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Dienstag, den 7. Mai.

Fiildlier

3eifn«g.

1889

Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Wochenbeilage »Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 60 Pfennig.

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5 Der österreichische Katholikentag.

Die herrlichen Tage der zweiten österreichischen Katholikenversammlung find vorüber. Ihr Ver­lauf war ein in jeder Hinsicht großartiger, und ihr moralischer und praktischer Erfolg in der Zukunft wird — das glauben wir heute schon sagen zu dürfen — dem äußeren Erfolge gewiß nicht nachstehen. Es ist nicht der Zweck dieser Zeilen, auf die Versammlungen und Berathungen, die Anregungen und Beschlüffe des Wiener Katho­likentages im Einzelnen zurückzukommen. Das Bild, welches die eingehenden Berichte der katho­lischen Blätter rott den Verhandlungen entworfen haben, zeigt zur Genüge, mit welchem Eifer und Fleiß, mit welcher Vielseitigkeit und doch zugleich Gründlichkeit, vor allem aber, mit welch' idealer Begeisterung und herzlicher Einmüthigkeit gearbeitet worden ist. Ein kleiner Zwischenfall, der sich an­läßlich einer dem Prinzen Alois Liechtenstein zu­gedachten Ovation abspielte, wird von der liberalen Presse über Gebühr aufgebauscht und al« ein Beweis der Zwietracht, der Parteiung auf dem Katholikentage ausgebeutet. Aber auch hier hat die Ausnahme nur die Regel bestätigt. Denn was will ein unbedeutendes Intermezzo bei einer Zusammenkunft von Tausenden besagen gegenüber der imponirenden Einmüthigkeit der Vertreter aller Stämme und Nationalitäten des in dieser Hinsicht so buntscheckigen österreichischen Kaiserstaates.

Begeistert und angeregt durch diese sichtliche Eintracht und durch die Gemeinsamkeit der In­teressen, aber auch voll Verständniß für die Wich­tigkeit eines einheitlichen Vorgehens in der Zu­kunft, haken mehrere Redner die Rothwendigkeit der Eintracht zum Grundton ihrer Reden gemacht; als Devise des Katholikentages galt schon vom ersten Tage ab da« Wort von der Einheit im Rothwendigen, von der Freiheit im Zweifelhaften und von der Alles überbrückenden Liebe, und nicht von ungefähr war es, daß ein Redner die Mah­nung des sterbenden Attinghaufeu: „Seid einig, einig, einig" an die Versammlung richtete und ein anderer ihm gleichsam antwortete mit dem Rütli­schwur der Schweizer: „Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, in keiner Roth uns trennen und Gefahr." Möchte, das ist unser aufrichtig­ster, sehnlichster Wunsch, der enthusiastische Bei- fcstl, mit welchem dieser nach manchen trüben Er­

fahrungen der Vergangenheit so wohlberechttgte Appell an die Einheit und Einigkeit von der gan­zen Versammlung ausgenommen wurde, eine gute Vorbedeutung für die Zukunft sein! Wenn Oester­reich« Katholiken sich allenthalben auf sich selbst besinnen und einsehen lernen, daß der Liberalis­mus und da« Judenthum in Oesterreich nur all­mächtig waren Dank der Uneinigkeit und Sonder- bündelei, wie der Lässigkeit und Schwäche der Katholiken, so wird der Tag nicht mehr fern fein, wann der starre Bann gebrochen und Oesterreich auch in der Politik, Gesetzgebung und Verwaltung wieder da« sein wird, was e« der Zusammensetzung seiner Bevölkerung nach ist: ein katholischer Staat.

