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J\g 119 Freitag, den 24. Mai.

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1889

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*Das Schreiben des Papstes

au de« Erzbischof von München,

welche» bereits kurz erwähnt und nunmehr im .Regensburger Morgenblatt' vollständig veröffent­licht wurde, ist weitaus die schärfste Kund­gebung, welche jemals vom h. Stuhle in Sachen der baierifchen Kirchen­politik ergangen ist. Sie bestätigt vollauf die der,Köl. Vztg.' vor Wochen zugegangene Mit­theilung, daß namentlich die in der Lutz'fchen Denkschrift hervortretende Auffassung des könig­lichen Ploc-t im Vatikan tiefe Verstimmung her­vorgerufen hat. Den Kernpunkt aber bildet die nachdrückliche Betonung di» Corcordat» al« der auch jetzt noch rechtlich fortbestehenden Grundlage für die Regelung der Beziehungen zwischen Kirche und Staat und die rückhaltlose Verurteilung des einseitig vom Staate vollzogenen Bruchs dieser Uebereinkunft. Das Schreiben lautet:

Ehrwürdiger Bruder, Gruß und apostolischen Segen! Wohlgefällig haben Wir es ausgenommen, daß du Uns im November des vergangenen Jahres eifrig über die Bittvorstellung berichtet hast, welche du und die übrigen Oberhirten BaiernS an Se. königliche Hoheit den Prinz- Regenten Luitpold gerichtet, um die Beseitigung der be­deutenden Hemmnisse zu erlangen, unter denen die Kirche im Königreiche zu leiden hat. Gleiche Anerkennung zollen Wir dir dafür, daß du Uns neulich eine Abschrift jener Entschließung übermitteln ließest, mittels deren der könig­liche Kultus- und Unterrichts-Minister des Durchlauch­tigsten Prinz-Regenten auf euere an diesen gerichtete Bitt­vorstellung geantwortet hat. Leider steht diese Ant­wort mit Unfern und euer» Wünschen durchaus nicht im Einklänge. Allerdings hat der königl. Staatsminister in seinem Schreiben euch gegenüber einen wohl freundlichen Ton angeschlagen; auch hat er in manchen Punkten ins­künftig thunlichstes Entgegenkommen zugestchert. Rückstcht- lich der Mehrzahl euerer Bitten und Anträge jedoch und gerade der allerwichtigsten hat er sich jeder Zusage ent­halten oder gar einen ganz gegensätzlichen Standpunkt eingenommen. Noch mehr: in der fraglichen Staatsschrist kommen Stillen vor, welche sich mit der katholischen Lehre einfach nicht vertragen oder gegen die heiligsten Grund­sätze verstoßen, welche die Kirche über die wechselseitigen Rechte und Pflichten der geistlichen und weltlichen Ge­walt stets festgehalten hat. Zweifellos haben ja Entschei­dungen des heiligen Stuhles oder eines allgemeinen Concils zumal auf dem Gebiete des Glaubens ihrer innersten Natur gemäß und aus sich selbst für alle Christen volle verpflichtende Kraft: ihre Giltigkeit erleidet nicht die mindeste Einbuße etwa aus dem Grunde, weil das könig­liche Placet nicht ertheilt worden ist. Das göttliche Lehr­amt, welches Christus der Herr in seiner Kirche eingesetzt hat, sichert ihren Entscheidungen in der Glaubens- und

x ft«! tun Wenden. Novelle von Marga Brecht«n.

(22. Fortsetzung.)

6. Kapitel.

Erfüllt.

Was haben sie wohl im Herzen, Und sagen's einander nicht? Wohl finden sie's Beide eigen, Und dennoch Keiner spricht. — Das Herz will d'rob fast brechen, Den Beiden im Trennungsschmerz; Und doch bricht Keiner das Schweigen, — Dir Augen himmelwärts.

Gedeon von der Haide.

XII.

In dem bisher so ereignißlosen Leben der Fa­milie von Wenden war nun mit einem Male die heiterste Gesellschaft eingetreten. Selten verging ein Tag, an dem man nicht Gäste erwartete, oder selbst eingeladen war. Elma lebte auf, ihre vor­her so blaffen Wangen rötheten fich. Sie war heiter und thätig und fand nun, daß stch mancher Gegenstand aus den Tagen früheren Glanze» mit leichter Mühe für den gegenwärtigen Gebrauch einrichten, und manche» kaum getragene Kleid aus ihrer reichen Ausstattung durch geschickte Anpassung a« die jetzige Mode zu einem eleganten Kostüm

Sitten-Lehre volle Giltigkeit und Unabhängigkeit gegen­über dem Urthelle und den Verfügungen der obersten Staatsverwaltung. Andernfalls müßten ja die Dogmen des Glaubens und die Gebote der Sittenlehre, welchen unvergängliche Wahrheit und Rechtsgiltigkeit zukommt, mit jedem neuen Machthaber in verschiedenen Zeiten und Ländern immer wieder sich ändern.

