Einzelbild herunterladen
 

120.

Samstag, den 25. Mai.

1889

fnltaer W jtiliimi.

- Dir .Fuldaer Zettung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mn der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Zweites Blatt.

Nachruf

an den fei. Hochw. Herrn Pfarrer Hoffman« in Gersfeld.

Ein Frühling ist gekommen.

Wie viele Jahr- nicht.

Dank, Hoffnung allen Frommen Erhebt das Angesicht.

Im schönsten Festeskleide Prangt herrlich die Natur. In üpp'ger Segensfreude Lacht Wiese, Wald und Flur. Doch ach! in manchem Hause Kehrt jetzt die Trauer ein. Ein schrecklich Weiterbrausen Schlägt in die Blüthen drein. So trauert jetzt ein Städtchen, Die Perl' der Rhön genannt; Denn seine schönste Blume Zerbrach des Todes Hand. Ein Maibaunr ist gefallen, Mit Blülhen überschneit;

Ein Fruchtbaum, der da Allen Biel Labung hielt bereit. Gefallen? Nein, versetzt nur Von Gott in's Paradies; Denn Gott zur ew'gen Feldflur, Zur Engelschaar ihn hieß.

So blüh' im ewigen Garten Des Himmels neu'ste Zier. Wr trauern und wir warten. Bis Gott uns ruft zu dir. Poppenhausen im Mai.

«»» m de» Sftrr-Seiriiche».

Das Ende der Steinkohlen.

Es trag als eine müßige Frage erscheinen, wenn wir uns jetzt bereits damit beschäftigen, nach einem Ersatz der Steinkohlen zu suchen, für den Fall, daß die Vorräthe dieses unschätzbaren Brennmate­rials zu Ende gehen, und doch müssen w r uns gestehen, daß diese Zeit, wenngleich sie noch in totittr Ferne erscheint, mit unfehlbarer Sicherheit herannaht. Falsch ist es nur, meint der Verfas­ser eines Artikels der ,Nordd. Allg. Ztg.', sich jetzt schon Sorge um einen Ersatz zu machen; die Erörterung der Möglichkeit desselben darf immer­hin rin gewiffes, zum wenigsten wissenschaftliche« Interesse beanspruchen.

Gesetzt den Fall, daß wir die Mächtigkeit und den Umfang der in den Tiefen der Erde vorhan­denen Kohlenvorräthe noch bei weitem nicht kennen, so muß doch der von Tag zu Tag vermehrte Ver­brauch derselben, dem — so weit wir es beur- theilen können — kein irgendwie nur nennens« weither Zuwachs gegenübersteht, das Eintreten einer Periode beschleunigen, In welcher wir uns nach anderen Brennmaterialen umschauen müssen. Die Steinkohlenlager sind in vergangenen Jahr­tausenden entstanden, wie heute das Holz der Wälder entsteht, es sind Produkte eines durch die Sonnenwärme hervorgerufenen riesenhaften Pflan- zenwuchses, der in der Tiefe durch später entstehende Neubildungen geologischer Formationen begraben und dort allmählich zu der festen Kohle gepreßt wurde, die heute viele Tausende von Dampfma­schinen speist. Ein derartiger Pflanzenwuchs exi- stirt heute nicht mehr, die Holzvorräthe unserer Wälder würden in kürzester Zeit aufgebraucht fein, wenn wir uns ausschließlich dieses Brennmaterials bedienen müßten. Von dieser Sette dürfen wir also nicht auf einen Erfolg hoffen. Nach den vor­stehenden Bemerkungen, folgern wir weiter, find die Steinkohlen gewiffermaßen als Produkte auf­gespeicherter Sonnenwärme anzusrhen, die unserer Erde durch den besonderen Prozeß des Pflanzen­wuchses, wie auch heute noch im Holz unserer

Wälder, zngesührt wurden. Wenn die heute durch . denselben Vorgang uns nutzbar gemachte Wärme in der Gestalt des Brennholzes nicht mehr aus- reicht, so muß es für den Fall, daß ein Ersatz der Steinkohlen gefordert wird, unsere Aufgabe sein, uns zunächst auf unserer Erde nach in ähn­licher Weise aufgespeicherten Wärmevorräthen um­zusehen, und, im Fall diese nicht in genügender Menge vorhanden, uns zu bemühen, dis in der Jetztzeit der Erde von der Sonne zngeführte Wärme möglichst anszunntzen.

