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j\g 12V. Samstag, den 25. Mai.

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1889

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GrfteS Blatt.

Deutsches Reich.

Berlin, 24. Mai.

* Die gestern im Reichstage anläßlich des Dankesaustauscher zwischen dem italienischen und deutschen Parlament durch Freiherrn von Franckenstein abgegebene Erklärung der Cent rums ist die imposanteste Kundgebung, welche bisher in den Parlamenten Europa» zur Vertretung der römischen Frage stattgefunden hat. Von den drei Staaten der Tripelallianz find im Deutschen Reiche die Katholiken relativ und absolut am wenigsten zahlreich. Sie find ein starke» Drittel und haben im Reichstage auch beinahe ein Drittel der Vertretung inne. Und davon haben die Elsässer und Polen, die zusammen über beinahe 30 Mandate verfügen, au» besagtem Anlaß den Reichstagssaal verlassen, da» Centrum aber ist geblieben und fand so die Gelegenheit, in nur ganz wenigen Worten seine» Vorsitzenden Frhrn. v. Franckenstein, der dabei die volle Einmüthigkeit der Fraktion bezeugen konnte, zu unterscheiden zwischen dem, was da» Centrum nicht zu miß« billigen brauchte nnd dem, was es unbedingt nicht schädigen lassen darf: die römische Frage. Allseitige» Bravo im Centrum bestätigte diese mannhafte Erklärung der Frh n. zu Frankenstein — die imposanteste bisherige Kundgebung eines Parlaments zu Gunsten der weltlichen Herrschaft des Papste« hatte stattgefunden. Der Moment, in dem fie geschah, machte sie, wie die.Germania' heute näher ausführt, so wirkungsvoll und die Thatfache, daß die Katholiken Deutschlands mit dem vollen Prozentsatz, mit dem fie im Reiche vertreten find, auch im Parlament vertreten find, und einmüthig gegen die andauernde Vergewaltig­ung des Papstes protestirten und so auch den Willen de« katholischen Volke« in Deutschland zum vollen Ausdruck brachten!

* Der Kaiser wohnte heute früh mit seinen italienischen Gästen einer zu Ehren der letzte­ren von den Truppen der Berliner Garnsson au«- geführten Gefechtsübung auf dem Tewp-lhofer Felde bei. Später nahmen die Herrschaften da» Früh­stück im Osstzierskafino de» zweiten Garderegiment» ein. Am Nachmittag besichtigten der König und der Kronprinz von Italien einige Sehenswürdig-

x ftin; im Meide».

Novelle von Marga »rechten.

(23. Fortsetzung.)

„Das ist k» ja gerade, daß fie fich bei Ihnen so verstellt", sagte Fräulein Erdmann verdrießlich; „und wa« da» Schönwerden angeht, so denke ich, daß fie ein recht magere«, braune» Wesen mit unnatürlich großen schwarzen Augen ist, welche einen unwillkürlich an eine Jüdin ober Zigeunerin erinnert. Sie hat keinen Zug von ihrer sanften Mutter oder meinem Schwager, der doch, bei­läufig gesagt, ein bildschöner Mann ist. Doch wa» ich vorhin sagen wollte, so weit war Alle» gut; Rcka's Thränen waren endlich versiegt, und ihr Trotz schien gebrochen, al» fie fich bei Fräu­lein C. angemeldet wußte. Da mußte denn un- glücklicher Weise vorgestern Abend der kleine Theo, der auch gerne sein Machen in Alle» steckt, mit der Frage hervorkommen, ob denn die liebe, blonde Frau, welche so schön ünge und spiele, nicht auch Französisch und Englisch könne, bei ihr würde Sitte gewiß viel und gern lernen wollen. Da» flog n* ein Blitz in den Kopf der keinen Wider­spenstigen. Sie wissen, wie sehr sie au Ihnen hängt und so bat und beschwor fie den nur allzu

ketten, später fand Diner beim Prinzen und der Prinzessin Albrecht und am Abend ein Konzert im Schlosse statt. Zu letzterem waren 700 Einlad­ungen ergangen. — König Humbert hat seinen Aufenthalt in Berlin verlängert und wird erst am Sonntag Nachmittag seine Rückreise nach Rom antreten. — Der Besuch de» Kaiser» Wilhelm in Straßburg wirb am 6. oder 7. Juli erwartet und zwar im Anschluß an seinen Besuch am Darmstädter Hofe. — Kaiser Wilhelm wird ferner der Hochzeit de« Erbprinzen Wilhelm von Hohenzollern mit der Prinzessin Maria Theresta von Bourbon am 26. Juni in Sigmaringen bei­wohnen.

