JV 105 Mittwoch, den 8. Mai. 1889
Fuldaer W Ailmig.
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$ Der österreichische Katholikentag.
(Schluß.)
Ein Punkt der Tagesordnung ist es vor allen anderen, der die liberale und kirchenfeindltche Presse in Bewegung und Erregung gesetzt hat, und der bereit« in der Politik und in den Parlamenten seinen Widerhall gefunden hat: es ist die Frage der Wiederherstellung der Unabhängigkeit und der Souveränetät des päpstlichen Stuhles. Mit unbeschreiblichem Enthusiasmus hat sich der österreichische Katholikentag den bezüglichen Forderungen der Katholiken anderer Länder angeschlossen. Gleich der Freiburger Ka- tholikenversammlung hat er feierlichst Protest erhoben „gegen die Beeinträchtigung der Freiheit de« obersten Hirten, sowie gegen die Entziehung der ihm zur Ausübung seine« heiligen Amte« noth- wendigen territorialen Unterlage" und gleichzeitig al« Forderung ausgesprochen: „die zur Ausübung dieses heiligen Amte» unerläßliche volle Souveräne- tät des Papstes und zwar in jener Ausdehnung und mit jenen Garantien, welche nur der Papst selbst zu bestimmen hat". Und der heüige Vater hat diesen ihm in einem Begrüßungs-Telegramm übermittelten Protest quittirt in einer Antwort- depesche, welche bezeugt, daß der Papst „vollkommen zu würdigen weiß da» Gewicht der Aeuße- rungen und Proteste de» Katholikentage« bezüglich der gegenwärtigen Lage de« heiligen Stuhle«, welcher der nöthigen Freiheit und Unabhängigkeit beraubt ist."
Als die letzte deutsche Katholikenversammlung die Frage der Wiederherstellung der päpstlichen Unabhängigkeit und Souveränetät in demselben Sinne behandelte und gegen die Vergewaltigung des Papstthumr und der Kirche durch Neu-Italien Protest einlegte, da hallte die ganze liberale Presse wieder von Hohn und Spott über diese angeblich völlig nutzlosen papierenen Proteste; und auch jetzt glaubt ein bekannte» liberale« Blatt einen besonders geistreichen Gedanken zu produziren, wenn es die bezügliche Forderung und Verwahrung des österreichischen Katholikentage« mit dem „Wunsche nach Erbauung von Mondeisenbahnen" auf gleiche Stufe stellt. Aber angesichts der vielen Nachahmungen, welche der Vorgang von Freiburg alsbald in der katholischen Welt gesunden hat, ferner angesichts der gleichzeitigen Beschlüsse und Proteste des imposanten spanischen und de« portu-
x ftia; nm Wende».
Novelle von Marga Brechten.
(8. Fortsetzung.)
„Auch mir gefiel er an keinem Punkte unserer interessanten Reise so wie hier," erwiderte der Doktor. „Ich theile Deine Vorliebe für Lugano."
„Er mag eine kindische Idee von mir sein," fuhr die junge Frau fort, „aber mir ist es als könnte ich nie tot Leben wieder so glücklich sein, als hier: dieser stille, klare See kommt mir vor «ie ein Bild meiner eigenen Jugend, so friedlich »nd unbewegt floß auch mein Leben dahin. Ich kann mich kaum eine« einzigen ttüben Tage« er- tonnern."
Sie hatte die Arbeit niedergelegt imb ließ die großen Kinderaugen über die blauen Fluthen schweifen. Wenden aber faßte nach ihrer Hand und sprach in innigem Tone: „Möchte Gott mir di" Kraft geben, Dein Leben auch künftig vor ledem Leid zu bewahren. Wie will ich Dich schützen und vor Schmerz zu behüten suchen I"
Elma lächette über seinen Eifer und sagte: »Wie reizend müßte sich nicht eine Villa drüben auf dem waldigen Abhange de« uns gerade gegenüber liegenden Berges ausnehmen! Weißt Tu,
giesischen Katholikentages ist es dem Liberalismus doch nicht mehr ganz geheuer; er beginnt instinkttv zu ahne«, daß die verspottete „Utopie" sich am Ende doch noch zu einer realen Frage verdichten könnte, mit der man in der nächsten Zeit zu rechnen habe.
