aus dem Unterfuchungr-Arrest entlassen und thut bereits wieder Dienst bei der zweiten Kompagnie des 1. Garde-Regiments.
• Au» Bayern, 26. April. Die katholische Presse in Bayern hat eine sehr undankbare und auch dornenvolle Aufgabe, str soll vorangehen im Kampfe, soll begeistern, dm Feind bekämpfen, dm Rücken herhalten für dessen Schläge und die eigenen Parteigenossen erfüllen nur in den seltensten Fällen ihre Pflicht gegm die katholischen Blätter, ja diese müssen noch froh sein, wmn fie nicht von den eigenen Leuten kritistrt und gehofmeistert werden. Auch in der jetzigen Situation hat die kath. Presse die Hauptarbeit, während gerade die berufenen Vertreter, die Abgeordneten, sich im Hintergrund halten uni bisher einer entschiedenen Aktion geradezu aurgewichen find. Die Liberalen haben in einer Richtung recht, wenn sie über die Katholckm spotten, weil eben die Herren „Patrioten" fich gar nicht rühren und wie er scheint stch zu keiner That aufcaffm köanm. So lange aber dies nicht der Fall ist und die Abgeordneten nicht zusammentreten, um eine katholische Aktion zu inauguriren und eine Protestbewegung in’» Volk zu tragen, find die schönsten Artikel der katholischen Zeitungen fruchtlos, da» Volk ist freilich begeistert und er würde auch etwa» thun, aber e» wartet auf die Führung und die von derselben erthkilte Losung.
Ausland.
• Wien, 25. April. Auf eine Einladung zur Thellnahrne am Wiener Katholikentage antwortete Bischof Stroßmeyer, er bedauere, wegen seine» Alter» und kränklichm Zustande» nicht persönlich erscheinen zu können, werde aber zwei Vertreter nach Wien entsenden. Außerdem spricht er sich weitläufig über drei Hauptfragen au«, die auf dem Katholikentage zur Verhandlung gelangen werden, die Lage de» hl. Stuhle», die Schulfrage, die soziale und wirthschastliche Frage.
* Der Wiener Kutscherstrike darf als beendet angesehen werden. Geringe Ansammlungen, welche Donnerstag Abend in Hernal« sich blldeten, wurden von den Patrouillen rasch zerstreut. Im Uebrigen verlief der Abend sowohl in Hernals wie in Favoriten ruhig. An dm verflossmen vier Krawall-Tagen wurden 460 Personen verhaftet und 206 verwundet, darunter 40 Polizeimänner und 20 Soldaten. Zahlreiche Verletzte, welche sich in Privatpflege befinden, sind hier nicht mit eingerechnet. Die Eigenthumsbeschädigung beziffert sich nach dm bisherigm Erhebungm auf 10,000 si. Der Tramwayverkehr ist am Freitag im alten Umfange wieder ausgenommen.
* In Brüssel gilt es als sicher, daß Bonlanger nicht mehr dorthin zurückkchrt. Es heißt, er werde ein italienisches Seebad aufsuchen, um seine geschwächte Gesundheit wiederherzustellen. Der vom französischen Senat niedergesetzte Untersuchungsausschuß beschloß, bei Boulangerr Freundin, der Herzogin von Uzes, eine Haussuchung vornehmen
bald an jene» Bett trat, immer freundlich, immer ernst. Gott, wie lange dauerte es, bis sie hinaus war! Ich foBte ruhig fein, und mir hämmerten die Schläfen und klopfte das Herz, ich erstickte fast unter den Schmerzen dieser erdrückmdm, zweifeln- dm Ungewißheit. Mein Kopf glühte, da» Hirn wollte mir schier zerspringen, und ich fühlte, wie mir langsam da» Bewußtsein wieder zu schwinden begann. Wie ein Rebel senkte er sich auf meine Sinne, nur dm einen Gedanken, die eine Idee hielt ich noch fest: ich wollte, ich mußte wissen, ob sie noch lebte. Ich schloß die Augen, ich sah und hörte nicht» mehr; er war ein Rauschen, ein Summm, ein Tosen um mich her, und mitten drin hörte ich plötzlich wie au» weiter gerne die Frage: „Schlafen Sie?" Ich riß die Augen auf, dar frmndliche Gesicht der Schwester bmgte sich zu mir herab.
„Nein! — Lebt fie noch?" Einen Augenblick schien fie zu überlegm, ob fie e» wohl sagen sollte, fie mochte ja ahnen, daß er mir nahe ging, dann sagte fie mlld und ernst: „Eme Frau Marie B. wurde vor 14 Tagen zu uns gebracht, fie schien wahnfinnig zu sein und starb am gleichm Tage; fie liegt im Doktorsgartm begrabm."
Wetter hörte ich nicht« mehr, zum zweiten Male ward es Nacht um mich her. — Al« ich dann wieder zu mir kam, warm die Thore Straßburg» längst geöffnet, ichjhatte nicht» davon gehört.
zu lassen. Rochefort hat nunmehr Brüssel gleichfalls verlassen und stch nach London begeben.
