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sich, durch glänzende Z-ugniffe von Opfer Willig­keit seiner Kundgebung Nachdruck zu geben.

Wir deutschen Katholiken haben vor Allen Grund, dieses Tages zu gedenken,, denn nirgends hat dis Bewegung gegen die Sklaverei so zahlreiche Theil- nehmer gefunden, als gerade in Deutschland. Der Afrika-Verein deutscher Katholiken, kaum wenige Monate alt, hat bereits eine Bedeutung erlangt, die alle Katholiken mit Stolz erfüllen muß. In seinem raschen Aufblühen zeigt sich so recht der Geist des Katholizismus, der Geist der chnst- lichen Liebe, welche sich nicht nur auf den uns nächststehenden Unglücklichen erstreckt, sondern in gleich warmer Weise alle Erdtheile umspannt, wie die katholische Kirche selbst.

Möge da» Werk, welche» vor einem Jahre durch unseren hl. Vater in» Leben gerufen ist, gedeihen und herrliche Früchte tragen, möge Jeder, der den Namen Katholik führt, Jeder, der mit Liebe und Verehrung zu dem hehren Greise im Vatikan ausschaut und ihn Vater nennt, al» treuer Sohn mitarbeiten an dem schönen Werke, welches der katholischen Kirche und un« selbst zum ewigen Ruhme gereichen, den ärmsten unserer Brüder und Schwestern aber Erlösung aus dem tiefsten, jammervollsten Elend bringen wird.

Deutsches Reich.

Berlin, 4. Mai.

* Die Nichterledigung der Sperrgelder­frage hat bei den Katholiken selbstverständlich den übelsten Eindruck gemacht. Kulturkämpferische Blätter glauben jitzt betonen zu sollen, e« habe wenigsten» „in der Absicht gelegen", da» Sperrgeldergesttz dem Abgeordnetenhause gleich nach den Ferien vorzulegen. Mit Recht sagt dem gegenüber die .Germania':

„Wenn das Gesetz, wie die gouvernementale Presse angibt, fertig gestellt war, so begreifen wir nicht, weßhalb man die löbliche Absicht nicht ausführte. Die Volksver­tretung hatte sich ja noch auf längeres Verweilen in Berlin gefaßt gemacht und eingerichtet; Berathungsmüdig- keit war so wenig vorhanden, daß man im Gegentheil über den frühen Schluß ganz erstaunt war. Und trotzdem wurde die fix und fertig gestellte Sperrgelder-Vorlage dem Hause nicht unterbreitet. Wer verargt es dem katholischen Volke, wenn es in Zuschriften an uns den Mißmuth in den Worten äußert: ja, hätte es sich um eine Militär- Vorlage gehandelt, die wäre sicher noch durchgebracht worden I Doch das trifft nicht einmal den Kernpunkt der Sache. Unsere Klage geht dahin: die Regierung hat eine Sache, bei welcher unserer Ueberzeugung nach nicht die mindeste Schwierigkeit vorlag, Jahre lang verzögert.

weisen, wie hoch ich Ihre treuen Dienste schätze, will ich Ihnen den Grund meiner Handlung mit- theilen." Der Buchhalter verbeugte fich stumm.

„Al» da» große ungarische Unternehmen, zu welchem ich den größten Theil meine» Pcivatver- mögens gegeben hatte, scheiterte, da trat mir die Möglichkeit eines baldigen Umsturzes näher. Im Herbste fallirte die Hamburger Firma Goldmann und Söhne, und wieder trafen mich bedeutende Verluste. Da wußte ich, daß mein Glücksstern am Sinken war. Von da an dachte ich nur an meiner Tochter Schicksal. Noch ahnte Niemand den langsamen, aber stcheren Untergang diese» Hauses. Ich hätte meine Zuflucht zu einer Täusch­ung nehmen und die Hand meiner Elma dem Sohne irgend eine» reichen Hause» zusagen können. Sie würde mir, wenn auch mit schwerem Herzen, gehorcht haben. Unser Kredit wäre alsdann ge­stiegen und der Ruin eine Zeitlang aufgehalten worden. Aber dann? Man hätte entdeckt, daß ich mein einzige» Kind gleichsam verkauft; welche Behandlung würde ihr von einem Manne zu Theil geworden sein, welcher fie vielleicht nur ihre» ver­meintlichen Retchthum» wegen geheirathet hätte I —

