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dem Nationalwohlstand eine unheilbare Wunde schlagen. Wenn der Staat seine Hand auf die Fonds gelegt hat, so sind diese dahin, aber die Lasten bleiben, welche der Staat zu tragen hat, der ewig geldbedürftig bald außer Stand sein wird, seine Verflichtungen zu erfüllen. Die Ver­waltung des Kirchengutes wird stets mit einem Defizit arbeiten. Bei der Propaganda hat der Staat allerdings einige Millionen Einnahmen erzielt, aber er hat mehr Papierrente ausgegeben al» er in Baar vereinahmte. Dabei ist zu berück- sichtigen, daß die bei der Propaganda in Frage gekommenen Ziffern, obwohl sie sich in Millionen bewegen, doch nicht so großartig waren, um einen recht bedeutenden Rückschlag auf den Gesammt- Grundwerth auszuüben.

Das wird bei den „frommen Werken" anders sein. Man wirft nicht ohne Weiteres 1700 Mil­lionen Werth auf den Markt, ohne daß nicht sie einen rapiden Preise ückgang erfahren. Die Rück­wirkung ist eine empfindliche Schmälerung der Summen, welche der Staat verwenden kann, um seinen Pflichten gegen die Stiftungen nachzukom­men, er wird nicht im Stande sein, die Leistungen für dieselben im vollen Umfange gewähren zu können. Ec wird gezwungen sein, die Armen, Wittwen, Waisen und Gebrechlichen in ihrem Al­mosen zu verkürzen. Das ist die Sozialpoli­tik de» Herrn Crispi.

Da» Gebahren der italienischen Verwaltung er­innert an die Finanzmanöver eines ungerathenen Sohne« und Erben einer reichen Familie. Dieser nimmt Geld zu jedem Preise. Man kann getrost behaupten, daß Crispi für da» Geld, welche» er durch die gigantische Expropriation der „frommen Werke" verdienen will, 30 bis 35 Prozente be­zahlt. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß der Plan Crispi's von der Kammer gutgeheißen wird. Er hat schon jetzt genug geschadet, er hat die Ge- müther der Katholiken in Unruhe und Aufregung versetzt, der heilige Vater hat bereits vor aller Welt gegen den unerhörten Gewaltakt protestirt. Crispi'« Politik ist rücksichtslos, er wird jedem Widerspruche trotzen. Nur seine Entfernnng vom Ministerium kann dem armen Italien Rettung bringen.

Deutsches Reich.

Berlin, 25. April.

* Binnen Kurzem tritt in Berlin die Samoa- konferenz zusammen. Dieselbe wird im aur- wärtigen Amte tagen und ihre Arbeiten in acht bis 14 Tagen beenden. Da deutscherseits die vertragsmäßigen Rechte der übrigen beiden Mächte in Samoa rückhaltlos anerkannt werden, so ist eine friedliche Bellegung der entstandenen Diffe­renzen mtt Sicherheit zu erwarten.

* Der Schluß de« Landtag« soll bereit« am 30. Aprll, an dem Tage, an welchem da« Abgeordnetenhaus seine Arbesten wieder aufnimmt, erfolgen. E» ist eine erneute Umarbeitung de« Steuergesetze« im Staatsmintsterium unüberwind­lichen Schwierigkeiten begegnet. Die« hatte zur Folge, daß man sich für den unmittelbaren Schluß der Landtagssession entschieden und die Lösung der unerledigten wichttgen Fragen (Sperrgelder-Ver- Wendung und Steuerreform) der nächsten Session vorbehalten hat.

Der Mann beugte sich zu mir herab und hielt mir eine Pistole hin. „Ich weiß nicht, ob er wahr ist, was Sie da sagen," antwortete er rauh, „aber ich will Ihnen glauben, obwohl Ihr ge­striger Angriff etwa» ganz Andere» voraussetzen ließ. Wäre ich nicht hinzugekommen, Sie hätten gestern meinen Herrn erdroffelt, und er hatte Ihnen doch nichts zu Leide gethan. Danken Sie es der bösen Zeit, in der wir leben, und dem guten Willen de« Dottor«, daß Sie nochmals frei kom­men. Aber paffen Sie auf, die Waffe hier ist scharfgeladen; machen Sie eine einzige verdächttge Bewegung, dann schieße ich Sie nieder wie einen tollen Hund."

Mit der einen Hand hielt er mir die Waffe hin, mit der andern durchschnitt er die Bande, die meine Hände feffelten, mir e» dann selbst über- laffend, die Stricke an meinen Füßen zu lösen. Ich stand auf taumelte und sank wieder zurück; ich versuchte es zwei, dreimal, endlich gelang e« mit, mich auf die Füße zu stellen, und ich schwankte

* Die Kommission de« Herrenhauses für Vor- berathung des Polizeikostengesetze« tritt morgen zusammen.

* Der Tag der Ankunft des König« von Ita­lien in Berlin ist definittv aus den 21. Mai festgesetzt.