Am ungemüthlichsten fühlt sich wohl Held Crispt selbst, nach dem König von Italien der Nächstbetheiligte bei der Sache. Mit seiner diplomatischen Intervention in Madrid hat er Fiasko gemacht, die Regierung hat erklärt, daß der Katholikentag eine Privat-Veranstaltung sei, aber die Königin hat die zum Kongresse anwesenden Kirchenfürsten offiziell empfangen und durch ihre Huld ausgezeichnet. Ob Crispi auch in Wien vorstellig wird, wissen wir nicht, die Regierung dürfte auch dort nur ein Achselzucken für seine Beklemmungen haben. Wir gönnen Herrn Crispi gerne den wohlfeilen Trumpf, den er am Freitag fin der Kammer gegen die Proteste der ausländischen Katholiken ausspielte, al« er gegenüber dem Franzosenkultu« der radikalen Partei ausrief: „Warum sollen wir uns stets für die Feste der Anderen begeistern? Haben wir nicht in der eigenen Geschichte das glorreiche Datum vom 20. September 1870, welches den Fall der weltlichen Herrschaft des Papstes und den Untergang des Mittelalter« in Italien bedeutete?" Anscheinend trägt Herr Crispi sich demnach mit dem Plane, in diesem oder vielleicht im nächsten Jahre den Raub am Kirchenstaate, die Usurpation Rom'«, den Gewaltstreich gegen da» Oberhaupt der katholischen Kirche durch ein großes „Gedenk- fest" verherrlichen zu lassen. Das Säkularjahr der großen Revolution wäre ohne Zweifel auch da» würdigste Datum für die Feier der Revolution, welcher Neuitalien feine Entstehung verdankt.
Am gleichen Tage, al» Crispi in der italienischen Kammer durch den citirten Ausruf die römische Frage streifte und dem seines rechtmäßigen Besitztums beraubten Papste höhnenden Munde« eine neue Beleidigung zufügte, hat auch in Wien selbst, im österreichischen Abgeordnetenhause, der Liberalismus für den Raub am Patrimonium eine Lanze eingelegt und gegen die bezüglichen Beschlüsse de» Katholikentages durch eine feierliche Interpellation an die Regierung Verwahrung eingelegt. Die Herren fürchten von dem Proteste der Katholiken eine Gefährdung und Lockerung de« Bündnisses mit Italien und ver-
cs wäre doch schön gewesen, wenn Papa sein Geschäft aufgegeben und sich hier mtt uns angestedelt hätte!"
„Wie schnell Ihr Frauen doch in einem Augenblicke niederreißt und im anderen wieder aufbaut!" bemerke der junge Arzt lachend. „Nein, Geliebte, Deinem Papa ist Beschäftigung ein Bedürfniß, und ich würde hier erst nach langer Zett, vielleicht nie in» rechte Fahrwasser gekommen sein."
„Was nennst Du denn „Dein Fahrwasser?" ftagte Elma mit einem schelmischen Settenblicke.
„Fortwährende Thätigkett in meinem Berufe, oder «ft einem Worte — «ine recht tüchtige Praxi»!" war die Antwort.
„Allen Respekt vor diesem Machtwort," erwiderte die schöne Frau, indem sie das lockig: Köpfchen tief beugte. „Auch Papa wünschte, daß ich Dich nicht zum Aufgeben derselben bewegen sollte. Aber nicht wahr, Du wirst doch manche ruhige Stunde für Deine kleine Frau übrig behalten?"
„Gewiß, meine süßeste Erholung wird an Deiner Seite sein. Bei Dir will ich neue Kraft sammeln und Dein stöhliche« Geplauder soll dann die ernsten Gedanken de» Tage» bannen."
