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1889

Dienstag, de» 30. April.

Zeitung

F»ir«kl

halben aus diesen Thatsachen die geeigneten Kon« sequenzen ziehen! War will gegenüber solchen sprechenden Beweisen da« so ost wiederholte liberale Geflunker besagen, die „ultramontane" Prefle sei päpstlicher al« der Papst, ste verfolge destruktive, revolutionäre Tendenzen, welche von der Kirche und ihrem höchsten Oberhaupte nicht gebilligt würden?

Durch die Auszeichnung einzelner ihrer Ver­treter ist selbstredend die ganze deutscheCen« trumSpresse geehrt. Möge sie au» dieser Ehrung Seiten« de« höchsten kirchlichen Ober- Hauptes neue Kräft und frischen Muth schöpfen zur pflichtgetreuen Erfüllung ihrer hohen Aufgabe, zum ehrlichen Kampfe für die Freiheit, für die Rechte und Jntereflen der Kirchei Möge sie sich gehoben und getragen fühlen von dem ausge­sprochenen Wohlwollen, von der liebevollen Aner­kennung des hl. Vater«, mögen namentlich die Dekortrten selbst in der empfangenen Auszeichnung eine bettle Entschädigung erblicken für alle die Unbilden, die sie fast täglich um ihrer Ueberzeu- gung wülen von den Gegnern zu erdulden haben, nicht minder auch für manche unangenehme Er­fahrungen und Enttäuschungen, die ihnen nicht selten intra muros widerfahren find.

Für die Katholiken aber ist der ganze Vor« gang nur eine neue Mahnung, die sich in die Worte zusammfaffen läßt: Wenn Ihr dle k atho- lische Presse unterstützt, so handelt Ihr in der Intention de» hl. Vaters selbst, der durch die sichtbare Auszeichnung zahlreicher, und zwar gerade der bekanntesten und meistgenannten Ver« treter dieser Preffe, bewiesen hat, wie große Stücke er auf die Herausgabe und Verbreitung katho« Uscher Zeitungen hält.

Auszeichnung der kathol. Preffe dnrch den hl. Bater.

W. Die von den Gegnern ringsum vielangr« feindete katholische Presse, deren dornenvoller, schwie« tiger und aufreibender Beruf oftmals selbst von eigenen Glaubens- und Parteigenossen nicht ge- nügend gewürdigt wird, hat in den jüngsten Tagen von höchster kirchlicher Stelle eine Aner« kennung und Auszeichnung erfahren, welche ül ihrer Bedeutung nicht zu unterschätzen ist. Wir meinen die Verleihung von päpstlichen Ordens- aurzeichnungen an eine Reihe von katholischen Re« dakteuren und Zeitungsverlegern. In Bayern waren k» nach den neuesten Meinungen die Re­dakteure Dr. Binder in München (Historisch­politische Blätter), Dr. I ä g e r in Speyer (Pfälzer Zeitung), A. Haas in Augsburg (»ug«b. Post- Mung), sowie die Verleger Habbel (Regens­burger Morgenblatt) und Huber (Allgäuer Zei­tung), welche sämmtlich mit dem filbernen Jubi- läumskreuz dekorirt wurden. In Württemberg erhielt der Chefredakteur de« .Deutschen Volksbl.', Kaplan K. Kümmel in Stuttgart, in Baden der Redakteur der .Freien Stimme', Stadtpfarrer Dr. Werber in Radolfzell, in Hissen der Verleger Johann Falk III. und der Verleger Jos. Falsk (Mainzer Journal) die gleiche Auszeichnung, da« silberne Kreuz. In Rheinpreußen wurden mit dem filbernen Jubiläumskreuze bedacht die Chef« redakteure Dr. Car da uns (Kölnische Volkszeitg.), Imme len (Scho der Gegenwart), sowie die Ver« leger Hauptmann (Bonn) und Dasbach (Trier). Einige weitere nach Preußen gefallene Auszeichnungen werden wohl noch bekannt werden. Die aufgeführten Auszeichnungen tragen, wie wir vernehmen, sämmtlich das Datum des 30. Dezem­ber 1888. Im Januar d. I. wurde bereits mit- getheilt, daß der hl. Vater unter dem 8. Dezem­ber 1888 dem damaligen Redakteur des »Badischen Beobachters jetzigen Chefredakieur des Münchener Fremdenblatt', Dr. Kausen, das goldene Jubi« läumskreuz verliehen hat. Letzterer gab bekanntlich zum Papfljudlläum eine besondere Festschrift her« aus, welche in 224,000 Exemplaren als Beilage von 87 katholischen Zeitungen Verbreitung fand. Noch eine weitere Auszeichnung, welche die ge» sammle deutsche CentrumSpresse berührt, wird so­eben durch die .Kölnische Volkszeitung' bekannt. Gegen da» Ende de» päpstlichen Jubiläum« wurde