Bislang kennen wir noch keine unseren Bedürf­nissen entsprechende Form von aufgespeicherter Sonnenthätigkeit als die Kohle und etwaige ver­wandte Produkte, wie Petroleum und Erdöle, die einer ähnlichen Entstehungsursache wie dis erstere zugefchriebkn werden müssm. Die Einwirkung der Sonne auf unfern Erdkörper besteht im wesent­lichen aus der Erhaltung einer wafferdampshaltigen Atmosphäre, die durch den beständigen Wechsel der Niederschläge und der Verdunstung des Was­sers die Erdoberfläche fruchtbar für den Pflanzen­wuchs macht. Die Sonnenwärme verrichtet also einesteils die Arbeit des Wassertransportes von der Erdoberfläche na<b den Wolken, anderentheils ermöglicht fie den Pflanzenwuchs in der vorbe- reitetlN Erdoberfläche und durch diesen wieder die Existenz einer ganzen Reihe von anderen Lebens­formen animaler Natur. Diese Vorgänge dürfen wir als die Hauptprozesse bezeichnen, welche uns als Ausflüsse der Sonnenthätigkeit bekannt find, eine Reihe anderer hingegen können wir noch nicht auf die gleiche Ursache zurückführen; hierher ist beispielsweise die Erhaltung der konstanten Zu­sammensetzung der Erdatmosphäre aus Sauerstoff und Stickstoff zu rechnen, welche Substanzen eine nicht unwesentliche Rolle in allen Lebensvorgängen der Natur spielen.

Auf das Erdinnere hat die Sonne keinen direk­ten Einfluß mehr, da wir wiffen, daß die Erd­wärme vom Wechsel der Jahreszeiten unabhängig ist; in den größeren Tiefen unseres Erdballes können wir also nicht nach aufgespeicherter, von der Sonne ausgestrahlter Wärme suchen.

Die Wärme des Erdinnern selbst, die zuweilen in den vulkanischen Ausbrüchen uns zur Erschei­nung kommt, kann, soweit wir bis jetzt absehen, nicht unseren industriellen, noch den direkten Lebens- zwecken nutzbar gemacht werden, sondern wir find mit uttferm gelammten Organismus auf die Son- nenwärme angewiesen.

Die Frage nach dem Ersatz der Steinkohlen ist daher so zu stellen: In welcher Weise machen wir uns die uns jetzt täglich von der Sonne ge» fpkndete Wärme in möglichster Ausdehnung zu Nutze ?

Die Antwort hierauf kann jetzt noch nicht end- giltig gegeben werden, wohl aber lassen stch einige Richtungen erkennen, die wir zur Erreichung jener Abstcht einfchlagen müssen.

Unter den Wirkungen der Sonnenthätigkeit war vorhin der Transport des Waffers von der Erde nach den Wolken erwähnt, von dort kehrt es zu unserer Erde in Form von Regen zurück, daselbst geräth es in die fließende Bewegung, von den höher gelegenen DHeilen der Erdoberfläche nach den tieferen. Diese Kraft unserer Ströme bildet einen nicht unwesentlichen Theil der uns zuge­strahlten Sonnenwärme in umgefetzter Form. Die Bewegungs-Erscheinungen der Atmosphäre, wie die eines Theiles der Meeresströmungen, ist in letzter Instanz auf den Einfluß der Sonnenwärme zurück­zuführen.