Me diese Gedanken und Bekümmernisse zogen

und als sie dann die Vorlage ankündigte, li-ß sie wiederum ohne ersichtlichen Grund, eine ganz geraume Zeit ver­streichen, ohne daß die Vorlage, die längst als fettig be­zeichnet wurde, eingebracht wurde. Es ist doch sonst nicht Sitte, daß man fertige Vorlagen fest verschlossen und dm Inhalt ganz geheim hält? Unwillkürlich fragt man sich, was hinter diesem sonderbaren Vorgehen stecke. Sonst ist es üblich, Gesetzesvorlagen der öffentlichen Kritik zu unter­stellen, hier aber hält man alles geheim. Es geht aber bei dieser Sache, wie bei jedem Rückgängigmach en von Kulturkampfsmaßregeln. Ueber Nacht waren die Kulturkampfsmaßregeln, vielfach unfertig und voller Lücken, in Scene gesetzt, aber für ihre Abstellung bedarf man einer Ueberlegungszeit, für deren Dauer gewöhnliche Sterbliche kein Verständwß haben, wenngleich sich ihnen dabei allerlei Gedanken aufdrängen. Und da verlangen d le Offiziösen vom katholischen Volke Vertrauen zur Regierung! Jedes Vertrauen will verdient sein, zumal wenn die Ver­gangenheit in der Richtung so wenig ermuntert, wie das in Preußen der Fall ist.

* Er liegt nun der Beschluß des Schweizer Bunderrathc» in der Angelegenheit Wohlgemut h- Lutz vor und e» erhellt aus ihm, daß Herr Wohl- gemilth in einem der zahlreichen Briefe, welche er an Lutz lichtete, wörtlich schrieb: „Wühlen Sie nur lustig drauf los." Angesicht»dessen fragt die .Franks. Ztg.': Besitzt die .Norddeutsche Allgemeine' nun noch die Stirn, die schweizerische Regierung anzuklagen? Werden die Offiziösen niederer Rangordnung auch heute noch wie vor­gestern und gestern behaupten, daß „nicht dis ge­ringste Veranlassung zur Verhaftung vorlag"? Kann die ,Kreuzzeitung' e» noch wagen, nachdem diese Leistung ihre» Mülhauser Schützling» ertöte- sen ist, die schweizerischen Behörden bet Beförde­rung umstürzlerischer Umtrb be zu beschuldig«»? Aber freilich, jener Presse ist kein Ding unmöglich und wir möchten keine Gewähr dafür leisten, daß sie nicht auch heute noch trieft von erheuchelter Entrüstung über die Schweiz. Mit welcher Ge­wissenhaftigkeit der offiziöse Telegraph arbeitet, da- für ein kleine» Beispiel: Die Depesche, laut wel­cher „keine Veranlassung zur Verhaftung vorlag", trug den Zulatz: „Wohlgemuth wurde in der Haft brutal behandelt." (Beiläufig bemerkt eine Lüge.) So zu lesen in den meisten deutschen Blättern. Den ,Basler Nachrichten' — und viel- leicht noch anderen Blättern — ging dagegen da» Telegramm von Berlin aus in der Fassung zu: „Wohlgemuth soll während der Haft brutal be» handelt worden sein." In den von dem Wo!ff'- schen Bureau versandten gedruckten Depeschen aber ist der ganze Zusatz einfach weggelaflen.

• Ueber die katholische deutsche Presse

mir damals jene Krankheit zu. In den Tagen der B-ffecung lernte ich meinen jungen Arzt näher kennen und fand in ihm nicht nur einen wissm- schaftlich tüchtigen, sondern auch einen edeldenken­den und feingebildeten Charakter. Bald bemerkte ich seine Liebe zu meiner Tochtet, und mit einem Gefühle unendlicher Erleichterung sah ich, daß fie diese Neigung erwiderte. Heimlich zog ich Er­kundigungen Über seine Familie, sein Leben rc. ein und, von den erhaltenen Nachrichten befriedigt, zögerte ich nicht, sie Beide glücklich zu machen. In seiner Bescheidenheit hätte mein junger Schwieger» fohn wohl N7ch lange mit seiner Werbung gewartet, vielleicht würde er auch seine innige Liebe zu be­kämpfen gesucht und das entscheidende Wort nie auszusprechen gewagt haben, wenn — —"

Em eigenthümlicher Laut ließ den Bankier auf- sehen. „Sagten Sie etwa»?" fragte er.

