1889
Donnerstag, den 2. Mai.
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♦ Das Centrum muß bleibe«,
oberste Recht zu, die Kirche solle nur mitwirken, wie e» dem Staate beliebtI So ist klar, feste christlche Grundlagen de» Staat«- und Volksleben», vertritt nur noch bei Centrum und auch die sittlichen Grundlagen, daß allenthalben Recht und Gerechtigkeit zu herrschen haben, hat nur unsere Partei immer ohne Furcht vertreten. In dem päpstlichen Schreiben vom Januar 1887 wurde al« dauernde Aufgabe de« Centrum« u. A. bezeichnet, die richtige Auslegung und Ausführung auch der besseren Staatsgesetze über die Kirche zu überwachen, und e« wurde ferner darauf hingewiesen, daß in einem
Thätigkett des Centrums ist in diesem Winter, zugleich mit der Aktion in der Schutfrage, zuerst wieder in größerem Umfange in die Hand genommen worden, nachdem 15 Jahre lang dieser Kampf ja fast nur den Maigesetzen hatte gelten müssen. Und al« man endlich euch wieder den Parität«, fragen, den Frage« der Gleichberechtigung stch zu- wandte, weicher endlose Stoff ergab stch da zum klagen? Die Katholiken stnd, speziell in Preußen, in allem zurückgesetzt in der konfessionellen Besetzung aller höheren Beamtenstelle«, in den konfessionellen Zuständen der Universitäten und der Gymnasien, ja sogar, wo man e« am wenigsten erwarten sollte, bei den Gebalt«zahlungkn der Geistliche« und bei den Zuständen der Volksschulen. Wenn auf irgend welchen Gebieten, so sollte man auf diesen beiden letzteren die volle Parität erwarten, die so tief in, Volks- leben eingreifen, vom ganzen Volke so lebhaft empfunden roerbett. Richt« auf diesen Gebieten aber wird, nach aller Erfahrung in Preußen, bester,
Abend mit einem Male den vollen Glanz seine« Reichthum« entfalten, so prächtig waren die Räume ausgestattet und mit wahrhaft fürstlicher Verschwendung sür die Unterhaltung und das Behagen der Geladenen gesorgt. Von der tage,hell er- leuchteten Halle führten die mit kostbaren Teppichen belegten Treppen durch einen Wald von blühenden Gewächsen zu den Festsälen empor, in denen sich die Spitzen der vornehmen und vor allem der reichen Welt bewegten.
Tiefrothe Sammttapeten mit eingewirkten Suber- blättern bedeckten die Wände, und ihr warmer Farbenton sog da« Lichtmeer auf, welche« von den zahlreichen Kandelabern von Bergkristall ausströmte. Gleichfarbige Vorhänge fielen in schweren Falten an den Fenstern und Thüröffnungen nieder und wurden von blitzenden Pfeilen au« massivem Silber an den Seiten ausgenommen.
C» war eine Tanzpause eingetreten, und die strahlende Menge wanoelte auf und nieder. Wie da» wogte und rauschte, lächelte und flüsterte. Ueberall sah man stch neigende und behende Ge- stalten, während da« hinter Blumen verborgene Orchester die weichen Klänge einer melodischen, ! berückenden Weise ertönen ließ. Geschästigte Diener I glitten geräuschlos umher und reichten die feinsten
diese einzige parlamentarische Macht und Wacht sür die christlichen Grundlagen unsere« Staatslebenr, sür die Rechte der Kirche, für eine christliche Schule, für die Gleichberechtigung auf allen Gebieten de« öffentlichen Leben«!
?ie Kirche^habeZ Ä !* «I al. btt bie Wfferung erkämpft wird. Deshalb
die Schule und 1876 war ihnen der Falk'sche ist ein starke« einmüthige« Centmm nothw. g.