-- •*** Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Psg-, bei Wiederholungen entsprechender

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Novelle von Marga Brechten.

(1. Fortsetzung.)

„Endlich!" flüsterte die junge Frau, wandte da« bleiche, aber sehr schöne Geficht und starrte die Eintretende eine Sekunde lang mit ihren großen, schwarzen Augen an, dann aber stieß ste einen so Hellen, schrillen Schrei au«, daß e« wie der Ton von zerbrochenem Glas durch da« Zimmer hallte, drückte den Kops in die Kissen de« kleinen Bette« und schluchzte, al« ob ihr da«Heiz brechen wollte.

Einen solchen Empfang mochte die alte Frau wohl nicht erwartet haben; fte erschöpfte fich in Ausrufungen und suchte die Weinende zu beruhigen. Das war jedoch vergeblich. Wie wenn der Damm vor der angeschwollenen Fluth plötzlich reißt, und die Wassermaffen mit nicht aufzuhaltender Wucht sich überstürzen, so war in dieser Stunde die letzte Hoffnung in einer Menschenseele geschwunden. E» hatte nur noch einer einzigen Täuschung bedurft, um die lang bekämpften Thränen mit aller Macht ' hervorbrechen lassen. Endlich legte sich auch dieser Sturm. Die junge Frau reichte ihrem Besuche die Hand und sagte schluchzend:

Terrtfches Reich.

Berlin, 29. April.

♦ Der Kaiser ist heute Nachmittag aus Weimar wieder hier eingetroffen. Bei der Abreise von Eisenach wie von Weimar wurden dem Kaiser lebhafte Ovationen bereitet. Morgen er­öffnet der Kaiser die Ausstellung sür Unfallverhütung. Am 5. Mai trifft da« Kaiserpaar zur Taufe in Kiel ein. Vorher rottb sich der Kaiser noch, einer C'nladung de« Grafen Hochberg folgend, zur Jagd nach Wirschkoritz begeben.

* Der Kaiser hat solgende Kabinetsordre erlassen: Auf Ihren Vortrag bestimme Ich, daß

Als bte arme Frau alle diese Herrlichkeiten betrachtete, perlten große Thränen über ihre Wangen. Sie faltete die Hände und sagte mit bebender Stimme:

„Ja, nun weiß ich'«: Wo die'Roth am größten ist Gotte« Hülfe am nächsten."

Muhme Agne« holte nun da« mitgebrachte Holz und bald flackerte eine lustige Flamme empor und warf ihren milden Schein auf die armselige Umgebung. — O, war für eine Wohlthat ist doch ein so kleine« Feuer zur Winterszeit! Ordnet und schmückt ein Zimmer, so lange ihr wollt, er bleibt düster und ungemüthlich, bi» der trauliche Schimmer eine» flackernden Feuer» ihm Wärme und Behagen verleiht.