- Hervorragend war die Katholikenversammlung in Wien vor Allem auch durch die persönliche Thellnahme des päpstlichen Nuntius und so vieler illustrer Kirchenfürsten, wie durch die Entsendung von Vertretern aus ollen bischöflichen Residenzen. Wenn gewisse liberale Blätter, wie z.B. die .Neue Freie Presse', nichtsdestoweniger der Versammlung den Charakter eine« „Katholiken"-Tages absprechen wollen und behaupten, daß die große Masse der katholischen Bevölkerung anderen Anschauungen huldige und sich auf die Seite der liberalen Papst­feinde stelle, so ist das für uns deutsche Katholcken nur ein altgewohntes Schauspiel, weiches wir all­jährlich bei unseren katholischen Generalversamm­lungen und überhaupt bei jeder Gelegenheit in der kirchenfeindlichen Presse sich wiederholen scheu. NM- die Bischöfe im Einklang mit dem Papste, nicht die hervorragenden Führer und Vertheidiger der katholischen Sache, sonderen die geschworenen Feinde der Katholizismus und des Christenthums, die Männer der Loge und die ihnen ergebene Presse, sie sind die wahren Repräsentanten der Katholiken! So toll'« in Deutschland fein, so natürlich auch in Oesterreich. Spotten ihrer und wissen selbst nicht wie!

Die Verhandlungen und Beschlüsse de« Wiener Katholikentage« bewegten sich in ähnlichen Geleisen, wie die der letztjährigen deutschen Katholckenver- sammlungen; im Vordergründe standen die .soziale Frage und die Schulfrage mit ihren mannigfal­tigen Detall«, so namentlich die Salzburger Uni- verfltätsfrage, aber auch die Werke der christlichen Charitas, die Presse, welche besonders warm em­pfohlen wurde, Kunst und Wissenschaft, die Mis-

sionen, die Auswanderungsfrage und viele andere mehr oder minder territorial gefärbte Fragen waren der Gegenstand der Anträge und Debatten in den Sektionen und der Beschlüsse in den großen Ver­sammlungen. Selbst liberale Preßstimmen müssen zugeben, daß der Katholikentag sehr fleißig gear­beitet habe, und daß auch einige Beschlüsse von wahrhaft christlicher und humanitärer Bedeutung gefaßt worden find. Dieses karge Lob wird aber laut übertönt von dem Hohne und dem Aerger über zahlreiche Beschlüsse, welche man entweder als „Rückschritt" oder gar als „Utopie“ zu ver­ketzern sucht. Natürlich! Jeder Versuch, das Staats- und Volksleben wieder in die Bahnen christlicher Grundsätze und Maximen zurückzufüh­ren, der Religion, Gott, dem Gewissen und der Nächstenliebe im politeschen, wirthschaftlichen und gesellschaftlichen Leben wieder einen Platz einzu­räumen neben dem kalten, rücksichtslosen Egoir- mus, neben der Habsucht und Genußsucht, der eitlen Selbstüberhebung und Gottverachtung unserer Zeit, jeder derartige Versuch gilt dem modernen Auskläricht als mittelalterlicher Rückschritt, als das Werk beschränkter Dunkelmänner. Uebrigens sollten die, welche sich so sehr über den „Rückschritt" in den Resolutionen der Katholikenversammlungen er­eifern, nicht vergessen, daß sie selbst und ihre politischen Koryphäen schon seit geraumer Zeit da­bei find, gewisse früher auch als „rückschrittlich" verhöhnte Ideen, welche zuerst von katholischen Sozialpolttikern und auf katholischen Genernkvrr» sammlungen angeregt worden find, in der Gesetz- geburz praktisch zu machen. (Schluß folgt.)'

Deutsches Reich.

Berlin, 6. Mai.

* Polizeiinspektor Wohlgemuth ist behufs seiner Vernehmung hierher berufen und von Mühl­hausen bereits abgereist.

* Von einem Gerücht, nach welchem es in der Absicht liegen sollte, auch die Reichstagssession in Kurzem zu schließen, nimmt die ,National-Ztg.' Notiz, um dasselbe als jeder Grundlage entbehrend zu bezeichnen. Verhehlen läßt es sich allerdings nicht, daß recht wohl die Möglichkeit eines schnellen Reichstagsschlusser vorliegt. Sobald sich heraus­stellt, daß die Alters- und Jnvaltden-Versicherung nicht zu retten ist — und da« kann unter Um-

x jnuj m Umttt.

Novelle von Marga Brechten.

(7. Fortsetzung.)