Erlaß über den Religionsunterricht ei« Gräuel. 1 montarii&e Macht und
Und jetzt 1889, bei dem Windthorst'schen Schulantrag? Alles war vergessen: Hr. Stöcker sagte im Namen seiner Partei, es könne nur eine Leitung über die Schule geben, die de» Staate«, auch über den Religionsunterricht sprach er dem Staate da»
muß bleiben, wa» es war. Da» hat der päpstliche Stuhl ausgesprochen vor zwei Jahren in der kritischsten Zeit, die dem Centrum jemals bereitet worden, da« sagen einmüthig Wähler und Gc- wählte de» Centrum». E» gibt keine Partei, in die da« Centrum ohne Verleugnung seiner wichtigsten Grundsätze und ohne Prcttgebung seiner wesentlichsten Ziele aufgehen könnte, keine, an die e« stch auch nur ohne solchen Schaden dauernd anschließen könnte. Da« Centrum ist die einzige Partei in Deutschland, welche aus festem positivem Einiakei/'und^Festi^eit" "anderen Parteien I vorherrschend protestantischen Staate e« immer
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1 i. a« -ix. Der B-ariff I wachen, unb e« wurde ferner darauf hmgewiesen,
d« Ki-chkm L ÄreuJ W 4Ü "ab in'einem vorherrschend protestantischen Staate vwt^antis^n^Konsttvative«, bei bene« noch am e« immer Jntereffen der Katholiken und ihrer echm von wirklichem christlichen Glauben die Rede | Kirche wahrzunehmen gebe. Auch ^iese^Sette der sein kann, hätten sie aber nicht bereit« durch den Kulturkampf an Alle« allmähltg sich ruhig gewöhnt wa« eine unglückselige Gesetzgebung bestimmt.hatte! Wäre ohne da« Centrum, ohne das katholische Volk, ohne den Widerstand seiner Vertreter wohl irgend etwa» von demjenigen beseitigt worden, wa« die Staattallmacht geschafft, und wodurch auch die Protestanten, soweit sie gläubig, gedrückt wurden? Da« glaube« die Protestanten selbst nicht, uns verdanken sie e« daher, daß auch sür ihre Kirche so manche Feffel geschwunden. Auf dem Gebiete der Schule aber ist e« gerade so. Da hat in ben letzte« Monaten ber Kampf der Befreiung begonnen. Wa« haben die Protestanten dabei geleistet? 1872 kämpften sie noch mit gegen da« erste große Kulturkampfgesetz, welche« in Preußen die ganze Aussicht über die Schule verstaatlicht hat und die Kirche nur auf die Gnade de« Staate« verwies, ob sie überhaupt in der Schule zugelaffen sei und wa« sie da zu thun habe. 1872 erklärten die gläubigen Protestanten,
x ftm; von WM«.
Novelle von Marga »rechten.
(3. Fortsetzung.)
2. Kapitel.
Nach der Trauung.
In dem Saale, wo die Kerzen Schimmern wie em Meer von Licht, Hör' ich jubeln, hör' ich scherzen: Wahr- Freude hör' ich nicht! — Hast Du durchschaut des Lebens äußern Schern? Wie Mancher lächelt, der im Herzen meinet. Wie Manchem Nacht ist's, dem die Sonne schernei. Wie Mancher muß, was er nicht sein will, sein I — Gedeon v. d. Haide.
III.
Da« Hau« dc« Banquier Brunn lag in dem vornehmsten Theile der Stadt, im sogenannteu Westend. An dem heutigen Abend strahlte die riesige Fenstersront eine wahre Fluth von Licht au«, und die Straße wiederhallte weithin von der au« den Sälen tönenden Musik. Mau feierte dort die Hochzeit der einzigen Tochter, und obgleich die Neuvermählten schon am Nachmittage die Brautreise angetreten hatten, hielt doch ein glänzender Ball die Gäste bi« zur spätesten Stunde versammelt.
E« schien, al« wolle der Besitzer an diesem
Deutsches Reich.
Berlin, 1. Mai.
