn von den schützenden Tüchern befreit und einer genauen Be­sichtigung unterworfen. Es war eine sehr einfach gemachte Robe von der Farbe jenes tiefen, ge­sättigten Blau, welche» Blondinen so schön kleidet. . Der Rock fiel in schweren Falten nieder und endigte hinten in einer langen Schleppe. Elma heftete dieselbe in einzelnen, losen Puffen auf, so daß die Länge den Anforderungen der Mode . entsprach, und schritt dann zum weiteren Ausputz. Sie freute sich sehr über das so reich und doch einfach aussehende Kostüm, zu dem noch ein Paar zierliche Siefelchen von gleicher Farbe und Stoff gehörten.

antwortung und der eminenten Wichtigkeit seines Wortes für die ganze Zukunft der katholischen Kirche in Bayern. Episkopat, Klerus und katho­lisches Volk haben gleichmäßig allen Grund, die päpstliche Entscheidung mit hoher Freude zu be­grüßen. Drückt sie doch dem Programm für die zukünftige katholische Aktion in Bayern, als welches allseitig das Memorandum der Bischöfe bezeichnet und anerkannt worden ist, das päpstliche Siegel auf! Heben wir aus dem päpstlichen Breve zunächst einige allgemeine Stellen heraus, welche an den bestehenden kirchenpolischen Zustän­den und an der Antwort des Herrn von Lutz Kritik üben. Da heißt es zunächst, daß die Kirche in Bayern unter „bedeutenden Hemm­nissen" zu leiden habe, daß „der Kirche aus der Abweisung der Bittvorstellungen der Bischöfe mannigfache Nachtheile erwachsen werden", die zu beklagen sind. Da wird au-geführt, daß die Lutz'sche Antwort „leider mit den Wünschen des Papstes und der Bischöfe durchaus nicht in Einklang flehe", daß zwar ein freundlicher Ton angeschlagen, auch in manchen Punkten inskünftig thunlichstes Entgegenkommen zugestchert sei, daß aber „rücksichtlich der Mehr­zahl der bischöflichen Bitten und Anträge und gerade der allerwichtigsten der Staatr- minister sich jeder Zusage enthalten oder gar einen ganz gegensätzlichen Standpunkt einge­nommen habe." Endlich heißt es in wörtlicher Uebersetzung (aus dem lateinischen Original: Moch mehr in d.er fraglichen Staat»- schrift kommen Stelle« vor, welche sich mit der katholischen Lehre einfach nicht vertragen oder gegen die heiligsten Grundsätze verstoßen, welche die Kirche über die wechselseitigen Rechte und Pflichten der geistlichen und weltlichen Gewalt stet» festgc- halten hat."

Fürwahr, es ist apostolischer Freimuth, der aus den Worten des hl. Vaters spricht. Dieser Freimuth äußert sich auch, indem der Papst dem königlichen Placck die kirchliche Lehrgewalt, die inappellable Autorität der Lehrentscheidungen de» hl. Stuhles oder eines allgemeinen Konzils entgegenstellt, indem er sich auf das Konkordat beruft, welches vom Staate einseitig ge­

So war denn die Toiletten-Frage glücklich gelöst' selbst der Doktor ließ sich zu einigen anerkennenden Worten herbei. Der Donnerstag-Abend kam, aber noch ehe cs Zeit zum Ankleiden war, wurde Wenden zu Elma'» unangenehmer Ueberraschung zu einem festig erkrankten, befreundeten Kollegen gerufen. Die Wohnung desselben lag in einem ganz ent* ernten Sadttheil; es mußten mehrere Stunden >is zur Rückkehr de» Arztes vergehen. '

„Bitte, laß Dich entschuldigen!" bat seine Frau.

„Nein, Kind, das geht nicht," entschied der Doktor freundlich, aber bestimmt, indem er zum Hut und Ueberrock griff. „Steinfeld ist noch fast remd hier und lebt, so viel mir bekannt, in einer »rückenden Lage. E» wäre unedel, wollte ich einen Ruf unbeachtet kaffen und in eine Gesell- chaft fahren. Ich werde uns bei der Geheim­räthin entschuldigen laffen."

„Diese Entschuldigung kann natürlich nur für Dich gelten," entgegnete Elma verstimmt, „ich denke nicht daran, den heiteren Abend aufzugeben, um mich hier zu langwellen."