• Pari» wird während der Festlichkeiten anläßlich der Eröff mng der Weltausstellung keinen diplomatischen Vertreter des Kontinents in seinen Mauern sehen. Der dmtsche Botschafter hat Paris bereits verlassen. Baron Mohrenheim, der Vertreter Rußlands, hat fich mit feiner Familie nach Cannes begeben. — Die Behauptungen der „Opi- nione" die französtsche Regierung habe dem Vatikan irgend ein Versprechen betreff« der Wiederherstellung der weltlichen Macht des Papstes gemacht, wird in Regierungskreifen für unbegründet erklärt.
♦ Rom, 26. April. Wie die .Opinione' meldet, hätte der Vatikan nach den ersten katholischen Kongressen diplomatische Schritte bei den Kabinetten der Hauptmächte Europas — ausgenommen Deutschland — gelhan, um fie zu bewegen, Etwas zu Gunsten der Wiederherstellung der weltlichen Macht des Papste» zu thun. Alle Mächte hätten sich ablehnend verhalten, nur Frankreich habe Zett verlangt, um eventuell die Frage diplomatisch zur Sprache zu bringen. Als der Vatikan darauf bestanden, daß dies geschehe, hätte Frankreich ange- rathen, dm Mächten da» Vetorecht in den Konklaven zuzugestehen. Der Papst habe indessen die» abgelehnt, da er durch da» Zugeständniß de» Veto Vortheile nicht erlange. Daraus wollte Frankreich dem Papste die Mittel bieten, seine Rechte gegen Italien auf der Grundlage der September-Konvention zur Sprache zu- bringen. Der Papst habe sich aber eine Antwort bi» nach der Berathung mit den Rar bi nMen vorbehalten.
* Der in Madrid versammelte Katholikenkongreß sandle ein Telegramm an den hl. Vater, worin die baldige volle Wiederherstellung de« Patrimoniums Petri erfleht wird.
* In Rottinghan (England) fand eine Landesversammlung der Grubenarbeiter statt, an welcher 300,000 Arbeiter theilnahmen. Man be- rieth über die Antwort der Arbeitgeber, in welcher die geforderte Lohnerhöhung von 10 Prozent ab- gelehnt wird. E» wurde beschlossen, am 29. Juni einen allgemeinen Strike zu inscenirm, wenn bi« zu der gedachten Frist die Forderung der Arbeiter unerfüllt bleibt.______________________________
AuS Stadt, Vroviuz und Nachbargebiet»
Fulda, 27. Sprit.
4- Die geplante Restauration der St. Boni- fatiusgrust hat nunmehr einen bedeutungsvollen Schritt weiter zu ihrer Verwirklichung gethan. Nachdem Herr Baurath Hofmann auf Kosten de« Kultusministerium» zu Berlin die ersten Vorlagen zu dem Werke gefertigt hatte, find in gleichem Auftrag von Herrn Professor Lnthmer zu Frank- furt a. M. 12 Detailzeichnungen zur Vollendung gekommen, welche ein Gefammtbild der beabsichtigten Restauration bieten. Die hervorragendsten Theile derselben find: Die dreigliedrige Glasmalerei
In dem Saale, wo ich war, tagen bunt durcheinander die verwundeten Deutschen und Franzosen, alte und junge. Ich sah die grausamstm, schmerzvollsten Operationen mit an, e« berührte mich nicht; ich sah die schauderhastestm Verstümmelungen, fie ließen mich kalt. Nur für Ein» hatte ich noch Interesse, für die Tobten. — War da» Klagm, da» Stöhnen und Röcheln noch so herzzerreißend, ich beneidete die Verwundeten darum' ich wartete auf den Tod, und er kam nicht. Mein Haar war so weiß geworden, wie e» heute ist, aber mit Entsetzen sah ich, daß ich leben mußte mit dem Tod im Herzen, daß ich genas zu meiner eigenen Qual.
Es ist grausam, wenn uns der Tod erbarmungslos das entreißt, was uns da» Liebste war auf dieser Welt; aber grausamer noch ist e», wenn der Tod uns warten läßt, wenn er herbei ge- 'wünscht, ersehnt, erhofft wird; menn er säet und erntet um uns, und uns allein vergißt! — Ja, wäre die Hoffnung nicht, daß er doch noch einmal lammen muß, wäre der Glaube nicht an ein Wiedersehen, es lohnte stch wahrhaftig nicht, so weiter zu leben!"