• Die ,Nordd. »llg. Ztg/ bringt heute einen sehr verworrenen Artikel, in welchem sie behauptet, die Landtagssession sei nicht er^bniß- arm gewesen und ferner onbeutet, daß der Verzicht auf das Steuergesetz aus Gründen und Schwierigketten erfolgt sei, die in der Sache selbst liegen und die erst entstanden seien, nachdem die Ankündigung in der Thronrede erfolgt war; wahl- taktische Rücksichten hätten damit nichts zu thun. Gleich darauf aber wird doch behauptet, die Freisinnige« ärgerten sich nur, daß sie dem Entwurf nicht ein halbes Jahr herunterreißen könnten. Es ist schwer verständlich, wa« mit dem Artikel eigentlich be- wiesen werden soll, in welchem der Hauptpunkt völlig verschwiegen wird, daß da« Gesetz fertig und seine Einbringung vom Kaiser genehmigt war. Eindruck wird der ArtUel sicher nicht machen, denn selbst die konservativen Blätter geben heute ihrer Mißstimmung unverhohlen Ausdruck.
«Der Landtag hat in der abgelaufenen Session 19 Gesetze angenommen. Ei« Gesetzentwurf wurde vom Abgeordnetenhause abgelehnt. An Petitionen find zugegangen dem Abgeordnetenhause 1233, dem Herrenhause 112. Da« Abgeordnetenhaus hat 55, das Herrenhaus 15 Plenarsitzungen abgehalten.
• Wie verlautet, soll die Fortsetzung der zweiten Lesung be« Alter«- unb Jnvalibengesetze« im Reichstage, ber seine Sitzungen bekanntlich nächsten Dienstag mleber aufnimmt, erst am 10. b«. Mr. beginnen.
* Der Bunberrath hält morgen seine erste Sitzung nach ben Dfletfetfen ab.
• Der Kaiser präsidirte gestern in be« Nach- mittagrstunben im königlichen Schlöffe einer Sitzung be« gedämmten Staattminifierium«. Am Abend binirten die Kaiserlichen Majestäten bei dem Reichskanzler Fürsten Bismarck. Da» Diner fand im Kongreßsaale statt. An demselben nahuten die Gesandten Sachsen«, Württemberg« und Baden» $«d®ie Kaiserin Augusta wird Sonnabend Berlin verlaflen, um ihre Frühling«kur in Baden- Baden zu beginnen. Von Mitte Juni an wird die Kaiserin im Schlöffe von Koblenz reflbtren, vielleicht nachher einen Aufenthalt in Schlangenbad Erfrischungen; man plauderte, scherzte und grüßte, bot sich die Hände, neckte unb verwundete sich gegenseitig in der liebenswürdigsten Weise unb mit ber verbinblichsten Miene.
An bem einen Enbe bes Saales stanben zwei Herren in einfachem, aber elegantem Ballanzuge, sie gehörten zu den vertrautesten Freunden be» Bräutigams. Während sie ihren Thee behaglich schlürften, betrachteten sie da» bunte Treiben und bedachten die Vorübergehenden mit witzigen Be- merkungen^ 6ei dem Anblick dieser feen-
haften Pracht?" fragte Rechtsanwalt Rothhau», der Aeltere von Beiden. ~
Ich denke," erwiderte fern Freund, „daß Franz doch ein fabelhaftes Glück gehabt hat. Gestern noch arm und abhängig vom Erfolge ferner Praxis und heute Gatte de« liebenswürdigsten schönsten Mädchen« und Schwiegersohn eine« so reichen Manne« 1"
„Ja," sprach der Andere, „er klingt zwar echt aristokratisch der Name: „Erwin Franz von Wenden", und wie vornehm nahm er sich nicht auf der eleganten Vermählungsanzeige au»! Aoer : Franz ist und bleibt doch immer nur ein einfacher i Doktor, der außer seiner Kunst und dem hoch
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