Wenn ferner von dem Rechte der Kirche im Königreich Bayern die Rede ist, so fällt der Umstand schwer in's Gewicht, daß zwischen Unserm Vorgänger Papst PiuS VII. und dem Könige Maximilian I. von Bayern eine feierliche Uebereinkunft geschloffen worden ist. Der Apostolische Stuhl hat das Konkordat immer treu gehalten. Dasselbe kann unmöglich von dem einen der Bertragstheile theil- weise oder ganz geändert werden, wenn der andere Theil davon nichts weiß oder seine Zustimmung nicht gibt. Wir können daher nicht begreifen, wie euere diesbezüg­lichen so gerechten Forderungen deshalb an Kraft verlieren sollten, weil Staatsgesetze bestehen, welche gegenteilige Bestimmungen enthalten.

Schmerzlich hat Uns auch, Wir müssen dies erwäh­nen, der Umstand berührt, daß alle Hoffnung auf Wieder­kehr jener Ordensgenoffenschaften abgeschnitten wird, deren Wirksamkeit auch für die bügerliche Gesellschaft so heilsam ist, sowie daß gottgeweihte, durch Unterricht und Erzieh­ung der weiblichen Jugend so segensreich wirkende Jung­frauen der früher genoffenen gesetzlichen Vergünstigungen nicht mehr würdig erachtet werden. Einer Forderung der Billigkeit entspricht die euch gemachte Zusicherung, daß künftighin weltliche Kommissare bei der Wahl von Ordens- Obern oder bei der Gelübde-Ablegung nicht mehr erschei­nen werden. Aber die Bedeutung dieses Versprechens wird dadurch vermindert, daß deren Abordnung doch noch immer vorbehalten ist für den Fall, daß Zeit und Umstände einen Anlaß zu solcher Abordnung bieten soll­ten. Immerhin müssen Wir also die manchfachen Nach­theile beklagen, welche aus der Abweisung euerer Bitt- Vorstellungen der Kirche in Bayern erwachsen werden. Gleichwohl geben Wir nicht all« Hoffnung auf, «S werde die göttliche Barmherzigkeit die schwierige Lage der Gegen­wart sänftigen und euch den Trost besserer Zeiten ge­währen. Diese Hoffnung wird sich um so schneller er­füllen, wenn mit dem Eifer der Ober Hirten die allseitigen Bemühungen der Gläubigen stch vereinigen, auf daß die Kraft der Wahrheit und daS Ansehen des Rechtes jene Schaar kirchenfeindlicher Jrrthümer überwinde, welche eine ftühere Zeit hervorgebracht hat. Du aber, ehrwürdiger Bruder, fahre fort, gemeinsam mit den anderen Bischöfen Bayerns standhaft für das Recht der Kirche einzutreten: walte unverdroffen deines Amtes. Reich ist der Lohn, der euch von Gott zu Theil wird, dazu Lob und Aner­kennung von allen Gutgesinnten, wenn Dank euerer Be­mühungen die Stimme der Wahrheit niemals sich unter­drücken läßt, niemals verstummt. Traget Sorge, daß die euch anvertrauten Sprengel durch Glaubens- und Sitten- Reinheit, durch Pflichttreue und Nächstenliebe Allen vor­leuchten: zeiget in dem Streben, euch um das Vaterland verdient zu machen, größere Hingabe, als die Verächter der Religion in der Sucht, Schaden anzurichten. Das hat sicher den Erfolg, daß schließlich Alle die Ueberzeug-

umwandeln lass?. Mit Freuden sah sie, wie Franz ihr Haushaltungsgeld erhöhte und ihnen so die Abhaltung von kleinen Abendgesellschaften möglich machte. Dies bestärkte sie in dem Glauben, daß seine Prex's eine weit ausgedehntere geworden sei, was sie hauptsächlich dem Umgang mit ihren neuen Bekannten zuschrieb. Hätte sie gewußt, daß ihr Mann ihr zu Liebe stch selbst Opfer auferlegte, sie würde vielleicht weniger sorglos dahingelebt haben. —

Nur einmal hatte er sie gebeten, niemals eine Schuld zu machen und ihm jede» Bedürfntß für ihre ToÜette rffen zu nennen. Elma wußte, daß der in jeder Hinsicht ehrenhafte Charakter ihre» Mannes für Alle», was an da» Wort „Schulden" erinnerte, die tiefste Verachtung hegte, und so wagte sie nicht, ihm einzugestehen, daß sie beim Beginne ihrer veränderten Lebensweise in unbe­deutende Verlegenheiten gerathen und verschiedene noch unbezahlte Einkäufe gemacht habe. Von Woche zu Woche hatte sie gehofft, diese kleinen Rückstände xck.n zu können; aber es waren immer außerge­wöhnliche Ausgaben in die Haushaltung gekommen, welche es ihr unmöglich machten. Za wiederholten Malen hatte sie sogar an die Veräußerung ihre» Schmuckes gedacht, diesen letzten Schritt aber immer wieder hinausgeschoben.