Der alte Herr schwieg. Er hatte erzählt, ohne aufzuhören, ohne stch zu unterbrechen, eine tiefe innere Beweguung matte sich in feinen ruhigen Zügen, aber er hatte erzählt wie Einer, der fett
in dem Rundbogenfenster der Gruft, zwei Deckengemälde auf der Wölbung, die Bekleidung der Pilaster mit Marmor, reichere Ornamentik der Statuen und Seitenwände und der mosaikartige Fußbodenbelag, während der marmorne Altar in feiner jetzigen Gestaltung verbleiben und nur durch reichere Vergoldung Auszeichnung erhalten soll. Dazu kommen die mit Granit überkleideten Treppen sammt einem kunstvoll gearbeiteten eisernen Gitterwerk, da« vor dem Altar seinen Abschluß findet. Da e« gewiß nicht Wo« für da« kunstliebende Publikum, sondern für Fulda'« Bewohner überhaupt vonJnter-sse fein wird, sich jetzt schon durch die Detailzrichnungen von dem ersehnten Werke eine genaue Vorstellung zu machen, so sollen diese Zeichnungen künftigen Dienstag (den 30. d. M.) und Mittwoch (d. 1. Mti) Vormittag« von 10—12, und Nachmittag« von 2—4 Uhr in der Bonifatiurgrust gegen ein in das Belieben der Besucher gestelltes, dem Werke dienendes Enträgeld znr Ausfiellnng kommen. Wir laden daher zu zahlreichem Besuche diese» kleinen Stücke» Kunstausstellung um so mehr ein, al» wir nichts unterlassen dürfen, was ein warme« lebendiges Interesse für das von taufend Rückstchten der Pietät und der Ehre geforderte Unternehmen zu wecken beiträgt. Können wir uns doch nicht ver- hehlen, daß an die Opferwilligkeit und Begeisterung wie des gefammten Deutschland» so insbesondere der Diözese Fulva nicht geringe Anforderungen gestellt werden müssen.
* Recht befriedigend, wenigstens hier in der Stadt Fulda, ist die von dem .Bonifatiurbote' in Vorschlag gebrachte und von Seiner Gnaden dem Hochwürdigsten Herrn Bischof warm empfohlene Sammlung eine» Fastenalmosens für Komm uni- kantenavstalten in der Diaspora, d. i. für arme Kinder, die unter Protestanten in der Zerstreuung wohnend, stets protestantische Schulen besuchen und dann, well es ihnen an Mitteln fehlt, um an einem katholischen Pfarrort eine katholische Schule besuchen und auf ihre erste hl. Kommunion fich vorbereiten zu können, nur zu leicht der katholischen Kirche für immer verloren gehen. Hier in Fulda find eingegangen rund 500 Mk. Nämlich über 300 Mk. im Dom, 133 Mk. in der Stadt- Pfarrkirche und 35 Mk. in der Spttalskirche. Vom Lande find einige kleine Posten direkt an die Expedition de» ,83. B.' befördert worden, wie z. B. au» der Pfarrei Schwarzbach 9 Mk. Wie früher bemerkt, ist die Redaktion de» ,83onifatiu»bote‘ gern bereit, da» Ergebniß der Sammlung der einzelnen Pfarreien der Diözese, sobald e» ihr zur Kennt- niß gebracht wird, im ,83. 83.' zu verzeichnen. Wenn die Gaben in der ganzen Diözese verhält- nißmäßig ebenso reichlich gefloßen sind wie hier in Fulda, würde das Gesammtergebniß gewiß mehrere Tausend Mark ausmachen.
• Wer fich vor Strafe schützen will, möge nicht vergessen, seine jetzt neu eintretenden Lehrlinge, Arbeitsmätzchen rc. bei der Ortskrankenkasse anzumelden.
Langem abgeschlossen hat mit der Welt und mit fich selbst.
Still, wie er gekommen, ging er wieder an feinen Platz zurück, Niemand wußte ihm etwa» zu sagen, und einige Augenblicke später flog seine Feder wieder rastlo» über da» Papier, und die Zahlen und Rechnungen entstanden, al» sei nicht» vorgefallen. Auch wir schlichen an unsere Plätze zurück. Wie kleinlaut waren fie alle geworden, die vorlauten, kriegslustigen Schwätzer von vorhin; nur zuweilen schielten sie zu dem alten Herrn hinüber, der gar so ruhig und still an seinem Schreibtisch saß, und dessen Schweigsamkeit uns nun kein Räthsel mehr war.
Wie lange und schwer mußte er wohl mit fich gerungen haben, der arme gebrochene Mann, bi» e» ihm möglich gewesen, weiter zu leben in einem freudelosen Dasein, weiter zu arbeiten um’» tägliche Leben, da» ihm zur Qual geworden war!
Kaum 4 Wochen später versammelte ein einfache» Grab unfern kleinen Kreis draußen auf dem Kirchhofe. Der fülle Mann, der jetzt da brunten ruhte, hatte doch wohl nicht geahnt, al» er un» feine herzergreifende Geschichte erzählt, daß er nun schon so bald erlöst »erben sollte, daß der Tob enblich gekommen war, ihn heim zu holen unb zu vereinigen mit Denen, bie wohl auch auf ihn gewartet hatten seit 17 Jahren, seit anno 1870.