* Die Session de« Reichstag« ist heute ge­schlossen worden. Angenommen wurde zunächst in erster, zweiter und dritter Lesung die Dekla- ration zur internattonalen Reblauskonvention. Die zum Invalidität«- und Altersverficherungrgesktz eingebrachte Resolution auf möglichst schleunigere Revision de« Unterstützungswohnfitzgesetze« wurde zurückgezogen. Zu den Petittonen, welche zum Ver» ficherungsgesetz eingegangen find und die durch die Beschlußfassung über da« Gesetz für erledigt er­klärt routbett, entwickelte fich noch eine lebhafte Debatte. Rickert griff den Standpunkt de« Abg. von Flügge, der für die Vorlage zu stimmen er­klärt hatte» weil der Kaiser deren Zustandekommen wünsche, al« unkonstitutionell an. Staatssekretär v. Bötticher erklärte, daß die Regierung nach fünfjähriger Arbeit in der Vorlage da» Beste ge­boten habe, wa» fie habe bieten können. Den Weg zu wetteren Verbesserungen müsse die Praxi« zeigen. Abgeordnete Freiherr von Ham­merstein und von Flügge traten den Angriffen Rickert« entgegen und brachten gleichzeitig nochmal» ihre Bedenken gegen da» Gesetz zum Ausdruck. Der erstere wünschte, dasselbe möchte nicht ftüher in Kraft gesetzt werden al» bi» nach Durchführung einer gründlichen Reform der direkten Steuern in Preußen, worauf Staatssekretär v. Bötttcher erwiderte, die Steuerreformvorlage werde eine der ersten fein, die dem Landtage nach seinem Wiederzusammenttitte zugehen werde. Hierauf wurde in Namenrabstimmung da« Jnvalidttäts- und Alters- verficherungsgesktz mit 185 gegen 165 Stimmen angenommen. Vier Abgeordnete enthielten fich der Abstimmung. Der Präfident erbat und erhielt darauf die Ermächtigung dem Könige und

nachfichtigen Papa, Sie doch um diese große Ge- fälligkeit bitten zu wollen."

Wie ein zündender Funke war da» unbedachte Wort au» dem Kindermunde auch in Elma'» Seele g» flogen." — Wie, wenn fie auf diese Weise eine kleine Summe errungen und fich von den drücken­den Sorgen befreien könnte? Aber dann dachte sie an Franz und an seinen unbesiegbaren Wider­willen gegen da» „Schulmeistern der Frauen", wie er e» spöttisch nannte, und — erwiderte Richt».

Die energische Dame an ihrer Sette ließ fich durch da» Schweigen ihrer Begletterin nicht irre machen, sondern fuhr fort:

„Und so, meine gute, herzige Elma, habe ich mir denn die Sache überlegt und gefunden, daß unsere bescheidene Anfrage keine Beleidigung ist, und Sie nicht» Schlimmere» thun können, al» auf unsere herzliche Bitte mit „Rein" zu ant­worten, wa« mir jedoch um meine» armen Schwager» willen sehr leid thun würde."

„Dennoch kann ich Ihrem Wunsche nicht will- fahren," sagte Elma zögernd; „ich würde e» recht gerne übernehmen, aber mein Mann würde e» mir auf keinen Fall gestatten."