„Wie Du willst," sagte Wenden ruhig. Viel­leicht hatte er gehofft, daß sie dennoch zurückbleiben würde. „Ich bedaure nur, daß Du das Un­angenehme hast, allein zu fahren."

„Das macht Nichts," erwiderte sie hastig. Pro­fessor Heimbach kommt mit Dora hier vorbei.

brachen wurde, indem er endlich s ch me ch lfi'ch bedauert, daß alle Hoffnung auf Wiederkehr der von Reichswegen vertriebenen Ordensgenoffenschaften abgeschnitten und auch den für die Erziehung der weiblichen Jugend wirkenden Ordensschwestern die früheren Vergünstigungen nicht wiedergewährt werden.

Niemand wird leugnen wollen, daß diese Kund­gebung des Papstes für die katholische Kirche und für die katholische Bewegung in Bayern von der größten Tragweite ist. Der hl. Vater gibt deßhalb auch die Hoffnung nicht auf, daß der Kirche in Bayern bessere Zeiten beschieden sein werden. Diese Hoffnung stützt sich auf zwei Voraussetzungen: Ersten» daß die allseitigen Bemühungen de» katholischen Volke» sich mit dem Eifer der Oberhirten vereinigen, zwellen» daß die Bischöfe Bayern» gemeinsam fort­fahren, standhaft und unverdrossen für da» Recht der Kirche einzutreten. Der Papst verheißt den Bischöfen außer Gotte» Lohn auch die Anerkennung und da» Lob aller Gutge­sinnten, wenn Dank ihrer Bemühung die Stimme derWahrheit sich niemals unterdrücken läßt, niemals verstummt. Sehr eindrucks­voll ist auch die Aufmunterung an die Bischöfe, dafür zu sorgen, daß ihre Sprengel durch Glaubens« und Sittenreinhell, durch Pfl chltreue und Nächsten­liebe allen voranleuchten, und die Ausführung über das Verhältniß der Bischöfe zum Throne und zur bürgerlichen Gewalt, deren festeste Stütze die Kirche sei.

Welche Nutzanwendung werden nun die bayerischen Katholiken an» dem päpstlichen Mahn­wort zu ziehen haben? Soll, n sie dem Rathe der Liberalen, der Freimaurer und Pfeudokatholiken folgen und Encyklika, Memorandum und päpstliche» Breve al» historische Denkwürdigkeiten lediglich ad acta legen? Sollen sie den Hohn der Kirchenfeinde, daß der Papst und die Bischöfe eine „Niederlage" erlitten haben, stumm und ge­duldig hinnehmen? Sollen sie die Dinge ihren eigenen Weg gehen, den Uebermuth de» Liberali»- mun von Tag zu Tag ruhig anwachsen laffen und die Kirche für die nächste Zukunft dem eigenen Schicksal überantworten, welches die „Katholiken" Lutz'scher Observanz ihr zu bereiten belieben?

Ich kann sie noch benachrichtigen, daß ich mit ihnen zu fahren wünsche." Sie hätte in diesem Augenblicke Nichts sagen können, was ihn peinlicher berührt haben würde. Em bitteres Lächeln irrte um seinen Mund, dann schritt er mit kurzem Gruße in die Nacht hinaus. —

Im Grunde genommen war dieser kleine Vorfall Elma nicht unerwünscht. Bisher hätte sie keinen fremden Kreis ohne die Begleitung ihre» Gatten betreten, heute aber war e» ihr lieb, denn sie konnte so dem Professor ihre Entscheidung mit­theilen ohne in die Augen ihre» Manne» blicken zu müssen, welche in letzter Zeit so oft fragend auf ihr geruht hatten. Sie fürchtete überdies, sich vor Dora und den neuen Bekannten lächerlich zu machen, wenn sie zurückbliebe. Wie oft ver­letzten wir nicht unsere liebsten Angehörigen durch die kindische Sorge, unser Benehmen von Fremden belächelt zu sehen! Elma's innere Bewegung ließ ihren Eifer zu klar hervortreten, und so hatte sie selbst ben in der Seele ihres Manne» nur schwach glimmenden Funken angesacht, die leise aufkeimenden Zweifel an ihrer unveränderten Liebe genährt. Wenden war eben ein groß und edel angelegter, aber wie e» sich so oft gerade bei solchen Charakteren trifft, in einigen Punkten kleinlicher Charakter, und seine Schwäche war — vielleicht ein Erbthell seine» Vater» — leicht