Sich gewaltsam zwingend, um nicht zu verrathen, daß er seinem Buchhalter auf den Grund der Seele geschaut hatte, nahm der Bankier seinen unterbrochenen Gedankengang wieder auf und sagte ruhig:

„Morgen fährt dar junge Paar durch die Schweiz dem sonnigen Süden entgegen. Während dieser Zett mag sich hier Alle« entscheiden; noch ist nicht jede Aussicht auf eine günstigere Wendung aurgeschloffeu. Bis zum Ende der Woche wird e» sich zeigen, ob sich da« große Bankgeschäft in Antwerpen zu halten vermag, und dann erwarten wir ja noch die Antwort von Vanderstraateu und Compagnie, welche unserem Geschäfte wegen ver­schiedener Gefälligkeiten verpflichtet ist."

„Diese Hoffnung hat sich al« nichtig erwiesen", siel der Buchhalter zögernd ein. „Die Nachricht kam während de» Hochzeit-Diner'«, und ich bitte Herrn Brunn um Vergebung, daß ich sie bi« zu einer gelegeneren Stunde zurückbehiett."

Der Bankier nickte zustimmend und fragte: „Wie lautet die Antwort?"

„Hau« Banderstraaten und Comp. bedauern, nicht in der Lage zu sein", erwiderte Gelhard in dem alten, trockenen Geschäftstone, indem er einen großen Geschäftsbrief mit holländischen Postzeichen aus der Brusttasche zog und vor seinen Chef legte. Da« Gesicht desselben hatte eine erdfahle Blässe überzogen, er preßte die beringte Hand an die linke Sette und sagte mühsam: „Nun wohl, auch da« Schlimmste trifft mich nicht unvorbereitet. Wir haben noch eine Woche Zett, um alle An­gelegenheiten so weit als möglich zu ordnen. Für mein geliebtes Kind kann ich Nicht» mehr thun>, das Salair meiner Diener und sonstigen UM er­gebenen ist bei Sette gelegt, nur Ihnen, lieber Gelhard, wollte ich noch zur ErMung eines Wunsches behilfltch fein. Ich weiß, daß Sie bei Ihrer großen Kenntniß der englischm Sprache und des englischm Geschästswesens schon lange wünschtm, eine Ihren Fähigketten entsprechende Stellung in England zu finden. Meine Schwester Mistreß Morel ist mit mehreren Besitzern Londoner Geschäftshäuser nahe befreundet. Ich habe an sie geschriebm, und da dieselbe Sie und Ihre Verdienste um unser Hau» kennt, wird dieselbe gerne bereit sein, Ihnen einen Ihnen zusagmden Platz zu verschafft». Wmn darum hier Alle»

ein Ende nehmen sollte, so reifen Sie zu ihr nach England, die genaue Adresse finden Sie auf dem Briefe: Mistr. Ellen Morel, London, Sout- hampton-street."

Der Buchhalter dankte mit einfachm aber war­men Wortm, dann sagte ert „Sie denken an Alle, nur nicht an sich selbst. Verzeihen Sie meine kühne Frage: „Was werden Sie beginnen?"

„Ich? O, ich werde auch ein stille» Plätzchen finden. Ich bin zu alt, um noch einmal von vorn zu beginnen, und zu stolz, um bei meinem Schwiegersöhne zu leben; ich würde da» Gefühl der Abhängigkeit nie überwinden können. Und so muß ich denn eine andere Wohnung deziehm, enge, dunkel und kalt — sehen Sie mich nicht so geisterhaft an, — e« wird nicht lange mit mir dauern, mein Leiden nimmt zu. — Ich fühle ganz deutlich, daß ich dm Ruin meine» Hause» wohl erleben aber nicht überleben werde. Gott wird barmherzig sein. — Hörm Sie die ferne Musik? E» ist, al» tanzten sie mein Glück zu Grabe. Doch nun muß ich zu meinen Gästm zurück; morgen wollen wir weiter reden."

Der Banner machft eine verabschiedende Hand- beroegung, woraus sich der Buchhalter tief ver­beugte und da» Kabinet verließ. Ec stieg lang-