In dem einzigen Kessel de» kleinen Haushalte» fanden sich mehrere Eisstücke; er wurde an'« Feuer gefetzt und in nicht allzu langer Zeit ver« rteth das wohlbekannte Singen, daß fein Inhalt au» der erstarrten Form gewichen war. Die alte Frau, welche mit so selbstloser Liebe in dem Dachstübchen schaltete, rückte nun einen Schemel -in zum Ofen und reichte dem inzwischen erwachte-l,« Kleinen die erwärmte Milch, dann aber bat fi L892

bekanntlich in einer großen Mappe, die auf da« geschmackvollste in Silber« und Emaille-Arbeit von Hrn. Joseph Osthue« in Münster geschmückt wurde, die sämmtltchen Festnummern der katholischen Blät­ter Deutschland« nach Rom gesendet und Anfang« diese« Jahre« vom Kardinal Melcher« in beson- derer Audienz dem hl. Vater überreicht. Rach dem hierauf bezüglichen Schreiben de« Herrn Kardinal« nahm Papst Leo XIII. von dieser Festgabe „mit freudigem Wohlgefallen Kenntniß und Besitz al« dauerndem Andenken sür seine Bibliothek". Zu­gleich spendete Hochderselbe mit herzlichem Wohl« wollen dem Herrn Kaplan Boeddingbau« (al« Uebermittler der Festgabe) und allen Redakteuren der übersandten 103 Festexemplare katholischer Blätter ben päpstlichen Segen al« Zeichen unb Unterpfanb himmlischer Gnaben unb beauftragte ben unterzeichneten Kardinal, die anfolgende Me­daille (silberne Jubiläums-Medaille) dem Herrn Boeddinghaus zu übersenden".

Daß die Bedeutung aller dieser päpstlichen Aus« zeichnungeu auch auf gegnerischer Seite volle« Ver- ständntß findet, beweist uns eineifeit« da» beharr­liche Todtschweigen, welche« man mit ■ geringen Ausnahmen in der liberalen Presse diesen That- sachen gegenüber beliebt, andererseits aber auch ein nationalliberales Urtheil im .Schwäb. Merkur'. Diesem kulturkämpftrischen Blatte wird nämlich au« Baden wörtlich Folgende» geschrieben: „Die katholische bezw. ultramontane Presse, die bei un» auf der ganzen Linie den Kampf aus'» heftigste ausgenommen hat, um zunächst den geg­nerischen liberalen Blättern, besonder» auf dem Lande den Boden zu untergraben, wodurch bei den in diesem Jahre bevorstehenden Landtagswahlen große Siege errungen werden sollen, hat eine bedeutende Anerkennung und Aufmun- terung gefunden durch die Verleihung des päpstlichen Ehrenzeichen» »pro ec- cleaia et pontifice“ an mehrere Ver­treter derselben „zur Würdigung der Ver­dienste, welche fich die katholische Presse um da» Gelingen der internationalen Feier de» Priester­jubiläum» de» Papste» Leo erworben hat."

Möge die hier von nationalliberaler Seite ehr­lich eingestandene „bedeutende Anerkennung und Aufmunterung" der katholischen Presse durch den hl. Vater in allen katho­lischen Kreisen, von Geistlichen und Laien, beher- zigt und gewürdigt werden! Möge man allent-

„Vcrzeiht, Muhme Agne», daß ich Euch so empfing. Aber seht, ich habe ein so große» Leid erfahren, und al» ich Euch vorhin hereinkommen sah, da war'», al» ob etwa» in mir zerrisse; ich mußte weinen, und wenn ich darüber gestorben wäre."

„Laß nur gut sein, Kind," beschwichtigte diese, „erzähl' mir nachher, wie e» Dir gegangen ist. Ich glaube fast, der liebe Gott hat mich zu rechter Stunde hergeschickt. Gewiß hast Du sonst Nie« tnonben, dem Tu Deine Noth klagen könntest; und wie arm und kalt stehl'» bei Euch au», trotz Deine» feinen Anzuges. Wirst am Enbe kein Holz zum Einheize« haben?"

Lont schüttelte traurig ben Kopf.

„Nun, da hat mir ein guter Geist eingegeben, ein Bündelchen dicke Spähne und ein Säckchen Kohlen zu unterst in meinen Korb zu legen; schau her, was ich Dir Alle» mitgebracht habe!"

Und nun holte die Alle die Schätze ihre» Korbe» hervor und stellte ste vor Loni auf den Tisch. Da waren zunächst ein kleine» Weißbrot», ein Töpfcheu mit Butter und ein Klüglet« Milch; auch etliche Kartoffeln fehlte« nicht nebst einer Düte mit Kaffee unb — zwei Stücke Zücker für bo« Bübchen.