• Graf Hartenau (Prinz Alk xander von B a t t e n- berg), der augenblicklich in Graz seinen Wohn­sitz hat, soll dem dortigen Korpskommandanten Baron Schönfeld ersucht haben, ihn auf seinen nächsten Jnip-zirungsreisen begleiten zu dürfen. Man folgert daraus, daß der Graf im Herbst als Oberst in die österreichische Armee eintreten wird.

Ausland

* Rom, 24. April. Der hl. Vater hat aus Anlaß des heiligen Osterfestes an die Armen der Stadt Rom die Summe von 42,000 Lire ver- theilen laffsn.

* Petersburg, 24. April. Die Polizei hat angeblich entdeckt, daß für Ostern ein ähnliches Attentat geplant war, wie jene«, welches am 25. März 1887 vereitelt war. Man wollte den Zaren mit vergifteten Sprengbomben um» bringen. Ende voriger Woche ward in der P.'scheu Apotheke auf Wasili Ostrom von einem ungemein sicher auftretenden Jndividiuum eine ver- hältnißmäßig bedeutende Menge Blausäure cuf ein ganz korrekt ausgestellte« ärztliches Rezept ge­kauft. Das Rezept jedoch erwies sich nachträglich als gefälscht. Die Polizei recherchirte daraufhin sofort in sämmtlichen Apotheken nach ähnlichen Giftkäufen und fahndete eifrigst auf den Käufer; ob mit Erfolg ist noch unbekannt. E» heißt je­doch, anderswo sei kein Gift auf solches gefälschte Attest gekauft worden.

* London, 25. April. Boulanger wiederholte heute mehreren Journalisten, er habe sich dem Staatsgerichtshof nicht stellen wollen, da derselbe aus feinen offenkundigen Feinden bestehe; wenn seine Suche dem Appellationrgerichtshof oder Schwurgericht übergeben würde, würde er schon mit dem nächsten Zuge nach Frankreich zurück­kehren ; ein neues Manifest werde er nicht jetzt, sondern wenn er die Zeit dafür gekommen erachte, erlaffen.

* Der finanzielle Zusammensturz des P a n a m a- Uuternehmens hat zwar die Aussichten auf da« Zustandekommen de« Kanal« vermindert; e« würde aber voreilig fein, in Folge der augen­blicklichen Krisis die Hoffnung auf die Vollendung dieser neuen Weltstraße ganz aufzugeben, nachdem der Suezkanal fettiggestellt worden ist, obwohl auch diese« Unternehmen zuerst bar.kerott geworden war. Bereit» ist ein Drittel der Panamakanal- Arbeiten vollendet, die Ausführung der beiden andern Drittel durch die Anwendung de« E>ffel'- schen Schleusen-Shstem« erleichtert und beschleunigt. Bekannttich beträgt die Kanallänge von Colon bi« Panama 74 Kilometer, und die Kanalbreite auf der Sohle 22, auf dem Wasserspiegel 44 Meter. Nun find von Colon au« auf die Länge von 26,5 Kilometer von 25 Millionen Kubikmeter au«zuschachtender Erde 19 Millionen Kubikmeter, auf Kilometer 26,5 bi» 44 von 24 Millionen Kubikmeter 5»/2 Millionen, auf Kilometer 44 bi» 53,6 von 46 Millionen Kubikmeter 8 Millionen, auf Kilometer 53,6 bi« 57 von 27 Millionen Kubikmeter 4 Millionen und auf Kilometer 57

hinaus. Seit mehr denn 40 Stunden hatte ich keinen Biffeu mehr über die Lippen gebracht, nur der Gedanke an meine Frau, mein Kind hielt mich noch aufrecht, sonst hätte ich den Weg nicht zurück­zulegen vermocht, denn meine Kräfte waren erschöpft.

Aber ich war noch nicht zu Ende mit meiner Qual. Al» ich da» Hau», die Straße erreicht, wo ich Tag« zuvor die Meinen zurückgelaffen, trat mir wieder jener Mann entgegen, jener Todten- gräber, und wie damals hielt er einen kleinen gelben Sarg im Arme. Wieder sah ich den grau­samen Zug in seinem Gesichte, ja daffelbe gttnste mich an wie in namenlosem Hohne, mich durch­juckte ein verzweifelter Gedanke, und wie damals )ie junge Mutter, stürzte ich mich auf ihn, entriß hm den Sarg und eilte mit ihm in'» Haus, in’« Zimmer — es war leer. Ich riß den kaum ge- chloffenen Sargdeckel auf, da lag mein Kind vor nir, bleich und still, den kleinen Mund geschloffen Ür immer, und über der Leiche meines Kinde« brach ich zusammen. — (Schluß folgt.)

bis 74 von 14 Millionen Kubikmeter 8 Millionen Erde auSgifchachtet. Wie diese Zahlen zeigen, sind zwischen Kilometer 44 und 57 die größten Schwierigkeiten zu überwinden; es handelt sich um die Durchstechung eines felsigen Höhenzuges, welcher der Kunst des Ingenieurs die manch- faltigsten Hinderniffe entgegensetzt. Durch die vorläufige Anlage de« Kanal« als Schleusenkanal ist die Ausschachtung von 65 Millionen Kubik- meter Erde erspart. Zar Herstellung der für die Einsetzung der Schleusen erforderlichen Vertiefungen waren Menschen, Eisenbahnen und Dampskrahnen zu vereinter Thätigkeit verbunden.