Der Buchhalter verneinte; sein Gesicht hatte nie unbeweglicher, nie starrer ausgesehen, al» j-tzt. —

Der Bankier nahm seine Rede wieder auf. „War weiter geschah, wissen Sie. Die Beiden waren für einander bestimmt, sie würden fich auch unter den ärmsten Verhältnissen geliebt haben. Wenden'» Geschicklichkeit sichert meiner Elma ein

1889

Montag, den 6. Mai.

M 103

Mitt

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* Ein Jahrestag, der wohl verdient, von der katholischen Posse nicht mit Stillschweigen übergangen zu werden, ist der gestrige 5. Mai.

An diesem Tage jährt es sich zum ersten Mals, daß unser hl. Vater Leo XIII. seine gewaltige Stimme erhob, um jene die Menschheit schändenden Greuel der afrikanischen Sklaveri an den Pranger zu stellen, um dem auf seine Freiheit und Bildung pochenden 19. Jahrhundert in Erinnerung zu bringen, daß heute noch in dem uns zunächst ge­legenen Erdtheile Afrika Zustände vorhanden sind, wie sie da» h idnische Alterthum nicht barbarischer kannte.

Am 5. Mai vorigen Jahres erließ der Papst seine Encykl'ka an die brasilianischen Bischöfe, in welcher er ihnen und der Regierung ihres Lande» hohes Lob spmdct wegen tet Abschcffung der Sklaverei in j-mm Lande, aber gleichzeitig nahm er die Gelegenheit wahr, einen Mahnruf ergehen zu lassen an die Fürsten und Völker, damit fie auch in Afrika die Grundsätze be» Christenthum» unb ber Civilisation zur Geltung bringen möchten.

„O möchten doch Alle," rief der ehrwürdige Jubilar auf St. Petri Stuhle schmerzbewegt au», „o möchten doch Alle, die hervorragen durch Macht und Herrschaft, Alle, die da» Völkerrecht und da» Recht dir Menschlichkeit heilig halten, Alle, welche für die Ausbreitung der katholischen Religion In­teresse besitzen, Unseren Ermahnungen und Bitten Folge leistend, gemeinschaftlich mit allen Kräften auf die Unterdrückung, Verhinderung und gänzliche Vernichtung diese» schändlichen, verbrecherischen Handels hi'nwirken!"

Und dieser Ruf, den Leo XIII. an die Welt richtete, war nicht vergeben». Besonder» im katholischen Lager hat er eine große Bewegung hervorgerufen. Heute, nach kaum einem Jahre, haben sich in den verschiedensten Ländern eine An­zahl von Gesellschaften gebildet, welche alle da» vom Papste vorgezeichneie Ziel anstreben. Und auch von Seiten der Mächte ist Manche» gethan, um den Sklavenhandel einzudämmen.

So ist denn der 5. Mai zu einem historischen Datum geworden, welche» in den Annalen der katholischen Kirche roth angestrichen zu werden oerbknt. An diesem Tage hat unsere hl. Kirche wieder einmal durch den Mund ihre» Oberhauptes kundgegeben, wie hoch sie Freiheit und Mensch en- würde schätzt; und ihre treuen Kinder beeilen

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x front m Wendku.

Novelle von Marga Brechten.

(6. Fortsetzung.)

„Ich weiß jetzt keine» mehr," sagte Gelhard leise.

„Warum betonen Sie da« „Jetzt" so sehr? Ach, nun erinnere ich mich. — Sie haben früher ein­mal von einer möglichen — wa» war e» doch gleich?

„Ich hatte mir erlaubt, den Fall anzunehmen, daß Fräulein Brurn dur» eine Verbindung mit dem Sohne de» Komme: zienrathe» Rehwald dem Hause die rettende Hand bieten könne," gab Gel- Hard zögernd zur Ar.twoit. „Doch ich beging eine Taktlosigkeit und bitte um Entschuldigung, wenn ich allzu kühn gewesen."

„Das waren Sie nicht, denn Sie sagten Ihre Meinung auf mcimn B.fehl hin. Manchem Vater in meiner Lage würde jener Gedanke gekommen und dann von ihm mit unbeugsamer Strenge zur Verwirklichung gebracht worden sein. Gott sei Dank, ich besaß nicht Selbstsucht genug und wählte das, was mir da» Edlere schien. Gelhard Sie haben frohe und trübe Tage mit meiner Familie durchlebt," fuhr Brunn fort; „um Ihnen zu be-