„Aber, mein Gott, warum denn nicht?"

dem Volke von Sachsen zum bevorstehenden 800jährigen Jubiläum de» Hause» Vettin die Theilnahme de» Reichstag» zu bekunden. Nach Erstattung der üblichen Geschäftsübersicht dankte Graf Moltke im Namen de» Hause» dem Präfi- benten für seine förderliche Geschäftsleitung. Staats­sekretär v. Bötticher schloß hierauf im Auftrage der Kaisers die Sesston, indem er dem Reichstage noch ausdrücklich den Dank des Kaisers und seiner hohen Verbündeten für das Zustandekommen des Invalidität«- und Altersverstcherungsgesktzer zum Ausdruck brachte. Unter dreimaligen Hochrufen auf Se. Maj. den Kaiser ging der Reich»tag aus­einander. — Vom Cent rum stimmten für da» Gesetz die Abgeordneten: Graf Adelmann, Bux- baum, Frhr. v. Franckenstein, Frhr. v. Gageru, Frhr. v. Huene, Frhr. v. Landrberg-Steivfmt, v. Pleiten, die beiden Grafen Preystng, Reichens­perger, Graf v. Schönborn und Frhr. v. Wendt. Gegen da» Gesetz stimmten im Ganzen 79Cen­trumsabgeordnete. Von freisinnigen Abgeord­neten hat der Abg. Thomsen für das Gesetz votirt. — Noch während der Abstimmung schien das Re­sultat zweifelhaft, die Stärke der Oppofition hat Manchen überrascht, und nun ist erklär, daß Fürst Bismarck am letzten Samstag nur deshalb die äußersten Anstrengungen für das Gesetz ge­macht hat, weil er besser wie mancher andere unterrichtet war, daß da« Ges.tz fallen würde, wenn e« ihm nicht gelänge, einen großen Th eil der widerstrebenden Konservativen und National­liberalen zu bekehren. Fast 30 Konservattve waren entschlossen, gegen da« Gesetz zu stimme«, nur Reben haben nach der Rede de» Reichskanzlers ge­wagt, diesen Entschluß auszuführen; die andere«, die sich zum Theil — wie v. Hammerstein und Flügge — fett Wochen gegen das Gesetz festge­redet und festgeschrieben hatten, haben, wie fie offen gestehen, mtt Rückficht auf den Kaiser bas Opfer ihrer Ueberzeugung gebracht.

* Am 6. Juni findet in Berlin eine Sitzung des Landeseisenbahnrathr statt.

* Der neuernannte Generaldirektor ttn Schutz­gebiete der Neu-Guinea-Kompagnie, Hans Arnold, wird fich in diesen Tagen auf seinen Posten begeben.

* Bei der großen Parade in Berlin und Pots­dam find die bei der Armee eingeführten Neue­rungen zum erstenmale für wettere Kreise in überfichüiche Erscheinung getreten. Soweit wir

„Ich weiß es nicht," antwortete die junge Frau, „nennen Sie es Stolz oder wir Sie wollen, Dora, genug, er würde es abschlagen."

„Und dafür kann ich nun einmal gar keinen vernünftigen Grund finden," beharrte die Dame. „Sehen Sie, die Männer verdienen alle, jeder in seinem Berufe. H:rr v. Wenden geht in das ärmste Haus, wenn man dort feine ärztliche Hilfe begehrt, und Erich verkauft Jedem feine Bilder, der fie gut bezahlt, gibt Stunden rc. Warum sollte denn etwa« Ecniedrigende« für eine Frau darin liegen? Gestehen Sie doch offen, denken Sie nicht gerade so wie ich?"

„Ja", sagte Elma mtt gepreßter Stimme, „ich finde nicht« darin."

„Nun wohl, dann würde ich auch danach handeln. Sehen Sie, wir Frauen haben so aller­lei Bedürfnisse, für welche die Männer kein Ver- ständniß und somtt auch keine off ine Börse be­sitzen. Ich spreche natürlich nicht au« eigener Er­fahrung, sondern denke an meine Schwester Jenny : wie angenehm ist e« da nicht, wenn man über eine kleine, selbstverdiente Summe verfügen kann. Man muß feinem Manne auch nicht in allen Dingen zu Willen sein. Herr v. Wenden geht ganz in seiner Praxi« auf; er lebt nur für feinen