* Die Königin von Madagaskar soll die Sklaverei auf ihrer Insel abgeschafft haben. Man führt diese Aktion aus französische Einflüffe zurück.

Aus Stadt- Vrovirez uud Nachbargebiet.,

Fulda, 26. April.

* Der schon seit November vorigen Jahres schwebende Prozeß des Landraths Krekel er von Gersfeld gegen die .Fuldaer Zeitung' scheint auf erklärliche — Schwiettgkeiten zu stoßen, da der­selbe trotz des Drängens der Kgl. Regierung zu Caffel eine gar so auffällige Verzögerung erleidet. Nun liegen sogar die Ostettage bereits hinter uns, und trotz des späten Ostertermins sind wir noch immer nicht in der Lage, die Spannung unserer Leser durch Mitthellungen über den Prozeß Kre- feier befriedigen zu können. Nach den uns von zuverlässiger Seite gewordenen Informationen ist sogar die Annahme nicht unbegründet, daß der Prozeß gar nicht zum Austrag gebracht und Herr Landrath Krekeler noch im Laufe dieses Jahres versetzt werden wird. Ein Termin zur Eröffnung de» Hauptverfahren» ist bi» zur Stunde noch nicht anberaurnt worden. Die Prozeßakte beschränkten sich bi» jetzt auf die üblichen Vorvernehmungen der beklagten sowie der al« Zeugen benannten Per­sonen und ferner auf die von der Kgl. Staats­anwaltschaft entworfenen Anklageschttften nebst deren Beantwortung. Die in Zwischenräumen von meh- teren Wochen an uns gelangten drei Anklage­schriften enthalten im Ganzen folgende vier An­klagepunkte: 1) einen Artikel au« Nr. 224 der .Fuld. Ztg.' vom 28. Sept. vor. Ihr«., wonach Landrath Krekeler den Vorsteher Baier von Ried in ungehöriger Weise für die letzte Landtagswahl beeinflußt haben soll. 2) einen Artikel au« Nr. 242 der ,Fuld. Ztg.' vom 19. Oktober vor. I«., worin gesagt war, daß Landrath Krekeler neun katholische Vorsteher de« Kreise« Gersfeld zu einer Versammlung berufen und dieselben unter Drohun­gen Überredet habe, in landräthlichem Sinne zu wählen. 3) eine in Nr. 266 der ,Fuld. Ztg.' vom 17. November v. I. veröffentlichte Erwide­rung des von Krekeler im .Gersfelder Kreisbl.' angegriffenen früheren Amtsgehilfen August Bar- thelmes (jetzt Bureau-Assistent in Rüdesheim), worin beleidigende Ausdrücke enthalten fein sollen. 4) die in der eben erwähnten Erwiderung enthal­tene Behauptung, daß Krekeler die s. Z. von den Amtsgehilfen erhobenen Strafgelder bet der Gers­felder Sparkasse für sich b.b. auf seinen Namen verzinslich angelegt habe. Obgleich auch die un­seren Lesern rühmlichst bekannte „Kirmergeschichte" bei den Vorvernehmungen zur Sprache gebracht wurde, ist dieselbe dennoch nicht zum Gegenstände der Anklage gemacht worden, es sei denn, daß dieselbe in einer weiteren vierten Anklageschrift wieder zum Vorschein käme. Auch ist beispiels­weise der bekannte, an Herrn Dechant Hohmann in Batten gerichtete Brief des Landraths Krekeler uns gegenüber von Seiten der Staatsanwaltschaft mtt keiner Silbe erwähnt worden, so daß in Be­treff dieser Sache bereits die Verjährung vorliegt. Man hat also jeden Versuch aufgegeben, an der Aechtheit jenes Bttefe« zu rütteln. Die genaue Uebereinstimmung des publizitten Wortlaut« mit )em Original war, wie unsere Leser wiffen, no­tariell beglaubigt. In diesem Bttefe sagte Kre­keler u. A.: „Merke ich irgendwelche Opposition«- gelüste, so bilde ich au« den Evangelischen im Äreietage, welche überwiegen, eine geschloffene Phalanx, und bann wird mit Erbitterung und, wie nicht ausbleiben kann, ohne Rücksicht auf Recht und G er e ch t i g k e i t wie in jedem Kampfe gekämpft. Ich hoffe, daß wir nicht so weit gebracht werden. Auch bedarf