„O wie freue ich mich auf diese Stunde«, besonder» auf die Abende, wo Du ganz mir gehören
langen deshalb von der österreichischen Regierung eine offene Aussprache darüber, wie sie sich zu der geplanten Wiederherstellung der weltlichen Herrschaft des Papstes verhalte. Wir wissen nicht, ob und was die Regterung den Interpellanten antworten wird, aber da» wissen wir gewiß, daß in dem konstitutionellen Kaiserstaate sda« letzte Wort in dieser Frage nicht der jeweilige Minister zu sprechen hat, daß oielmehr auch da» katholische Volk ein sehr gewichtige« Wort mitzureden haben wird. Daß aber in Zukunft der Volkswille in Oesterreich unverfälschter al» bisher zum Ausdruck komme, dafür hat hoffentlich der eben geschlossene Katholikentag gründlich und nachhaltig vorgearbettet.
Deutsches Reich.
Berlin, 7. Mat.
* Im ,Reichsanzeiger' wird heute da» im auswärtigen Amte mit dem Polizei-Jnspektor Wohlgemut h aufgenommene Protokoll über seine Verhaftung veröffentlicht. Welche Wirkung sich die Regierung davon verspricht, ist schwer verständlich: denn Wohlgemuth gesteht darin zu, daß er den Lutz aufgeforderk hat, „nur lustig darauf loszuwühlen''. Der Versuch, diese Wühlerei nicht al« eine agitatorische Thätigkett hinzustellen, macht einen geradezu komischen Eindruck. Die öffentliche Meinung wird umsoweniger geneigt sein, sich für diesen Polizeiinspektor zu begeistern, nachdem gerade jetzt brkannt wird, daß die Staatsanwaltschast den Prozeß absichtlich batverjähren lassen, welchen sie vor länger al« zwei Jahren gegen die .Volkszeitung' wegen Beleidigung Jhring-Mahlow» angestrengt hatte. Er liegt darin das Zugeständniß der Staatsanwaltschast, daß dieser Protege der Herrn von Puttkamer als agent provocateur gewirkt hat.
• Der Reichstag hat heute seine Verhandlungen wieder ausgenommen. Er ehrte zunächst das Andenken des verstorbenen Abg. v. Bermuth durch Erheben von den Plätzen, wählte den Abg. Veiel (nl.) an Stelle de« Sbg. Dr. Myer-Jena zum Schriftführer und fetzte dann die zweite Be- rathung des Mters- und Invalidenversicherung«- gefetzes bei den Bestimmungen über die Berechnung der Renten und Beiträge fort. Graf Stol- berg-Wenigerode (konf.) und Struckmann (nl.)
wirst!" rief Elma aus. „Dir zu Liebe will ich auch versuchen, Interesse an Deinem schwerem Berufe zu gewinnen, und wenn sich Arme unter Deinen Kranken finden, wirst Du mir sagen, wie ich ihnen beistehen kann. Willst Du das?"
Wenden'» Augen strahlten. Mit seiner klangvollen, weichen Stimme sagte tt :x „Mtt Freuden, liebe Elma. Erst da« Eingehen der Frau auf die Neigungen und Interessen de« Manne« kann die Ehe zu einer wahrhaft glücklichen machen. Nur dann, wenn sie es versteht, sich von den oft kleinlichen Sorgen be» Hauswesens zur Theilnahme an seiner Berufs-Thätigkeit zu erhebe«, ist sie die wahre Gesährttn de« Manne». Doch nun komm, Geliebte, wir wollen über den See fahren und dann die ferneren Ausflüge überlegen. Es gibt noch Vieles zu sehen, ehe wir diese schöne Stadt verlassen."
Die junge Frau hing sich leicht an seinen Arm, und plaudernd und scherzend begaben sich Beide zu den wartenden Booten.
Lugano'» Umgebung lockte zu bett herrlichsten Spaziergängen und Ausfahrten. Wer überdies über Zett und Mittel im reichsten Maße verfügen konnte, dem vergingen die Tage wie im Fluge. Etwa eine Woche nach der zuletzt geschilderten