Die Kraft des Wassers wie des Windes müssen wir als zwei der hauptsächlichsten Mittelglieder bezeichnen, um die Sonnenwärme uns nutzbar zu machen. Hierzu kommt weiter die direkte Erwär­

mung, die wir — ich erinnere nur an dasBrenn- glas — uns in gewisser konzentrirter Form un­seren Zwecken dienstbar machen können. Endlich ist noch die Kraft zu erwähnen, die in den Ebbe- und Fluth » Erscheinungen des Meeres verborgen liegt und die, wenn fie auch nicht von der Wärme­strahlung der Sonn« abhängig ist, in ihrer gan­zen Erscheinung eine nicht zu unterschätzende Größe besitzt.

Hiermit ist uns eine Reihe von Erscheinungen dargeboten, die alle eine Quelle von Kraft und Wärme in sich bergen, und es entsteht weiterhin die Frage, wie die genannten Hilfsmittel unseren Zwecken möglichst nutzbar gemacht werden können. Ein Theil derselben, wie Wind und Wasser, dient uns schon seit alten Zeiten, und wie die anderen zu verwerthen, find und werden noch Maschinen erfunden. Das Streben bei Verwerthung der ge­nannten Kräfte war stets dahin gerichtet, dieselben direkt industriellen Zwecken dienstbar zu machen. Nach aller bisherigen Erfahrung reichen die so ge­wonnenen Kräfte nur zur Befriedigung der Be­dürf niffs einiger weniger Menschen.

Die Zukunft wird erfordern, von jenen Erschei­nungsformen der Sonnenwärme das Maximum derselben, welches gewonnen werden kann, aufzu­speichern, und zwar wird uns von allen bekannten Hilfsmitteln hierbei die Elektrizität voraussichtlich die größten Dienste leisten. Hier heißt es also, alle Hebel ansetzen, um die bezüglichen Vorrich­tungen, wie Akkumulatoren, leistungsfähig zu machen oder neue und bessere zu erfinden, und es ist kei­nen Augenblick zu bezweifeln, daß das erfinderische Talent die Menschheit nicht im Stich lassen wird.

Wenn wir es uns auch versagen wollen, bas Gebiet der Muthmaßungen zu betreten, so kann das wohl mit Sicherheit behauptet werden: das Aufhören der Steinkohlen-Borräthe wird eine voll­kommene Umgestaltung unserer sozialen Verhält­nisse — vorausgesetzt, daß dieselben bis zu jener fernen Zeit nicht andere mächtigere Umgestaltungen durchgemacht haben — mit stch führen; die Men­schen, die jetzt in dichtgedrängten Schauren um jene Vorrathskammern, die in jahrtaufend langer stiller Thätigkeit aufgehäuft find, um die Stein­kohlenbezirke stch sammeln, werden bann unter ben Breitenkreisen bie Erde am dichtesten bevölkern, wo die Bedingungen zum Auffangen der ihnen täglich gespendeten Sonnenwärme die günstigsten find. Die Erde wird zu dieser Zeit eine Zahl von Lebewesen ernähren, deren Maximum durch die Größe jener gespendeten Wärme bedingt ist, während in der Jetztzeit, so lange wir an den Vorräthen früherer Jahrtausende zehren, eine stel­lenweise Anhäufung über dieses Maß möglich ist.

Vermischtes.

§ Die „Deutsche Möbel-Transport» Gesellschaft" hält ihre diesjährige Hauptver­sammlung am 2. Juni in Hamburg ab. Diese, das ganze Möbeltransportwesen umfassmde Ver­bindung hat eine außerordentliche Aussöhnung ge­wonnen, denn feit ben wenigen Jahren, als ihre Vertreter in Dresden, Leipzig und Berlin ftir die Zusammengehörigkeit der Geschäftsgenossen ein­traten, zählt sie jetzt in 300 Orten bie hervor­ragendsten Firmen der Branche zu ihren Mit­gliedern. Me Gesellschaft unterhält ihre eigene Zeitung, in welcher alle Verbandsangelegenhetten zur Sprache kommen und insbesondere der jeweilige Stand ihrer Transportwagen angezeigt wird. Taufende haben seitdem bei ihren Umzügen von dieser vorzüglichen Einrichtung Nutzen gehabt, indem das Leergehen der Wagen selbst auf weite Strecken meistens vermieden wird. So ist die „Deutsche