ung gewinnen, es gebe keine festere Stütze für den Thron und die bürg-rliche Gewalt als gerade euer heiliges Amt, wenn es von allen hemmenden Fesseln befreit ist. Wir aber flehen unterdessen zu Gott, daß Er nach dem Reichthume Seiner Gnaden euere Bemühungen mit dem besten Erfolge kröne, euch mit Seiner mächtigen Hülfe er­halte und beschütze, und ertheilen dir, allen übrigen Bi­schöfe Bayerns, sowie der Geistlichkeit und den euerer Obhut anvertrauten Gläubigen liebevoll den Apostolischen Segen.

Gegeben zu Rom bei St. Peter, am 29. April 1889, im zwölften Jahre Unseres Pontifikates. _________________________________Leo XIII., Papst.

Deutsches Reich.

Berlin, 23. Mai.

• Nachdem Fürst Bismarck fast zwei Jahrzehnte hindurch dar Centrum bekämpft hat, nachdem er e» fast regelmäßig als reichsfeindlich hin­gestellt und feine offiziösen Lohnschreiber ständig gegen das Centrum getobt hatten — hat er diese Partei am Samstag endlich als konservativ anerkannt und als solche im Reichstage bezeichnet. Mit und ohne Anerkennung de« Kanzler« aber ist da« Csntrum von jeher schon eine konservative Partei gewesen. Ja e« ist die konservative Partei par excellence. Man wird auch in Centrumskrersen eine andere al» taktische Wichtigkeit der Liebes­erklärung des Reichskanzler» nicht beimeffen; ver- muthlich war es ihm um einen recht «ffektvollen Gegensatz zwischen den abgekanzelten Fraktionen und dem übrigen Reichstag zu thun, so daß er alle verfügbaren Hllfstrupven herbeizog, glelchgiltig woher. Da« Centrum sicht dieser neuesten An­erkennung so kalt gegenüber, wie allen Angriffen während de» Kulturkampfes und der Scptennats- kampagne; Zuckerbrod und Pritsche sind keine Mittel, die beim Centrum verfangen können, weil es einfach den Weg der Pflicht, d. b. seiner unwandelbaren Prinzipientreue geht. Erkannt man die auf dieser Grundlage entstandenen positiven Leistungen an: gutl Erkennt man sie nicht an und schimpft uns Reichsfeinde: auch gut! Es wäre eben nicht zum ersten Male, daß man uns von hoher Seite au« beschimpft. Der Unterschied ist aber der, daß die Kartellbrüder sich unter dem wechselnden Hauche der Kanzlergunst biegen, wie es verlangt wird, während da» Centrum steht. Von diesem Standpunkt au« hat sicher auch Dr. Windthorst die Sache aufgefaßt, al» er nach

An einem ziemlich heiteren Herbsttage hatte Elma eben ihre Arbeit zur Hand genommen, al« ihr Fräulein Erdmann gemeldet wurde. In ihrer lebhaften, stürmischen Weise rauschte dieselbe in da« behaglich erwärmte Wohnzimmer und bat die Freundin einen Spaziergang mit ihr durch die Stadt zu machen. Die junge Frau war gerne bereit. Die viel ältere Dora übte einen seltsamen Einfluß auf fie au«, dem sie stch kaum zu ent­ziehen wußte. Sie hatte zwar schon mehrmal» bemerkt, daß der sich immer inniger gestaltende Verkehr mit der Familie Heimbach nicht nach dem Geschmacks ihre» Mannes war; sie hielt es jedoch für eine vorübergehende Laune desselben und fand selbst zu viel Vergnügen an dem originellen Wesen de» Fräulein Erdmann und an der anregenden Unterhaltung ihre» Schwager«, um den allzuhäufigen Besuchen mit abwehrender Kälte zu begegnen.

Der Professor hatte ausgedehnte, Inter ffrnte Studienreisen gemacht, er sprach gut unv in ^flelnder Weise über alle Gebiete der Kunst und Musik. Auf seinen Rath hatte Frau von Wenden wieder zu ihrem längst vernachlässigten Zeichen« und Malappai at gegriffen, und ihr schöne» Talent mit wieder erwachender Lust an der Ausübung resselben verschaffte ihr manche vergnügte Stunde. So hatte fie in mehrfacher Hinsicht Grund den.